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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.6.2017 stirbt Country-Barde Gunter Gabriel nach einem wilden Leben.

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Gunter Gabriel: ein unkaputtbares Stehaufmännchen - Foto: Dennis Yenmez

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.6.2017.

von Peter Hesse und Christof Leim

„Er ist ein Kerl, ein ganzer Mann, und sein Zuhause ist die Autobahn“: Auf Country-Rocker Gunter Gabriel können sich von Johnny Cash über Dieter Thomas Heck bis hin zu Olli Schulz und den Kassierern so ziemlich alle einigen. Nach einem Treppensturz in einem Hotel stirbt Gunter Gabriel am 22. Juni 2017 an den Folgen eines dreifachen Bruchs des ersten Halswirbels. Zu Lebzeiten gilt er als ambivalente Figur: er wird entweder gehasst oder geliebt. Zu kurz kommt oftmals sein musikalisches Frühwerk: Gerade in den Jahren von 1973 bis 1978 landet Gunter Gabriel den einen oder anderen Songwriting-Treffer, weil er  seine Lieder geschmackssicher zwischen Folk, Country, Blues, Schlager und sogar Chanson anlegt. 

Hier könnt ihr euch viele Gunter-Gabriel-Klassiker anhören: 

Gunter Gabriel wächst mit seiner jüngeren Schwester Marion in der ostwestfälischen Kleinstadt Bünde auf. Seine Mutter stirbt 1946, als Gabriel gerade mal vier Jahre alt ist. Die Mutter ist schwanger und wird vom Vater gedrängt, das Kind abzutreiben. Nach einem Selbstversuch mit einer Stricknadel verblutet die Mutter qualvoll. 

Kindheit mit brutalem Vater

Dieser frühkindliche Schock wird Gabriel, der am 11. Juni 1942 als Günter Caspelherr zur Welt gekommen war, lebenslang begleiten. Sein Vater Heinz, ein jähzorniger, unglücklicher und vom Zweiten Weltkrieg gebrochener Seelenkrüppel, kommt mit der Situation als Witwer nicht klar. Als Schrankenwärter bei der Bahn verdient er nicht viel Geld, und wenn Probleme auftauchen, lässt er das vor allem mit einer Tracht Prügel an Gunter aus. Das schwierige Verhältnis zu seinem Vater klingt immer wieder in Gabriels Liedern an, besonders aufschlussreich in Man nannte ihn Puma.

Rock’n’Roll – Ventil und Befreiungsschlag

In der Pubertät bekommt Gunter seine erste Gitarre, er schafft sich ein paar Akkorde drauf und sucht sich so ein Ventil für die angestauten Aggressionen. Mit knapp 15 Jahren steht er das erste Mal mit Band auf der Bühne, beim Abschlussball einer Tanzschule – es ist seine Initialzündung. „Früher habe ich mich zuerst ein bisschen an Hannes Wader orientiert“, sagt Gabriel mal in einem Interview. „Das ist aber nicht die Schablone, mit der ich mich identifizieren wollte. Mir stand der Sinn eher nach Rockabilly, Country und mehr Rock’n’Roll. In dieser Richtung gibt es bestimmt Mängel in den frühen Jahren der Bundesrepublik. Ich bin außerdem überzeugt, dass der Rock’n’Roll politisch gesehen viel bewirkt hat: er war ein Ventil und ein Befreiungsschlag.“ Auch Gunter befreit sich selbst – die Musik wird sein Rettungsanker. Mit Stücken wie Mein anderes Ich und Ich kann er sich mit Text und Komposition als sympathischer und greifbarer Held stilisieren.

Die Sechziger Jahre geben Gunter das Ticket für eine wilde Zeit in die Hand. Er jobbt, wenn er Geld braucht, und reist in Europa herum. Den Dreh zur Bürgerlichkeit schafft er aber auch noch und reißt sich noch mal an der Abendschule für sein Fachabitur zusammen. Anschließend studiert er ein paar Semester Maschinenbau an der Fachhochschule Hannover, bricht das Studium aber ohne Abschluss ab. Mittendrin lernt er seine erste Frau Gabriele kennen, 1966 kommt ihre erste Tochter Yvonne zur Welt. 

