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Popkultur

Jefferson Airplane: Ihre Karriere in 8 definierenden Songs

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Jefferson Airplane
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zwischen 1965 und 1969 verändern Jefferson Airplane die Welt der Musik. Psychedelisch und politisch, verwunschen und revolutionär: Diese acht Songs machten die Band aus San Francisco unsterblich. Und sind bis heute der Soundtrack der Gegenkultur.

von Björn Springorum

Der Prolog zur Hippie-Bewegung

Vor 55 Jahren finden sich Jefferson Airplane in San Francisco zusammen. Ihre Gründung ist der Prolog zur Hippie-Bewegung, die von Amerikas Westküste in Windeseile die ganze Welt mit einem Teppich aus Blumen, Mandalas und Peace-Zeichen überzieht. Als erste international erfolgreiche Band aus der Bay Area prägen Jefferson Airplane nicht nur den sogenannten San Francisco Sound; sie bescheren dem Psychedelic Rock zudem eine erste Blaupause, an der sich in der Folge Myriaden anderer Bands orientieren werden.

Nachdem die Byrds 1965 in den Hügeln von Los Angeles den Folk Rock erfinden und sich aus England immer neue Wunderwerke der Beatles ihren Weg über den Atlantik bahnen, ist San Francisco das nächste große Epizentrum der Gegenkultur. In Chet Helms Keller werden Shows gespielt und LSD konsumiert, Jefferson-Airplane-Gründer Marty Balin eröffnet den Nachtclub The Matrix, der neben den dort auftretenden Bands schnell durch seine psychedelische Lichtkunst berühmt wird. Im Nu ist der Bezirk Haight-Ashbury fest in der Hand jener Leute, die man bald darauf als Hippies bezeichnet wird. Und die neu gegründeten Jefferson Airplane sind mittendrin.

Ihr erster Auftritt unter diesem Namen steigt – soweit keine Überraschung – im Matrix. Noch deutlich vom folkigen Ansatz der Byrds oder Buffalo Springfield heimgesucht, versuchen sich Jefferson Airplane mehr und mehr an Pop-Ansätzen und psychedelischen Elementen. Am 16. Oktober 1965 spielen sie mal wieder in San Francisco. Ihr Support: Eine Band namens The Great Society mit einer gewissen Grace Slick am Mikrofon. Als Signe Toly Anderson ihre Tochter zur Welt bringt und das eine Mikrofon bei Jefferson Airplane plötzlich vakant ist, muss Frontmann Paul Kantner das ehemalige Model Grace Slick nicht lange bitten. Das Airplane ist bereit zum Abheben. Und ist auch dank dieser acht Songs bis heute unsterblich und unvergessen.

1. Tobacco Road

Die folkigen Anfänge der Band ziehen sich stringent durch das 1966-er Debüt Jefferson Airplane Takes Off. Obschon die Plattenfirma die eine oder andere zu explizite Textzeile geändert haben wollte, ist der Erstling weitgehend frei von Psychedelika. Mit Tobacco Road gibt es dafür ein zupackendes Cover von John D. Laudermilks altem Blues-Gassenhauer, dem man noch heute die überschäumende Energie anhört.

2. White Rabbit

Als Grace Slick in die Band kommt, ändert sich alles. Nicht nur passt ihre Stimme viel besser zum gerade erwachenden Psychedelic-Rock-Sound der Band; es ist vor allem die von ihr noch für ihre alte Band geschriebene Nummer White Rabbit, die der Band ihren großen Durchbruch beschert. Inspiriert von Alice im Wunderland und gewoben aus psychedelischen Kaskaden, ist der Song bis heute die Nationalhymne der Hippie-Bewegung.

