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Die musikalische DNA von Amy Winehouse

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Amy Winehouse war eine starke Persönlichkeit mit einer tragischen Geschichte. Ein Mensch voller Abgründe, aber mit vielen Höhepunkten. Vor allem jedoch war sie ein Ausnahmetalent, das in nur wenigen Jahren neue Standards in der Pop-Musik gesetzt hat. Geschult an Jazz, Motown- oder Stax-Soul sowie sogar an Punk und Hip Hop war sie eine Art wandelnde »kenntnisreiche Collage« aus Einflüssen, wie es der ehemalige Rolling Stone-Redakteur Joe Levy einst ausdrückte.

Ein Blick auf ihre musikalische DNA bestätigt das. Denn die charismatische Sängerin steckte nicht allein in ihrem Privatleben voller Überraschungen, auch ihr Geschmack war keinesfalls gewöhnlich. Winehouse lernte zum Klavierspiel Thelonious Monks Singen, die Ronettes waren ihre Stil-Ikonen und Mitgröhl-Grunge ihre Chill-Out-Musik. Lediglich zwei Studioalben brauchte die 2011 frühzeitig verstorbene Winehouse, um ihren Namen für alle Zeiten ins große Buch der Popgeschichte zu schreiben. Und hat damit eine ganze Reihe von anderen nach ihr inspiriert.

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1. Thelonious Monk – Round Midnight

Amy Winehouse hatte Soul, eine Punk-Attitüde und ein einzigartiges Gefühl für Jazz. Die Sängerin Sarah Vaughan nannte sie beispielsweise als Einfluss, ihre Leidenschaft für den Sound und die Rhythmen des Genres aber beschränkte sich nicht allein auf Gesang. »Es war nicht nur der Vocal Jazz«, sagte sie mal mit Bestimmtheit. »Ich habe von allem gelernt. Ich weiß noch genau, wie ich zum ersten Mal durch die Wand hindurch ‘Round Midnight’ gehört habe. Ich dachte mir so: was ist das?« Nicht was, sondern wer: Die junge Winehouse entdeckte mit Thelonious Monk den vermutlich eigentümlichsten und vielleicht auch genialsten Jazz-Pianisten aller Zeiten. Seine Marotten waren berüchtigt, sein Spiel für seine Kantigkeit und verblüffende Wendungen berühmt. Ganz klarer Fall: Monk war ein früher Geistesverwandter von Winehouse! Ihm zu Ehren nahm sie eine Interpretation seines Klassikers Round Midnight in einer modernisierten Form auf, in deren Zentrum dann doch ihre Stimme stand. Ein kleiner Bildersturm auf einen Klassiker, wie er dem rebellischen Monk wohl gefallen hätte.

2. Frank Sinatra – Fly Me To The Moon

Monk war nicht der einzige wichtige Mann in Winehouse’ Leben, sicherlich aber einer der beständigsten. Ein anderer war ihr Vater Mitch, der sie schon früh mit Musik vertraut machte. Fly Me To The Moon von Frank Sinatra sang der damalige Taxifahrer seiner Tochter vor, die den Song zu einer Art Refrain ihrer Jugendjahre machte. Immer wenn die junge Raufboldin zu Schulzeiten zur Rektorin zitiert wurde, summte sie Zeilen wie »Fill my heart with song and let me sing forever more / You are all I long for / All I worship and adore« vor sich hin. Reiner Sarkasmus? Vielleicht! Eine Liebe musste indes im Laufe ihrer Karriere gehörig leiden. Winehouse war alles andere als zufrieden damit, wie ihr Vater in seiner Rolle als Manager mit ihrem Ruhm umging. Selbst heute noch werfen Fans ihm vor, die tragische Geschichte seiner Tochter für seine eigenen Zwecke ausgenutzt zu haben.

3. Alanis Morissette – Ironic

Fassen wir zusammen: Ihr Vater erst brachte die kleine Winehouse zur Musik und versuchte sich womöglich dann daran zu bereichern. Ist das nicht… ironisch? Nein! Zumindest nicht nach der Definition des Worts, wie sie im Lexikon zu finden ist. Die hatte Alanis Morissette allerdings auch nicht nachgeschlagen, bevor sie ihren Überhit Ironic schrieb. Der Song gehört seit 1996 trotzdem zu so ziemlich jeder musikalischen Früherziehung dazu, ob die Jungend es nun will oder nicht. Für Winehouse markierte der Song – so will es jedenfalls die Legende – den Beginn ihrer Karriere. Denn erst, als ihr Vater Mitch der Tochter dabei zuhörte, wie sie das Stück sang, erkannte er ihr Talent. Der Rest ist Geschichte und die wiederum ist ganz ironiefrei. Denn Winehouse schließlich meinte immer genau das, was sie sagte!

