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Popkultur

Junge Künstler, die den Blues mit neuem Leben füllen

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Jeder kennt die Legenden, die den Blues mitbegründet haben: Howlin’ Wolf, Muddy Waters und John Lee Hooker, aber wer sind die Neuen, wer hält die Tradition jetzt am Leben? Das Bluesrock-Revival der letzten Jahre wird von Bands wie den Black Keys, Alabama Shakes und den White Stripes angeführt und die Frage, ob jemand überhaupt das Recht hat, den Blues zu singen, stellt sich kaum noch. Diese Künstler mögen jung an Jahren sein, aber sie haben alte Seelen.


Hört euch hier unsere Playlist Blues für Anfänger an und lest weiter:


1. The Marcus King Band

Wie viele andere der Blueskünstler auf dieser Liste wuchs auch Marcus King mit dem Blues auf und trat zunächst zusammen mit seinem Vater Marvin King in Greenville, South Carolina, auf. Als wichtigsten Einfluss nennt er den ebenfalls aus Carolina stammenden Frontmann von Gov’t Mule Warren Haynes. Der Gitarrenvirtuose arbeitete sogar mit seinem Idol, als Haynes sein selbstbetiteltes Album produzierte und auf einigen Tracks spielte. Und mit Derek Trucks von der Allman Brothers Band kann King seinen Referenzen eine weitere Bluesgröße hinzufügen: Er spielte auf dem Album seine unverkennbare Slide Guitar. Mit seinen 21 Jahren deutet alles darauf hin, dass King eines der prominentesten Gesichter der neuen Bluesszene wird – mit gefühlvollem Gesang, geschicktem Gitarrenspiel und bodenständigem Songwriting – einer Mischung, die er selbst als “Psychedelic Southern Rock mit Soul-Einfluss” beschreibt.


2. Kenny Wayne Shepherd

1995, im Alter von nur 18 Jahren, veröffentlichte Kenny Wayne Shepherd sein Debüt und sang darüber, dass “die Guten jung sterben”. Da ist es ein Glück, dass Shepherd nicht von einem tragischen Ende ereilt wurde und stattdessen bisher neun weitere, kraftvolle Bluesrock-Alben veröffentlicht hat. Der aus Louisiana stammende Autodidakt und fantastische Gitarrist war schon in jungen Jahren kommerziell sehr erfolgreich: Er hatte sieben Singles in den Billboard Top 10, gewann zwei Billboard Music Awards und war mittlerweile für fünf Grammys nominiert. Wie viele andere zollt auch er seinen Vorgängern Respekt und covert viele legendäre Künstler. Auf seinem neuen Album, Lay It On Down, befindet sich allerdings nur eigenes Material in Shepherds charakteristischen, leidenschaftlichem Rootsrock-Sound. Mittlerweile hat er sogar eine eigene Fender Stratocasters Serie. Irgendwas scheint er also richtig zu machen.


3. Chantel McGregor

Die Wiege des Blues mag im Mississippi Delta liegen, aber auch der Britische Blues hat eine lange Geschichte. Aus diesem reichen Erbe ist eine überraschende Bluespersönlichkeit hervorgegangen: die Singer-Songwriterin und britische Bluesrock-Gitarristin Chantel McGregor. Sie ist ein Wunderkind an der Gitarre und die jüngste Absolventin einer Rockschule in Großbritannien: Sie schloss ihr Studium beim renommierten Leeds College Of Music mit Topnoten ab. Seitdem hat sie zahlreiche British Blues Awards gewonnen und einen Track zu dem Bluessampler 100 Years Of The Blues beigesteuert. Mit ihrem kraftvollen Sopran und den im Kontrast dazu stehenden harten Gitarrenriffs bietet McGregor eine tolle Mischung.


4. Danny Bryant

Danny Bryant ist ebenfalls Brite und auch er fing sich den Blues-Virus schon früh ein. Als Teenager beeindruckte ihn die “Wildheit und Intensität” der Gitarrenlegende Walter Trout und der irische Gitarrenvirtuose Rory Gallagher. Später sollte Trout sein Mentor und Kollege werden. Wie Marcus King trat auch Bryant zunächst mit seinem Vater Ken Bryant und der Bluesrockband RedEyeBand auf, bevor er seinen eigenen Lizenzdeal mit Virgin/EMI Asia unterschrieb. Bryant ist eine feste Größe in der Bluesszene Europas. Mit Tausenden Club- und Festivalauftritten und gemeinsamen Performances mit Künstlern wie Joe Cocker und Carlos Santana hat er sich eine treue Fangemeinde erspielt. Auf seinem neuen Livealbum hören wir Bryant in seinem Element, wie er seine Fans mit seiner hervorragenden Technik und neuen, weißen Soulklassikern begeistert.


5. Tyler Bryant & The Shakedown

Tyler Bryant & The Shakedown ist einer der spannendsten Namen der Bluesrockszene. Sie versuchen nicht, die Meister nachzuahmen, sondern erschaffen einen neuen Sound, der die Seele des Blues mit der Energie des Hardrock verbindet. Auch Bryant wurde der Blues in die Wiege gelegt und mit 15 trat er bereits bei Eric Claptons Crossroads Festival auf und spielte als Support für Dwight Yoakam in seiner Heimat Texas. Auch von der Delta und Chicago Blues Szene, war der Singer-Songwriter begeistert. In der Gitarrenszene ist er schon allgemein bekannt und hat mit den ebenfalls aus Texas kommenden Legenden Stevie Ray Vaughn, ZZ Top und Gary Clark Jr. gespielt. Der 26-Jährige hat eine alte Seele und ist nicht zimperlich mit seiner Gitarre. Mit ihrem rauen Bluesrock hat die Band sich international eine Fangemeinde erarbeitet und ist zum Beispiel beim Ramblin’ Man Fair in Südengland aufgetreten.


