Join us

Popkultur

Die musikalische DNA von The Police

Published on

„Keine Zukunft!“, lautete der Schlachtruf der Punk-Generation und ironischer Weise leitete genau das eine neue Zeitrechnung der Pop- und Rock-Musik ein. Alles wurde auf null gesetzt, alles war erlaubt und die Grenzen waren wieder zum Überschreiten gedacht. Als Post-Punk oder auch New Wave wurde die Musik bezeichnet, die aus dem Geiste von Punk etwas gänzlich Neues schaffte. Wie das Gros der Bands, die in dieser Zeit federführend wurden, kamen auch The Police aus Großbritannien. Sie hatten die Punk-Revolution miterlebt, konnten aber auch mit einer soliden Grundausbildung in Sachen Blues Rock, Soul und sogar Jazz aufwarten. Selbst vor Reggae, der mit der sogenannten „Windrush generation“ seinen Weg von Jamaika nach England gefunden hatte, stand bei ihnen auf dem Programm.


Hört hier in die musikalische DNA von The Police rein:

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Das sind ganz schön viele Einflüsse für eine Band, die für die meiste Zeit aus lediglich drei Mitgliedern bestand: Bassist und Sänger Sting, Stewart Copeland und Andy Summers, der bereits im August 1977 den ursprünglichen Gitarristen Henri Padovani ersetzt hatte. Ganz schön groß waren auch die Erfolge der Band, die zwischen 1978 und 1981 fünf Alben veröffentlichten. Schon mit Roxanne von ihrem Debüt Outlandos d’Amour lieferten sie einen ikonischen Crossover-Hit ab, der Reggae mit Punk und viel Pop-Appeal zusammenbrachte. Das schmeckte dem Underground nicht wirklich, aber The Police scherten sich wenig drum. Was sie vor allem auseinander trieb, waren interne künstlerische und persönliche Differenzen sowie Probleme im Privatleben. Einen gebührenden Abschluss für ihre Karriere legten sie dann mit einer großen Tour von 2007 bis 2008 hin. Ob‘s das wirklich für immer gewesen war? Wer weiß.

Was wir mit Sicherheit sagen können: The Police gehörten zu den wenigen Bands, die Rock-Musik nach den siebziger Jahren unbeschadet ins nächste Jahrzehnt hinüberretten konnten. Welche Klänge sie bei dieser Mammutaufgabe beeinflussten, erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


1. Jimi Hendrix – Gypsy Eyes

Wie weit wir ausholen müssen, um die Inspiration von The Police einzukreisen, das zeigt schon ihre Gründung an. Im November 1976 traf Steward Copeland auf den ehemaligen Lehrer Gordon Sumner, den all wegen seines schwarz-gelben Bienenlooks nur „Sting“ nannten. Der US-Amerikaner Copeland war der Sohn eines CIA-Agenten und einer Archäologin hätte wohl eigentlich der nächste Indiana Jones sein sollen. Doch er entschied sich mit zwölf Jahren, dafür, auf dem Schlagzeugschemel Platz zu nehmen. Nachdem seine Familie unter anderem in Kairo und Beirut gelebt hatte, fand er in England sein Zuhause, studierte in Kalifornien und kehrte dann ins UK zurück.

Zuerst als Road Manager und später als Drummer heuerte er bei der Band Curved Air an, die sich nach Terry Rileys Komposition A Rainbow in Curved Air benannt hatte. Die von indischer Musik beeinflusste Minimal Music Rileys sowie die klassischen Rhythmen aus unter anderem dem Libanon sowie zuletzt der in Großbritannien sich entfaltende Prog Rock – all das inspirierte Copeland nachhaltig. „Als ich aber noch ein Baby-Drummer war und Drum-Soli hören wollte“, erinnerte er sich, „waren das Sandy Nelson, Ginger Baker und Mitch Mitchell.“ Baker und Mitchell brachten ihm wohl auch bei, wie sich hinterm Kit ein Trio zusammen halten ließ: Mitchell etwa nahm gemeinsam mit Jimi Hendrix und Noel Redding das Electric Ladyland-Album auf. Vom Song Gypsy Eyes angeblich sogar 50 verschiedene Takes…


