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Popkultur

Die musikalische DNA von Iron Maiden

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Iron Maiden-Fan sein, das ist ein Vollzeitjob. Denn natürlich können alle ernsthaften Metalheads das ikonische Gitarrenlick von Run to the Hills mitquietschen, kennen die Number of the Beast aus dem Effeff und begrüßen Eddie wie einen alten Freund, wenn sie ihn sehen. Aber wer Iron Maiden-Fan ist, kann und muss noch viel mehr. Wer Iron Maiden-Fan ist, hat eine Meinung zu den verschiedenen Frontmännern und anderen Bandmitgliedern, kennt sich in der unüberschaubaren Diskografie der Band gut aus und könnte sich nebenbei noch in einem literaturwissenschaftlichen Seminar bestens behaupten – Iron Maiden-Lyrics bilden schließlich!


Hör hier in die musikalische DNA von Iron Maiden rein:

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Um Iron Maiden ranken sich viele Missverständnisse und das nicht nur bei besorgten Christengruppen in den USA oder anderswo. Als Pioniere der New Wave of British Heavy Metal wurden sie legendär, doch viele sahen die Zeit der Band wieder und wieder abgelaufen. Doch wenn Iron Maiden einen Zenit überschritten haben, suchen sie sich die nächste Herausforderung – seit über vier Jahrzehnten schon. Kaum eine Metal-Band war dermaßen ambitioniert und dennoch so konsequent. So geschwind das Besetzungskarussell sich auch drehte, die Band blieb sich und ihren Ideen treu.

Mit ihrer Musik haben Iron Maiden die ganz Großen beeinflusst. Thrash Metal? Ohne Iron Maiden nicht denkbar. Selbst Popstars lassen sich gerne mit Iron Maiden-Shirt ablichten – aus welchen Gründen auch immer. Doch noch interessanter ist die Frage, welche Einflüsse eigentlich den Sound von Iron Maiden geprägt haben. Fans wissen das vermutlich längst, allen anderen hilft ein Blick auf die musikalische DNA der Band.


1. KISS – She’s So European

Schon bevor Iron Maiden überhaupt den allerersten Ton auf Platte bannen konnten, löste sich die Band zeitweise auf. Aber von Anfang an: Steve Harris – bis heute das einzige verbliebene Gründungsmitglied bei Maiden – rief die Band ausgerechnet an Weihnachten im Jahr 1975 ins Leben. Inspiration für den Namen lieferte die Verfilmung von Alexandre Dumas’ Roman Der Mann mit der eisernen Maske, verspätete Schützenhilfe kam fünf Jahre später allerdings von Männern mit aufgeschminkten Masken: KISS tourten 1980 gemeinsam mit der jungen Band, die gerade ihr Debütalbum veröffentlicht hatte, durch Europa, um ihr Album Unmasked zu promoten.

Gene Simmons und seine Kollegen sollen sich überraschend umgänglich gegeben haben. Schon am Anfang der Tour hat der Demon Iron Maiden angeblich einen Besuch im Backstage abgestattet haben, um ihr Debüt zu loben. Ob er es denn sogar gehört hätte, fragte barsch Paul Di‘Anno, damals noch Sänger der Band. Simmons ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und ratterte der Legende nach die gesamte Trackliste der LP herunter, Stück für Stück! Nach der Tour trennten sich die Wege beider Bands jedoch und kreuzten sich nur selten. In einem Interview allerdings rügten KISS den vor ihnen sitzenden Journalisten, weil dieser ein Iron Maiden-Shirt trug. „Du bist bei uns Zuhause, zeig etwas Respekt!“, donnerten sie. Was natürlich nicht als Affront gegen die britischen Kollegen gemeint war – vor denen haben sie schließlich fast vier Jahrzehnte nach der gemeinsamen Tour Hochachtung.


