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Popkultur

Die musikalische DNA von Iron Maiden

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Iron Maiden-Fan sein, das ist ein Vollzeitjob. Denn natürlich können alle ernsthaften Metalheads das ikonische Gitarrenlick von Run to the Hills mitquietschen, kennen die Number of the Beast aus dem Effeff und begrüßen Eddie wie einen alten Freund, wenn sie ihn sehen. Aber wer Iron Maiden-Fan ist, kann und muss noch viel mehr. Wer Iron Maiden-Fan ist, hat eine Meinung zu den verschiedenen Frontmännern und anderen Bandmitgliedern, kennt sich in der unüberschaubaren Diskografie der Band gut aus und könnte sich nebenbei noch in einem literaturwissenschaftlichen Seminar bestens behaupten – Iron Maiden-Lyrics bilden schließlich!


Hör hier in die musikalische DNA von Iron Maiden rein:

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Zur ganzen Playlist klick auf “Listen”.


Um Iron Maiden ranken sich viele Missverständnisse und das nicht nur bei besorgten Christengruppen in den USA oder anderswo. Als Pioniere der New Wave of British Heavy Metal wurden sie legendär, doch viele sahen die Zeit der Band wieder und wieder abgelaufen. Doch wenn Iron Maiden einen Zenit überschritten haben, suchen sie sich die nächste Herausforderung – seit über vier Jahrzehnten schon. Kaum eine Metal-Band war dermaßen ambitioniert und dennoch so konsequent. So geschwind das Besetzungskarussell sich auch drehte, die Band blieb sich und ihren Ideen treu.

Mit ihrer Musik haben Iron Maiden die ganz Großen beeinflusst. Thrash Metal? Ohne Iron Maiden nicht denkbar. Selbst Popstars lassen sich gerne mit Iron Maiden-Shirt ablichten – aus welchen Gründen auch immer. Doch noch interessanter ist die Frage, welche Einflüsse eigentlich den Sound von Iron Maiden geprägt haben. Fans wissen das vermutlich längst, allen anderen hilft ein Blick auf die musikalische DNA der Band.


1. KISS – She’s So European

Schon bevor Iron Maiden überhaupt den allerersten Ton auf Platte bannen konnten, löste sich die Band zeitweise auf. Aber von Anfang an: Steve Harris – bis heute das einzige verbliebene Gründungsmitglied bei Maiden – rief die Band ausgerechnet an Weihnachten im Jahr 1975 ins Leben. Inspiration für den Namen lieferte die Verfilmung von Alexandre Dumas’ Roman Der Mann mit der eisernen Maske, verspätete Schützenhilfe kam fünf Jahre später allerdings von Männern mit aufgeschminkten Masken: KISS tourten 1980 gemeinsam mit der jungen Band, die gerade ihr Debütalbum veröffentlicht hatte, durch Europa, um ihr Album Unmasked zu promoten.

Gene Simmons und seine Kollegen sollen sich überraschend umgänglich gegeben haben. Schon am Anfang der Tour hat der Demon Iron Maiden angeblich einen Besuch im Backstage abgestattet haben, um ihr Debüt zu loben. Ob er es denn sogar gehört hätte, fragte barsch Paul Di‘Anno, damals noch Sänger der Band. Simmons ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und ratterte der Legende nach die gesamte Trackliste der LP herunter, Stück für Stück! Nach der Tour trennten sich die Wege beider Bands jedoch und kreuzten sich nur selten. In einem Interview allerdings rügten KISS den vor ihnen sitzenden Journalisten, weil dieser ein Iron Maiden-Shirt trug. „Du bist bei uns Zuhause, zeig etwas Respekt!“, donnerten sie. Was natürlich nicht als Affront gegen die britischen Kollegen gemeint war – vor denen haben sie schließlich fast vier Jahrzehnte nach der gemeinsamen Tour Hochachtung.