2. Cream – Sunshine of Your Love

Ginger Baker war Teil einer anderen Band, die für die Entwicklung von The Police nicht minder wichtig war – und nebenbei noch bewies, dass ein Trio bestens funktionieren kann. Eric Clapton, Jack Bruce und Baker bildeten Cream, die Supergroup der Blues Rock-Szene Englands und nebenbei die vielleicht zu dieser Zeit lauteste Band der Welt. Sting war schon seit Schulzeiten ein Fan Claptons, der etwas ältere Gitarrist Summers allerdings kannte sowohl Hendrix als auch die „Slowhand“ noch viel länger. „Ich hab ihm seine erste Les Paul verkauft, mit der er Fresh Cream aufnahm“, verriet er in einem Interview.

Trotzdem spielte sich Summers nie als Mentor des kongenialen Gitarristen auf, der wie The Police – allerdings viel später – Reggae für sich entdeckte und massentauglich machte. Vielmehr zollte Summers der Band Cream durchaus den Respekt, den diese verdient hatten. Wusstet ihr, dass The Police bei ihrer Synchronicity-Tour im Jahr 1984 bei Soundchecks gerne mal Klassiker der sechziger Jahre wie The Kinks‘ You Really Got Me oder eben Creams Sunshine of Your Love spielten, um sich aufzuwärmen? Inklusive messerscharfer Gitarrenlicks natürlich. Summers hat Clapton vielleicht sein Arbeitsgerät verkauft, das Handwerk aber hat er sich von ihm ebenso geliehen…


3. Agustín Barrios – Cordoba

Summers war zehn Jahre älter als Copeland und Summers, als sie zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen und brachte dementsprechend nicht nur ein paar gute Anekdoten, sondern auch einen reichhaltigen Erfahrungsschatz mit. Das Gong-Mitglied Mike Howlett hatte zuerst Sting dazu eingeladen, ihm bei Strontium 90 Gesellschaft zu leisten und holte Copeland mit an Bord, nachdem ihm Schlagzeuger Chris Cutler abgesagt hatte. Summers komplettierte die Band, deren Demos erst in den neunziger Jahren unter dem Titel Strontium 90: Police Academy erschienen – was ein Kalauer!

Seine Qualitäten als Gitarrist hatte Summers vor allem mit Eric Burdon und dessen Bands The Animals unter Beweis gestellt. Das Cover von Traffics Coloured Rain auf dem Animals-Album Love Is enthält ein gar 4 ½-minütiges Gitarrensolo des damals 26-jährigen Gitarristen – der zu dieser Zeit allerdings schon ein gutes Jahrzehnt im Geschäft war. Der Wahnsinn! Das Wissen, das Summers in seine Bands mit einbrachte, war aber auch ein klassisches und erstreckte sich nicht auf Rock-Musik allein. Als einen seiner großen Helden nannte er zum Beispiel Agustín Barrios, einen paraguayischen Gitarrenvirtuoso, der zwischen 1885 und 1944 lebte.


4. The Clash – London‘s Burning

Von Copeland vielfältigen Einflüssen hin zu Summers klassischer Ausbildung in allen Bereichen der Saitenkunst und natürlich Stings bestens dokumentiertem Faible für Jazz tut sich in den Einflüssen von The Police eine ungemeine Virtuosität auf, die zuerst verblüfft. Denn warum ist die Musik dieser drei Typen so verdammt einfach, wenn sie bisweilen so komplexe Musik hören? Die Antwort findet sich im Gründungsdatum der Gruppe. 1977 steht Punk auf dem Zenit. Bands wie die schon wieder im Verglühen begriffenen Sex Pistols sowie The Clash bewiesen: Auch das Einfache kann eine ungemeine Wirkung haben.

