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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.7.1955 nimmt Johnny Cash den „Folsom Prison Blues“ auf.

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.7.1955.

von Timon Menge und Christof Leim

Den Folsom Prison Blues von Johnny Cash kennen wir vor allem in der Liveversion aus dem gleichnamigen Gefängnis. Das Stück entsteht allerdings schon mehr als zehn Jahre früher und gehört zu Cashs ersten großen Hits. Am 30. Juli 1955 nimmt er den Song zum ersten Mal auf.

Hier könnt ihr euch Johnny Cashs Debüt Johnny Cash With His Hot And Blue Guitar! anhören:

Heute kennen wir Johnny Cash als einen der größten Countrystars aller Zeiten, doch 1950 sieht das noch ganz anders aus. Zu jener Zeit dient der damals 18-jährige für die US-Luftwaffe, später wird er nach Deutschland versetzt. Dort gründet er nicht nur seine erste Band, die Landsberg Barbarians, sondern schreibt auch einen der wichtigsten Songs seiner Karriere: den Folsom Prison Blues

Auf die Idee dazu kommt er 1953 während der Kinostunde. Er und seine Kameraden bekommen den Film Noir Inside The Walls Of Folsom Prison (1951) gezeigt, Cash fesselt der Streifen. Die legendäre Textzeile „But I shot man in Reno, just do watch him die“ kommentiert er folgendermaßen: „Ich hatte den Stift in der Hand und habe darüber nachgedacht, was der schlimmstmögliche Grund dafür sein könnte, jemanden zu töten.“

Cash lässt sich nicht nur vom Film „inspirieren“

Der Film von Regisseur Crane Wilbur zeigt das düstere Bild vom brutalen Alltag in dem kalifornischen Staatsgefängnis, unter anderem ausgelöst durch das aggressive Verhalten des Wärters Ben Rickey. Der glaubt, dass Gefängnisse vor allem der Bestrafung dienen, nicht der Rehabilitation. Als der Insasse Chuck Daniels und einige weitere Häftlinge bei einem Fluchtversuch scheitern, eskaliert die Situation.

So ganz aus eigener Feder stammt der Folsom Prison Blues allerdings nicht. So bedient sich Cash kräftig beim Crescent City Blues von Gordon Jenkins. Sowohl in musikalischer als auch in lyrischer Hinsicht gibt es zahlreiche Überschneidungen. In den Siebzigern führt das sogar dazu, dass Cash verklagt wird und eine Summe von 75.000 US-Dollar bezahlen muss. 

Erste Aufnahme in Memphis, Revival im Gefängnis

Aufnehmen kann er das Stück erstmalig am 30. Juli 1955, und zwar im berüchtigten Sun Studio in Memphis. Unter der Leitung von Produzent Sam Phillips spielen Cash, Gitarrist Luther Perkins und Bassist Marshall Grant die Nummer ein. Einen Schlagzeuger gibt es nicht, weshalb Cash sich einen Ein-Dollar-Schein zwischen die Saiten steckt und den Snare-Rhythmus auf der Gitarre schlägt.

Jahrelang eröffnet Cash seine Konzerte mit den Worten „Hello, I’m Johnny Cash“ und dem Folsom Prison Blues. Die wohl legendärste Performance des Songs geht allerdings erst am 13. Januar 1968 im gleichnamigen Gefängnis über die Bühne, wo Cash eine Show für die Insassen spielt. Doch das ist wieder einmal eine andere Geschichte, die ihr hier nachlesen könnt.

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