4. Dinah Washington – What A Diff’rence A Day Made

»Sie war die Königin des Hand-im-Gesicht, soll heißen, sie hat’s einfach nicht geschert!«, schwärmte Amy Winehouse mal über die Jazz-Sängerin Dinah Washington. »Sie nahm sich ein Jazz-Stück und machte es zu ihrem eigenen. Sie konnte Leute umbringen. UMBRINGEN!« Enthusiastische Worte über eine, die in der Musikgeschichte wohl immer im Schatten von Billie Holiday stehen wird und für Winehouse dennoch die absolute Nummer Eins war. »Ich habe vor niemandem Respekt, solange sie nicht hervorstechen. Sie aber stach hervor!«, sagte Winehouse über Washington. Warum, das beweist allein ein Song wie What A Diff’rence A Day Made. Eigenwillig und doch melancholisch singt Washington das Stück, welches auch Winehouse im Laufe ihrer Karriere coverte – obwohl sie das eigentlich für überflüssig hielt. »Sie machte sie zu ihren eigenen Stücken!«, wiederholte sie mit Nachdruck. »Was soll’s also? Das ist, als würdest du Aretha Franklin covern – da kannst du dir gleich die Kehle durchschneiden!«

5. The Ronettes – Be My Baby

Nicht allein mit ihrer Musik, sondern auch mit ihrem Erscheinen setzt Winehouse Akzente. Ihre wilde Turmfrisur zum Einen rief viele Nachahmerinnen auf den Plan – meistens mit eher verheerenden Folgen. Dabei hatte Winehouse für ihre beeindruckende Haarpracht selbst ein Vorbild, das sich auch prompt wiedererkannte. »Ronnie Spector […] war angesichts eines Bildes von Winehouse in der New York Post so verblüfft, dass sie ausrief: ‘Ich kenn sie nicht, ich hab sie nie getroffen und doch dachte ich mir sofort: Das bin ich! Dann aber fand ich heraus, dass es Amy war. An dem Tag hatte ich meine Brille nicht auf…’« Dabei hätte Spector – richtig geraten übrigens, damals verheiratet mit dem Ronettes-Produzenten Phil Spector – ohne Weiteres auch musikalisch schnell einer Verwechslung erliegen können. Denn der Sound der Ronettes war für Winehouse ebenfalls eine Blaupause. Im Song B Boy Baby von Mutya Buena, in welchem sie einen Gastauftritt hatte, wird das mehr als deutlich. Auf welchem Ronettes-Stück dieser wiederum basiert, muss ja nun wirklich nicht erwähnt werden.

6. Shangri-Las – I Can Never Go Home Again

Amy Winehouse versetzte ihre Fans nicht allein mit ihrem Gesang und ihrem unvergleichlichen Stil in Begeisterung, sie konnte auch zweierlei bewegen: Hüften einerseits und Herzen andererseits. Viele ihre Songs luden zum Tanzen ein, noch mehr jedoch waren sie emotional bewegend. Zwischen Winehouse’ Coolness brachen oft die Gefühle durch. Insbesondere dann, wenn sie selbst Musik hörte. I Can Never Go Home Anymore von den Shangri-Las bezeichnete sie mal als den »deprimierendsten Song aller Zeiten« und erzählte folgende Geschichte dazu: »Als mein Freund und ich uns trennten, saß ich mit einer Flasche Jack Daniel’s auf dem Küchenboden und hörte ihn auf Repeat. Ich verlor das Bewusstsein, ich wachte wieder auf, ich fing wieder von vorne an. Meine Mitbewohnerin kam rein, schmiss mir eine Tüte von KFC zu und haute wieder ab. Sie so: ‘Das ist dein Abendessen, ich hau ab.’ Es ist der traurigste Song der Welt.« Mit der Geschichte einer verstoßenen Tochter wird sich Winehouse sicherlich identifiziert haben können.