The Police mussten sich selbst am Anfang ihrer Karriere oft anhören, dass sie Poser seien. Der Musikjournalist Christopher Gable schrieb etwa: „Die Wahrheit ist, dass die Band sich lediglich mit den Klischees des britischer Siebziger-Punks schmückte. […] Tatsächlich wurden sie von anderen Punk-Bands dafür kritisiert, nicht authentisch zu sein und keine ‚Street Cred‘ zu haben.“ Die Wahrheit war indes, dass sich The Police nicht sonderlich viel um ihre Street Cred kümmerten. Sie hatten Größeres vor. Aus der Punk-Szene holten sie sich allerdings durchaus Inspiration, insbesondere von The Clash. Die nämlich machten schon vor ihnen vor, dass Punk erstaunlich gut mit Reggae harmonieren konnte. Schon auf dem Debütalbum The Clash deutete sich das rhythmisch in Songs wie London’s Burning an.


5. The Who – My Generation

Der minimalistische Ansatz von Punk – „hier ist ein Akkord, dort ein zweiter und hier ein dritter, jetzt gründ‘ ‘ne Band“, frotzelte 1977 ein Karikaturist im US-amerikanischen Fanzine Sideburns (und nicht, wie häufig fälschlich behauptet, in Sniffin‘ Glue) – hatte auf beiden Seiten des Atlantiks seine Vorreiter. The Stooges etwa in den USA oder sogar MC5 oder The Velvet Underground werden als Pioniere genannt. In Großbritannien aber orientierten sich viele Bands an dem, was The Who einst mit Hits wie My Generation aus dem Jahr 1965 losgetreten hatten. Das ging auch an der ansonsten transatlantisch aufgestellten jungen Band nicht vorbei.

Vor allem für ein Mitglied wurden The Who wichtig. Sting debütierte 1979 als Schauspieler in der Rock-Oper Quadrophenia von The Who als Ace Face und legte eine denkwürdige Leistung hin. Der Beginn einer lukrativen Zweitkarriere, die sich negativ auf das Schaffen seiner Band auswirken sollte. Denn als Hauptsongwriter und Sänger stand er schon auf der Bühne ganz vorne, nun allerdings konnte er auch noch anderswo punkten – während seine Kollegen weitgehend in die Röhre schauten. Buchstäblich gesprochen natürlich, denn ab den frühen Achtzigern verbrachte Sting bisweilen mehr Zeit auf der Leinwand als im Studio… Nicht jeder Einfluss ist für die Gesamtheit einer Band ein positiver.


6. Eberhard Schoener – Why Don’t You Answer

Doch wusstet ihr auch, dass sich The Police schon früh und quasi nebenbei einem deutschen Publikum empfahlen? Allgemein wissen bis auf echte Police-Fans nur wenige, dass Sting und Summers sowie zeitweise auch Copeland ab Ende 1977 mit dem Komponisten Eberhard Schoener aus der Kraut- und Art Rock-Szene kollaborierten. Drei Alben kamen dabei zustande, die bisweilen in Richtung Fusion Jazz und Electronica vorstießen. Tracks wie Why Don’t You Answer vom 1978 erschienenen Album Flashback beispielsweise erinnern deutlich an das Schaffen von Bands wie Kraftwerk. Durch Live-Auftritte wurde das Publikum hierzulande mit Stings ungewöhnlicher Stimme vertraut.

