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Popkultur

10 wirklich gute Weihnachtssongs, die nicht nerven

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Foto: Unsplash

Na, schon wieder die Nase voll von Last Christmas? Nicht nur bei diesem Weihnachts-Evergreen scheiden sich die Geister. Weihnachten, das kann eine musikalische Tortur sein – auf dem Weihnachtsmarkt, im Einkaufszentrum und überall, wo jemand Oh du Fröhliche auf der Blockflöte quietscht. Aber das muss nicht sein, es gibt auch Lichtblicke. Hier sind zehn Weihnachtssongs, die man mit gutem Gewissen in einer stillen Nacht auflegen kann.

Ho ho ho! Hört hier in unsere Christmas Rock Classics rein:

1. The Smashing Pumpkins – Christmastime

Ja, die Smashing Pumpkins haben Ende der 1990er-Jahre einen Weihnachtssong aufgenommen, sogar einen mit außergewöhnlich kitschigem Text. Aber an Weihnachten darf  das ruhig mal sein. Billy Corgans Stimme ist sowieso wie gemacht für solche emotionalen Momente, und Christmastime reiht sich nahtlos zwischen Disarm und den anderen großen Balladen seiner Band ein. Tolle Musik, gegen die nicht mal die Oma protestieren würde, jede Wette.

2. The Killers – Don’t Shoot Me Santa

Die Killers haben vor einiger Zeit eine schöne Tradition begonnen: Jedes Jahr schrieben sie eine neuen Weihnachtssong, dessen Einnahmen komplett an Bonos AIDS-Stiftung RED flossen. 2016 waren schon zehn davon zusammen gekommen, also sammelten sie alle auf einem Album namens Don’t Waste Your Wishes. Diese Platte sollte man sich auf jeden Fall für die Feiertage vormerken, denn Songs wie Don’t Shoot Me Santa sind nicht nur witzig, sondern die willkommene Abwechslung zum üblichen Festtagsgedudel.

3. Ramones – Merry Christmas (I Don’t Want To Fight Tonight)

Heute ist Weihnachten, lass uns ausnahmsweise mal nicht streiten! Kommt euch auch bekannt vor, oder? Joey Ramone war sicherlich nicht der umgänglichste Partner, den man sich vorstellen kann. Man erzählt sich, dass er damals wohl irgendetwas ausgefressen hatte und diesen Weihnachtssong seiner Freundin widmete, sozusagen als Entschuldigung. Hoffentlich hat sie sich darüber genau so gefreut, wie wir das heute noch tun. Guter Festtags-Punk, was will man mehr?

4. Run-DMC – Christmas In Hollis

Hip-Hop und Weihnachtslieder gehen ähnlich schwierig zusammen, aber Run-DMC haben es 1987 hinbekommen. Mit einem Haufen weihnachtlicher Samples erzählt die Crew, wie sie in ihrer Hood in Queens, New York die Feiertage begehen. Alles ganz normal: Mutti kocht schön auf, die Jungs bringen die Weihnachtsbeleuchtung an, und allen geht es gut: „Chillin’ and coolin’ just like a snowman!“

5. Paul McCartney – Wonderful Christmastime

Ohne ein paar Klassiker geht es aber trotzdem nicht, sind wir uns da einig? Auch wenn Paul McCartneys Song zu den meistgespielten Weihnachtshits überhaupt zählt, freuen wir uns immer wieder, wenn die Glöckchen klingen und die Synthesizer fiepsen. Paul nahm den Song auf, als er gerade an seinem sehr elektronischen Album McCartney II (1980) arbeitete, und das hört man Wonderful Christmastime deutlich an. Gerade diese ungewöhnlichen Sounds machen die Nummer wohl auch so zeitlos.

6. The Ronettes – Sleigh Ride

Weil’s so schön ist, noch ein Klassiker! Denn auch diese Nummer hat musikalisches Gewicht: Produziert wurde dieser Weihnachtsstandard von keinem geringeren als Phil Spector, dem Erfinder der berühmten „Wall Of Sound“. Wenn man genau hinhört, dann merkt man sofort, wie viel hier im Hintergrund passiert, wie ausgefuchst alle Elemente ineinandergreifen. Man kann aber auch einfach die zuckersüße Melodie genießen und einen passablen Weihnachtstwist hinlegen, ring-a-ling-a-ling, ding-dong-ding!