2. Black Sabbath – Sabbath Bloody Sabbath

Die Metal-Szene kann ein eitler Haufen sein. Das mussten Iron Maiden auch auf die harte Tour lernen, als sie 2005 ihr letztes Konzert auf der Ozzfest-Tour spielten. Es hagelte Eier und Feuerzeuge auf die verdatterte Band. Wieso? Bruce Dickinson hatte etwas gegen den liebsten Zeitvertrieb von Ozzy Osbourne und seiner Familie zu sagen gewagt, Reality-TV… Naja. Jahre später sollte es sich aber noch einrenken: 2010 fanden sich unter anderem Tommy Iommi und Maiden-Drummer Nicko McBrain mit anderen Stars der Metal-Community zusammen, um den Song Out of My Mind aufzunehmen. Mit den Einnahmen aus dem Erlös sollte eine Musikschule im armenischen Gjumri zu sammeln, nachdem die Stadt 1988 von einem Erdbeben zerstört wurde.

„Ich bin ein Riesenfan von Black Sabbath. Sie waren ein großer Einfluss für uns, sie sind großartige Musiker“, sagte Maiden-Gitarrist Dave Murray außerdem 2013. Denn egal, was Ozzy und seine Familie der Band auch immer an diesem verhängnisvollen Tag im Jahr 2005 antaten: Dass er und seine Band als Metal-Pioniere für sie ungemein wichtig waren, steht außer Frage. Dickinson selbst hatte 1994 ihnen auf der Tribute-Compilation gemeinsam mit der Band Godspeed seinen Respekt mit einem Sabbath Bloody Sabbath-Cover erwiesen. Glasklarer Fall, schließlich gehörte nicht allein das legendäre Debüt der Band aus Birmingham zu den ersten LPs, die ihm den Weg in die Metal-Welt aufzeigten.


3. Deep Purple – Child In Time

Vor Black Sabbath aber waren Deep Purple die härteste Band der Welt. Noch bevor er sich Black Sabbath zulegte, lernte der Teenager Dickinson in seinem Internet in Northamptonshire den Sound von Ian Gillan – selbst im Laufe seiner langen Karriere kurzzeitig Black Sabbath-Mitglied – und seinen Kollegen kennen, als Child in Time aus dem Nebenzimmer dröhnte. „Als Kind habe ich meine ersten Erfahrungen mit Purple gemacht“, erinnerte er sich. „Damit bin ich aufgewachsen, das hat mich morgens in Sachen Rock’n‘Roll aus dem Bett geholt!“ Insbesondere der expressive Gesang von Gillan hatte es ihm natürlich angetan.

Dickinson ist nicht das einzige Maiden-Mitglied, das sich auf Purple beruft. Auch Steve Harris nannte die Band als ausschlaggebend für sein Songwriting und Gitarrist Janick Gers nennt den Stil von Ritchie Blackmore als vorbildlich für sein Spiel. Kein Wunder, hatte er doch selbst mit dessen Kollegen Gillan in der NWOBHM-Band White Spirit gespielt, bevor er in der Gruppe Gogmagog Sänger Paul Di‘Anno und den 2013 verstorbenen Clive Burr kennenlernte. So führte eins zum anderen – und um Deep Purple kein Weg vorbei!


4. UFO – Cherry

„Oh ja“, rief Steve Harris auf die vielen Stilwechsel seiner Band im Laufe der Zeit angesprochen aus. „Das ist der Einfluss von Yes, Genesis, Pink Floyd, Jethro Tull, all dieser Kram. Wir wollten deren Taktwechsel mit der Heaviness von Black Sabbath und Deep Purple mit einer Prise Led Zeppelin zusammenbringen.“ Ganz schön viele Namen und insbesondere der von Led Zeppelin überrascht in dieser Liste keineswegs. Fans kennen sicherlich Iron Maidens Coverversion vom ikonischen Led Zep-Stück Communication Breakdown! Und wer den Song je gehört hat, wird darin ganz klar die Vorlage für Harris’ galoppierendes Bassspiel ausmachen.

