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Popkultur

So war’s: Rock Meets Classic live in Frankfurt 2019

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"Rock-Hits mit Orchester-Pomp: Zum zehnten Mal tourt die Konzertreihe Rock Meets Classic durch Deutschland, diesmal mit Ian Gillan von Deep Purple sowie Musikern von The Sweet, Thin Lizzy, Loverboy und REO Speedwagon. Das Ergebnis ist eine mal laute, manchmal beschauliche Greatest Hits-Schau. Wir haben uns die Sause in Frankfurt angesehen.

von Christof Leim

Hier könnt ihr in die Setlist des Abends reinhören:

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Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Die Kombination aus Krachmusik und Klassik ist nicht neu: Schon 1969 betraten Deep Purple als erste dieses Neuland mit Concerto For Group And Orchestra. Seitdem sind Gitarren und Geigen schon oft eine mal mehr, mal weniger erfolgreiche Liaison eingegangen, etwa bei Metallica, den Scorpions und sogar den Black Metal-Satansbraten Dimmu Borgir. In Deutschland führt seit zehn Jahren die Konzertreihe Rock Meets Classic laute Populärkultur mit einem großen Orchester zusammen. Das Format sieht so aus: Mehrere Künstler der Rockgeschichte, meist die Sänger großer Bands, präsentieren ihre Gassenhauer, begleitet von der Mat Sinner Band und einem knapp 40-köpfigen sinfonischem Ensemble mit allem, was dazugehört: Streicher, Bläser, Pauken und Trompeten. Das liefert im Wesentlichen eine gute Gelegenheit, sich lange nicht gehörte Classic Rock-Hits auf einer „Package Tour“, also mit vielen verschiedenen Akteuren, in klanglich großer Kulisse servieren zu lassen.


Zunächst ist mal die Rockband dran… – Credit für alle Fotos: Rock & Royalty


Den Anfang in der fast voll besetzten Frankfurter Jahrhunderthalle macht wie jedes Jahr die Rockband unter der Leitung von Mat Sinner (Primal Fear, Sinner) und das Orchester mit einem Riffklassiker. Heute: Rock You Like A Hurricane, und der geht ja quasi immer. Als erste Stargäste erscheinen nach einem kurzen Orchesterzwischenspiel nun zwei Herren von Thin Lizzy: der langjährige Gitarrist Scott Gorham sowie Sänger Ricky Warwick, der in der Neuinkarnation der legendären irischen Band 2009 den Posten des unvergessenen Phil Lynott übernommen hat. Mit The Boys Are Back In Town, Waiting For An Alibi und Don’t Believe A Word hauen sie mehrere Knaller hintereinander raus, die eigentlich keiner sinfonischen Ergänzung bedürfen, denn die drei Gitarren auf der Bühne können die markanten Harmonien voll ausspielen. Macht Spaß.


Loverboy-Sänger Mike Reno bester Laune (unten links)


Die AOR-Helden Loverboy sind heute durch Sänger Mike Reno vertreten, der mit Waiting For The Weekend ebenfalls eine erfolgreiche Single aus frühen Zeiten (1981) präsentiert. Man merkt allerdings, dass die kanadische Band ihre Platinalben eher in Übersee als in Deutschland eingefahren hat, denn die Reaktionen fallen verhaltener aus, zumal das Orchester hier nicht viel Wichtiges beisteuert. Der 64-Jährige singt gut, aber man darf sich fragen, wie der Tonmischer mit folgender Eigenart klarkommt: Am Ende fast jeder Zeile klappt Reno das Mikro vom Mund nach oben weg. In Almost Paradise, dem Liebeslied aus dem Film Footloose, können Reno, seine Duettpartnerin und das Orchester dann richtig dick auftragen und den Schmachtfetzen noch schmachtfetziger klingen lassen. Hart an der Grenze, aber so war’s wohl gedacht. 


Lights, camera, action. Rauch auch.


Die lautesten Reaktionen des noch jungen Abends streichen allerdings die ersten Nummern von The Sweet ein: Die beiden Glam Rock-Granaten Action und Blockbuster lassen das Ü45-Publikum zum ersten Mal aus den Sitzen hochfahren, es wird geklatscht und gesungen, dass es eine Art hat. Gitarrist Andy Scott geht auf die 70 zu und trägt sowohl einen ordentlichen Bauch als auch eine, sagen wir, markante Frisur spazieren. Doch man kann sich förmlich vorstellen, dass ihm das alles herzlich egal ist: Geschichte wurde geschrieben, die Riffs und vor allem die Backing-Vocals sitzen weiter tadellos. Also hat der Mann sichtlich Spaß, ebenso Leadsänger Pete Lincoln – sympathisch.


Held des Abends: Andy Scott von The Sweet.