7. Chuck Berry – Run Rudolph Run

Kommt euch der hier bekannt vor? Im Prinzip ist Chuck Berrys Weihnachtssong eine Adaption von Johnny Be Good, umgedichtet auf das berühmte Rentier mit der roten Nase. Wenn es am Weihnachtsabend also ein bisschen später wird und der Eierlikör in Strömen fließt, kann man damit die Tanzfläche eröffnen. Damit es nicht zu besinnlich wird.

8. Johnny Cash – Christmas As I Knew It

Aber besinnlich können wir auch. Johnny Cash hat so einige Weihnachtslieder geschrieben und aufgenommen. In Christmas As I Knew It erzählt er zu ruhiger Gitarrenbegleitung von einem Weihnachtsabend in seiner Kindheit. Es war eine Zeit, in der seine Familie nicht viel besaß, die Baumwollernte schlecht ausfiel und für Geschenke nicht viel übrig war. Es ist die alte Lehre, auf die man sich immer wieder besinnen sollte: Wenn man gesund ist, genug zu essen hat und im Kreise seiner Liebsten ist, dann ist es ein perfektes Weihnachten, überall.

9. Queen – Thank God It’s Christmas

Natürlich haben wir auch den Queen-Klassiker auf unserer Liste. Freddie und Co. meistern den schmalen Grat zwischen Kitsch und Besinnlichkeit hervorragend, wer hätte das bezweifelt? Wer sonst außer Freddie Mercury könnte außerdem in einem Weihnachtslied so leidenschaftlich und laut Zeilen wie „Thank God It’s Christmas“ intonieren?

10. John Lennon & Yoko Ono – Happy Xmas (War Is Over)

Weihnachtshymne und Anti-Kriegs-Song in einem? Das bekommen nur John und Yoko so gut hin. 1971 war der Krieg in Vietnam immer noch nicht vorbei, doch die beiden sangen unbeirrt für den Frieden. Vermutlich war der Song nicht so sehr als kuscheliger Festtagsklassiker geplant, sondern eben als ein typisch Lennon’sches Protestlied verpackt in ruhigen Klängen. Doch mittlerweile gehört Happy Xmas so sehr zum Weihnachtsfest wie Last Christmas und Jingle Bells. Es ist schließlich auch ein wunderschöner Song. Es gibt sie also: die festliche Musik, bei der man nicht sofort den Weihnachtsbaum anzünden und aus dem Fenster springen will. In diesem Sinne, frohes Fest und viel Glück!

Die besten Weihnachtssongs für jeden Geschmack von Soul bis Alternative findest du hier.

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Die größten Pop-Meilensteine der Musikgeschichte: 15 Alben, die man einfach gehört haben muss

Popkultur

40 Jahre „Nebraska“: Als Bruce Springsteen durch Zufall zum einsamen Cowboy wurde

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Bruce Springsteen
Foto: Bill Marino/Getty Images

Vor 40 Jahren nimmt Bruce Springsteen Demos auf, die er eigentlich mit seiner E Street Band einspielen will. Er entscheidet sich dagegen – und veröffentlicht mit Nebraska sein vielleicht bestes Album.

von Björn Springorum

 

Hier könnt ihr euch Nebraska von Bruce Springsteen anhören:

Die Fabeln der Arbeiterklasse und der Mythos Amerikas sind Tropen, ohne die Bruce Springsteens Kanon auseinanderfallen würde. Immer schon haben ihn die Geschichten der vermeintlich einfachen Leute mehr interessiert als alles andere. Die Folklore der Menschen, die die Vereinigten Staaten von der Ostküste westwärts erschlossen und aufgebaut haben, die Arbeiter an den Docks, den Schienen, in den Minen.

Im Oktober 1980 veröffentlicht der Boss mit The River ein vielbeachtetes Doppelalbum voller jener Themen. Ein ganzes Jahr ist er damit auf Tour, vor allem in den USA, taucht auf den langen Fahrten über die Highways erneut tief ein in den Mythos des Wilden Westens. Die Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen inspirieren ihn in seinem Zuhause in New Jersey zu neuer Musik. Er verwendet vor allem die akustische Gitarre, eine Mundharmonika oder ein Tambourin für die Demo-Aufnahmen, die er als Grundlage für die eigentliche Studioarbeit mit seiner E Street Band nutzen will.

