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Popkultur

Die musikalische DNA von Amy Winehouse

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Amy Winehouse war eine starke Persönlichkeit mit einer tragischen Geschichte. Ein Mensch voller Abgründe, aber mit vielen Höhepunkten. Vor allem jedoch war sie ein Ausnahmetalent, das in nur wenigen Jahren neue Standards in der Pop-Musik gesetzt hat. Geschult an Jazz, Motown- oder Stax-Soul sowie sogar an Punk und Hip Hop war sie eine Art wandelnde »kenntnisreiche Collage« aus Einflüssen, wie es der ehemalige Rolling Stone-Redakteur Joe Levy einst ausdrückte.

Ein Blick auf ihre musikalische DNA bestätigt das. Denn die charismatische Sängerin steckte nicht allein in ihrem Privatleben voller Überraschungen, auch ihr Geschmack war keinesfalls gewöhnlich. Winehouse lernte zum Klavierspiel Thelonious Monks Singen, die Ronettes waren ihre Stil-Ikonen und Mitgröhl-Grunge ihre Chill-Out-Musik. Lediglich zwei Studioalben brauchte die 2011 frühzeitig verstorbene Winehouse, um ihren Namen für alle Zeiten ins große Buch der Popgeschichte zu schreiben. Und hat damit eine ganze Reihe von anderen nach ihr inspiriert.

1. Thelonious Monk – Round Midnight

Amy Winehouse hatte Soul, eine Punk-Attitüde und ein einzigartiges Gefühl für Jazz. Die Sängerin Sarah Vaughan nannte sie beispielsweise als Einfluss, ihre Leidenschaft für den Sound und die Rhythmen des Genres aber beschränkte sich nicht allein auf Gesang. »Es war nicht nur der Vocal Jazz«, sagte sie mal mit Bestimmtheit. »Ich habe von allem gelernt. Ich weiß noch genau, wie ich zum ersten Mal durch die Wand hindurch ‘Round Midnight’ gehört habe. Ich dachte mir so: was ist das?« Nicht was, sondern wer: Die junge Winehouse entdeckte mit Thelonious Monk den vermutlich eigentümlichsten und vielleicht auch genialsten Jazz-Pianisten aller Zeiten. Seine Marotten waren berüchtigt, sein Spiel für seine Kantigkeit und verblüffende Wendungen berühmt. Ganz klarer Fall: Monk war ein früher Geistesverwandter von Winehouse! Ihm zu Ehren nahm sie eine Interpretation seines Klassikers Round Midnight in einer modernisierten Form auf, in deren Zentrum dann doch ihre Stimme stand. Ein kleiner Bildersturm auf einen Klassiker, wie er dem rebellischen Monk wohl gefallen hätte.

2. Frank Sinatra – Fly Me To The Moon

Monk war nicht der einzige wichtige Mann in Winehouse’ Leben, sicherlich aber einer der beständigsten. Ein anderer war ihr Vater Mitch, der sie schon früh mit Musik vertraut machte. Fly Me To The Moon von Frank Sinatra sang der damalige Taxifahrer seiner Tochter vor, die den Song zu einer Art Refrain ihrer Jugendjahre machte. Immer wenn die junge Raufboldin zu Schulzeiten zur Rektorin zitiert wurde, summte sie Zeilen wie »Fill my heart with song and let me sing forever more / You are all I long for / All I worship and adore« vor sich hin. Reiner Sarkasmus? Vielleicht! Eine Liebe musste indes im Laufe ihrer Karriere gehörig leiden. Winehouse war alles andere als zufrieden damit, wie ihr Vater in seiner Rolle als Manager mit ihrem Ruhm umging. Selbst heute noch werfen Fans ihm vor, die tragische Geschichte seiner Tochter für seine eigenen Zwecke ausgenutzt zu haben.

