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Popkultur

Die musikalische DNA von Tears for Fears

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„Everybody wants to rule the world“, sangen Tears For Fears einst und für eine gewisse Zeit war ihnen genau das vergönnt. Zumindest herrschten sie über die Musikwelt. Drei Alben nur veröffentlichten Curt Smith und Roland Orzabal in den achtziger Jahren, bevor sie die Neunziger über getrennte Wege gingen und nur Orzabal unter dem gemeinsamen Namen weitermachte. „Everybody loves a happy ending“, lautete der augenzwinkernde Slogan, als sich die beiden 2004 für ein neues Album zusammen fanden. Die Welt wollen sie damit nicht mehr beherrschen. Tears For Fears gehören zu den seltenen Musikern, die einsehen, dass sie ihren kommerziellen Zenit überschritten haben. Was sie nicht daran hindert, musikalisch immer noch das Beste zu geben.


Hör dir hier die musikalische DNA von Tears for Fears als Playlist an und lies weiter:


Mit Shout und Everybody Wants To Rule The World von ihrem Album Songs From The Big Chair stieg das Duo prompt an die Spitze des Hypes um britischen Synth Pop auf. Die Themen der Platte standen in starkem Kontrast zum aufgeräumten Sounddesign der Platte. Statt futuristischer Visionen erzählte die Platte von den Abgründen des Seelenlebens. Tears For Fears trafen damit den Nerv der Zeit, ihr Sound war absolut einzigartig. Aber auch für ihn gibt es Vorbilder. Schauen wir uns also die musikalische DNA der beiden genau an, um herauszufinden, mit welchen Mitteln ausgestattet sich Tears For Fears Anfang der achtziger Jahre dazu aufmachten, die Welt im Sturm zu erobern!


1. Robert Wyatt – Shipbuilding

Lange bevor Tears For Fears ihren epischen Urschrei-Pop vom Pop-Olymp herunter donnern ließen und selbst bevor sie sich mit The Hurting und dem Überraschungserfolg Mad World etablieren konnten, waren Orzabal und Smith in erster Linie Jugendfreunde und Sessionmusiker. Ihr erstes gemeinsames Projekt nach der Arbeit für die Band Neon war ihr Debüt mit der Band Graduate im Jahr 1980.

Graduate legten nicht mehr als eine LP sowie eine Single hin, Elvis Should Play Ska. Gemeint war keineswegs der King Of Rock, sondern der Brite Elvis Costello. Warum der ausgerechnet Ska spielen sollte, ist heutzutage nicht mehr klar. Am liebsten scheinen die beiden ihren Costello sowieso in einem anderen Gewand oder gleich einer ganz anderen Version zu mögen: Robert Wyatts Cover von Costellos Shipbuilding dürfte auf den Plattentellern der beiden eingefleischten Wyatt-Fans noch häufiger rotieren als das Original. Wyatt widmeten sie sogar den Song I Believe von Songs From The Big Chair.


2. Talking Heads – Houses In Motion

Das ehemalige Soft Machine-Mitglied Wyatt ist nur einer der Käuze, zu denen sich Orzabal und Smith zeitlebens hingezogen fühlten. Während im heimischen England die New Wave-Szene florierte, reagierte die USA mit dem abgeklärten No Wave-Sound. Die Talking Heads um den charismatischen Ausnahmekünstler David Byrne brachten die schrille Ästhetik des No Wave-Universums in den Mainstream und begeisterten damit auch das junge britische Duo.

Smith nannte das Talking Heads-Album Remain In Light als eine maßgebliche Inspiration für den Sound des Tears For Fears-Debüts The Hurting. Byrne und seine Band hatten vorgemacht, dass sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten der achtziger Jahre eine eigenwillige Musik schaffen ließ, die zugleich avantgardistisch klang und dennoch kommerziellen Erfolg nicht ausschloss. Genug Inspiration für zwei britische Querköpfe, die hoch hinaus wollten!


3. Brian Eno – By This River

Neben den Talking Heads war Byrne als waschechter Hans Dampf in allen Gassen unterwegs. Eine besonders enge Beziehung pflegte er zum ehemaligen Roxy Music-Keyboarder Brian Eno, der ab Ende der siebziger Jahre die Musikwelt revolutionierte. Waren Roxy Music noch für ihr schrilles Auftreten bekannt, fand Eno als Solokünstler auch in den sanften und leisen Tönen noch genug revolutionäres Potenzial.

