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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.4.1940 wird Jazz-Magier Herbie Hancock geboren.

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Herbie Hancock
Foto: Mick Hutson/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.4.1940.

von Peter Hesse und Christof Leim

Seine musikalische Vielseitigkeit ist atemberaubend – und nicht umsonst gehört Herbie Hancock gehört zu den einflussreichsten Komponisten im musikalischen Spannungsfeld der letzten 60 Jahre, weil er Jazz und Populärkultur immer zwei Schritte weiter gedacht hat als andere. Lest in unserem Geburtstagsrückblick, warum er als Elfjähriger schon ein Sin­fo­nie­or­ches­ter begleitet hat, warum er nicht nur ein Angestellter im Miles Davis Quartett sein wollte und warum er als Musiker stets auf sein Herz gehört hat.

Hier könnt ihr euch die besten Herbie-Hancock-Klassiker anhören:

Am 12. April 1940 kommt Herbert Jeffrey Hancock in Chicago zur Welt. Im Alter von sieben Jahren bekommt der kleine Herbie ein Klavier, denn für Rugby oder Baseball interessiert er sich nicht. Er bleibt lieber daheim und übt wie ein Besessener komplizierte Akkordfolgen. „Meine Eltern“, so sagte er mal, „waren keine professionellen Musiker, aber mein Vater sang ein leidenschaftlich in der Badewanne, und meine Mutter klimperte gern auf dem Piano herum. Mich faszinierte die Musik schon als junges Kind.“ In der Schule fliegt ihm alles zu, zweimal überspringt er eine Klasse. Seine Lehrer fördern sein musikalisches Talent und ermuntern ihn Opernübertragungen im Radio anzuhören, womit er sein Verständnis von Musik und Klavierspiel vertiefen kann. Das Wesen von Tönen und Klängen wird Hancock in Interviews oft betonen: „In der Musik gilt nur ein Gebot: Hör auf dein Herz.“

Ein musikalisches Genie

1952 spielt er ersten Auftritt mit dem Chicago Symphony Orchestra. Da ist Hancock elf Jahre alt, seine Erinnerungen daran sind noch klar: „Ich ging durch das ganze Orchester zur Bühne hoch. Ich sah nach oben, und dort stauten sich übereinander drei Ränge. Es war ungeheuer, und ich war so was von eingeschüchtert. Aber ich habe mich hingesetzt und gespielt. Danach verschwimmt alles. Ich weiß nur, dass ich alles andere als entspannt war. Ich hatte Angst, dass ich vielleicht die Noten vergessen hätte.“ Doch sein Talent hilft ihm. 1962 nimmt er sein Debütalbum Takin’ Off mit Jazz-Größen wie Dexter Gordon und Freddie Hubbard für das legendäre Blue Note-Label auf. Mit Watermelon Man gelingt dem Trio ein populärer Genre-Klassiker des Hard Bop.

„Musik handelt vom Leben“

Sein Können spricht sich rum. So wechselt er ein Jahr später zum Miles Davis Quintett, wo er bis 1968 bleibt: „Ich habe dort als einfacher Musiker angefangen. Ich war in dieser Band ein ‚Sideman‘, nicht mehr. Als ich Miles verließ, war ich 28 – und wollte endlich meine eigene Band haben. Ich war jung, aber nicht mehr ganz jung, und hatte bereits sechs Platten gemacht. Das genügte mir aber nicht, ich wollte weiter.“ Angebote kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen. Immer wieder melden sich Filmemacher bei ihm, weil er Soundtracks schreiben soll. So komponiert Herbie im Jahr 1967 den Score für den Beatnik-Klassiker Blow Up von Kultregisseur Michelangelo Antonioni. Ein paar Jahre später (1974) arrangiert er für den Charles-Bronson-Thriller Deathwish (Ein Mann sieht rot) spannungsgeladene Jazz-Rock-Klänge mit großem Orchester.

Doch wie findet man den richtigen Klang für einen Film? Hancock beantwortet das verblüffend einfach: „Musik handelt nicht von Musik, sondern vom Leben. Sie soll einem dabei helfen, ein produktives, ein nützliches, ein sinnvolles Leben zu führen. Auch Musik hat eine Funktion, doch besteht die meiner Meinung nach in der Kommunikation. Man kann sich sehr viel erarbeiten, aber eine gewisse Anlage ist beim Musizieren schon die Voraussetzung. Es braucht eine grundsätzliche Neigung oder sagen wir einfach: Talent.“

Pionier des Hip-Hop

Der musikalische Genius wird Hancock weiterhelfen, sich immer wieder neu zu erfinden, und in den Achtziger Jahren sogar reich beschenken. Er wird 1986 in Kategorie „Beste Filmmusik“ für das fiktive Jazz-Porträt Um Mitternacht von Regisseur Bertrand Tavernier mit dem Oscar ausgezeichnet. Drei Jahre vorher gelingt ihm mit zusammen mit Bill Laswell der instrumentale Superhit Rock It, der sich alleine in Deutschland 22 Wochen in den Charts hält. Dieser prähistorische Hip- Hop-Song ist zudem der erfolgreichste Instrumental-Hit der Achtziger und macht die Scratch-Technik mit zwei Plattenspielern populär. Auch das Video mit seinen animierten Mensch-Maschinen-Robotern gilt als Meilenstein in der Geschichte der Musikclips.

Nachdem er sich in den Sechzigern Legendenstatus im Hard Bop erspielt hat, entwickelt sich Hancock im Laufe der Siebziger mit Alben wie Head Hunters (1973) zum Fusion-Magier des Funk und Jazz Rock. Es folgen Experimente mit Psychedelic, Hip-Hop, Pop und Electronica. Sein Wesen als Musiker umschreibt Herbie Hancock ganz selbstverständlich: „Ich probiere gern Neues aus. Dazu gehört auch, dass ich mir eines Tages sagte: Ich will keine feste Band haben, sondern suche mir immer die jeweils besten Musiker, die ich bekommen kann.“ So sind es im Jahr 2005 dann auch Größen wie Sting, Paul Simon, Carlos Santana, Damien Rice und Annie Lennox, mit denen er das Album Possibilities einspielt.

Liebhaber von Technik-Spielzeug

Wenn er nicht am Klavier herumklimpert, interessiert sich Herbie stets für neue Errungenschaften: „Ich mag das ganze technische Zeug, diese herrlichen Dinge, die immer wieder erfunden werden: Handy, iPod, Playstation und so weiter. Spielzeug ist das, ich weiß. Aber es fasziniert mich.“ Möge uns sein wacher und spielerischer Geist noch lange begleiten. Alles Liebe und Gute zum Geburtstag, Herbie Hancock!

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