3. Alanis Morissette – Ironic

Fassen wir zusammen: Ihr Vater erst brachte die kleine Winehouse zur Musik und versuchte sich womöglich dann daran zu bereichern. Ist das nicht… ironisch? Nein! Zumindest nicht nach der Definition des Worts, wie sie im Lexikon zu finden ist. Die hatte Alanis Morissette allerdings auch nicht nachgeschlagen, bevor sie ihren Überhit Ironic schrieb. Der Song gehört seit 1996 trotzdem zu so ziemlich jeder musikalischen Früherziehung dazu, ob die Jungend es nun will oder nicht. Für Winehouse markierte der Song – so will es jedenfalls die Legende – den Beginn ihrer Karriere. Denn erst, als ihr Vater Mitch der Tochter dabei zuhörte, wie sie das Stück sang, erkannte er ihr Talent. Der Rest ist Geschichte und die wiederum ist ganz ironiefrei. Denn Winehouse schließlich meinte immer genau das, was sie sagte!

4. Dinah Washington – What A Diff’rence A Day Made

»Sie war die Königin des Hand-im-Gesicht, soll heißen, sie hat’s einfach nicht geschert!«, schwärmte Amy Winehouse mal über die Jazz-Sängerin Dinah Washington. »Sie nahm sich ein Jazz-Stück und machte es zu ihrem eigenen. Sie konnte Leute umbringen. UMBRINGEN!« Enthusiastische Worte über eine, die in der Musikgeschichte wohl immer im Schatten von Billie Holiday stehen wird und für Winehouse dennoch die absolute Nummer Eins war. »Ich habe vor niemandem Respekt, solange sie nicht hervorstechen. Sie aber stach hervor!«, sagte Winehouse über Washington. Warum, das beweist allein ein Song wie What A Diff’rence A Day Made. Eigenwillig und doch melancholisch singt Washington das Stück, welches auch Winehouse im Laufe ihrer Karriere coverte – obwohl sie das eigentlich für überflüssig hielt. »Sie machte sie zu ihren eigenen Stücken!«, wiederholte sie mit Nachdruck. »Was soll’s also? Das ist, als würdest du Aretha Franklin covern – da kannst du dir gleich die Kehle durchschneiden!«

5. The Ronettes – Be My Baby

Nicht allein mit ihrer Musik, sondern auch mit ihrem Erscheinen setzt Winehouse Akzente. Ihre wilde Turmfrisur zum Einen rief viele Nachahmerinnen auf den Plan – meistens mit eher verheerenden Folgen. Dabei hatte Winehouse für ihre beeindruckende Haarpracht selbst ein Vorbild, das sich auch prompt wiedererkannte. »Ronnie Spector […] war angesichts eines Bildes von Winehouse in der New York Post so verblüfft, dass sie ausrief: ‘Ich kenn sie nicht, ich hab sie nie getroffen und doch dachte ich mir sofort: Das bin ich! Dann aber fand ich heraus, dass es Amy war. An dem Tag hatte ich meine Brille nicht auf…’« Dabei hätte Spector – richtig geraten übrigens, damals verheiratet mit dem Ronettes-Produzenten Phil Spector – ohne Weiteres auch musikalisch schnell einer Verwechslung erliegen können. Denn der Sound der Ronettes war für Winehouse ebenfalls eine Blaupause. Im Song B Boy Baby von Mutya Buena, in welchem sie einen Gastauftritt hatte, wird das mehr als deutlich. Auf welchem Ronettes-Stück dieser wiederum basiert, muss ja nun wirklich nicht erwähnt werden.

