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Popkultur

Interview: Ian Gillan von Deep Purple: „Ein neues Album? Wer sagt denn sowas?“

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Ernesto Ruscio/Redferns via Getty Images

"Vor 50 Jahren sind Deep Purple zum ersten Mal in Deutschland aufgetreten. 1969 war Ian Gillan gerade als Sänger eingestiegen und sollte schon bald mit Songs wie Smoke On The Water weltweit Musikgeschichte schreiben. Unzählige Male ist der Engländer seitdem zurückgekehrt, im März hat er eine Konzerttour mit „Rock meets Classic“ beendet, wo er zum vierten Mal als Stargast dabei war. Mit uDiscover hat Ian Gillan über seine Anfangszeit bei Deep Purple, Touren durch Deutschland und Gerüchte über ein neues Album gesprochen.

von Andrea Hömke

Mr. Gillan, Sie haben schon viele Male in Deutschland gespielt und das Land zu ganz unterschiedlichen Zeiten bereist. Wie sehr hat es sich seit dieser ersten Tour Ende der Sechziger verändert?

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Ian Gillan: Damals hat zum Beispiel Berlin schon gebrodelt und brodelt ja auch heute noch sehr. Aber Deutschland an sich ist eher ein konservatives Land. Das meine ich nicht politisch, sondern kulturell. Die Deutschen sind beständig und loyal. Deutschland war eins der ersten Länder, in denen europäische Rockmusik Fuß fassen konnte, nicht nur amerikanische. In England gab es natürlich Musikclubs, dort konnten die Bands aber nur eine Show an einem Abend spielen. In Deutschland lief das ganz anders: Da stand man die gesamte Woche mehrmals am Abend auf der Bühne. Wir haben nur noch Musik gemacht und nicht geschlafen. Es war großartig!

Hört hier die besten Songs von Deep Purple während ihr weiter lest:

Damals war der zweite Weltkrieg gerade einmal 20 oder 25 Jahre vorbei…

Genau, historisch gesehen eine sehr kurze Zeit. Meine Freunde meinten nur: ‚Oh, wow! Du fährst nach Deutschland. Wie wird es da wohl sein?’ Ich kann nur sagen, dass ich in diesen ersten Jahren meine engsten Freundschaften geschlossen habe. Es herrschte eine so wunderbare Atmosphäre, und Musik war unser aller Bindeglied. Zudem erwies sich diese Ära als sehr lehrreich: Sie hat mir gezeigt, dass wir alle ähnliche Wünsche, Nöte und Ängste haben. Es war eine wunderbare Erfahrung, damals in Deutschland zu sein, ich habe dort großartige Freundschaften geschlossen, die zum Teil seit 30 oder 40 Jahren bestehen.

Ein paar Jahre später habe ich dann Child In Time geschrieben. Als wir mit der Band irgendwann in Russland waren, Putin hatte zu der Zeit gerade eine Auszeit genommen, erzählte mir Präsident Dmitri Medwedew, dass er durch unsere Musik Englisch gelernt hat. Eigentlich war es dort damals verboten, Deep Purple zu hören, doch es gab unsere Platten in den Schulen. Sie waren allerdings weggeschlossen, nur die Lehrer durften sie herausnehmen und mit der Klasse die Texte und Melodien analysieren. Natürlich sollte es den Schülern keinen Spaß machen. Doch Medwedew erzählte mir, dass er durch Lieder wie Child In Time zum ersten Mal verstanden hat, dass es außerhalb des eisernen Vorhangs Jugendliche gab, die waren wie er selbst.

Sie sind ständig unterwegs, besitzen ein Haus in Portugal, eins in England. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Gute Frage. Ich sage immer, der Mensch braucht zwei Dinge in seinem Leben: das Gefühl, irgendwo hinzugehören, und einen Sinn im Leben. Ein Zuhause muss allerdings kein physischer Ort sein. Es kann zum Beispiel auch ein Seelenverwandter sein. Als Jon Lord (Deep Purple-Organist – Anm.d.Red.) starb, habe ich die Zeile geschrieben: „Souls having touched are forever entwined“ (Seelen die sich berühren, sind für immer miteinander verbunden). Und ich glaube an diese Verbundenheit. Wenn Menschen früher wissen wollten, was meine Wahlheimat ist, habe ich immer Deutschland gesagt, später Polen und Frankreich, weil ich dort für einige Zeit gelebt habe. Heute gibt es viele Orte, die ich mein Zuhause nenne.