2. Black Sabbath – Sabbath Bloody Sabbath

Die Metal-Szene kann ein eitler Haufen sein. Das mussten Iron Maiden auch auf die harte Tour lernen, als sie 2005 ihr letztes Konzert auf der Ozzfest-Tour spielten. Es hagelte Eier und Feuerzeuge auf die verdatterte Band. Wieso? Bruce Dickinson hatte etwas gegen den liebsten Zeitvertrieb von Ozzy Osbourne und seiner Familie zu sagen gewagt, Reality-TV… Naja. Jahre später sollte es sich aber noch einrenken: 2010 fanden sich unter anderem Tommy Iommi und Maiden-Drummer Nicko McBrain mit anderen Stars der Metal-Community zusammen, um den Song Out of My Mind aufzunehmen. Mit den Einnahmen aus dem Erlös sollte eine Musikschule im armenischen Gjumri zu sammeln, nachdem die Stadt 1988 von einem Erdbeben zerstört wurde.

„Ich bin ein Riesenfan von Black Sabbath. Sie waren ein großer Einfluss für uns, sie sind großartige Musiker“, sagte Maiden-Gitarrist Dave Murray außerdem 2013. Denn egal, was Ozzy und seine Familie der Band auch immer an diesem verhängnisvollen Tag im Jahr 2005 antaten: Dass er und seine Band als Metal-Pioniere für sie ungemein wichtig waren, steht außer Frage. Dickinson selbst hatte 1994 ihnen auf der Tribute-Compilation gemeinsam mit der Band Godspeed seinen Respekt mit einem Sabbath Bloody Sabbath-Cover erwiesen. Glasklarer Fall, schließlich gehörte nicht allein das legendäre Debüt der Band aus Birmingham zu den ersten LPs, die ihm den Weg in die Metal-Welt aufzeigten.


3. Deep Purple – Child In Time

Vor Black Sabbath aber waren Deep Purple die härteste Band der Welt. Noch bevor er sich Black Sabbath zulegte, lernte der Teenager Dickinson in seinem Internet in Northamptonshire den Sound von Ian Gillan – selbst im Laufe seiner langen Karriere kurzzeitig Black Sabbath-Mitglied – und seinen Kollegen kennen, als Child in Time aus dem Nebenzimmer dröhnte. „Als Kind habe ich meine ersten Erfahrungen mit Purple gemacht“, erinnerte er sich. „Damit bin ich aufgewachsen, das hat mich morgens in Sachen Rock’n‘Roll aus dem Bett geholt!“ Insbesondere der expressive Gesang von Gillan hatte es ihm natürlich angetan.

Dickinson ist nicht das einzige Maiden-Mitglied, das sich auf Purple beruft. Auch Steve Harris nannte die Band als ausschlaggebend für sein Songwriting und Gitarrist Janick Gers nennt den Stil von Ritchie Blackmore als vorbildlich für sein Spiel. Kein Wunder, hatte er doch selbst mit dessen Kollegen Gillan in der NWOBHM-Band White Spirit gespielt, bevor er in der Gruppe Gogmagog Sänger Paul Di‘Anno und den 2013 verstorbenen Clive Burr kennenlernte. So führte eins zum anderen – und um Deep Purple kein Weg vorbei!


4. UFO – Cherry

„Oh ja“, rief Steve Harris auf die vielen Stilwechsel seiner Band im Laufe der Zeit angesprochen aus. „Das ist der Einfluss von Yes, Genesis, Pink Floyd, Jethro Tull, all dieser Kram. Wir wollten deren Taktwechsel mit der Heaviness von Black Sabbath und Deep Purple mit einer Prise Led Zeppelin zusammenbringen.“ Ganz schön viele Namen und insbesondere der von Led Zeppelin überrascht in dieser Liste keineswegs. Fans kennen sicherlich Iron Maidens Coverversion vom ikonischen Led Zep-Stück Communication Breakdown! Und wer den Song je gehört hat, wird darin ganz klar die Vorlage für Harris’ galoppierendes Bassspiel ausmachen.

Gerüchteweise soll ein Musiker einen noch bleibenderen Eindruck bei Harris hinterlassen haben, der UFO-Bassist Pete Way. Angeblich soll er sein Spiel ganz nach dem des Idols ausgerichtet haben. Insbesondere der Song Cherry hat es ihm angetan. Way lachte in einem Interview, als er darauf angesprochen wurde. „Naja, Steve hat uns in Anfangszeiten oft zugeschaut“, schmunzelte er. „Er stand immer in der ersten Reihe. Er hat nette Dinge über mich gesagt und ich denke, dass ich schon behaupten darf, dass er sich von mir nicht allein die gestreiften Hosen abgeschaut hat…“ Also, bei allem Respekt vor John Paul Jones: UFO waren demnach dann doch etwas wichtiger für Iron Maiden…