6. Shangri-Las – I Can Never Go Home Again

Amy Winehouse versetzte ihre Fans nicht allein mit ihrem Gesang und ihrem unvergleichlichen Stil in Begeisterung, sie konnte auch zweierlei bewegen: Hüften einerseits und Herzen andererseits. Viele ihre Songs luden zum Tanzen ein, noch mehr jedoch waren sie emotional bewegend. Zwischen Winehouse’ Coolness brachen oft die Gefühle durch. Insbesondere dann, wenn sie selbst Musik hörte. I Can Never Go Home Anymore von den Shangri-Las bezeichnete sie mal als den »deprimierendsten Song aller Zeiten« und erzählte folgende Geschichte dazu: »Als mein Freund und ich uns trennten, saß ich mit einer Flasche Jack Daniel’s auf dem Küchenboden und hörte ihn auf Repeat. Ich verlor das Bewusstsein, ich wachte wieder auf, ich fing wieder von vorne an. Meine Mitbewohnerin kam rein, schmiss mir eine Tüte von KFC zu und haute wieder ab. Sie so: ‘Das ist dein Abendessen, ich hau ab.’ Es ist der traurigste Song der Welt.« Mit der Geschichte einer verstoßenen Tochter wird sich Winehouse sicherlich identifiziert haben können.

7. The Offspring – Self-Esteem

Winehouse stand indes nicht nur für Trauer und Schmerz – sondern auch für Rebellion! Jede Rebellin aber hat mal Feierabend. Auf einem handgeschriebenen Zettel führte Winehouse einmal eine Reihe von Songs auf, die auf ihrem »Chill-Out Tape« zu hören seien. Darunter waren neben Stücken von Ella Fitzgerald, Frank Sinatra oder Ben Folds Five auch Songs, die so gar nicht entspannt klingen – wie etwa Self-Esteem von The Offspring! Roher, Grunge-beeinflusster Punk, eine Mitgrölhymne für alle, die sich ausgestoßen fühlen. Ein Chill-Out-Track aber? Höchstens in der turbulenten Welt von Amy Winehouse! Ihr Geschmack war so eigenwillig und neben der Spur wie sie selbst. Das schließlich macht die Faszination Winehouse doch aus.

8. Wolfman – For Lovers (feat. Pete Doherty)

Wie bei so vielen Frauen in der Musikgeschichte interessierte sich die Öffentlichkeit fast mehr für Winehouse’ Privat- und Liebesleben als für ihre Kunst. Sie gab der Presse wohl reichlich Futter: Da war etwa ihr Mann, eine strauchelnde Existenz wie sie selbst, oder der Freund, dessen Nähe sie für zwischenzeitlichen Trost suchte.

Pete Doherty von den Libertines und später Babyshambles war ebenfalls oft in ihrer Begleitung zu sehen. Die Presse hatte damit ein windiges Traumpaar gefunden und Doherty schürte die Aufregung nur allzu gern. »Amy und ich waren Geliebte«, behauptete er zwei Jahre nach ihrem Tod. »Aber gegen Ende hin, wie es bei Liebenden eben passiert, wurde sie gemein und grausam zu mir.« Ob das stimmt, sei dahingestellt. Vielleicht aber war sie es ja, die Doherty auf dem Wolfman-Stück For Lovers besang. Damit hätte sie ihm einen – sträflich übersehenen – Höhepunkt in seiner Karriere beschert.

9. Carole King – So Far Away

Gerade über Doherty wurden im spielfreudigen Großbritannien viele Wetten abgeschlossen: Wird er oder wird er nicht…? Aber nein, Doherty wurde kein Mitglied im sogenannten Klub 27, der Riege von Rockstars, die im Alter von 27 Jahren verstarben. Winehouse aber schon, tatsächlich verstarb sie im 25. Todesjahr Kurt Cobains, eines der bekanntesten Mitglieder des ominösen Klubs, dem auch Brian Jones von den Rolling Stones, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison angehören und welcher erst nach ihrem Tod am 23. Juli 2011 breit diskutiert wurde. Mythenbildung hin oder her: War Winehouse schon zu Lebzeiten weit von der Realität entfernt, so war sie ab diesem Tag umso mehr So Far Away. Obwohl Winehouse das Stück Will You Still Love Me Tomorrow gecovert hatte, war So Far Away ihr eigentlicher Lieblingssong von Carole King. Er sollte ihr auf ihrer eigenen Beerdigung Geleit geben, als ihre Familie und ihr Freundeskreis ihn am Ende der Zeremonie gemeinsam anstimmten.