Gerüchteweise soll ein Musiker einen noch bleibenderen Eindruck bei Harris hinterlassen haben, der UFO-Bassist Pete Way. Angeblich soll er sein Spiel ganz nach dem des Idols ausgerichtet haben. Insbesondere der Song Cherry hat es ihm angetan. Way lachte in einem Interview, als er darauf angesprochen wurde. „Naja, Steve hat uns in Anfangszeiten oft zugeschaut“, schmunzelte er. „Er stand immer in der ersten Reihe. Er hat nette Dinge über mich gesagt und ich denke, dass ich schon behaupten darf, dass er sich von mir nicht allein die gestreiften Hosen abgeschaut hat…“ Also, bei allem Respekt vor John Paul Jones: UFO waren demnach dann doch etwas wichtiger für Iron Maiden…


5. Wishbone Ash – The King Will Come

Und an der Gitarrenfront? Keine Frage, die zuweilen drei Gitarristen von Iron Maiden haben sich viel von den Helden der Doppel-Gitarre abgeschaut: Wishbone Ash zum einen und des Weiteren Thin Lizzy. „Ich denke, wenn irgendjemand Iron Maidens Frühwerk verstehen will, vor allem die Gitarrenharmonien, hilft nur der Griff zu Wishbone Ashs Argus-Album“, sagte Harris in einem Interview. „Thin Lizzy waren auch wichtig, aber nicht so sehr.“

Okay, aber was sagen die Gitarristen der Band denn dazu? Harris ist zwar ein Hansdampf in allen Gassen, beschränkt sich aber zumeist auf den Viersaiter. In einem Interview über ihr Zusammenspiel erzählten Adrian Smith und Dave Murray davon, wie sie den Wishbone Ash-Sound weiterentwickelten. „Wir haben uns diesem Doppel-Gitarren-Ding angenommen und waren nach Wishbone Ash eine der ersten Bands, die das getan haben“, sagte Smith. „Wir ergänzen uns, es ist echtes Teamwork“, stimmte Murray zu. Wobei natürlich auch andere Gruppen schon ähnliche Stilmittel eingesetzt hatten, etwa die Allman Brothers Band.


6. Jimi Hendrix – Voodoo Chile (Slight Return)

Es ist bei Iron Maiden nicht immer leicht, herauszuhören, wer da gerade spielt. Murray, Smith und Gers aber haben eine jeweils sehr bestimmte Art, zu spielen. Murray beispielsweise ist für seine Legato-Technik bekannt, er zieht die Töne auch gerne mal genüsslich lang und lässt sie voll ausklingen. Anders als seine Kollegen, die lieber Vollgas geben! Seine Wurzeln hat dieser Stil natürlich im Blues, perfektioniert aber wurde er Ende der sechziger Jahre.

Von wem? Von keinem Geringeren als vom besten Gitarristen aller Zeiten natürlich! „Ich habe Jimi Hendrix legato spielen gehört, als ich ein Teenager war, und mochte es auf Anhieb“, erinnerte sich Murray. Als das erste Mal Voodoo Chile (Slight Return) im Radio ertönte, war er sofort gepackt. „Du weißt, du hörst da etwas – ein Instrument – und du kannst nicht genau sagen, was es ist. Und das war das Wah Wah-Pedal für mich!“, erinnerte er sich an die rätselhafte, aber prägende erste Begegnung mit Hendrix’ Musik.


7. Genesis – Dancing With the Moonlit Knight

Der Psychedelic Rock von Hendrix ist nicht der einzige Einfluss Iron Maidens, der auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt. Auch vom Prog Rock, wie ihn Bands wie Genesis, Yes oder später Pink Floyd perfektioniert hatten, schnitten sie sich eine dicke Scheibe ab. Das Resultat waren nicht immer ewig lange Songs, zumindest aber komplexe Strukturen und fantastische Erzählmotive. Eine Band wie Genesis legte dafür einerseits mit theatralischen Bühnenshows und andererseits einer Musik vor, die insbesondere zur legendären Peter Gabriel-Phase alle Konventionen sprengte.

„Es war einfach nicht mehr dasselbe, nachdem Gabriel die Band verließ“, seufzte der erklärte Fan Harris in einem Interview über den markanten Bruch in der Karriere der Band. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Ich kaufte mir den Melody Maker und es stand auf der Titelseite, ich war fix und fertig. Sie waren zu der Zeit meine absolute Lieblingsband!“ Alben wie Selling England by the Pound stehen bei ihm aber nach wie vor ganz oben auf der Liste. „Bei den frühen Genesis kriege ich Gänsehaut!“ Wer nicht?


