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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.7.1975 lutscht Jack White das erste Mal am „Icky Thump“.

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Foto: Scott Legato/WireImage/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.7.1975.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Wo Jack White drauf steht, kommt Krach raus: Mit den White Stripes, The Dead Weather und den Raconteurs prägt der Detroiter Musiker seit Anfang des Jahrtausends den Rock und gilt mittlerweile als einer der wichtigsten neuzeitlichen Gitarristen überhaupt. White glänzt aber auch mit eigenem Label und Koproduktionen. Schauen wir zu seinem Geburtstag in sein Leben.

Hört euch hier Boarding House Reach an, das letzte Album von Jack White: 

John Anthony Gillis kommt am 9. Juli 1975 im nicht-so-schönen Detroit im US-Bundesstaat Michigan zur Welt. Die frühere Industriemetropole erfährt in den Siebzigern einen besonders rasanten ökonomischen Abstieg, und so wächst der kleine Jack zwischen urbanem Verfall und der Opulenz der katholischen Kirche auf, in der seine Eltern arbeiten. Als Messdiener bekommt er die volle Breitseite Roben und Weihrauch ab und lernt so früh die Effekte einer guten Inszenierung kennen.

Kindheit zwischen Weihrauch und Industrie-Ruinen

Zur Musik kommt er durch seine Brüder, die die Instrumente schneller wechseln als die Unterhosen. Gillis schnappt sich, was auch immer die Geschwister (von denen es immerhin neun gibt) gerade ausrangieren. Kleben bleibt er beim Schlagzeug und der Gitarre und macht sich in der Underground-Szene seiner Heimatstadt einen Namen, dabei hätte die Sache auch anders ausgehen können: „Ich wurde im Priesterseminar in Wisconsin aufgenommen, entschied mich dann in letzter Sekunde aber doch für die staatliche Schule. Ich hatte gerade einen neuen Verstärker bekommen und ging davon aus, dass ich den dorthin eher nicht hätte mitnehmen dürfen.“

Noch während der Schulzeit trifft er auf Meg White, das Paar heiratet am 21. September 1996 recht jung, und Gillis nimmt entgegen der Tradition den Nachnamen seiner Frau an. Jacks aktuelle Band löst sich da gerade auf, und obwohl Meg sich eher hinter dem Tresen zu Hause fühlt, setzt sie sich probeweise an das Schlagzeug, auf das zuvor noch der Ehemann eingewirkt hatte. Der klebt jetzt endgültig am Sechssaiter und findet die minimalistische Besetzung ziemlich befreiend, also macht man eine Band draus. Die White Stripes feiern 2001 ihren internationalen Durchbruch und bringen während ihrer Karriere solch leckere Rock-Bissen wie die Alben De Stijl, White Blood Cells und Elephant heraus. 

„A seven nation army couldn’t hold them back“

An Singles wie Seven Nation Army, Icky Thump, Blue Orchid und ihrem Cover Fell In Love With A Girl kommt in den Nuller Jahren niemand vorbei. Der sehr reduzierte und umso fetter produzierte Garage Rock des Duos trifft einen Nerv und sahnt Grammys und Festivalslots ab, als gäbe es sie umsonst. Da haben die Whites sich übrigens längst wieder scheiden lassen. Zwar kommen sie weiter prima miteinander aus, aber Megs Angststörung zwingt sie 2007 erstmals zu abgesagten Tourterminen. So richtig viel neues Material folgt dann nicht mehr, und 2011 machen die zwei auch beruflich Schluss.

Im gleichen Jahr geht es auch mit Whites zweiter Ehe zu Ende: Das Model Karen Elson hatte er beim Dreh zu Blue Orchid kennengelernt und 2005 in einem Boot auf dem Amazonas geheiratet, Meg fungierte als Trauzeugin. Mit Elson teilt er zwei Kinder, und auch diese Trennung verläuft weitestgehend glimpflich: Um das Ende der gemeinsamen Zeit zu feiern, schmeißen die Eheleute gar ein rauschendes Fest. Zwar folgt eine kurze gerichtliche Auseinandersetzung, mittlerweile läuft es aber mit der geteilten Erziehung. Von Whites Privatleben in der Wahlheimat Nashville dringt heute wenig an die Öffentlichkeit.

Prominenter Vinyl-Liebhaber

Apropos Nashville: Hier befindet sich das Zentrum seines kreativen Schaffens und auch der Sitz seines Labels Third Man Records, mit dem er für die Wiederkehr der Vinylplatte kämpft. Mal empfängt er dort illustre Gäste wie Tenacious D oder die Insane Clown Posse, mal verhilft er der „Queen of Rockabilly“ Wanda Jackson zum Comeback. So viel Glaubwürdigkeit ermöglicht White beispielsweise die Zusammenarbeit mit Loretta Lynn, Bob Dylan und anderen: Mit Alicia Keys singt er 2008 auf dem James-Bond-Soundtrack zu Ein Quantum Trost das epische Another Way To Die, und auf Beyoncés Überalbum Lemonade trägt er 2016 zu Don’t Hurt Yourself  bei.

Ansonsten teilt Mr. White seine Zeit zwischen Solomusik und zwei Bands auf. In der Rock-Supergroup The Dead Weather gibt es seit 2009 mit Alison Mosshart von The Kills, Dean Fertita von Queens Of The Stone Age und Jack Lawrence von The Raconteurs auf die Zwölf. Letztere gehören natürlich auch zu Whites Projekten, hier gibt es noch mehr Qualitäts-Rock‘n’Roll auf den gut gefüllten Plattenteller. Das bestätigen zum Beispiel die Verantwortlichen bei den Brit Awards, Grammys und MTV Awards und so ziemlich alle, die schon mal Steady, As She Goes hören durften.  

Rock auf allen Kanälen

Solomaterial auf Platten wie Lazaretto und Singles wie Over And Over And Over überzeugen ebenfalls. Wo White früher schon mal rumrüpelte, engagiert er sich heute politisch oder spendet heimlich für Einrichtungen in Detroit. Man könnte beinahe Icky Thump zitieren: „Went home / And learned how to clean up after myself“. Dann kann man es zum Geburtstag ruhig mal krachen lassen. Happy Birthday, Jack White!

Rock’n’Fail: Jack Whites Mozart-Cover „Leck mich im Arsch“ mit der Insane Clown Posse

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