10. Beyoncé – Back To Black (feat. André 3000)

Zwei Studioalben veröffentlichte Amy Winehouse im Laufe ihrer Karriere, berühmt wurde sie vor allem für das zweite. Kurz nach ihrem Tod stellte sie sogar einen traurigen posthumen Rekord auf: Die Single-Charts wurden von gleich mehreren ihrer Songs dominiert, Back To Black mauserte sich zum meistverkauften britischen Album des 21. Jahrhunderts. Oft vergessen wird darüber ihr Debüt Frank, auf dem Winehouse ihr Faible für Hip Hop auslebte. Als Teenager hörte ihr Bruder Bands wie Sonic Youth, Pearl Jam und Therapy. Auch die kleine Schwester freundete sich damit an, erst aber mit der Entdeckung von Salt-n-Pepa war ihr klar: »Ich habe meine Musik gefunden!« Es hätte sie also sicherlich gefreut, die Back To Black-Coverversion von R’n’B-Titatin Beyoncé und OutKast-Mitglied André 3000 zu hören. Allein schon, weil die auf dem Soundtrack von Baz Luhrmanns Great Gatsby-Verfilmung zu hören war. Ein Film, so vergangenheitsverliebt und schrill-modern wie Winehouse selbst.


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Zeitsprung: Am 25.6.1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt.

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Hat gut lachen: Carly Simon 1971 - Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.6.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 25. Juni 1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt. Die Künstlerin sammelt Männerherzen und Grammys gleichermaßen und legt mit You’re So Vain einen der großen Hits der Siebziger hin. Um die Identität des eitlen Protagonisten im Songtext macht sie lange Zeit ein Geheimnis. Wir blicken zurück auf ein – zumindest teilgelöstes – Popkultur-Rätsel und erweisen Simon zugleich die Geburtstagsehre.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Carly Simon anhören:

Carly Elisabeth Simon wird am 25. Juni 1945 in New York City geboren als Tochter des renommierten Verlagsgründers Richard L. Simon (von Simon & Schuster). Ihre ersten musikalischen Babyschritte unternimmt die Sängerin Mitte der Sechziger in Verbund mit ihrer Schwester Lucy. Doch abgesehen von dem auf einem Kindergedicht basierenden Minihit Winkin’, Blinkin’ And Nod ist es mit der Karriere Simon Sisters nicht weit her. 

Blitzstart

Doch schon im Jahre 1970 stellt die Vertragsunterzeichnung bei The-Doors-Entdecker Jac Holzman und dessen Plattenfirma Elektra die Weichen für eine erfolgreiche Sololaufbahn. Ihr schlicht Carly Simon betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1971 birgt bereits den Hit That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be und bringt Simon sogar schon einen ersten Grammy in der Kategorie „Beste neue Künstlerin“ ein. Kein schlechter Start, sondern der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Nachfolgealbum Anticipation noch im gleich Jahr fortgeschrieben wird. 

Dabei ist es Simons 1972 veröffentlichtes drittes Album, welches ironischerweise No Secrets betitelt ist, das zu ihrem großen internationalen Durchbruch wird. Es enthält mit You’re So Vain ihren künftigen Erkennungssong, der in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins erreicht. Das Lied besticht schon musikalisch durch Prominenz: So stammt das markante Bass-Intro von Beatles-Intimus und Grafiker Klaus Voormann, während niemand Geringeres als Mick Jagger – inkognito – zum Background-Gesang beiträgt. 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Noch delikater und spannender gestaltet sich allerdings die inhaltliche Ebene des Stücks, in dem Simon die Eitelkeiten eines männlichen Liebhabers besingt. Die Spekulationen um dessen wahre Identität schlagen hohe Wellen, die jahrzehntelang nicht abebben wollen und – naheliegend – unter anderem Mick Jagger als den Mann hinter dem unbestimmten „you“ wähnen. Auch durch die Presse geistern die Namen illustrer Kandidaten, etwa David Bowie, David Cassidy oder Cat Stevens, mit dem Simon einst tatsächlich ein Techtelmechtel hatte. Dass ihr aktueller Ehemann zur Entstehungszeit des Stückes, der Singer-Songwriter James Taylor, definitiv nicht der Gegenstand des Textes ist, bleibt der einzige Hinweis, den sich Simon lange Zeit entlocken lässt. 