Durchbruch mit Bob-Dylan-Cover

Gabriele arbeitet für die Firma President Records in Hannover und hat gute Kontakte zu Alexandra-Entdecker Fred Weyrich. Mit einem Bein steht Gunter Gabriel nun in der Musikbranche, aber seine erste professionelle Aufnahme Wenn die roten Rosen blühen in Georgia wirkt im Erscheinungsjahr 1970 noch zu aufgesetzt, operettenhaft und schmalzig. 

Ein Jahr später landet Gabriel in Berlin und jobbt als Presse-Promoter für die CBS, außerdem als DJ in dem Club Dachluke. Er gelangt in die richtigen Kreise und kann endlich das machen, was er will. Zu seiner Musik im Country- und Singer/Songwriter-Stil addiert er nachvollziehbare und realistische Texte. Mit einer eingedeutschten Version vom Bob-Dylan-Song Wanted Man gelingt Gunter Gabriel so mit Ich werd’ gesucht der viel erhoffte Durchbruch.

Über 800 eigene Kompositionen

Im Text besingt der Liedermacher aus Ostwestfalen neben Aktenzeichen-XY-Moderator Eduard Zimmermann eine Frau namens Karin Berger. Gabriel erklärt, wer das ist: „Das war die Schwester von Ingrid Peters, Linda Berger. Eine tolle Frau mit langen, roten Haaren. Weil Linda phonetisch nicht so gut klingt, habe ich daraus Karin Berger gemacht. Mit der hatte ich damals so ein kleines Verhältnis. Ich wohnte in Regina’s Appartement in Berlin. Das war eine tolle Zeit.“ 

Seine Art, realistisch zu texten, entspricht dem Zeitgeist; Gabriel wird herumgereicht, wie ein goldenes Kalb. Über 800 Kompositionen von Gunter Gabriel sind bei der GEMA gemeldet, dazu gehören so unterschiedliche Auftragskompositionen wie Ich trink auf dein Wohl, Marie für Frank Zander, Ich lass dir den Kochtopf, lass du mir mein Bier für Peter Alexander oder Ein Sonntag im Bett für Wencke Myhre. Seine vermutlich erfolgreichste Fremdkomposition ist der Juliane-Werding-Klassiker Wenn du denkst, dann denkst du nur du denkst…

Stammgast in der ZDF-Hitparade

Auch seine eigenen Lieder knallen durch die Decke. Mit Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld, Komm unter meine Decke, Papa trinkt Bier, Willy Klein der Fernsehmann oder Ich bin CB-Funker gehört er zwischen 1974 und 1978 zu den Stammgästen der ZDF-Hitparade, beim Großen Preis von Wim Thoelke oder in der TV-Disco von Ilja Richter. Roland Kaiser covert im Jahr 1981 seinen Song Worte, die ich leider nie gesagt für das Album Dich zu lieben – und damit erhält Gunter seine erste goldene Schallplatte. 

Doch wo Licht ist, folgt der Schatten. Er hört auf falsche Berater, investiert in zweifelhafte Bauherrenmodelle, veruntreut Steuergelder und schaufelt sich so sein eigenes Millionengrab. Dazu gelingt privat auch nichts mehr: Gabriel schlittert insgesamt durch vier glücklose Ehen mit vier Kindern. Die Bild greift immer wieder sein Scheitern auf, auch in der Biografie Hinter Den Kulissen von Dieter Bohlen aus dem Jahr 2003 beschreibt der Popmogul seinen Kollegen Gunter (neben Drafi Deutscher) als das schlechteste Ideal, welches in der deutschen Showbranche zu finden sei. 

Dieter Bohlen meckert öffentlich

Gabriel lässt das kalt: „Bohlen hat gesagt, ich habe mein Geld verschleudert, das stimmt natürlich auch ein Stück weit. Ich habe einen Haufen Geld verdient, konnte damit nicht richtig was anfangen, und dann war es nach einer Zeit auch wieder weg. Ich habe ihm damals, als das Buch erschienen ist, ein Fax geschrieben – und ihm gratuliert mit den Worten: Da du durch mich gelernt hast, wie man es nicht machen muss, und du jetzt weißt, wie es geht, kannst du mir als deinem Lehrmeister doch dafür ein paar Prozente abtreten.“ Leider erhält Gabriel keine Antwort.

