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Die musikalische DNA von Tears for Fears

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„Everybody wants to rule the world“, sangen Tears For Fears einst und für eine gewisse Zeit war ihnen genau das vergönnt. Zumindest herrschten sie über die Musikwelt. Drei Alben nur veröffentlichten Curt Smith und Roland Orzabal in den achtziger Jahren, bevor sie die Neunziger über getrennte Wege gingen und nur Orzabal unter dem gemeinsamen Namen weitermachte. „Everybody loves a happy ending“, lautete der augenzwinkernde Slogan, als sich die beiden 2004 für ein neues Album zusammen fanden. Die Welt wollen sie damit nicht mehr beherrschen. Tears For Fears gehören zu den seltenen Musikern, die einsehen, dass sie ihren kommerziellen Zenit überschritten haben. Was sie nicht daran hindert, musikalisch immer noch das Beste zu geben.


Hör dir hier die musikalische DNA von Tears for Fears als Playlist an und lies weiter:

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Mit Shout und Everybody Wants To Rule The World von ihrem Album Songs From The Big Chair stieg das Duo prompt an die Spitze des Hypes um britischen Synth Pop auf. Die Themen der Platte standen in starkem Kontrast zum aufgeräumten Sounddesign der Platte. Statt futuristischer Visionen erzählte die Platte von den Abgründen des Seelenlebens. Tears For Fears trafen damit den Nerv der Zeit, ihr Sound war absolut einzigartig. Aber auch für ihn gibt es Vorbilder. Schauen wir uns also die musikalische DNA der beiden genau an, um herauszufinden, mit welchen Mitteln ausgestattet sich Tears For Fears Anfang der achtziger Jahre dazu aufmachten, die Welt im Sturm zu erobern!


1. Robert Wyatt – Shipbuilding

Lange bevor Tears For Fears ihren epischen Urschrei-Pop vom Pop-Olymp herunter donnern ließen und selbst bevor sie sich mit The Hurting und dem Überraschungserfolg Mad World etablieren konnten, waren Orzabal und Smith in erster Linie Jugendfreunde und Sessionmusiker. Ihr erstes gemeinsames Projekt nach der Arbeit für die Band Neon war ihr Debüt mit der Band Graduate im Jahr 1980.

Graduate legten nicht mehr als eine LP sowie eine Single hin, Elvis Should Play Ska. Gemeint war keineswegs der King Of Rock, sondern der Brite Elvis Costello. Warum der ausgerechnet Ska spielen sollte, ist heutzutage nicht mehr klar. Am liebsten scheinen die beiden ihren Costello sowieso in einem anderen Gewand oder gleich einer ganz anderen Version zu mögen: Robert Wyatts Cover von Costellos Shipbuilding dürfte auf den Plattentellern der beiden eingefleischten Wyatt-Fans noch häufiger rotieren als das Original. Wyatt widmeten sie sogar den Song I Believe von Songs From The Big Chair.


2. Talking Heads – Houses In Motion

Das ehemalige Soft Machine-Mitglied Wyatt ist nur einer der Käuze, zu denen sich Orzabal und Smith zeitlebens hingezogen fühlten. Während im heimischen England die New Wave-Szene florierte, reagierte die USA mit dem abgeklärten No Wave-Sound. Die Talking Heads um den charismatischen Ausnahmekünstler David Byrne brachten die schrille Ästhetik des No Wave-Universums in den Mainstream und begeisterten damit auch das junge britische Duo.

Smith nannte das Talking Heads-Album Remain In Light als eine maßgebliche Inspiration für den Sound des Tears For Fears-Debüts The Hurting. Byrne und seine Band hatten vorgemacht, dass sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten der achtziger Jahre eine eigenwillige Musik schaffen ließ, die zugleich avantgardistisch klang und dennoch kommerziellen Erfolg nicht ausschloss. Genug Inspiration für zwei britische Querköpfe, die hoch hinaus wollten!