Deep Purple im legendären Mark II-Line-up von 1969-1973: Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice (v.l.)

Werden Sie überall erkannt?

Es ist unmöglich, ein normales Leben zu leben, wenn man berühmt ist. Man muss da differenzieren zwischen dem professionellen Teil und dem privaten. Ich habe vor vielen Jahren schon einen Trick gelernt: Wenn ich zu Hause bin in England oder Portugal, verkrieche ich mich nicht. Im Gegenteil: Ich kaufe im Supermarkt ein, gehe in die Bar um die Ecke, grüße alle, trinke mit den Nachbarn ein Bier. Deshalb war es irgendwann nichts Besonderes mehr, wenn ich mal gesehen wurde. Ich gehöre einfach ganz normal dazu.

Haben Sie viele Freunde im Showbiz?

Nein, nur sehr wenige. Die meisten meiner Freunde sind ganz normale Menschen: Klempner, Elektriker, Kneipenwirte und zwei ehemalige Polizisten, mit denen ich früher Fußball gespielt habe. Der Erfolg macht mich demütig, dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich führe außerhalb des Musikgeschäfts ein sehr normales Leben.

Mit über 70 weiter auf Tour: Ian Gillan 2017 in Hamburg – Pic: Frank Schwichtenberg/Wiki Commons

Obwohl Deep Purple bereits ihre The Long Goodbye-Tour gespielt haben, die viele für einen Abschied hielten, heißt es nun, dass die Band noch ein neues Album aufnehmen und vielleicht auch wieder touren will. Stimmt das?

Wer sagt denn sowas?

Ihr Gitarrist Steve Morse.

Ach, der hat doch keine Ahnung. (lächelt)

Also wird es keine neue Platte geben?

Naja, lasst es mich so formulieren: Wir versuchen, ein neues Album zu machen. Aber wir haben es noch nicht getan. Ich rede eigentlich nicht über Dinge, bevor sie nicht fertig sind, weil immer etwas schief gehen kann. Alle wollen wissen, was morgen passiert, aber mir ist es lieber zu erzählen, was gestern geschehen ist. Dann kann ich von Fakten sprechen und muss nicht spekulieren. Die Long Goodbye-Tour war vor allem eins, sie war lang. Weil wir alle nicht wirklich gesund waren: Ian Paice hatte einen Schlaganfall, mir ging es schlecht, Steve hatte ein Problem mit seiner Hand, Roger mit der Schulter, alle waren krank. Also dachten wir uns, dass es Zeit wäre aufzuhören. Aber nun geht es uns wirklich viel besser. Insofern machen wir vielleicht noch ein neues Album und vielleicht noch eine neue Tour. Wir werden sehen.

Deep Purple 2019: Ian Gillan, Steve Morse, Roger Glover, Ian Paice, Don Airey (v.l.)

Sie haben Hunderte Songs geschrieben und, wie sie einmal selbst sagten, immer jede Menge Ideen im Kopf. Wird es mit der Zeit leichter oder schwerer, neue Lieder zu schreiben?

Nein, es ist heute viel leichter. Man spricht täglich mit Menschen, und aus der Unterhaltung kann ein Lied entstehen. Es muss ja nicht immer von etwas Greifbaren handeln. Und man muss Spaß an Worten haben, weil man damit Gefühle vermittelt. Songs sind auch nur eine andere Art der Kommunikation zwischen zwei Menschen.

Ian Gillan singt bei „Rock Meets Classic“ mit Sinfonieorchester – Pic: Rock & Royalty

Gerade haben Sie die vierte Tour mit „Rock Meets Classic“ beendet. Niemand war bei diesem Projekt häufiger Stargast als Sie. Was gefällt Ihnen so an dieser Show?

Ich mag es, Dinge ein wenig anders zu machen. Vor allem mag ich diese „Package“-Touren“ mit mehreren Künstlern. So habe ich früher Chuck Berry, Little Richard, Jerry Lee Lewis und Buddy Holly gesehen. Das Konzept unterscheidet sich von normalen Konzerten einer Band. Bei Rock Meets Classic werden die großen Hits von etlichen Interpreten gespielt, und das Publikum hat viel Spaß. Zusätzlich gibt das Orchester den Songs eine ganz eigene Dynamik, und visuell ist es natürlich dank der vielen Musiker auf der Bühne etwas Besonderes. Für mich fühlt es sich immer ein wenig wie Urlaub an.


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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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