Schaut euch das Interview unserer Kollegen mit Tyler an:


6. Colin James

Colin James ist so etwas wie der Dorfälteste in der zeitgenössischen Bluesszene. In seiner Heimat Kanada ist er eine lebende Legende und die Vereinigten Staaten eroberte er 1990 mit seinem Album Sudden Stop, welches ein internationaler Hit war. Außerdem war er der zweite Künstler, der einen Vertrag bei Virgin Records America unterschrieb (der erste war Iggy Pop). Nicht weniger als 18 Alben hat Colin James mittlerweile veröffentlicht und so ist er einer der wichtigsten Botschafter des Genres und auch eines seiner außergewöhnlichsten Talente. Er meidet den kantigen Bluessound der letzten Jahre und überzeugt stattdessen mit seinem feinen Gitarrenstil und sanften Gesang. Er ist vielfach ausgezeichnet und erhielt unter Anderem sechs Juno Awards und wurde 2013 in die Canadian Music Industry Hall Of Fame eingeführt.


7. Joe Bonamassa

Einer der etablierteren Blueskünstler auf dieser Liste ist der 40-jährige “Smoking Joe” Bonamassa. In der Blueswelt ist er damit natürlich immer noch ziemlich jung, aber sein Werdegang gehört mittlerweile trotzdem zur Geschichtsschreibung des Blues: Als er zwölf Jahre alt war, hatte BB King ihn während eines Konzerts auf die Bühne gezogen und mit 13 hatte er einen kurzen Auftritt mit John Lee Hooker. Er gilt als einer der besten lebenden Gitarristen und spielt im Stil von britischen Bluesrockstars der 1960er wie Eric Clapton, Jimmy Page und der amerikanischen Legende Stevie Ray Vaughan. Bonamassa ist der amtierende “Entertainer Of The Year” der Blues Music Awards. Er ist nicht nur ein virtuoser Gitarrist, sondern komponiert auch großartige Riffs und fühlt sich in jedem Genre wohl. Mit dem Blues hat er sich eingehend und hingebungsvoll beschäftigt. Sein Talent liegt in der Improvisation genauso wie in der Technik und sein Sound ist unverwechselbar.


8. Christone “Kingfish” Ingram

Das Wort “Wunderkind” wird oft und manchmal viel zu leichtfertig benutzt, aber im Fall des 18-jährigen Christone “Kingfish” Ingram ist es absolut gerechtfertigt. Geboren im Delta war Ingram vom ersten Tag an vom Blues umgeben. Mit sechs Jahren begann er, Schlagzeug zu spielen und mit 11 Bass. Danach wandte er sich der 6-String Gitarre zu. Ingram wuchs mit der Kirche auf und kombiniert in seiner Musik Gospel und Blues. Er verfeinerte seine Technik mit Hilfe von Daddy Rich und Bill Howl im Delta Blues Museum. Sein Aufstieg war wie geschaffen für das Internet. In viralen Videos faszinierte er das Publikum und die First Lady Michelle Obama mit seinem außergewöhnlichen Talent und beeindruckender Technik.


9. Jack White

Wenn man eine bestimmte Person für das neue Bluesrock-Revival verantwortlich machen will, dann wäre das Jack White, der frühere Frontmann der White Stripes und von Supergroups wie The Raconteurs und The Dead Weather. White trägt als Musiker und mit seinem Label und Presswerk Third Man seinen Teil dazu bei, den Blues gesund und munter zu halten. Dass er in dem Genre sehr bewandert ist, zeigt sich in seinem Stil als Komponist und Performer und auch in seiner Künstlerpersönlichkeit, um die er selbst einen Mythos gestrickt hat. Seine Platten hat er den Großen des Blues gewidmet und auf dem zweiten White Stripes Album De Stijl Künstler wie Son House und Blind Willie McTell gecovert. Wenn er nicht gerade Klassiker von Chess Records und andere alte Bluesplatten neu auflegt, arbeitet er an Dokumentationen wie zum Beispiel American Epic, um dem Blues zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen.


10. Shemekia Copeland

Die Bluessängerin Shemekia Copeland wuchs während der Blütezeit des Hip-Hop in Harlem auf. Sie sagt, dass ihr Vater, der aus Texas stammende Bluesmusiker Johnny Clyde Copeland, sie mit der Blueswelt in Kontakt brachte. Auf ihren ersten Alben hält sie sich an einen zeitgenössischen Bluessound, aber ihre aktuellen Veröffentlichungen offenbaren einen neuen Souleinfluss, was besonders an ihrer kraftvollen Stimme liegt. Noch vor ihrem 30. Geburtstag hatte die gefeierte Sängerin mehrere Blues Awards erhalten, war für einen Grammy nominiert und war im Vorprogramm der Rolling Stones, BB King und Taj Mahal aufgetreten. Auf ihrem Album Outskirts Of Love von 2015 geht Copeland noch weiter über die Genregrenzen hinaus und covert Künstler wie ZZ Top, Creedence Clearwater Revival und Solomon Burke. Das britische The Blues Magazine kürte es dafür zum Besten Album des Jahres.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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