Neben dem bahnbrechenden Album Ambient 1: Music For Airports, mit dem der Brite den Grundstein für ein ganzes Genre legte, widmete er sich etwa auf Before And After Science aus dem Jahr 1977 einem Pop-Entwurf, der bisweilen in zarten Tönen aufging. Stille Musik, die dennoch schräg klang – selbstverständlich waren Orzabal und Smith da ganz Ohr!


4. Peter Gabriel – Solsbury Hill

Die späten siebziger und frühen achtziger Jahre waren aufregende Zeiten für die Pop-Welt. Die Tage des Dinosaurier-Rocks waren um, Pop kam zurück und durfte sich mehr erlauben denn ja zuvor. Kaum eine Person personifiziert diesen Paradigmenwechsel dermaßen konequent wie Peter Gabriel. Als dieser 1975 die Prog Rock-Band Genesis verließ, debütierte er zwei Jahre darauf mit dem Stück Solsbury Hill, das von dem gleichnamigen Hügel in der englischen Stadt Bath erzählte, in der auch Tears For Fears aufwuchsen.

Gabriel bewies mit dem Stück, dass er auch ohne seine alte Band im Rücken Erfolg haben konnte und legte so die Grundlage für seine erfolgreiche Solokarriere. Seinen größten Erfolg feierte der Musiker aber wohl mit seinem dritten selbstbetitelten Album, das wie Remain In Light von den Talking Heads im Jahr 1980 erschien und damit Tears For Fears neue Wege aufzeigte.


5. David Bowie – Ashes To Ashes

„In nur einem Jahr erschien Peter Gabriels drittes Album, Remain In Light und Scary Monsters von David Bowie – drei tolle Platten und genau die drei Platten, die mich am meisten beeinflusst haben“, sagte Smith in einem Interview. „Sie zeigten mir, was du mit einer guten Produktion alles erreichen kannst und wie viel größer deine Musik klingen kann, wenn du ordentlich Zeit und Mühe investierst.“

Bowie war aber nicht allein in musikalischer Hinsicht ein wichtiger Vorreiter für das junge Duo. Mit seinem Gesang allein, vor allem aber seinem Auftritten unterlief er traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit. In den achtziger Jahren war es auch Männern möglich, ihr Inneres zum Ausdruck zu bringen. Niemand setzte das eindringlicher durch als Tears For Fears. Dass die beiden das Stück Ashes To Ashes von Bowie Scary Monsters-Album coverten, versteht sich da fast wie von selbst.


6. Frankie Goes To Hollywood – The Power Of Love

Eine andere Platte, die Smith als extrem inspirierend nannte und die 1984 frischen Wind in die Popwelt brachte, war Welcome To The Pleasuredome von Frankie Goes To Hollywood. Das kurzlebige Projekt war ganz nach dem Geschmack der beiden. Als Konzeptgruppe gestartet, feierte die Band ihren ersten Erfolg mit einem Song über homosexuellen Analsex, Relax, und brillierte zugleich mit einer bittersüßen Ballade über die Power Of Love. Was zuerst widersprüchlich wirkt, wurde mit Frankie Goes To Hollywood in ein kohärentes Ganzes integriert.

Insbesondere aber die innovativen Produktionstechniken von Mastermind Trevor Horn hatten es Smith angetan, wie er zugab. „Diese Tiefe war einfach irrsinnig“, schwärmte er über die Qualitäten des Produzenten, der nicht ohne Grund als „The Man Who Invented The Eighties“ tituliert wird. Schade eigentlich, dass die drei nie zusammengearbeitet haben – aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Auch diesseits der achtziger Jahre.


7. Japan – Ghosts

Tears For Fears’ Einflüsse vereinten avantgardistische Visionen mit Mainstream-kompatiblen Pop, ihnen selbst fiel es anfangs allerdings schwer, vergleichbare Erfolge zu erzielen. Nach The Hurting kündigte das Duo an, den „Planeten Sylvian“ in Richtung „Planet Rock“ zu verlassen. Damit spielten sie auf David Sylvian an, den Sänger der britischen Art Pop-Band Japan. Dabei hatten doch Japan bereits bewiesen, dass sich selbst mit absolut schräger Musik noch ein Charterfolg landen ließ.