Sting erinnerte sich: „Andy brachte Stewart Copeland und mich 1977 nach München, um dort mit dem ungewöhnlichen Dirigenten zusammenzuarbeiten. Wir hatten erst vor Kurzem The Police gegründet und brauchten dringend Geld, um unsere verwegenen Träume vom Ruhm aufrechtzuerhalten.“ Nicht allein die gute Bezahlung, sondern auch das ambitionierte Rundumkonzept Schoeners lockte die Band. Summers beschrieb es als „Multimedia-Komposition aus Laser, Zirkus, Rock, klassischer und elektronischer Musik mit Balletttänzern und einem Pantomimen“. Ein gutes Training für die späteren The Police, deren Bühnenperformances sich immer größeren Konzertsälen anpassen mussten.


7. Thelonious Monk – ‚Round Midnight

Was The Police im Kern ausmacht, ging immer schon über die Musik von The Police hinaus. Als Sting seine erste Solo-LP The Dream of the Blue Turtles im Jahr 1985 veröffentlichte, überraschte das Eingeweihte keinesfalls: Er war eben im Herzen auch ein Jazzer, was sich auf den Sound der Platte niederschlug. Copeland derweil nahm einen Film auf, Summers ging mit dem Experimentalmusiker Robert Fripp ins Studio. Auch nach der Trennung von The Police fanden sie so immer wieder für ungewöhnliche Projekte zusammen, darunter beispielsweise für Summers‘ Version des Jazz-Klassikers ‘Round Midnight, auf dem auch Sting als Sänger zu hören war.

Das Cover war als Huldigung des genialen und mehr als kauzigen Pianisten Thelonious Monk gedacht und erschien auf Summers‘ LP Green Chimneys im Jahr 1999, einer Sammlung von Monk-Interpretationen. Ebenso wie der Bassist Sting und der Drummer Copeland hatte eben auch der Gitarrist der Band ein besonderes Faible für den Jazz. Das erklärt letztlich auch, was The Police von vielen Rock-Gruppen ihrer Zeit unterschied: Aus dem Jazz hatten sie gelernt, dass eine Band mehr als nur die Summe ihre Einzelteile (oder gar: Egos!) sein musste. Nicht, dass es nicht trotzdem zu Zerwürfnissen gekommen wäre. Aber auf der Bühne ging alles fein säuberlich ineinander über…


8. Bob Marley & The Wailers – Exodus

…was neben den einzelnen Instrumenten und Stimmen auch verschiedene Genres mit einschloss. The Police wurden vor allem für den Reggae-Einfluss in ihrer Musik berühmt und obwohl das auf den ersten Blick verblüffen mag, so hat es doch seine geschichtlichen Gründe. Nicht alle von ihnen sind schön – der britische Kolonialismus steht schließlich an ihrem Anfang. Für Sting bedeuteten die Migrationsbewegungen nach England allerdings, dass er mit Stilen wie Calypso und Ska oder Plattenlabels wie Bluebeat aufwuchs. Eine Person sollte ihn besonders prägen: „Als Bob Marley nach England kam, war das revolutionär. Er hat Rock auf den Kopf gestellt, angefangen von der Wichtigkeit des Bass hin zu den Drums, die ganz anders gespielt werden.“ Nicht zuletzt fühlte sich der stets auch sozialpolitisch aktive Sting von Marleys Engagement abseits der Bühne inspiriert.

Nicht allen gefiel aber, wie The Police den Reggae-Einfluss in ihrer Musik spiegelten. Der Rolling Stone-Autor Tom Carson beispielsweise nannte ihr Debüt damals „wirklich widerlich in dem Minstrel-Show-Natty-Dread-Akzent, den Sting für die Reggae-Nummern aufsetzt.“ Minstrel-Shows waren bekanntlich im 19. Jahrhunderts rassistische Aufführungen, bei denen sich weiße Musiker das Gesicht bemalten und Schwarze imitierten, Natty Dread ist einerseits das Album eines Bob Marley-Albums, bezeichnet aber vor allem ein Mitglied der Rastafari-Gemeinschaft. Ein harter Vorwurf, auf den die Band zuerst mit Albumtitel Reggatta de Blanc – eine Verballhornung von „weißer Reggae“ – reagierte. Heute ist Sting etwas kleinlauter und spricht davon, dass er seine Musik immer als Hommage verstanden hat.