Das popkulturelle Rätselraten erreicht 2003 schließlich seinen Höhepunkt, als Simon sich im Rahmen einer Wohltätigkeits-Auktion bereit erklärt, dem Höchstbietenden den Namen des Besungenen preiszugeben. NBC-Sports-Präsident Dick Ebersol blättert 50.000 Dollar dafür hin und muss versprechen, sein neugewonnenes Wissen nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen. So darf er höchstens den Hinweis geben, dass der Buchstabe „E“ im Namen jenes ominösen Mister X vorkommt. 

Suche nach Mr. X

2007 beansprucht dann Schauspieler Warren Beatty (Bonnie und Clyde, Dick Tracy) in einem Interview die Ehre des Gesuchten für sich. Es soll acht weitere Jahre dauern, bis Carly Simon schließlich im Rahmen des Pressetrommelwirbels für ihre Memoiren bestätigt, dass Warren Beatty tatsächlich in You’re So Vain adressiert werde  – allerdings nur als Protagonist von Strophe zwei. Der Rest des Textes würde sich auf zwei weitere (prominente?) und bis heute namenlose männliche Pfaue beziehen. 

Ist das unter anderem von den verlotterten Sleaze-Rockern Faster Pussycat 1990 gecoverte You’re So Vain als Songmysterium sicherlich Simons größte Errungenschaft für die Pop-Lexika dieser Welt (und zugleich ihr wohl bekanntester Hit), darf man die anderen Verdienste und musikalischen Glanztaten der Singer-Songwriterin jedoch keineswegs unterschlagen. So tritt Simon 1977 als Interpretin von Nobody Does It Better in Erscheinung, dem Song zum James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte. Außerdem  reüssiert sie 1989 mit ihrer Soundtrack-Arbeit zum Film Die Waffen der Frauen. Für das daraus stammende Lied Let The River Run heimst die alte Geheimniskrämerin sogar als erste Solokünstlerin und Songautorin überhaupt einen Oscar, Golden Globe und Grammy zugleich ein. 

Im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht Carly Simon sage und schreibe 24 Studioalben, wird für 14 Grammys nominiert und gewinnt zwei. Das Musikportal Allmusic nennt sie „eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der Siebziger“. Sie schreibt Musik für Filme und TV-Sendungen und spielt auch in einigen mit. Simon war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Sally und Ben, die ebenfalls künstlerisch tätig sind. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

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Popkultur

Ein Schulabbruch, jede Menge Exzesse und 55 Jahre Rockgeschichte: 5 Dinge, die ihr über Mick Fleetwood noch nicht wusstet

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Mick Fleetwood
Foto: Brian Killian/Getty Images

„"Seit nunmehr 55 Jahren steht der Name Fleetwood Mac für eines der wichtigsten Kapitel der Rockgeschichte: den British Blues Boom. Als Gründer, Namensgeber und Schlagzeuger der Band hat Mick Fleetwood einen wichtigen Anteil daran. Diese fünf Dinge über ihn wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Tusk von Fleetwood Mac anhören:

1. Er brach mit der Unterstützung seiner Eltern die Schule ab, um Musiker zu werden.

Wenn der Nachwuchs die Schule abbrechen möchte, um eine Laufbahn als Rockstar einzuschlagen, sorgt das in der Regel für einen mächtig schiefen Haussegen. Nicht so bei den Fleetwoods: Papa John spielt nämlich selbst Schlagzeug und kann den sehnlichsten Wunsch seines Sohnemanns nur allzu gut nachvollziehen. Sein erstes Drumset bekommt der kleine Mick mit 13. Als er im Alter von 15 Jahren den Wunsch äußert, von der Schule abzugehen, um in London als Schlagzeuger durchstarten zu können, lassen seine Eltern ihn ziehen. Tatsächlich findet Fleetwood in der britischen Hauptstadt schnell Anschluss.