Drei Akkorde für ein Halleluja

Doch der folkloristische, pure, rohe Charme der oftmals mit drei Akkorden auskommenden Stücke bringt etwas in ihm zum Schwingen. Zwar arbeitet er im April 1982 mit seiner Band an Rock-Versionen dieser Song; das Ergebnis, das sagt ihm jedoch nicht zu. Für ihn fehlt den Songs im Bandkontext der verwunschene Americana-Kontext, die Seele des Landes, aus dem er sie schöpfte. Er und sein Manager Jon Landau entscheiden, diese spärlich instrumentierten Songs vom Rest zu trennen und aus ihnen eine Springsteen-Soloplatte mit Namen Nebraska zu machen. Aus den als Electric Nebraska bekannten Sessions sollen dennoch acht Songs für den Nachfolger Born In The U.S.A. von 1984 hervorgehen. Unproduktiv ist echt anders.

Eine magische Nacht

Im Grunde ist Nebraska somit ein Album, das am 3. Januar 1982 erschaffen wird. In den Abend- und Nachtstunden nimmt Bruce Springsteen wie entfesselt 15 Demos auf. Die meisten davon landen auf Nebraska. „Ich war immer nur so lang im Studio, weil das Komponieren so viel Zeit brauchte“, so sagte Springsteen mal. „Deswegen besorgte ich mir einen kleinen Vierspurrekorder, um schon mal grobe Songs aufzunehmen, die ich dann der Band zeigen würde. Ich hatte also dieses Tape wochenlang mit mir dabei, bis ich merkte: Das ist kein Demo, das ist das Album.“

Bis heute ist Nebraska ein einnehmendes, sehnsüchtiges Fernweh-Folk-Album voller Antihelden, tragischer Geschichten und amerikanischer Weite. Es lebt vom kargen Charme und von einem Schwermut, den man in dieser Intensität noch nicht von Springsteen vernommen hat. Passt zu den Themen: Die Songs drehen sich um einfache Menschen, vom Pech verfolgt oder in die Kriminalität abgerutscht. Im Titelsong geht es um den Mörder Charles Starkweather auf dem Weg zum elektrischen Stuhl, im abschließenden Reason To Believe brechen zumindest vereinzelte Sonnenstrahlen durch die tiefhängenden Wolken über den Great Plains.

Hommage an Atlantic City

Keine Inspiration braucht er natürlich für Atlantic City, Ode und Brandbrief an die einstmalige Casino- und Strandhochburg am Atlantik. Die Stadt ist wie ein pars pro toto für den Mythos der untergegangenen USA, ein einstmals glanzvoller Boardwalk, jetzt weitgehend verlassen, heruntergekommen. Im Song singt Springsteen mit Verzweiflung in der brechenden Stimme von einem Liebespaar, das nach Atlantic City flüchtet, wo er aufgrund seiner Schulden in der organisierten Kriminalität versinkt. Es sind Songs wie dieser, von dem sich die Killers zu ihrem Akustikalbum Pressure Machine inspirieren lassen.

Nebraska ist auch 40 Jahre später ein Monument und Springsteens wahrscheinlich bestes Album. Bis Western Stars (2019) ist es das einzige Album, das nicht auf einer eigenen Tournee vorgestellt wird. Es war ihm wohl immer zu düster.

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Zeitsprung: Am 4.6.1984 erscheint „Born In The U.S.A.“ von Bruce Springsteen.

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Popkultur

Review: „The End, So Far“ verschafft Slipknot neun neue Leben

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Slipknot
Foto: Venla Shalin/Getty Images

Das verflixte siebte Studioalbum wird bei Slipknot zur Wasserscheide: Nach zuletzt eher homöopathischen Änderungen im brachialen Soundbild stellen Corey Taylor und seine Maskencrew mit The End, So Far die Weichen für die Zukunft. Ihre beste Platte ist es nicht. Aber zweifellos eine beeindruckende.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch The End, So Far anhören:

Das Ende naht. Vielleicht nicht für Slipknot als Band. Aber definitiv für die Strukturen, in denen sich die Seelenstripper aus Iowa bisher bewegten: The End, So Far ist das letzte Album der Band für ihr Label Roadrunner und trägt das Ende der 25-jährigen Partnerschaft bereits im Titel.

