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Popkultur

Trash, Roboter und Gewalt: Der Skandal rund ums “Appetite For Destruction”-Cover

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Mitte der Achtziger bedeuteten Guns N‘Roses vor allem eines: Ärger. Das machten sie am 21. Juli 1987 bei der Veröffentlichung ihres Debüts Appetite For Destruction schon mit dem kontroversen und provokanten Albumcover deutlich.

von Björn Springorum

Man kann Rock nicht ohne Schock buchstabieren. Auf dem Papier vielleicht schon, aber das hat nichts zu heißen. In den Achtzigern, in der Zeit von Glam, von Hard Rock und Heavy Metal, ist diese Musik aufsässig, provokant, gefährlich, schockierend. Und allein deswegen natürlich extrem anziehend. Kaum eine Band steht in dieser Zeit mehr für diese Attitüde, diesen Lifestyle, als Guns N‘Roses. Als die am 21. Juli 1987 ihr Debüt Appetite For Destruction veröffentlichen, hatten sie sich längst einen Namen als explosive Band vom Sunset Strip gemacht. Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll –  Axl Rose, Duff McKagan, Slash, Steven Adler und Izzy Stradlin machten sich diese Worte zum Mantra.

Hört hier die Platte während ihr weiter lest:

Sie wollten auffallen. Schocken. Um jeden Preis. Also durfte es neben den expliziten Texten, der exhibitionistischen Bühnenshow und dem exzessiven Lebensstil natürlich auch kein „normales“ Cover für das bis heute bestverkaufte Debütalbum aller Zeiten sein. Et voila: Das Bild, das auf einem Werk des Underground-Künstlers Robert Williams basiert, zeigt einen sexuell übergriffig gewordenen Roboter im Trenchcoat, sein weibliches Opfer und irgendein außerirdisches Biest aus rotem Metall, das sich den Vergewaltiger jeden Moment vorknöpft. Total geschmacklos.

Glaubt man dem Urheber des 1978 entstandenen Werkes, Robert Williams, dann entdeckte Axl Rose das Motiv zufällig auf einer Postkarte, als er die Melrose Avenue in Los Angeles herunterspazierte. Rose nahm Kontakt zu Williams auf, fragte, ob seine Band Motiv und Name für ihr Album verwenden könnte, zahlte einen kleinen Betrag an Tantiemen – und das war‘s! „Aber das war okay, denn für mich waren die einfach nur eine weitere Garage-Band“, sagte Williams vor einiger Zeit in der Zeitung Entertainment Weekly.

Guns N’ Roses Outtakes: Der Weg zu ‘Appetite For Destruction’

„Dieses Bild war nie für die Öffentlichkeit gedacht!“

Und nicht nur das: Er wollte Axl Rose sogar davon abbringen, es als Artwork zu benutzen! „Dieses Bild war nie für die Öffentlichkeit gedacht!“, so Williams weiter. Doch Rose ließ sich nicht beirren. Für ihn und seine Buddies passte das Bild perfekt zu ihrem anti-institutionellen Image. Irgendwann gab auch Williams klein bei: „Ich sagte ihm: Wenn du wirklich die Eier hast, das auf ein verdammtes Album-Cover zu nehmen, dann stehe ich hinter dir!“

Der historische Verriss: “Appetite For Destruction” von Guns N’ Roses

Er sollte natürlich Recht behalten. Die Öffentlichkeit war schockiert, angewidert. Es gab eine Menge Anrufe bei ihrem Label Geffen Records, gleich mehrere große Läden weigerten sich, das Album mit diesem Cover zu verkaufen. Das Label gab nach, verbannte das anstößige Schmuddelbild ins Innere und ersetzte das Cover mit den ebenfalls legendären Totenköpfen der Gunners, angeordnet in Form eines Kreuzes, das an Thin Lizzy erinnern sollte. Gute Entscheidung: Appetite For Destruction hat bis heute 30 Millionen Kopien verkauft und ist in den USA das bestverkaufte Album aller Zeiten.

Aber was wollte die Band damit eigentlich sagen? Wollte sie damit überhaupt irgendwas sagen? In einem alten Artikel der LA Times wird ihre Plattenfirma wie folgt zitiert: „Die Band sieht das Artwork als symbolisches soziales Statement, in dem der Roboter das industrielle System darstellt, das unsere Umwelt vergewaltigt und verschmutzt.“ Gut, man darf nicht davon ausgehen, dass es sich bei den frühen Guns N‘Roses um eine Frühform der Fridays for future-Bewegung gehandelt hat. Eher klingt es wie eine relativ konstruierte Ausrede. Andererseits: Wahrscheinlich ist dieses schrille Motiv immer noch besser als ein weiterer Artwork-Mitbewerber. Die erste Idee für das Cover war ein Bild des explodierenden Challenger-Space-Shuttles. Man kann sicherlich darüber debattieren, was geschmackloser ist; an der Hochform des Albums mit seinen Klassikern wie Welcome To The Jungle, Sweet Child o‘Mine oder Paradise City und seinem wegweisenden Mix aus Metal, Punk und Blues ändert das natürlich rein gar nichts.

Regelmäßig nehmen wir ikonische Artworks genauer unter die Lupe. Lest hier noch mehr Cover Storys.

Zeitsprung: Am 1.8.1987 drehen Guns N’ Roses mit „Welcome To The Jungle“ ihr erstes Musikvideo.

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