3. Brian Eno – By This River

Neben den Talking Heads war Byrne als waschechter Hans Dampf in allen Gassen unterwegs. Eine besonders enge Beziehung pflegte er zum ehemaligen Roxy Music-Keyboarder Brian Eno, der ab Ende der siebziger Jahre die Musikwelt revolutionierte. Waren Roxy Music noch für ihr schrilles Auftreten bekannt, fand Eno als Solokünstler auch in den sanften und leisen Tönen noch genug revolutionäres Potenzial.

Neben dem bahnbrechenden Album Ambient 1: Music For Airports, mit dem der Brite den Grundstein für ein ganzes Genre legte, widmete er sich etwa auf Before And After Science aus dem Jahr 1977 einem Pop-Entwurf, der bisweilen in zarten Tönen aufging. Stille Musik, die dennoch schräg klang – selbstverständlich waren Orzabal und Smith da ganz Ohr!


4. Peter Gabriel – Solsbury Hill

Die späten siebziger und frühen achtziger Jahre waren aufregende Zeiten für die Pop-Welt. Die Tage des Dinosaurier-Rocks waren um, Pop kam zurück und durfte sich mehr erlauben denn ja zuvor. Kaum eine Person personifiziert diesen Paradigmenwechsel dermaßen konequent wie Peter Gabriel. Als dieser 1975 die Prog Rock-Band Genesis verließ, debütierte er zwei Jahre darauf mit dem Stück Solsbury Hill, das von dem gleichnamigen Hügel in der englischen Stadt Bath erzählte, in der auch Tears For Fears aufwuchsen.

Gabriel bewies mit dem Stück, dass er auch ohne seine alte Band im Rücken Erfolg haben konnte und legte so die Grundlage für seine erfolgreiche Solokarriere. Seinen größten Erfolg feierte der Musiker aber wohl mit seinem dritten selbstbetitelten Album, das wie Remain In Light von den Talking Heads im Jahr 1980 erschien und damit Tears For Fears neue Wege aufzeigte.


5. David Bowie – Ashes To Ashes

„In nur einem Jahr erschien Peter Gabriels drittes Album, Remain In Light und Scary Monsters von David Bowie – drei tolle Platten und genau die drei Platten, die mich am meisten beeinflusst haben“, sagte Smith in einem Interview. „Sie zeigten mir, was du mit einer guten Produktion alles erreichen kannst und wie viel größer deine Musik klingen kann, wenn du ordentlich Zeit und Mühe investierst.“

Bowie war aber nicht allein in musikalischer Hinsicht ein wichtiger Vorreiter für das junge Duo. Mit seinem Gesang allein, vor allem aber seinem Auftritten unterlief er traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit. In den achtziger Jahren war es auch Männern möglich, ihr Inneres zum Ausdruck zu bringen. Niemand setzte das eindringlicher durch als Tears For Fears. Dass die beiden das Stück Ashes To Ashes von Bowie Scary Monsters-Album coverten, versteht sich da fast wie von selbst.


6. Frankie Goes To Hollywood – The Power Of Love

Eine andere Platte, die Smith als extrem inspirierend nannte und die 1984 frischen Wind in die Popwelt brachte, war Welcome To The Pleasuredome von Frankie Goes To Hollywood. Das kurzlebige Projekt war ganz nach dem Geschmack der beiden. Als Konzeptgruppe gestartet, feierte die Band ihren ersten Erfolg mit einem Song über homosexuellen Analsex, Relax, und brillierte zugleich mit einer bittersüßen Ballade über die Power Of Love. Was zuerst widersprüchlich wirkt, wurde mit Frankie Goes To Hollywood in ein kohärentes Ganzes integriert.

Insbesondere aber die innovativen Produktionstechniken von Mastermind Trevor Horn hatten es Smith angetan, wie er zugab. „Diese Tiefe war einfach irrsinnig“, schwärmte er über die Qualitäten des Produzenten, der nicht ohne Grund als „The Man Who Invented The Eighties“ tituliert wird. Schade eigentlich, dass die drei nie zusammengearbeitet haben – aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Auch diesseits der achtziger Jahre.


