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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.11.1989 spielen Faith No More in Berlin, als die Mauer fällt.

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Glen LaFerman/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.11.1989.

von Christof Leim

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, wie wir alle wissen. Die musikhistorisch Interessierten unter uns streiten deshalb noch: Verdanken wir nun David Hasselhoff die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze – oder hat Klaus Meine das Ding mit Wind Of Change höchstpersönlich niedergepfiffen? Wir arbeiten natürlich fleißig an dieser Frage. Aber vielleicht lief das ja ganz anders, vielleicht haben ja auch Faith No More den „Schutzwall“ einfach mürbe gerockt? Denn just an jenem Abend spielt die Band aus San Francisco in der Stadt…

Hier könnt ihr euch das damals aktuelle Album The Real Thing anhören:

Zu dieser Zeit befinden sich Faith No More auf der Tour zu ihrem Durchbruchsalbum The Real Thing, dem ersten mit Sänger Mike Patton. Berlin steht ebenfalls auf dem Tourplan, und wie der damalige Tourmanager Tim Dalton in einem Interview mit We The Wild erzählt, wird für Konzerte dort immer eine zusätzlicher Tag vor der Show eingeplant, weil keiner sicher sein kann, dass sich der Transit durch das Gebiet der DDR nicht signifikant verzögert. Den freien Abend in der noch geteilten, aber immer ein bisschen aufregenden Stadt nutzen die fünf Musiker und ihre Crew – natürlich – zu ausführlicherer Feierei. Überall sehen sie Proteste, Demonstration und generell viel Aktivität.

Ein besonderer Abend

Am nächsten Abend, am 9. November nämlich, steht dann der Gig in einem Laden namens Loft auf dem Programm. Kurz vor 19 Uhr hat bereits die geschichtsträchtige Pressekonferenz stattgefunden, auf der Günter Schabowski, SED-Sekretär für Informationswesen, die Maueröffnung (versehentlich verfrüht) verkündete. Die Ereignisse sind bereits zum Loft vorgedrungen, als Faith No More ihr reguläres Set beenden; Mitarbeiter des Clubs erzählen der Band davon.

Plakat zu genau diesem Abend: Faith No More in Berlin – Quelle: FaithNoMoreFollowers

Meint Patton das ernst?

Als Zugabe steht – wie passend – der Black-Sabbath-Klopfer War Pigs auf dem Programm, den Faith No More gewohntem Schmackes darbieten. Im Mittelteil schreit Patton dann „Der Mauer ist weg! Der Mauer ist weg!“, aber so richtig kann keiner etwas damit anfangen. Zumal der Sänger nicht für konsequent kohärente Kommunikation bekannt ist und keine zweite Minuten später schon wieder irgendwas mit „Satan“ brüllt. Ganz zum Schluss verabschiedet er sich mit den Worten „Thank you, Berlin, fucking night, see you later, man. And guess what? The wall is gone!“

Ob es den Anwesenden da schon dämmert, was draußen passiert ist, wissen wir nicht. (Es gab ja noch keine Smartphones!). Aber Faith No More haben diese besondere Nummer tatsächlich aufgenommen und als B-Seite von Epic veröffentlicht. Sie findet sich heute auf der Deluxe-Edition von The Real Thing.

PS: Zur eingangs erwähnten Frage können wir sagen: Wind Of Change kam erst am 6. November 1990 raus, also ein Jahr nach der Maueröffnung. Faith No More standen im entscheidenden Moment noch nicht auf der Bühne, konnten also nicht live mit der Kraft des Rock Grenzen sprengen. Vielleicht war es also doch „The Hoff“? Looking For Freedom war schon draußen…

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