5. Wishbone Ash – The King Will Come

Und an der Gitarrenfront? Keine Frage, die zuweilen drei Gitarristen von Iron Maiden haben sich viel von den Helden der Doppel-Gitarre abgeschaut: Wishbone Ash zum einen und des Weiteren Thin Lizzy. „Ich denke, wenn irgendjemand Iron Maidens Frühwerk verstehen will, vor allem die Gitarrenharmonien, hilft nur der Griff zu Wishbone Ashs Argus-Album“, sagte Harris in einem Interview. „Thin Lizzy waren auch wichtig, aber nicht so sehr.“

Okay, aber was sagen die Gitarristen der Band denn dazu? Harris ist zwar ein Hansdampf in allen Gassen, beschränkt sich aber zumeist auf den Viersaiter. In einem Interview über ihr Zusammenspiel erzählten Adrian Smith und Dave Murray davon, wie sie den Wishbone Ash-Sound weiterentwickelten. „Wir haben uns diesem Doppel-Gitarren-Ding angenommen und waren nach Wishbone Ash eine der ersten Bands, die das getan haben“, sagte Smith. „Wir ergänzen uns, es ist echtes Teamwork“, stimmte Murray zu. Wobei natürlich auch andere Gruppen schon ähnliche Stilmittel eingesetzt hatten, etwa die Allman Brothers Band.


6. Jimi Hendrix – Voodoo Chile (Slight Return)

Es ist bei Iron Maiden nicht immer leicht, herauszuhören, wer da gerade spielt. Murray, Smith und Gers aber haben eine jeweils sehr bestimmte Art, zu spielen. Murray beispielsweise ist für seine Legato-Technik bekannt, er zieht die Töne auch gerne mal genüsslich lang und lässt sie voll ausklingen. Anders als seine Kollegen, die lieber Vollgas geben! Seine Wurzeln hat dieser Stil natürlich im Blues, perfektioniert aber wurde er Ende der sechziger Jahre.

Von wem? Von keinem Geringeren als vom besten Gitarristen aller Zeiten natürlich! „Ich habe Jimi Hendrix legato spielen gehört, als ich ein Teenager war, und mochte es auf Anhieb“, erinnerte sich Murray. Als das erste Mal Voodoo Chile (Slight Return) im Radio ertönte, war er sofort gepackt. „Du weißt, du hörst da etwas – ein Instrument – und du kannst nicht genau sagen, was es ist. Und das war das Wah Wah-Pedal für mich!“, erinnerte er sich an die rätselhafte, aber prägende erste Begegnung mit Hendrix’ Musik.


7. Genesis – Dancing With the Moonlit Knight

Der Psychedelic Rock von Hendrix ist nicht der einzige Einfluss Iron Maidens, der auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt. Auch vom Prog Rock, wie ihn Bands wie Genesis, Yes oder später Pink Floyd perfektioniert hatten, schnitten sie sich eine dicke Scheibe ab. Das Resultat waren nicht immer ewig lange Songs, zumindest aber komplexe Strukturen und fantastische Erzählmotive. Eine Band wie Genesis legte dafür einerseits mit theatralischen Bühnenshows und andererseits einer Musik vor, die insbesondere zur legendären Peter Gabriel-Phase alle Konventionen sprengte.

„Es war einfach nicht mehr dasselbe, nachdem Gabriel die Band verließ“, seufzte der erklärte Fan Harris in einem Interview über den markanten Bruch in der Karriere der Band. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich kaufte mir den Melody Maker und es stand auf der Titelseite, ich war fix und fertig. Sie waren zu der Zeit meine absolute Lieblingsband!“ Alben wie Selling England by the Pound stehen bei ihm aber nach wie vor ganz oben auf der Liste. „Bei den frühen Genesis kriege ich Gänsehaut!“ Wer nicht?


