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Popkultur

Review: Billy F Gibbons’ neues Soloalbum „Hardware“ ist ein berauschender Trip

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Billy F Gibbons
Foto: Roger Kisby

Ist das jetzt der zweite Frühling oder schon der dritte? Für seinen dritten Alleingang Hardware hat sich ZZ-Top-Chefbart Billy F Gibbons der unendlichen Weisheit der Wüste anvertraut, hat sich zwischen den Dünen verloren und wiedergefunden. Das Album erzählt davon – mit packendem, durstigem, brummendem Blues Rock.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Hardware hören:

Das Beste hebt sich Billy F Gibbons bis ganz zum Schluss auf: Letzter Song von Hardware und uneingeschränktes Highlight ist das große Abschlussmonument Desert High, ein Manifest an die Wüste. Die Spoken-Word-Nummer berauscht mit halluzinogener Wüstenstimmung, psychedelischen Gitarren und hypnotischem Beat und klingt ein wenig, als hätte sich Leonard Cohen mit Hunter S. Thompson zum gemeinsamen Erleuchtungstrip in der Wüste getroffen, um munter an Kakteen zu lecken.

Die Wüste hat Billy F Gibbons verschluckt und verändert wieder ausgespuckt, das wird auf Hardware generell deutlich. Natürlich kann der ZZ-Top-Gründer nicht leugnen, wer er ist oder wo er herkommt. Er tritt auf seinem dritten Soloalbum aber so ideenreich, inspiriert und augenzwinkernd auf, wie man das nach über 50 Karrierejahren nicht unbedingt erwarten kann. Aufgenommen binnen dreier entrückter Monate im majestätischen Joshua-Tree-Nationalpark einige Autostunden östlich von Los Angeles, liest sich Hardware wie eine vollkommen neue Vermessung des Gibbons’schen Spiels. Sicher, das hier ist in seinen Grundzügen noch immer schweißgebadeter, trockener Blues Rock, der föhnt wie ein heißer Wüstenwind; mehr denn je verschiebt der gebürtige Texaner die Gemarkungen seines Sounds in alle Himmelsrichtungen.


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In einem Wort: cool

Im Opener My Lucky Card braten Fuzz-Gitarren durch glühende Verstärker, auf denen man Eier braten kann, angetrieben von Matt Sorums wuchtigem, massivem Schlagzeugspiel. Der Ex-Gunner und Gibbons spielen schon eine Weile zusammen, dritter im Bunde ist der Gitarrist Austin Hanks. Der akzentuiert das Spiel seines Bandleaders auf furiose Weise, lässt Gibbons und seiner 1959er Gibson Les Paul aber natürlich genügend Raum zum Angeben. Bei She’s On Fire gibt’s klassischen Rock’n’Roll, Gibbons-Style, More-More-More erinnert an Rob Zombies Industrial Rock, während der lakonische Vagabond Man mit flirrender Orgel und Springsteen-Flair in die Weite Amerikas entführt. Und dass sich eine Legende wie Wüsten-Gandalf Gibbons für Stackin’ Bones Hilfe bei den Roots-Rock-Schwestern von Larkin Poe holt, kann man als Ritterschlag des Bartmeisters und Schulterschluss zwischen Musikergenerationen sehen. Müsste er gar nicht machen und ist gerade deswegen so cool.

Das ist eh das Stichwort für Hardware: Cool ist das alles, mächtig cool, lässig und furios, luftig und dröhnend aufgenommen. Auf die Spitze getrieben wird all die Chuzpe von West Coast Junkie, eine flotte Blues-Nummer mit Westerngitarren und Benzin im Blut, die die ultimative Titelmelodie einer Sitcom über Billy F Gibbons wäre. Strikt biografisch ist sie auch: Gibbons ist eben wirklich der west coast junkie from a Texas town, wie er singt, lebt heute zwischen Los Angeles und Houston. Man bekommt den Texaner vielleicht aus Texas; aber nicht Texas aus dem Texaner.

Vom Finden und Verlieren

Aber genau das macht Hardware ja gerade so sympathisch: Nach 50 Millionen verkauften ZZ-Top-Platten und dem erfolgreichen Absolvieren seines 70. Lebensjahrs könnte sich Gibbons längst zur Ruhe setzen und seine Oldtimer-Sammlung polieren. Doch er ist immer noch hungrig, jagt immer noch den guten Songs hinterher, will immer noch spielen, spielen, spielen, den Geheimnissen der Musik auf den Grund gehen. Es stimmt eben doch, was Maynard James Keenan gesagt hat: In der Wüste kann man sich finden und verlieren. Wenn man sich traut. Billy F Gibbons hat es getan. Und wurde mit einem der besten Werke seiner langen Karriere belohnt.

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Interview mit Billy F Gibbons: „Mir schwebte ein Manifest für die Wüste vor“

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