Tribute-Album mit 56 Songs

Gunter inszeniert anfangs des neuen Jahrtausends sein Scheitern als Chance und tingelt durch deutsche Wohnzimmer, um mit Privatgigs für pauschale 1000 Euro seine Steuerschulden abzutragen. Und einer, der als unkaputtbares Stehaufmännchen immer wieder zu neuen Ufern gelangt, wird von den unterschiedlichsten Menschen verehrt. 

Im Oktober 2004 erscheint mit dem Gunter-Gabriel-Tribute-Album Liebe Autos Abenteuer ein unfassbares Sammelsurium. Sogar Johnny Cash spricht für diese 3-CD-Compilation noch 14 Tage vor seinem Tod ein Intro ein, dazu gibt es weitere 56 Beiträge von Gabriel-Songs – und zwar von so unterschiedlichen Leuten wie Rolf Zacher, Emscherkurve 77, Frank Zander, Truck Stop, Lokalmatadore, Tom Angelripper, Ted Herold, Carsten Vollmer, Trend, Mambo Kurt und Xao Seffcheque. Auf der dazugehörigen Releaseparty in der Zeche Carl am 22. Oktober 2004 mutiert vor allem das Duett von Deutschland ist… zwischen Gunter und Kassierer-Sänger Wolfgang Wendland zu einem Ewigkeitsmoment, weil der Wattenscheider Punk-Sänger es im dreiteiligem C&A-Anzug irgendwann mit heruntergelassener Hose vorträgt.

Comeback mit Radiohead

In seinen letzten Jahren gelingt Gabriel sogar noch mal ein richtiges Comeback: Leute aus dem Umfeld von Udo Lindenberg besorgen dem Country-Barden 2009 einen hochdotierten Major-Vertrag und stellen ihm mit Musikern wie Gitarrist Helmut Krumminga und Drummer Sönke Reich von BAP, Calexico-Trompeter Martin Wenk und Sängerin Suzie Kerstgens von Klee eine erstklassige Band zur Seite. Neben ein paar großartigen Eigenkompositionen covert Gunter Blaue Augen von Ideal, Haus am See von Peter Fox und dichtet den Radiohead-Klassiker Creep kongenial zu Ich bin ein Nichts um. 

Hausboot Magdeburg wird zum Tonstudio

Seinen 75. Geburtstag will Gunter Gabriel mit ein paar engen Freunden in Herford in einem Hotel feiern. Am Vorabend seines Ehrentags, den er am 11. Juni 2017 begehen will, stolpert er auf einer Steintreppe und zieht sich dadurch einen dreifachen Bruch des ersten Halswirbels zu. In einem Krankenhaus in Hannover wird er dreimal  hintereinander operiert, doch diesmal schafft er es nicht, sich noch mal aufzurappeln. Er stirbt am 22. Juni 2017.

Sein geliebtes Hausboot, ein ehemaliges DDR-Arbeiterschiff mit dem Namen Magdeburg, auf dem er ab dem Jahr 2000 im Binnenhafen von Hamburg-Harburg lebte, ist mittlerweile in gute Hände gekommen. Der Hamburger Songwriter und Moderator Olli Schulz hat es zusammen mit dem Rapper, Unternehmer und YouTuber Fynn Kliemann gekauft. Die beiden bauen aufwändig zu einem Tonstudio mit Schlafplätzen um, damit dort zukünftig Musiker in inspirierender Umgebung ihre Aufnahmen machen können. So bleibt der Geist von Gunter Gabriel erhalten, der sicher mit großem Stolz aus dem Jenseits auf sein geliebtes Hausboot herunterblicken wird.

Zeitsprung: Am 9.6.2015 verstirbt James Last, der Grandseigneur des Easy Listening.

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PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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