7. The Offspring – Self-Esteem

Winehouse stand indes nicht nur für Trauer und Schmerz – sondern auch für Rebellion! Jede Rebellin aber hat mal Feierabend. Auf einem handgeschriebenen Zettel führte Winehouse einmal eine Reihe von Songs auf, die auf ihrem »Chill-Out Tape« zu hören seien. Darunter waren neben Stücken von Ella Fitzgerald, Frank Sinatra oder Ben Folds Five auch Songs, die so gar nicht entspannt klingen – wie etwa Self-Esteem von The Offspring! Roher, Grunge-beeinflusster Punk, eine Mitgrölhymne für alle, die sich ausgestoßen fühlen. Ein Chill-Out-Track aber? Höchstens in der turbulenten Welt von Amy Winehouse! Ihr Geschmack war so eigenwillig und neben der Spur wie sie selbst. Das schließlich macht die Faszination Winehouse doch aus.

8. Wolfman – For Lovers (feat. Pete Doherty)

Wie bei so vielen Frauen in der Musikgeschichte interessierte sich die Öffentlichkeit fast mehr für Winehouse’ Privat- und Liebesleben als für ihre Kunst. Sie gab der Presse wohl reichlich Futter: Da war etwa ihr Mann, eine strauchelnde Existenz wie sie selbst, oder der Freund, dessen Nähe sie für zwischenzeitlichen Trost suchte.

Pete Doherty von den Libertines und später Babyshambles war ebenfalls oft in ihrer Begleitung zu sehen. Die Presse hatte damit ein windiges Traumpaar gefunden und Doherty schürte die Aufregung nur allzu gern. »Amy und ich waren Geliebte«, behauptete er zwei Jahre nach ihrem Tod. »Aber gegen Ende hin, wie es bei Liebenden eben passiert, wurde sie gemein und grausam zu mir.« Ob das stimmt, sei dahingestellt. Vielleicht aber war sie es ja, die Doherty auf dem Wolfman-Stück For Lovers besang. Damit hätte sie ihm einen – sträflich übersehenen – Höhepunkt in seiner Karriere beschert.

9. Carole King – So Far Away

Gerade über Doherty wurden im spielfreudigen Großbritannien viele Wetten abgeschlossen: Wird er oder wird er nicht…? Aber nein, Doherty wurde kein Mitglied im sogenannten Klub 27, der Riege von Rockstars, die im Alter von 27 Jahren verstarben. Winehouse aber schon, tatsächlich verstarb sie im 25. Todesjahr Kurt Cobains, eines der bekanntesten Mitglieder des ominösen Klubs, dem auch Brian Jones von den Rolling Stones, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison angehören und welcher erst nach ihrem Tod am 23. Juli 2011 breit diskutiert wurde. Mythenbildung hin oder her: War Winehouse schon zu Lebzeiten weit von der Realität entfernt, so war sie ab diesem Tag umso mehr So Far Away. Obwohl Winehouse das Stück Will You Still Love Me Tomorrow gecovert hatte, war So Far Away ihr eigentlicher Lieblingssong von Carole King. Er sollte ihr auf ihrer eigenen Beerdigung Geleit geben, als ihre Familie und ihr Freundeskreis ihn am Ende der Zeremonie gemeinsam anstimmten.

10. Beyoncé – Back To Black (feat. André 3000)

Zwei Studioalben veröffentlichte Amy Winehouse im Laufe ihrer Karriere, berühmt wurde sie vor allem für das zweite. Kurz nach ihrem Tod stellte sie sogar einen traurigen posthumen Rekord auf: Die Single-Charts wurden von gleich mehreren ihrer Songs dominiert, Back To Black mauserte sich zum meistverkauften britischen Album des 21. Jahrhunderts. Oft vergessen wird darüber ihr Debüt Frank, auf dem Winehouse ihr Faible für Hip Hop auslebte. Als Teenager hörte ihr Bruder Bands wie Sonic Youth, Pearl Jam und Therapy. Auch die kleine Schwester freundete sich damit an, erst aber mit der Entdeckung von Salt-n-Pepa war ihr klar: »Ich habe meine Musik gefunden!« Es hätte sie also sicherlich gefreut, die Back To Black-Coverversion von R’n’B-Titatin Beyoncé und OutKast-Mitglied André 3000 zu hören. Allein schon, weil die auf dem Soundtrack von Baz Luhrmanns Great Gatsby-Verfilmung zu hören war. Ein Film, so vergangenheitsverliebt und schrill-modern wie Winehouse selbst.


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„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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