8. Jethro Tull – Aqualung

Ein ganz eigener Gänsehautgarant steht seit geraumer Zeit (wieder) in Harris’ Band am Mikrofon. Quälende sechs Jahre war Dickinson, der erstmals auf The Number of the Beast den Gesang übernommen hatte, nicht Teil der Band, bevor er zurückkehrte. Mit ihm kam das Charisma auf die Bühne zurück, denn sein operettenhafter Stil fügt der Band erst das gewisse Etwas hinzu. Gelernt hat er das schon früh und zwar nur von den Besten: Jethro Tull waren eine der Bands, die er bereits zu Schulzeiten live erleben durfte. Das hinterließ Spuren!

Neben Arthur Brown, Peter Hammill von Van der Graaf Generator sowie natürlich Ian Gillan nennt Dickinson Ian Anderson von Jethro Tull als eines seiner großen Vorbilder. „Vor allem in Hinsicht auf die Lyrics!“, betonte er. Neben großen Poeten wie William Blake gehört der Aqualung-Komponist zu seinen Haupteinflüssen beim Texteschreiben. Umso schöner, dass die beiden sich 2011 sogar die Bühne teilen durften: Um Geld für den Wiederaufbau der berühmten Canterbury-Kathedrale zu sammeln, standen sie für zwei Duette – Jerusalem und Revelations – gemeinsam auf der Bühne.


9. Wolfsbane – Killing Machine

Doch vergessen wir nicht, dass neben Di‘Anno und Dickinson noch jemand anderes am Mikro stand. Gut, die fünf Jahre mit Blaze Bayley sind bei Fans umstritten – viele meinen, er könne Dickinson niemals das Wasser reichen. Der Arme hatte allerdings kein gutes Los gezogen. Nachdem mit Dickinson die Fetzen flogen, suchte die Band einen neuen Sänger und erhielt auch ein Tape von dem Briten. Die Band kannte Bayley noch seiner Gruppe Wolfsbane, mit der sie 1990 auf Tour gewesen waren. Obwohl er stimmlich lange nicht dasselbe Register bedienen konnte wie Dickinson, heuerten sie ihn an.

Wie wohl Bayleys Karriere verlaufen wäre, hätte er dafür seinen Job bei Wolfsbane nicht an den Nagel gehängt? Nur wenig später nämlich war er wieder arbeitslos. Die offizielle Begründung lautete, dass Bayley während der Virtual XI World-Tour Stimmprobleme erlebt hätte. Gers aber gab zerknirscht zu, dass die Band einen Fehler gemacht hatte, als sie ihn dazu bringen wollte, mehr zu leisten, als sein natürliches Talent es zuließ. Schade eigentlich, denn obwohl Bayley der Theatralik eines Dickinsons nicht das Wasser reichen konnte, so brachte er doch den schnoddrigen Punkrock-Flair mit, der auch schon immer Teil von Iron Maidens musikalischer DNA war.


10. Avenged Sevenfold – Hail to the King

Mit ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit, ihrem technischen Können und ihren fantastischen Lyrics haben Iron Maiden die Metal-Welt geprägt wie keine zweite Band. Die Big Four der Thrash-Ära? Nicht auszumalen ohne die Vorarbeit von Iron Maiden! Bis heute hält der Einfluss der Band an und noch immer gehört eine kleine Grundausbildung in Sachen Iron Maiden unbedingt auf den Lehrplan jedes angehenden Metalheads.

Auch die jüngeren Generationen haben nichts als Respekt für die hart arbeitende Band übrig. Avenged Sevenfold beispielsweise gründeten sich 1999 unter dem Einfluss der Platten von Dickinson und seinen Kollegen. Sänger M. Shadows erinnerte sich gegenüber dem Rolling Stone an seine erste Berührung mit der Band. „Als ich sie mit 12 Jahren entdeckte, waren sie nun wirklich nicht die bekannteste Metal-Band in Amerika. Dann aber kaufte ich mir Piece of Mind und konnte kaum fassen, wie lang die Songs waren, mit so vielen Soli!“ Bald schon fraß er sich durch den Backkatalog und wurde ein Die-Hard-Fan. Seine Band übernahm den Doppel-Gitarren-Stil und wurde damit weltweit erfolgreich. Sogar Harris konnten sie überzeugen. Neben Biffy Clyro nannte er sie als eine der zwei Rock-Bands, die ihm dieser Tage die meiste Hoffnung für die Zukunft des Genres geben. Wenn das mal kein Kompliment ist!


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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

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Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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