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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.11.1949 kommt Bonnie Raitt zur Welt

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Bonnie Raitt
Foto: Luciano Viti/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.11.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Platinschallplatten im zweistelligen Bereich, zehn Grammy-Awards und eine Stimme zum Niederknien: Bluesmusikerin Bonnie Raitt kann auf eine Karriere der Superlative zurückblicken. Danach sah es allerdings nicht immer aus. Erst 18 Jahre nach ihrem Debüt schafft die versierte Gitarristin den großen Sprung an die Spitze. Werfen wir zu ihrem Geburtstag einen Blick auf ihre Geschichte.

Hier könnt ihr euch einige der bekanntesten Songs von Bonnie Raitt anhören:

Zur Welt kommt Bonnie Lynn Raitt am 8. November 1949 im kalifornischen Burbank, wächst anschließend aber in New York auf. Ihr Vater John verdient seinen Unterhalt als Broadway-Star, Mutter Marjorie arbeitet als Pianistin. Kein Wunder also, dass auch die kleine Bonnie ihre musikalische Seite früh entdeckt und auf der Gitarre herumklimpert. Sie übt jahrelang fleißig, bis sie während ihrer Zeit auf dem College den Blues-Promoter Dick Waterman kennenlernt. Gemeinsam mit ihm und einigen Musikern zieht es Raitt im zweiten Studienjahr nach Philadelphia. Von da an nehmen die Dinge (vorerst) ihren Lauf.

Sie spielt in der Umgebung erste größere Auftritte, und schon bald werden Vertreter von renommierten Plattenfirmen auf die junge Musikerin aufmerksam. Kurze Zeit später tütet Bonnie Raitt ihren ersten Vertrag mit Warner Bros. ein, bereits 1971 erscheint ihr gleichnamiges Debüt. Die Presse überschlägt sich mit Lob und hebt insbesondere Raitts Fähigkeiten an der Slide-Gitarre hervor. Zu jener Zeit handelt es sich dabei nicht um Alltäglichkeiten, denn erfolgreiche weibliche Gitarristinnen gibt es kaum. Trotz der positiven Resonanz aus der Presse halten sich die kommerziellen Erfolge zunächst in Grenzen.

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Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte

Mit ihren folgenden Alben Takin’ My Time (1973), Streetlights (1974) und Home Plate (1975) macht Raitt große Schritt nach vorne, bevor ihr mit Sweet Forgiveness (1977) der erste kleine Durchbruch gelingt. Das liegt vor allem an ihrer Interpretation des Songs Runaway von Del Shannon, der als Single erscheint. Für Raitt hat der Erfolg Konsequenzen. Die beiden großen Plattenfirmen Warner Bros. und Columbia Records führen zu jener Zeit Krieg und werben im Wechsel um die junge Künstlerin. Den Zuschlag erhalten später die Warner-Vertreter, weil sie mit dem Columbia-Angebot gleichziehen. „Das war ein echt guter Vertrag“, lässt Raitt später in einem Interview durchblicken.

Anschließend geht es zunächst wieder bergab. The Glow (1979) und Green Light (1982) verkaufen sich schlecht, auch die Presse möchte nicht mehr viel von Raitt wissen. Die Beziehung zur Plattenfirma leidet, Raitt flüchtet sich zunehmend in Alkohol und Drogen. Im Jahr 1983 hat sie gerade ihr neuestes Album Tongue And Groove fertig, als Warner sie vor die Tür setzt. Die fertigen Bänder landen jahrelang im Regal. Erst 1986 erscheinen sie unter dem Titel Nine Lives.

Der Durchbruch

1987 kommt Raitt langsam wieder in die Spur. Sie nimmt an Roy Orbisons Fernseh-Special Roy Orbison And Friends, A Black And White Night teil. Ihren Alkohol- und Drogenkonsum hat sie inzwischen im Griff. Kurze Zeit später singt sie für das Disney-Tributalbum Stay Awake eine neue Version des Dumbo-Schlafliedes Baby Mine ein. Durch die Zusammenarbeit mit Produzent Hal Wilner lernt Raitt ihren zukünftigen Produzenten Don Was kennen. Die beiden verstehen sich gut, also fragt Raitt ihn, ob er nicht an ihrer nächste Platte arbeiten möchte. Und so geschieht es dann auch.

Mit ihrem ersten „nüchternen Album“, wie sie selbst sagt, gelingt Raitt 1989 der ganz große Durchbruch. Nick Of Time klettert an die Spitze der Charts, kassiert mehrfaches Platin und beschert der Künstlerin gleich drei Grammys. Mit Luck Of Draw (1991) setzt sie noch einen drauf, erreicht siebenfaches Platin und gewinnt vier weitere Grammys. Im gleichen Jahr heiratet sie den Schauspieler Michael O’Keefe, 1999 wird die Ehe wieder geschieden. Mit ihrem dritten Erfolgsalbum Longing In Their Hearts (1994) schafft die Musikerin abermals den Sprung auf die Pole Position der Charts, kassiert erneut zwei Grammys und verkauft so viele Platten, dass es für zweifaches Platin reicht.

Eine Könnerin

Anschließend wird es ein wenig ruhiger um die Grand Dame des Blues, doch in der Versenkung verschwindet sie nicht. Mit Fundamental (1998), Silver Lining (2002), Souls Alike (2005), Slipstream (2012) und Dig In Deep (2016) gelingen Raitt weitere Erfolgsplatten. Unvergessen bleibt auch ihr Duett mit Alicia Keys zu Ehren von Etta James bei den 54. Grammy Awards. Über ihre musikalischen Aktivitäten hinaus, engagiert sie sich jahrzehntelang auch politisch, ob gegen Atomkraft, gegen George W. Bush oder für die Organisation Little Kids Rock, die Kinder mit kostenlosen Musikinstrumenten und Übungsstunden versorgt.

Inzwischen ist klar: Wer Blues hört, der kennt auch Bonnie Raitt. Nach Jahren des Kampfes, des Abwartens und persönlicher Probleme gelang ihr schlussendlich der ganz große Wurf, und das mehrfach. Sie gehört zu den Meisterinnen der Slide-Gitarre, zu den besten Sängerinnen ihres Genres und zu den talentiertesten Musikerinnen des Planeten. Heute feiert sie Geburtstag und wir sagen: Happy Birthday!

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