7. Japan – Ghosts

Tears For Fears’ Einflüsse vereinten avantgardistische Visionen mit Mainstream-kompatiblen Pop, ihnen selbst fiel es anfangs allerdings schwer, vergleichbare Erfolge zu erzielen. Nach The Hurting kündigte das Duo an, den „Planeten Sylvian“ in Richtung „Planet Rock“ zu verlassen. Damit spielten sie auf David Sylvian an, den Sänger der britischen Art Pop-Band Japan. Dabei hatten doch Japan bereits bewiesen, dass sich selbst mit absolut schräger Musik noch ein Charterfolg landen ließ.

Das Stück Ghosts vom Japan-Album vom Album Tin Drum wurde zu einem Überraschungserfolg, obwohl es auf kaum mehr als ein bisschen Synthie-Geblubber und gelegentlichen Marimba-Einsätzen basierte. Dagegen wirkt der Sound von Music From The Big Chair geradezu maximalistisch. Aber Tears For Fears hatten auch ein anderes Anliegen als der intellektuelle Sylvian.


8. Radiohead – Creep

Was Tears For Fears stets auszeichnete, war die emotionale Qualität ihrer Musik. Selbst wenn sie sich musikalischen Experimenten widmeten, sprach die Musik doch noch aus vollem Herzen. Über die Jahrzehnte haben sie sich als Band entzweit und wieder zusammengefunden, ihr Interesse an aufregenden Sounds hat allerdings nie nachgelassen. Radiohead waren ein direktes Resultat der aufregenden neuen Pop-Musik der achtziger Jahre und trieben das Programm der Art- und Synth-Pop-Bands seitdem nur noch weiter.

Der Einfluss der Band um Thom Yorke erstreckt sich allerdings auch auf die Helden von damals. Schon 1995 veröffentlichte Orzabal auf der B-Seite ihrer Single Raoul And The Kings Of Spain vom gleichnamigen Album eine Live-Version des Radiohead-Klassikers Creep aus dem Jahr 1992. Heutzutage singt das Duo die Außenseiterhymne immer noch auf Konzerten. Nur logisch, schließlich ist das Stück ebenso laut und eindringlich wie Tears For Fears in ihren besten Momenten.


9. Animal Collective – My Girls

Als sich Tears For Fears im August 2013 nach fast zehnjähriger Veröffentlichungsabstinenz zurückmeldeten, überraschten sie die Weltöffentlichkeit mit gleich drei Coverversionen. Neben Arcade Fires Ready To Start und Hot Chips Boy From School nahmen sie sich auch My Girls der US-amerikanischen Band Animal Collective an. Das Trio, das für den Song die ikonische Sequenz aus Frankie Knuckles’ und Jamie Principles unsterblicher House-Hymne Your Love nachgebaut hatte, muss Orzabal und Smith unweigerlich an ihre Anfangstage erinnert haben.

Angesiedelt zwischen tanzbarer elektronischer Musik und hymnischem Rock folgte My Girls schließlich dem Erfolgsrezept, das Tears For Fears zu einer der größten Bands der Achtziger gemacht hatte. Und dass der Originalsong mit seinen psychedelischen Gesangsharmonien den beiden Musikern viel Raum ließ, um ihre Qualitäten als Sänger zu beweisen, dürfte sie ebenfalls gereizt haben. Und wenn zwischendrin ein urschreiähnliches „Whoo!“ drin ist, umso mehr.


10. Gary Jules – Mad World

Einer der eindringlichsten Tears For Fears-Songs ist ohne Frage Mad World. Es war die erste Single des jungen Duos, das es in die britischen Charts schafft – ein echter Überraschungserfolg angesichts der mehr als deprimierenden Lyrics und der künstlerischen Freiheiten, welche sie die beiden in der Produktion des Stücks erlaubt hatten!

Mad World entwickelte ein spannendes Eigenleben, als es 2001 auf dem Soundtrack des Indie-Films Donnie Darko zu hören war. Die Coverversion von Gary Jules und Michael Andrews nahm das Tempo aus dem treibenden Synth Pop-Stück und verwandelte es in eine getragene Klavier-Ballade. Eine Version, die selbst Smith als im Vergleich mit dem Original „den Lyrics viel angemessener“ bezeichnete. „Es sagt viel über die englische Psyche aus, dass die Gary Jules-Version ein Weihnachtshit wurde“, spöttelte er.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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