Den Fans dürfte das egal sein. Für Slipknot geht dennoch eine Ära zu Ende. Und anstatt ein halbgares neues Album oder gar eine Best-Of auf den Markt zu werfen, um aus dem Vertrag zu kommen, geht man richtig in die Vollen. The End, So Far ist zwar nicht das brutalste, das heftigste, das härteste Album, das Slipknot jemals gemacht haben; das muss es aber auch gar nicht sein, dafür warne schließlich Iowa und Co. Zuständig.

Synthies, Chöre, klarer Gesang

Die siebte Platte porträtiert eine Band, die älter geworden ist. Und das endlich auch selbst anerkennt. Man umkreist solangsam die 50, da muss man nicht mehr so tun, als sei man 28. Deutlich wird das sofort: Der Opener Adderall ist der vielleicht untypischste Slipknot-Song aller Zeiten: Getrieben von flirrenden Synthies, Chören und durchgehend klarem Gesang, erinnert die Nummer eher an David Bowie oder an Tool.

Slipknot achten sorgfältig und gewissenhaft auf Dynamik, auf Songreihenfolge und Stimmungsbilder. Sie sind eine Albumband, groß geworden in Zeiten, in denen man Platten noch ganz hörte. Dem werden sie auch mit The End, So Far gerecht. Mehr denn je breiten Slipknot ihre irisierenden Flügel aus, decken so viele musikalische Gefilde ab wie nie zuvor. Klar ist die Platte auch brutal, in einem Song wie H377 sogar so durchgehend, kompromisslos und nervenzerfetzend knallhart wie auf ihrem tollwütigen Exorzismus Slipknot. Überwiegend steht jedoch eine Balance zwischen abgründiger Härte und trostspendenden Momenten auf der Agenda.

Grunge-Gefühle

Slipknot wissen längst, wie man Dynamik ausschöpft und präzise einsetzt. Die tosenden, grollenden Abriss-Monumente wirken wenn überhaupt, dann noch heftiger als auf früheren, eher durchgebolzten Werken. Melancholische, schwebende Momente wie die Alternative-Rock-Nummer De Sade zeigen zwischendrin aber eben immer wieder, dass man Dämonen und mentalen Horror auch ohne durchgehendes Metal-Inferno verhandeln kann. Hölle, bei Acidic kommen sogar Grunge-Gefühle auf!

Das Vermächtnis der Toten

Einen mehr als ordentlichen Job macht der neue Percussionist und Drummer Jay Weinberg. Er versucht gar nicht erst, in die XXL-Fußstapfen von Joey Jordison zu trommeln, füllt sein dynamisches, tightes Spiel aber dennoch mit mancher Referenz an den 2021 verstorbenen Drummer – voller Respekt und Demut. Es ist der sensible und richtige Weg, die tragische Geschichte einer Band zu verhandeln und weiterzutragen: Nach Paul Gray ist Joey Jordison schon das zweite Mitglied, das Slipknot zu Grabe tragen mussten.

Das Vermächtnis der Toten lebt auch auf The End, So Far fort. Ein Album voller Schatten, gespenstischer Melodien und gurgelnder Härte. Nicht alle Songs sind Treffer, manche verlieren sich in Post-Rock-Wolkengebilden und unpassenden Ausbrüchen. Unterm Strich bleibt aber eine knappe Stunde eindrucksvolles Flexen von einer Band, die ungebrochen vor Evolution, Kreativität und Aufbruchstimmung steht. Und endgültig keine Lust mehr hat, Konventionen zu pflegen oder Erwartungen zu erfüllen.

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Slipknot: Von Masken-Weirdos zu globalen Superstars

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Popkultur

30 Jahre „Küssen verboten“: Als die Prinzen zu Königen wurden

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Die Prinzen
Foto: Hulton Archive/Getty Images

Sie gründen sich noch zu DDR-Zeiten und werden gleich nach der Wende zu gesamtdeutschen Popstars: Vor 30 Jahren verkünden die Prinzen mehrstimmig: Küssen verboten! Ohrwurm in drei, zwei eins…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch das Küssen verboten anhören:

Alles beginnt im Knabenchor. Mehr oder weniger alle späteren Mitglieder der Prinzen singen sich erst mal in ostdeutschen Chören die Seele aus dem Leib – Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk sowie Henri Schmidt etwa im weltweiten Leipziger Thomanerchor. Was man eben so macht in der DDR. Daraus entsteht eine erste Band mit dem unglücklichen Namen Die Herzbuben. Der Versuch: Mit A-capella-Stücken erfolgreich werden.