2. Blues-Legende John Mayall feuerte Fleetwood wegen seines ausschweifenden Alkoholkonsums.

Nach seinen ersten Jahren in London steigt Fleetwood in eine Band namens The Peter Bs ein, in der auch ein gewisser Peter Green mitspielt. Green verlässt die Gruppe allerdings und steigt stattdessen bei John Mayall’s Bluesbreakers ein. Fleetwood folgt ihm, sodass die Zwei ab April 1967 mit einer der legendärsten Bluesgruppen Londons auftreten. Ebenfalls an Bord: John McVie, der später gemeinsam mit Fleetwood über 50 Jahre Fleetwood-Mac-Geschichte schreiben soll. Leider nehmen Fleetwood und McVie ihr Dasein als Musiker zu jener Zeit noch nicht so ernst wie als ihren Ruf als Trinker. Mehrfach erscheinen die beiden mit ordentlich Promille zu Konzerten der Bluesbreakers, weshalb Bandleader John Mayall die zwei Musiker nach nur wenigen Wochen wieder vor die Tür setzt. Peter Green verlässt Mayalls Truppe anschließend freiwillig und gründet mit Fleetwood schon einmal die Band, die McVie später nicht nur namentlich vervollständigen soll: Fleetwood Mac. Zu Kostverächtern werden die Musiker durch den Rauswurf allerdings nicht. Besonders legendär: die Kokaingeschichten während der Siebziger. „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir gut mit dem Marschpulver ausgerüstet waren“, erzählt Fleetwood in einem Interview mit Classic Rock. „Inzwischen ist das ein abgedroschenes Märchen, das immer weiter und weiter zu einer Kriegsgeschichte vergrößert wird. Ich möchte nicht verharmlosen, dass wir diesen Lebensstil gelebt haben. Aber wir sind nicht über den Boden gekrochen und uns kam auch kein grüner Schaum aus dem Mund. Wir haben gearbeitet.“

3. Im Juni 1970 heiratete er Jenny Boyd — die Schwester von Pattie Boyd, die mit George Harrison und Eric Clapton verheiratet war.

Was die Klatsch- und Tratsch-Seite betrifft, sind Fleetwood Mac nicht nur für ihre internen Liebschaften bekannt, sondern auch dafür dass Mick Fleetwood für einige Jahre mit Jenny Boyd liiert war. Falls euch dieser Nachname bekannt vorkommt, habt ihr völlig recht: Es handelt sich bei Jenny um die Schwester von Pattie Boyd, die zuerst George Harrison und dann Eric Clapton heiratet. Mick und Jenny lernen sich Ende der Sechziger kennen, 1970 geben sie sich ebenfalls das Ja-Wort. Ein paar Jahre später findet Mick heraus, dass Jenny eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Gitarrist Bob Weston hat. Weston muss gehen; Mick und Jenny lassen sich scheiden, finden 1976 allerdings noch einmal zusammen. Das Paar heiratet sogar noch einmal, um ihren gemeinsamen Kindern den Umzug in die USA zu erleichtern. Ab November 1977 lässt sich Mick auf eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks ein, 1978 reichen er und Jenny Boyd zum zweiten Mal die Scheidung ein. Diesmal bleibt es dabei.

4. Sein Lieblingsalbum von Fleetwood Mac ist Tusk (1979).

Nach dem Mega-Erfolg des elften Fleetwood-Mac-Albums Rumours (1977) kann Tusk (1979) in kommerzieller Hinsicht nur verlieren. Trotzdem handelt es sich bei der Platte um Mick Fleetwoods Favoriten aus der Diskografie der Blues-Briten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Musiker während der Produktion der Platte nach Herzenslust austoben können, ohne dass dabei kreative Grenzen im Weg stehen. McVie findet an dieser Freiheit weniger Gefallen, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Band. Doch wie so oft hält Ruhepol Mick Fleetwood seine Schäfchen beisammen und kann die Situation wieder entspannen.