9. Grace Jones – Demolition Man

Tatsächlich scheint seine Band aber durchaus hin und wieder etwas größenwahnsinnig gewesen zu sein, wenn es um den Umgang mit Ausgangsmaterial anderer ging. Als Grace Jones ihr Album Nightclubbing und den darauf enthaltenen, deutlich von Reggae und Punk inspirierten Song Demolition Man veröffentlichte, wollten sie sofort eins draufsetzen und legten ihre eigene Version nur wenige Monate später auf dem Album Ghost in the Machine nach. Lässt sich das noch als Hommage entschuldigen? Nun ja: Geschrieben hatte das Stück doch ein Police-Mitglied…

…nämlich Sting! Der besuchte zu dieser Zeit seinen Kumpel Peter O‘Toole in Irland, wo dieser mit seiner damaligen Freundin Trudie Styler lebte. Genau, dieselbe Styler, die Sting ein gutes Jahrzehnt später heiratete. Keine Frage also, wer der Demolition Man in diesem Dreieck war! Aber Spaß beiseite, tatsächlich wollten The Police mit ihrer Version ihr Revier markieren. „Grace Jones hatte ihn zuerst aufgenommen, aber wir nahmen daran Anstoß, dass jemand anderes einen Hit damit hatte“, gab Sting in einem Interview zu. Die jazz-funkige Version seiner Band konnte dem Jones-Stück in Sachen Erfolg jedoch kaum das Wasser reichen. Wie ironisch!


10. Puffy Daddy – I’ll Be Missing You (feat. Faith Evans & 112)

Genauso ironisch wie „die größte Abzocke aller Zeiten“, wie Summers es einmal wutschäumend nannte. Worum es geht? Natürlich um I’ll Be Missing You von Puff Daddy und Faith Evans & 112, in dem der Rapper seinem Freund Notorious B.I.G. Lebewohl sagt und zwar auf Summers‘ ikonischer Gitarrenmelodie aus Every Breath You Take. Das Lick komplettierte eine bis dahin noch unvollständige Komposition Stings, inspiriert übrigens ist es von der Musik des ungarischen Komponisten Béla Bartók. Gesampelt wurde es ohne Erlaubnis. „Mein Sohn, der zu der Zeit zehn Jahre alt war, sagte mir: ‚Hey Dad, da spielt irgendein Mädchen euren Song im Radio! Ich kam in sein Zimmer, hörte dem Radio zu und stotterte nur: ‚Das bin ich, aber was zur Hölle ist das?‘“

Eben: Die größte Abzocke aller Zeiten: Da Every Breath You take von Sting geschrieben wurde, gehören ihm die Rechte daran und weil Puff Daddy das Sample ohne Genehmigung verwendete und Sting ihn dafür verklagte, bekommt er zusätzlich zu den Erlösen aus dem Original auch die von I’ll Be Missing You zu 100% ausgezahlt. Zwischenzeitlich wurde berichtet, dass Sting somit auf etwa 2000$ pro Tag käme. Summers aber? 0$. Böses Blut gab es deswegen wohl nicht. Als Copeland Summers 2000 in einem Interview dazu aufforderte, sein „Puff Daddy-Geld“ einzufsordern, schmiss Sting ein bisschen Kleingeld auf den Tisch. „Sorry, den Rest habe ich schon ausgegeben.“ Derbe Scherze geben intern wohl den Ton an…


Headerbild Credit: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Das könnte euch auch gefallen:

10 Songs, die jeder The Police-Fan kennen muss

The Police – Die 5 größten, bemerkenswertesten und skurrilsten Live-Momente

10 Songs, die in jedem Fußballstadion laufen

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

Published on

Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Rock Me: 10 Schwarze Künstler*innen, die die Rockmusik für immer verändert haben

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss