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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.5.1990 plaudert Angela Bowie über ein Techtelmechtel.

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Foto: Denis O'Regan/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.5.1990.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

„Dancing in the sheets“: Am 04. Mai 1990 lädt man David Bowies Ex-Frau Angela zur Talkrunde ins amerikanische TV. Gutes Timing, denn da läuft gerade eine Vertraulichkeitsvereinbarung zwischen ihr und dem androgynen Rock-Gott aus, den sie einst Ehemann nannte. Und angeblich gab es zwischen Bowie und Mick Jagger weit mehr als Songwriting-Sessions…

Hört euch hier Dancing In The Street an, das Bowie und Jagger 1985 zusammen aufnahmen: 

Es gibt sicher mehrere Faktoren, die Angela Bowie Anfang Mai 1990 dazu bewegen, in der Talkshow von Joan Rivers auszupacken. Nehmen wir auf der einen Seite die Gastgeberin, die aus dem öffentlichen Rummäkeln an anderen eine Karriere machte. Auf der anderen Seite steht „Shock Jock“ Howard Stern, den man vermutlich nicht wegen seiner zurückhaltenden Art einlädt. Am schwersten wiegt aber wohl die Tatsache, dass ziemlich genau einen Monat vor dem TV-Termin eine Vertraulichkeitsvereinbarung ausläuft, die die Amerikanerin 1980 im Verlauf der Scheidung von David Bowie unterschrieben hatte. 

Zufall oder gutes Timing?

Die Klausel wählte man zum Zeitpunkt der Trennung wohl mit Bedacht: Zwar betrachteten die Eheleute ihre Heirat mehr als Zweckgemeinschaft, und Angela betont bis heute freimütig, dass sie „gern geteilt“ habe und die offene Beziehung eine Entscheidung auf Augenhöhe darstellte. Aber in zehn Jahren Ehe mit Bowie bekommt man sicher die ein oder andere Geschichte mit, die in den konservativen Achtzigern noch Karrieren beenden konnte. 

Klar redet Bowie schon 1976 im Playboy über seine Bisexualität, gibt aber im gleichen Zuge zu, sie durchaus einsetzen zu können und die Medien zu manipulieren. Als „offen gelebt“ kann man das nicht bezeichnen. Und wie wohl die Öffentlichkeit auf konkrete Beweise reagiert hätte? Hollywood beispielsweise sah sich lange gezwungen, seine nicht der Heterosexualität geneigten Sternchen in Scheinehen zu parken. 

Ohne Rücksicht auf Verluste

Aber Angie juckt das wenig, und sie wittert 1990 mediale Aufmerksamkeit. So lässt sich das frühere Model nach einer Dekade Schweigen mit wenig Nachbohren seitens Howard Stern ziemlich leicht überzeugen, aus dem Nähkästchen zu plaudern: „Ich habe ihn mehrfach mit Männern im Bett erwischt. Das beeindruckendste Mal war wohl mit Mick Jagger. Ich glaube, da komponierten sie Angie.“ Stern muss es natürlich ganz genau wissen: „Sie waren nackt?“, fragt der Radiomoderator nach. „Aber ganz bestimmt waren sie das“, bekräftigt Angela und zieht damit auch Jagger rein.

 

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On the set of Performance movie #Turner

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Man spekulierte in der Vergangenheit wild über den Rolling-Stones-Sänger, der die „Counterculture“ mit seiner androgynen, unangepassten Bühnenshow völlig zum Rasen brachte. Pete Townshend zumindest hatte es erwischt: „Ich bin wahrscheinlich bisexuell und der einzige Mann, mit dem ich jemals ernsthaft schlafen wollte, ist Mick Jagger.“ Ein formales Coming-out gibt’s vom Stones-Fronter allerdings nicht. 

Bowie ft. Jagger

Aus heutiger Sicht fesselt uns natürlich höchstens, dass da zwei absolute Megastars ein bisschen „Dancing in the sheets“ betrieben haben sollen. Ob es dabei nun um zwei Männer oder zwei Lachsforellen geht, interessiert nicht wirklich. In den Neunzigern birgt die Meldung leider noch einiges an Skandalpotenzial, gerade im Rock-Bereich bildet ein öffentliches Bekenntnis zur Homosexualität die absolute Ausnahme (Beweisstück A: Rob Halford). So sehen sich beide Männer zu Dementi gezwungen. 

„Völliger Quatsch“ und „totale Märchen“ heißt es da, und kurze Zeit später vermeldet auch Angie selbst: „Ich habe ja niemanden in flagranti erwischt. Alles, was ich gesehen habe, waren zwei nackte Männer im Bett.“ In einer späteren Autobiografie nutzt sie die Geschichte dann doch wieder. David kommentiert das ziemlich final: „So vor 15 oder 16 Jahren hatte ich eigentlich genug davon, den Leuten zu erklären, was ich Anfang der Siebziger mit meinem Penis gemacht habe.“

Angie will Keith Richards ja übrigens allein geschrieben haben, und eben nicht über Frau Bowie. Wer sich eine kreative Aufarbeitung der Geschichte zu Gemüte führen möchte, kann das übrigens mit Creepshow von Skid Row tun. Der Song seziert treffend den wahren Skandal: Nämlich den, dass sich da jemand im Fernsehen auf Kosten anderer mit alten Kamellen profiliert.

Zeitsprung: Am 8.2.1980 lassen sich Angie und David Bowie scheiden.

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