5. Er ist das einzige Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und inzwischen seit 55 Jahren dabei.

55 Jahre Rockgeschichte. Das muss man erstmal schaffen und sich vor Augen führen, was mit so einer jahrzehntelangen Karriere einhergeht: 55 Jahre Musikgeschäft. 55 Jahre auf Tour. 55 Jahre voller Streitigkeiten und Versöhnung, denn wer schon einmal selbst in einer Band gespielt hat, weiß: Harmonisch läuft es in einem kreativen Gefüge nur selten ab. Mick Fleetwood kann diesen Widrigkeiten bis heute standhalten und schreibt die Geschichte des Rock weiter. Das gehört einfach honoriert.

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Popkultur

Ringkämpfe, USA-Reisen und Konflikte mit der Stasi: 5 Dinge, die ihr über Richard Kruspe noch nicht wusstet

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Richard Kruspe
Titelfoto: Universal Music

Er war maßgeblich an der Gründung von Rammstein beteiligt, beschäftigt sich seit 2004 zusätzlich mit seinem Nebenprojekt Emigrate und hat schonmal die Stasi ausgetrickst: Richard Kruspe. Diese fünf Dinge über einen der bekanntesten deutschen Gitarristen wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Zeit von Rammstein anhören:

1. Als Jugendlicher in der DDR war Kruspe ein erfolgreicher Ringer — was seine Karriere als Musiker nicht unbedingt erleichterte.

Seine Kindheit und Jugend verbringt Richard Kruspe in der DDR, wo er am 24. Juni 1967 zur Welt kommt. „Bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf namens Weisen gelebt“, berichtet er im Interview mit dem Magazin Rock Hard. „Das war eine schöne Kindheit mit viel Natur, Hunden und Katzen sowie einer großen Familie mit zwei Geschwistern.“ Doch als Kruspe älter wird, ist Schluss mit der Harmonie. „Durch die Scheidung meiner Eltern kam ein großer Bruch. Mein Vater war von heute auf morgen weg, und wir zogen zu meinem neuen Stiefvater nach Schwerin, mit dem ich überhaupt nicht klarkam.“ Nicht nur einmal läuft Kruspe von zuhause weg und übernachtet auf Parkbänken. Trost sucht er zum einen im Gitarrenspiel. Zum anderen entpuppt er sich in seiner Jugend als begnadeter Ringer und steigt mehrfach für den BSG Lok Wittenberge auf die Matte. Kruspes Karriere als Musiker steht die sportliche Laufbahn allerdings im Weg, wie er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt: „Im Osten zählte eher der Sport, das war der große Exportschlager. Aber wer weiß: Vielleicht wäre ich ein klassischer Musiker geworden, hätte ich Musikunterricht nehmen dürfen.“ Dass sein Leben anschließend ein bisschen anders verläuft, wissen wir heute.

2. Als Kruspe für die Stasi arbeiten sollte, trickste er das Ministerium aus.

Dass Kunst in der DDR nicht den höchsten Stellenwert genießt, erfährt Kruspe auch an anderer Stelle am eigenen Leib. „Ich habe neben meinem Beruf Musik gemacht und Schmuck hergestellt, um mein Leben zu finanzieren“, erinnert er sich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Beides durfte man nicht im Osten. Die haben das über einen Spitzel herausgefunden und mich erpresst, weil ich dafür weder Steuern zahlte noch eine Facharbeiterausbildung hatte. Die Stasi stellte mich vor die Wahl: entweder IM — also inoffizieller Mitarbeiter — werden oder in den Knast gehen. Ich hatte eine Woche Bedenkzeit.“ Doch dann kommt Kruspe eine Idee und er trickst die Stasi aus: „Natürlich sollte ich absolutes Stillschweigen bewahren. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern stattdessen diese Geschichte in meinem ganzen Bekanntenkreis verbreitet. Mit dem Hintergedanken, dass die merken sollten: Der quatscht zu viel und ist unbrauchbar. Nach einer Woche haben die mich tatsächlich in Ruhe gelassen.“

3. Seinen alten Freund Till Lindemann traf er nur deshalb wieder, weil Kruspe nach dem Mauerfall wieder nach Ostdeutschland zog.