Annette Humpe greift ein. Zum Glück

Das klappt zwar ganz gut, aber das große Problem ist: Immer wieder verlieren Die Herzbuben Mitglieder, weil sie sich aus der DDR absetzen. Es dauert also noch bis nach der Wende, bevor die Geschichte endlich Fahrt aufnehmen kann. Zu verdanken ist das übrigens Annette Humpe, die mit Ideal große Erfolge feiern konnte und mit Blaue Augen einen gewaltigen Hit komponiert hatte. Sie wird auf die Band aufmerksam, erkennt das Potential und verfrachtet sie im November 1990 zu Anselm Kluge für erste Aufnahmen in dessen Studio. Ihr ist auch zu verdanken, dass man den Namen Die Herzbuben ablegt und sich auf Die Prinzen einigt. Mit den Wildeckern wollte man dann auch nicht unbedingt verwechselt werden.

Danach geht es schnell: Schon die erste Single Gabi und Klaus wird 1991 zum Erfolg, das Debüt Das Leben ist grausam kann sich mehr als eine Million Mal verkaufen und bringt sie auf Tour mit Udo Lindenberg. Danach soll natürlich schnell ein Nachfolger her. Deutschland ist nach David Hasselhoffs Niedersingen der Mauer wiedervereint und dürstet nach deutschsprachiger Popmusik, die Prinzen sind als ostdeutsche Band in den alten und neuen Bundesländern der absolute Verkaufsschlager.

Auch Olli Dittrich mischt mit

Ihr Rezept – A-capella-Gesang trifft Pop mit teils hintersinnigen, teils albernen Texten – trifft den unbeschwerten Zeitgeist, der nach all dem Drama einfach mal eine gute Zeit haben will. Nur ein Jahr nach dem Erstling sind Die Prinzen mit Küssen verboten zurück. Diesmal produziert Annette Humpe gleich das komplette Album und hilft der Band beim Texten, zusätzliche Unterstützung bei den Lyrics kommt von Comedian Olli Dittrich – so etwa der Text zu Kleines Herz.

Aufgenommen wird im Frühjahr 1992 in den Boogie Park Studios im Hamburg, am 28. September erscheint das zweite Album der Prinzen. Und wird ein ähnlich großer Erfolg: Es verkauft sich über 800.000 Mal, was damals drei Goldene Schallplatten bedeutet. Neben dem großen Erfolg der Single Küssen verboten ist es vor allem der von Sebastian Krumbiegel verfasste Song Bombe, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Anders als die humorigen, leichten Songs der Leipziger postieren sich Die Prinzen mit fast schon punkiger Attitüde klar gegen Rechtsextremismus.

Gegen rechte Gewalt

Gemeinsam mit Annette Humpe spielen sie Bombe live beim „Heute die! Morgen du!“-Festivals gegen rechte Gewalt in Frankfurt vor 150.000 Zuschauern. Als der Song im Februar 1993 als Single erscheint, gehen viele besorgte Eltern auf die Barrikaden. So viel Sex und Kritik ist man von den Prinzen nicht gewohnt. Dem Erfolg schadet es nicht. Im Gegenteil: Die große Tournee zu Küssen verboten wird zum Durchmarsch, zu den fast 60 Konzerten in den größten Hallen des Landes kommen über 200.000 Besucher.

In nur zwei Jahren sind Die Prinzen von einer ostdeutschen A-Capella-Seltsamkeit zu einer der größten Popbands des Landes geworden. Wieder vergeht nur ein Jahr, bis sie diese Erfolgsgeschichte mit Alles nur geklaut fortsetzen werden. Nicht übel für so ein paar Typen aus dem Knabenchor…

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Zeitsprung: Am 31.10.1965 probt die DDR-Jugend den Beat-Aufstand.

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