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Popkultur

„Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“: Die Geschichte hinter dem Weihnachtsklassiker von Dean Martin

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Der August des Jahres 1959 war in weiten Teilen der USA ein außerordentlich heißer Monat. Dass er ausgerechnet an einem derart heißen Donnerstag seine Version des Winterlieds Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow! aufnehmen sollte, ließ auch Dean Martin schmunzeln, als er am 06. des Monats die Capitol Records Studios an der North Vine Street in Hollywood betrat.

von Martin Chilton

Dean Martin, dessen Aufnahmen an den gefühlvollen Bariton und jene Art der Phrasierung erinnerten, die man von Bing Crosby kannte, hatte die perfekte Gesangsstimme für Weihnachtliches: Seine Version von Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!, aufgenommen für das Album A Winter Romance, ist ganz klar die beste und beliebteste Aufnahme dieses Stücks, das seit Jahrzehnten zu den ultimativen Festtagsklassikern zählt.

„Warum gehen wir nicht runter an den Strand und kühlen uns ein wenig ab?“

Komponiert wurde der Song schon 14 Jahre bevor Dean Martin das Studio in Hollywood betrat. Er stammt aus der Feder von Sammy Cahn und Jule Styne – und entstand tatsächlich am heißesten Tag des Jahres 1945 in den USA. Texter Cahn und Komponist Styne zählten zu den absoluten Songschreiber-Stars jener goldenen Ära: In seinen besten Tagen soll Cahn sogar der bestbezahlte Schreiber in den Staaten gewesen sein. Man zahlte ihm nicht selten mehr als 1.000 Dollar pro Wort. Auch bei den Oscars räumte er gleich vier Mal ab: 1954 mit Three Coins In The Fountain (aus dem gleichnamigen Film), drei Jahre später mit All The Way (Film: Schicksalsmelodie); schließlich 1959 für High Hopes (aus A Hole In The Head) und 1963 für Call Me Irresponsibe, den Jackie Gleason im Film Papa’s Delicate Condition singen durfte.

Doch selbst unvergessene Oscar-Titel wie diese wirken eher blass, wenn man ihnen den dauerhaften Erfolg von Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow! gegenüberstellt. Im Buch Songwriters On Songwriting erzählt Cahn von jenem Hitzesommer, in dem der Festtags-Hit entstand: „‘Warum gehen wir nicht runter an den Strand und kühlen uns ein wenig ab?’, fragte ich Jule damals. Er sagte: ‘Warum bleiben wir nicht einfach hier und schreiben ein Winterlied?’ Dann setzte ich mich an die Schreibmaschine. ‘Oh, the weather outside is frightful/But the fire is so delightful/And since we’ve got no place to go/Let it snow, let it snow, let it snow.’ Nun, weshalb also drei Mal ‘Let It Snow’? Warum nicht zwei Mal – oder noch ein viertes dazu? Weil die drei etwas Lyrisches hat.“

„Das hätte auch so ein abgründiger Scherz von ihm sein können“

Die erste Aufnahme machte Vaughn Monroe bereits im Jahr 1945 für RCA Victor. Und auch weitere Versionen von Woody Herman und Connee Boswell ließen nicht lange auf sich warten. Zum ultimativen Weihnachtsklassiker jedoch avancierte schließlich Martins Interpretation, arrangiert von Gus Levene, während Hy Lesnick als Dirigent mitwirkte. Tatsächlich ist der Titel noch immer dermaßen beliebt, dass die Version aus dem Jahr 1959 zum 60. Jubiläum nun auch ein brandneues (Weihnachts-)Video bekommen hat, realisiert vom Animationsstudio Fantoons.

Foto: Universal Music Group

 

Erst nach der Jahrtausendwende konnten auch Carly Simon und Rod Stewart Erfolge mit ihren Interpretationen von Let It Snow verbuchen. Gerade die Version von Simon aus dem Jahr 2005 ist etwas Besonderes, weil die New Yorkerin hier die Perspektive des Gastgebers einnimmt, und nicht die des Gastes. Dem Publikum gefiel dieser Twist: Ihre Aufnahme kletterte bis auf Platz 6 der US-Radiocharts (Adult Contemporary). Rod Stewart nahm den Song erst im Jahr 2012 für sein Album Merry Christmas, Baby auf. Er konnte damit sogar den Spitzenplatz der besagten Airplay-Charts im Dezember des Jahres erobern.

Dean Martin stirbt an Weihnachten

Die Komposition von Cahn und Styne ist dermaßen ikonisch und einprägsam, dass der Song in etlichen Genres funktioniert: Bekannte Beispiele wären hier etwa die Interpretationen von Kate Rusby (Folk), Louie Bellson (Jazz), Aaron Neville (Soul), Randy Travis (Country), Twisted Sister (Heavy Metal), Jeremih und Chance The Rapper (Hip-Hop) und Michael Bublé (Pop). Dean Martin gefiel der Titel so sehr, dass er ihn im Jahr 1966 gleich noch einmal aufnahm, für sein The Dean Martin Christmas Album.

Gleichwohl ist und bleibt es quasi unmöglich, die Version aus dem Jahr 1959 zu toppen. Dean Martin war 78 Jahre alt, als er am 25. Dezember 1995 in seinem Haus in Beverly Hills an akutem Lungenversagen starb. Der Kommentar von US-Regisseur Peter Bogdanovich: „Die Tatsache, dass Dean Martin an Weihnachten gestorben ist, hätte auch so ein abgründiger Scherz sein können, wie man sie von ihm kannte.“ Der Geist von Dean Martin lebt dennoch weiter – denn ohne die Zeilen Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow! aus dem Mund des Crooners wäre Weihnachten nur halb so schön.

Zeitsprung: Am 3.12.1984 erscheint „Last Christmas“.

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