Das Stück Ghosts vom Japan-Album vom Album Tin Drum wurde zu einem Überraschungserfolg, obwohl es auf kaum mehr als ein bisschen Synthie-Geblubber und gelegentlichen Marimba-Einsätzen basierte. Dagegen wirkt der Sound von Music From The Big Chair geradezu maximalistisch. Aber Tears For Fears hatten auch ein anderes Anliegen als der intellektuelle Sylvian.


8. Radiohead – Creep

Was Tears For Fears stets auszeichnete, war die emotionale Qualität ihrer Musik. Selbst wenn sie sich musikalischen Experimenten widmeten, sprach die Musik doch noch aus vollem Herzen. Über die Jahrzehnte haben sie sich als Band entzweit und wieder zusammengefunden, ihr Interesse an aufregenden Sounds hat allerdings nie nachgelassen. Radiohead waren ein direktes Resultat der aufregenden neuen Pop-Musik der achtziger Jahre und trieben das Programm der Art- und Synth-Pop-Bands seitdem nur noch weiter.

Der Einfluss der Band um Thom Yorke erstreckt sich allerdings auch auf die Helden von damals. Schon 1995 veröffentlichte Orzabal auf der B-Seite ihrer Single Raoul And The Kings Of Spain vom gleichnamigen Album eine Live-Version des Radiohead-Klassikers Creep aus dem Jahr 1992. Heutzutage singt das Duo die Außenseiterhymne immer noch auf Konzerten. Nur logisch, schließlich ist das Stück ebenso laut und eindringlich wie Tears For Fears in ihren besten Momenten.


9. Animal Collective – My Girls

Als sich Tears For Fears im August 2013 nach fast zehnjähriger Veröffentlichungsabstinenz zurückmeldeten, überraschten sie die Weltöffentlichkeit mit gleich drei Coverversionen. Neben Arcade Fires Ready To Start und Hot Chips Boy From School nahmen sie sich auch My Girls der US-amerikanischen Band Animal Collective an. Das Trio, das für den Song die ikonische Sequenz aus Frankie Knuckles’ und Jamie Principles unsterblicher House-Hymne Your Love nachgebaut hatte, muss Orzabal und Smith unweigerlich an ihre Anfangstage erinnert haben.

Angesiedelt zwischen tanzbarer elektronischer Musik und hymnischem Rock folgte My Girls schließlich dem Erfolgsrezept, das Tears For Fears zu einer der größten Bands der Achtziger gemacht hatte. Und dass der Originalsong mit seinen psychedelischen Gesangsharmonien den beiden Musikern viel Raum ließ, um ihre Qualitäten als Sänger zu beweisen, dürfte sie ebenfalls gereizt haben. Und wenn zwischendrin ein urschreiähnliches „Whoo!“ drin ist, umso mehr.


10. Gary Jules – Mad World

Einer der eindringlichsten Tears For Fears-Songs ist ohne Frage Mad World. Es war die erste Single des jungen Duos, das es in die britischen Charts schafft – ein echter Überraschungserfolg angesichts der mehr als deprimierenden Lyrics und der künstlerischen Freiheiten, welche sie die beiden in der Produktion des Stücks erlaubt hatten!

Mad World entwickelte ein spannendes Eigenleben, als es 2001 auf dem Soundtrack des Indie-Films Donnie Darko zu hören war. Die Coverversion von Gary Jules und Michael Andrews nahm das Tempo aus dem treibenden Synth Pop-Stück und verwandelte es in eine getragene Klavier-Ballade. Eine Version, die selbst Smith als im Vergleich mit dem Original „den Lyrics viel angemessener“ bezeichnete. „Es sagt viel über die englische Psyche aus, dass die Gary Jules-Version ein Weihnachtshit wurde“, spöttelte er.