Ein Dauergrinsen stellt auch Kevin Cronin zur Schau. Der Sänger von REO Speedwagon mit seiner bunten Brille und den jugendlichen Klamotten wirkt wie ein nettes Gute-Laune-Feld, singt Take It On Run und verkündet, dass Rock’n’Roll jung hält. Für ein Sekündchen wirkt das wie ein abgestandenes Klischee, aber ganz falsch liegt er damit ja nicht – und er scheint selbst das beste Beispiel zu sein. Es folgt die Herzschmerz-Ballade Can’t Fight This Feeling, die von den klassischen Instrumente erst richtig zur Geltung gebracht werden. Und da wir schon mal dabei sind, spielt das Orchester jetzt als reine Sinfonieeinlage ohne irgendwelche Krachmusiker das Stück Der Schwan aus Der Karneval der Tiere, bevor Anna Maria Kaufmann The Last Unicorn und im Duett mit Pete Lincoln Phantom Of The Opera anstimmt. Die kanadisch-deutsche Sängerin steht als „Special Guest“ auf den Plakaten und bringt Musical-Flair auf die Bühne, was aber nicht so recht zum Abend passen will.



Nun beginnt die zweite Runde, denn alle Künstler kehren noch einmal zurück. Die Mat Sinner Band legt mit dem immergrünen Whitesnake-Klopfer Here I Go Again los, bei dem vor allem die Chorsänger brillieren, die im Wechsel die Leadvocals übernehmen. Anschließend hauen die beiden Thin Lizzy-Recken ein knackig groovendes Jailbreak raus und sorgen mit Whiskey In The Jar für Begeisterung. Da kann Loverboy Mike Reno trotz Loving Every Minute Of It und dem Turn Me Loose nicht ganz mithalten. Ohnehin räumen sowieso The Sweet wieder am meisten ab: Bei Ballroom Blitz bebt die Bude, Fox On The Run wird gefeiert. Ruhiger geht es zu im REO Speedwagon-Segment mit Keep The Fire Burnin’ auf der Akustischen, Roll With The Changes und natürlich Keep On Loving You, das Cronin seiner Frau Lisa widmet, die im Chor mitsingt.



Nach der Orchestereinlage Pomp & Circumstance kommt dann der Headliner: Zum vierten Mal singt Deep Purple-Legende Ian Gillan bei Rocks Meets Classic und erweist sich erneut als entspannte Gentleman-Eminenz des Hard Rock. Der Mann muss sich nicht mehr in obligatorische Posen werfen, um sich wie ein Sangesgott zu gebären –  er ist einer, und jeder weiß es. Bei Highway Star und Black Night jedenfalls gibt er sich stimmlich keinerlei Blöße, singt so gut wie lange nicht und wirkt ansonsten fast ein bisschen amüsiert über das ganze Theater. Die Zuschauer feiern es und ihn, über die große Leinwand flirren rasante Straßenszenen oder psychedelische Sequenzen, und auch die Band dreht auf. Vor allem Gitarrist Alex Beyrodt zeigt virtuos, dass er Ritchie Blackmore ausgiebig studiert hat. Die Deep Purple-Nummern wirken bei aller Opulenz ein bisschen wilder und weniger gefällig als der Rest, was der Veranstaltung gut zu Gesicht steht. 


Ian Gillan, begleitet von Geigen, Gitarre und Feuer


Klassische Orchesterinstrumente können ja nicht immer Signifikantes zu einem Rocksong beitragen, egal, wie kompetent die Arrangements geschrieben sind und vorgetragen werden. Manchmal fällt die Begleitung nicht weiter auf, im schlimmsten Fall rückt die Grenze zur streichergerührten Rahmstufe nahe. Aber wenn die beiden Welten sich ergänzen, dann ergibt sich eine packende epische Größe und Dramatik – was das folgende Anya über eine „ woman with a gypsy soul“ (Gillan) zu einem Höhepunkt der gesamten Show werden lässt. Auch im einfühlsamen When The Blind Man Cries und mehr noch beim Breitwandrocker Perfect Strangers ergänzen sich Rock und Klassik hervorragend. Das abschließende Hush wird zum Mitsingfest, bevor noch einmal alle Künstler auf die Bühne kommen. Denn eine Nummer fehlt noch: Smoke On The Water mit dem Riff der Riffs natürlich, bei dem sich Warwick, Kaufmann und Cronin die Lead-Vocals mit Ian Gillan teilen. Der vielleicht klassischste alle Classic Rock-Songs – ein passendes Finale.