8. Jethro Tull – Aqualung

Ein ganz eigener Gänsehautgarant steht seit geraumer Zeit (wieder) in Harris’ Band am Mikrofon. Quälende sechs Jahre war Dickinson, der erstmals auf The Number of the Beast den Gesang übernommen hatte, nicht Teil der Band, bevor er zurückkehrte. Mit ihm kam das Charisma auf die Bühne zurück, denn sein operettenhafter Stil fügt der Band erst das gewisse Etwas hinzu. Gelernt hat er das schon früh und zwar nur von den Besten: Jethro Tull waren eine der Bands, die er bereits zu Schulzeiten live erleben durfte. Das hinterließ Spuren!

Neben Arthur Brown, Peter Hammill von Van der Graaf Generator sowie natürlich Ian Gillan nennt Dickinson Ian Anderson von Jethro Tull als eines seiner großen Vorbilder. „Vor allem in Hinsicht auf die Lyrics!“, betonte er. Neben großen Poeten wie William Blake gehört der Aqualung-Komponist zu seinen Haupteinflüssen beim Texteschreiben. Umso schöner, dass die beiden sich 2011 sogar die Bühne teilen durften: Um Geld für den Wiederaufbau der berühmten Canterbury-Kathedrale zu sammeln, standen sie für zwei Duette – Jerusalem und Revelations – gemeinsam auf der Bühne.


9. Wolfsbane – Killing Machine

Doch vergessen wir nicht, dass neben Di‘Anno und Dickinson noch jemand anderes am Mikro stand. Gut, die fünf Jahre mit Blaze Bayley sind bei Fans umstritten – viele meinen, er könne Dickinson niemals das Wasser reichen. Der Arme hatte allerdings kein gutes Los gezogen. Nachdem mit Dickinson die Fetzen flogen, suchte die Band einen neuen Sänger und erhielt auch ein Tape von dem Briten. Die Band kannte Bayley noch seiner Gruppe Wolfsbane, mit der sie 1990 auf Tour gewesen waren. Obwohl er stimmlich lange nicht dasselbe Register bedienen konnte wie Dickinson, heuerten sie ihn an.

Wie wohl Bayleys Karriere verlaufen wäre, hätte er dafür seinen Job bei Wolfsbane nicht an den Nagel gehängt? Nur wenig später nämlich war er wieder arbeitslos. Die offizielle Begründung lautete, dass Bayley während der Virtual XI World-Tour Stimmprobleme erlebt hätte. Gers aber gab zerknirscht zu, dass die Band einen Fehler gemacht hatte, als sie ihn dazu bringen wollte, mehr zu leisten, als sein natürliches Talent es zuließ. Schade eigentlich, denn obwohl Bayley der Theatralik eines Dickinsons nicht das Wasser reichen konnte, so brachte er doch den schnoddrigen Punkrock-Flair mit, der auch schon immer Teil von Iron Maidens musikalischer DNA war.


10. Avenged Sevenfold – Hail to the King

Mit ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit, ihrem technischen Können und ihren fantastischen Lyrics haben Iron Maiden die Metal-Welt geprägt wie keine zweite Band. Die Big Four der Thrash-Ära? Nicht auszumalen ohne die Vorarbeit von Iron Maiden! Bis heute hält der Einfluss der Band an und noch immer gehört eine kleine Grundausbildung in Sachen Iron Maiden unbedingt auf den Lehrplan jedes angehenden Metalheads.

Auch die jüngeren Generationen haben nichts als Respekt für die hart arbeitende Band übrig. Avenged Sevenfold beispielsweise gründeten sich 1999 unter dem Einfluss der Platten von Dickinson und seinen Kollegen. Sänger M. Shadows erinnerte sich gegenüber dem Rolling Stone an seine erste Berührung mit der Band. „Als ich sie mit 12 Jahren entdeckte, waren sie nun wirklich nicht die bekannteste Metal-Band in Amerika. Dann aber kaufte ich mir Piece of Mind und konnte kaum fassen, wie lang die Songs waren, mit so vielen Soli!“ Bald schon fraß er sich durch den Backkatalog und wurde ein Die-Hard-Fan. Seine Band übernahm den Doppel-Gitarren-Stil und wurde damit weltweit erfolgreich. Sogar Harris konnten sie überzeugen. Neben Biffy Clyro nannte er sie als eine der zwei Rock-Bands, die ihm dieser Tage die meiste Hoffnung für die Zukunft des Genres geben. Wenn das mal kein Kompliment ist!


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Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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