3. Somebody To Love

Auch Slicks zweites Mitbringsel wird zur Sensation: Gemeinsam mit ihrem Schwager Darby Slick komponiert, beschert sie ihrer neuen Band auch mit Somebody To Love einen gewaltigen Erfolg. Beide Songs sollen auf Jefferson Airplanes zweiter LP Surrealistic Pillow erscheinen, einem prägenden Meilenstein des Psychedelic Rock. Als das Album im Februar 1967 erscheint, ist die Band längst ein Phänomen. Ein Artikel in der Newsweek im Dezember 1966 hat die Band zum Inhalt, was San Francisco praktisch über Nacht zum Mekka der Aussteiger*innen, Friedensaktivist*innen und Künstler*innen macht.

4. The Ballad Of You And Me And Pooneil

Ende November 1967 legen Jefferson Airplane schon mit After Bathing At Baxter‘s nach. Und überraschen ähnlich wie die Beatles mit einer drastischen Kursänderung binnen weniger Monate. Verschwunden ist die verwunschene Pop-Aura, ersetzt wird sie durch einen härteren, improvisierten Sound im Geiste von Cream oder Jimi Hendrix. Gitarren dröhnen, Strukturen sind eh überbewertet und am Mikrofon gibt es ein wunderbares Sparring zwischen Marty Balin und Grace Slick. Definitiv kein Single-Material, aber dafür musikalisch umso beeindruckender.

5. Crown Of Creation

1968 schwingen sich Jefferson Airplane mit dem Album Crown Of Creation nochmals in ungeahnte kreative Höhen auf. Der Titeltrack, eine Art Science-Fiction-Blues, bietet die vielleicht beste Gesamtleistung der Band, sicherlich auf die beste Gesangsperformance von Paul Kantner, Balin und Slick. Diese Harmonien, da kann man sich sicher sein, die stammen nicht von dieser Welt. Und das Cover sorgt noch heute für Albträume.

6. Lather

Eröffnet wird Crown Of Creation mit einem jenseitig schönen und traurigen Stück Musik. Dabei bietet der Inhalt eigentlich keinerlei Anlass für Melodrana: Grace Slick schreibt das Stück für Schlagzeuger Spencer Dryden, der damals ihr Liebhaber ist. Interpretiert man die Nummer als Blick in die Glaskugel, kündigt Slick hier aber schon das Ende dieser Liebelei im darauffolgenden Jahr an.

7. Wooden Ships

Diese Nummer ist ja schon von Crosby, Stills & Nash eine Wucht. Doch nach der Bearbeitung von Jefferson Airplane wird eine beschwörenede, betörende, beunruhigende Parabel auf den Vietnamkrieg in all seinem Schrecken daraus. Melancholisch und dennoch kraftstrotzend, unheilvoll und dennoch berührend. Ja, auf Volunteers (1969) ziehen Jefferson Airplane eindrucksvoll alle Register. Politischer, revolutionärer und radikaler waren sie nie. Aber es ist ja eben auch das Jahr 1969. Und der amerikanische Traum mit einem lauten Knall geplatzt.

8. Volunteers

Schnell, roh, aggressiv, politisch aufgeladen: Volunteers erscheint nach Woodstock und ist die lärmende Hymne, die die Woodstock-Armee auch im Nachspiel des Summer of Love vereint. Als letztes Lied auf dem gleichnamigen Album ist es zugleich der Schwanengesang für das klassische Line-Up. Nachdem Jefferson Airplane die Sechziger beherrschten und als einzige Band ihrer Ära auf allen drei wichtigen Festivals dieser Dekade auftrat (Montetey, Woodstock, Altamont), beginnt in den Siebzigern ihr unaufhaltsamer Abstieg. Für viele ist die Band mit dem Ausstieg von Grace Slick 1972 am Ende, dennoch gibt es zahlreiche Versuche, die Band wieder zusammenzubringen oder unter dem Namen Starship weiterzuführen. Alles ist weit von dem verwunschenen Klangdschungel und der unterschwelligen Bedrohung entfernt, mit dem Jefferson Airplane fünf Jahre lang die Welt in Atem halten.

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