Das Mannschaftsfoto: Rock Meets Classic 2019


Setlist Rock Meets Classic

Mat Sinner Band
Rock You Like A Hurricane
Thin Lizzy: Scott Gorham & Ricky Warwick
The Boys Are Back In Town
Waiting For An Alibi
Don’t Believe A Word
Loverboy: Mike Reno
Working For The Weekend
Almost Paradise
The Sweet: Andy Scott & Pete Lincoln
Action
Blockbuster
REO Speedwagon: Kevin Cronin
Take It On The Run
Can’t Fight This Feeling
Rocks Meets Classic Symphony Orchestra
Karneval der Tiere: Der Schwan
Anna Maria Kaufmann
The Last Unicorn
Phantom Of The Opera (mit Pete Lincoln)
Mat Sinner Band
Here I Go Again
Thin Lizzy: Scott Gorham & Ricky Warwick
Jailbreak
Whiskey In The Jar
Loverboy: Mike Reno
Lovin’ Every Minute Of It
Turn Me Loose
The Sweet: Andy Scott & Pete Lincoln
Ballroom Blitz
Fox On The Run
REO Speedwagon: Kevin Cronin
Keep The Fire Burnin’
Roll With The Changes
Keep On Loving You
Rocks Meets Classic Symphony Orchestra
Pomp & Circumstance
Deep Purple: Ian Gillan
Highway Star
Black Night
Anya
When A Blind Man Cries
Perfect Strangers
Hush
Alle
Smoke On The Water

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Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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Zeitsprung: Am 24.5.1974 erscheint „Diamond Dogs“ von David Bowie.

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Diamond Dogs

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit seinem achten Studioalbum Diamond Dogs hat David Bowie am 24. Mai 1974 eine seiner wechselhaftesten, aber auch interessantesten Platten veröffentlicht. Als eine der Vorlagen dient der berühmte Roman 1984 von George Orwell. Ein paar Kompromisse musste Bowie allerdings eingehen.

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Hört hier Diamond Dogs:


Als David Bowie Anfang 1974 zu seinem achten Wurf ansetzt, liegt die Beerdigung seiner wohl bekanntesten Kunstfigur Ziggy Stardust gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Für Diamond Dogs kramt der britische Musiker den Charakter schon wieder hervor, wenn auch unter dem Namen Halloween Jack. Zumindest sind optische Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte beginnt allerdings bei einer der berühmtesten Dystopien aller Zeiten.



Heute wissen wir: George Orwells Jahrhundertwerk 1984 wurde von der Realität in vielerlei Hinsicht nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Zu Beginn der Siebziger treibt David Bowie eine Begeisterung für den gesellschaftskritischen Roman um, sogar auf die Bühne möchte er das Buch bringen. Weil er nicht die nötigen Rechte dazu erhält, setzt er auf einen alternativen Plan und will das fremde Material mit seinen eigenen Vorstellungen einer postapokalyptischen Welt verschmelzen. Das Ergebnis: Songtitel wie 1984 oder Big Brother. Später mischt er die Ideen dann doch mit thematisch weiter gefassten Entwürfen, wodurch sich das Album zu einer komplexen und bunt gemischten Sache entwickelt.

Bowie während der Tour zu Diamond Dogs im Juni 1974 – Pic: Promo/MainMan

Auf der Plattenhülle sieht man Bowie als Fantasiewesen, zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Hund. Nach Erscheinen löst diese Zeichnung des belgischen Malers Guy Peellaert eine Kontroverse aus, denn öffnet man das komplette Cover, kommen in der Urfassung die Genitalien des Geschöpfes zum Vorschein. Das geht natürlich nicht, also wird das Album schnell wieder vom Markt genommen und die entsprechende Stelle übermalt. Heute wechseln Originalexemplare für mehrere Tausend Euro den Besitzer.



Musikalisch orientiert sich die Platte teilweise am Glam der vorherigen Kompositionen Bowies. Mit Songs wie Rock ‘n‘ Roll With Me, 1984 oder Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (Reprise) liefert der Ausnahmekünstler allerdings auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre. Für letzteres Lied bedient er sich erstmals der Cut-Up-Technik, die vor allem von Autor Williams S. Burroughs bekannt gemacht wurde. Bei dieser Methode werden Texte in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen — ein Vorgehen, das Bowie weitere 25 Jahre begleiten soll und viele seiner Songs prägt.



Mit Diamond Dogs schafft Bowie gerade rechtzeitig den schrittweisen Absprung vom Glam Rock, der in den Jahren danach zu einer Talfahrt ansetzt, von der er sich nicht mehr erholt. Laut eigener Aussage handelt es sich bei Diamond Dogs um noch deutlich mehr, nämlich ein „sehr politisches Album. Mein Protest. Es entspricht mir mehr als all meine bisherigen.“ In den britischen und in den kanadischen Charts erreicht die Scheibe Platz eins, in den USA Platz fünf — zu jener Zeit Bowies Bestwert.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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