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Olivia Newton John: 10 ihrer wichtigsten Stücke

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Oliva Newton John
Foto: Radio Times/Getty Images

Zu Ehren der kürzlich verstorbenen Olivia Newton-John hören wir uns durch zehn ihrer besten Stücke.

 von Markus Brandstetter

Am 8. August 2022 verstarb Olivia Newton John. Die Britin wurde nicht nur mit der Verfilmung des Musicals Grease weltbekannt, sondern hatte auch eine extrem erfolgreiche und langlebige Solokarriere als Musikerin. Vier Grammys, etliche Top-5-Hits und 24 Studioalben — und eine Menge verschiedener Stile von Pop über Folk bis Disco: Wir hören uns an dieser Stelle mal quer durch ihr Schaffen und sprechen über zehn ihrer bemerkenswertesten und/oder bekanntesten Stücke.

1. Long Live Love (1974)

1974 trat Newton-John beim Eurovision Songcontest in London an. Long Live Love ist rückblickend definitiv nicht ihr bestes Stück (sondern eher ein harmloser Schunkelschlager), aber wir wollen es alleine aus historischen Gründen an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt lassen. Für einen Spitzenplatz reichte der Song damals nicht: Newton-John schaffte es immerhin auf Platz 4. Die Konkurrenz war an diesem Abend historisch: Den Sieg mit nach Hause brachten ABBA mit ihrem legendären Stück Waterloo.

2. Xanadu (1980)

Anfang der 1980er-Jahre machte die Künstlerin mit Jeff Lynne und ELO gemeinsame Sache — und veröffentlichte das Stück Xanadu aus dem gleichnamigen Musicalfilm. Der Film entpuppte sich zwar als Flop, den Song ereilte ein besseres Schicksal. Er kletterte in den UK-Charts auf den ersten Platz.

3. Twist Of Fate (1983)

1983 kam es nochmal zur Film-Reunion von Travolta und Newton-John für den Film Two of a Kind. Das sorgte für nostalgische Gefühle, so ganz konnte es aber den globalen Erfolg von Grease nicht mehr anknüpfen. Das Stück Twist of Fate aus dem Film ist aber dennoch erinnerungswürdig.

4. Magic (1989)

Nochmal Xanadu: Aus dem Soundtrack zum Film stammt auch der Disco-Kracher Magic. Das war nicht nur in den Charts extrem beliebt — 1980 bezeichnete John Lennon das Stück als einen jener damals aktuellen Songs, die er mochte. Eine große Ehre — und ein erster Platz in den US-Charts.

5. A Little More Love (1978)

A Little More Love war die erste Single, die Newton-John nach ihrem Mega-Erfolg mit Grease veröffentlichte. Sie erschien auf ihrem 10. Album Totally Hot.

6. I Honestly Love You (1984)

Mit I Honestly Love You landete Olivia Newton-John 1974 einen weltweiten Pop-Hit. Bis sie 1981 Physical veröffentlichte, war I Honestly Love You jenes Stück, mit dem sie meist in Verbindung gebracht wurde, wenn man ihren Namen nannte.

7. You’re The One That I Want (1978)

Natürlich darf auch ein bestimmter Song aus Grease nicht fehlen. Das Duett mit John Travolta  You’re The One That I Want ist eines der bekanntesten Duette der Popgeschichte — und zählt zu Newton-Johns besten Stücken.

8. Hopelessly Devoted To You (1978)

Wer  You’re The One That I Want sagt, muss aber auch Hopelessly Devoted To You sagen — denn der Song aus Grease ist ebenfalls unvergesslich. Die Country-Ballade war für Songschreiber John Ferrer eine große Herausforderung: „Ich habe die längste Zeit damit verbracht, den Text eines Songs zu schreiben, den ich je geschrieben habe. Ich habe jeden Thesaurus und jedes Reimwörterbuch, das ich hatte, benutzt, um ihn richtig zum Laufen zu bringen“, erklärte er  einmal. Die Arbeit zahlte sich aus: Das Stück wurde für einen Oscar als Beste Filmmusik nominiert, verlor aber leider gegen den Beitrag Last Dance aus Thank God It’s Friday.

9. Have You Never Been Mellow (1975)

Auf der Country-Pop-Ballade Have You Never Been Mellow, drei Jahre vor ihrem Mega-Erfolg mit Grease erschienen, klingt Newton-Johns Stimme beinahe schon sirenenhaft. Der Song erschien als Single des gleichnamigen Albums und schaffte es in den USA auf die Spitze der Billboard Charts — völlig zurecht, Have You Never Been Mellow ist ein absolutes Highlight im Backkatalog der Sängerin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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