Als Kruspe älter wird, beginnt er zunehmend damit, das Leben in der DDR zu hinterfragen. „Die Sache mit der DDR ist, dass es bis zum zwölften Lebensjahr großartig war, dort aufzuwachsen“, erzählt er in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Es wurde die Illusion aufrecht erhalten, dass man in einer sehr gesunden Wirtschaft lebt, die funktioniert, solange man keine Fragen stellt — und man stellt keine Fragen, bevor man zwölf ist.“ Ende 1989 beschließt Kruspe, dass er die DDR verlassen möchte und flieht über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach Westberlin. Besser fühlt er sich dadurch nicht, wie er 2011 in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet: „In Westberlin war ich einsam und immer unterwegs. Überwiegend auf Konzerten, ich habe Nirvana im Loft gesehen und so. Eines Abends lernte ich auf einer Party, auf die ich gar nicht eingeladen war, eine Frau kennen und durch sie den Ex-Trommler der Fehlfarben. Mit dem habe ich dann endlich wieder ein bisschen Musik gemacht. Auf Dauer war auch die Wohnsituation mit drei Leuten in einem Zimmer sehr belastend, und im Osten gab es billigen Wohnraum ohne Ende. Also bin ich wieder zurück.“ Zum Glück, muss man heute sagen. Denn durch seine Rückkehr kommt Kruspe wieder mit seinem alten Freund Till Lindemann in Kontakt und steigt in dessen Band First Arsch ein.

4. Die Grundidee für Rammstein kam ihm in den USA.

Anfang der Neunziger reist Kruspe mit Lindemann und dem späteren Rammstein-Bassisten Oliver Riedel in den Südwesten der USA. Die Drei tauchen in die dortige Musikszene ein und Kruspe stellt etwas fest: „Mir wurde klar, dass die Musik, die ich bis dahin gemacht habe, nichts mit mir zu tun hatte. So bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, und mir kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, das mit deutscher Musik zu tun hat. Ich wollte versuchen, Maschinen und Gitarren zusammenzubringen, harte Gitarren.“ Am 1. Januar 1994 entsteht aus diesem Wunsch ganz offiziell die Band, die heute zu den erfolgreichsten deutschen Gruppen überhaupt gehört: Rammstein.

5. Das Nebenprojekt Emigrate gründete er als musikalischen Kontrast zu Rammstein.

Über die Errungenschaften von Rammstein müssen wir an dieser Stelle nicht reden. Doch großer Erfolg bringt manchmal auch eine große Last mit sich. „Sechs Leute auf dem Boot und jeder spielt Kapitän“, sagt Kruspe im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über seine Hauptband. „Das ist echt hart.“ Genau deshalb gründet der Gitarrist im Jahr 2004 ein Nebenprojekt. „Emigrate hat mir geholfen, mich bei Rammstein ein wenig zurückzunehmen. Sonst hätte ich weiter versucht, die Band mit meinen Ideen zuzuschütten.“ Im Gespräch mit laut.de verrät er: „Ich wollte nicht mehr nur der Typ sein, der sich allabendlich umgeben von Feuer und Raketen in eine primär visuelle Welt beamt. Ich bin ja in erster Linie Musiker. Also suchte ich nach einem Projekt, in dem es ausschließlich um die Musik geht. Mit Emigrate habe ich genau diesen Gegenpol gefunden.“

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Interview mit Emigrate: „Ich hatte das Gefühl, mit der Musik aufhören zu müssen“

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