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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.10.1983 veröffentlichen Yes „Owner Of A Lonely Heart“.

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Foto: Ebet Roberts/Redferns/GettyImages

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.10.1983.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Das unverkennbare Falsett, das einprägsame Riff, die schmissige Cowbell: Owner Of A Lonely Heart von Yes geht ins Ohr und bleibt im Kopf. Nach etlichen Turbulenzen im Lineup veröffentlichen die Prog-Rocker am 8. Oktober 1983 die für ihre Verhältnisse ungewöhnlich poppige Single und wandern damit zum ersten und letzten Mal auf Nummer eins. Dabei landet der Song nur durch Zufall bei Yes…

Hört euch hier das ganze Album 90125 an: 

 Der gemeine Musenkuss geschieht meist ungeplant: Den einen trifft es im Schaumbad, den anderen eben etwas weniger glamourös auf dem Pott. So erinnert sich zumindest Trevor Rabin an den Entstehungsprozess von Owner Of A Lonely Heart 1979: „Ich ging auf die Toilette und schrieb den ganzen Song – von Anfang bis Ende.“ Zum Zeitpunkt dieser denkwürdigen Pinkelpause lebt der südafrikanische Gitarrist noch in London und verdingt sich als Produzent und Solokünstler.

In seinem Element: Rabin 1984 auf Tour mit Yes. – Foto: Michael Putland/Getty Images

Sturm und Drang bei Yes

Währenddessen braut sich auf der anderen Seite des Kanals ein musikalisches Unwetter zusammen, denn bei Yes kriselt es trotz (oder dank?) ständiger Wechsel in der Besetzung gewaltig. Das letzte Album Tormato, das 1978 in der goldenen Stunde des Punks den Zeitgeist knapp verfehlte, konnte die Kritiker nicht überzeugen; anschließende Sessions in Paris finden ein abruptes Ende. Sänger Jon Anderson verlässt die Band als erster, Keyboarder Rick Wakeman folgt auf dem Fuße. Ersatz lässt zwar nicht lange auf sich warten, doch nach dem weiteren Album Drama (1980) bricht das Lineup aus Trevor Horn, Steve Howe, Chris Squire, Geoff Downes und Alan White auseinander. Yes trennen sich 1981.

Geometrisch: Das Cover zu „Owner Of A Lonely Heart“.

Downes und Howe gründen fix Asia, treffen zuvor bei der Suche nach Frischfleisch als erste auf Rabin. Dieser lehnt jedoch dankend ab, als man ihm dort ein Engagement bietet, denn sein Material sieht er anderswo besser untergebracht. Geffen Records findet das etwas frech und entlässt den singenden Produzenten prompt aus seinem Vertrag. Gut für Rabin, denn so lernt er über Umwege Squire und White kennen, mit denen er sich eher auf Augenhöhe befindet. Das Trio gründet 1982 das Projekt Cinema, man holt sich außerdem Tony Kaye ins Boot, den ersten Keyboarder von Yes. Irgendwie schafft es Horn dann noch hinters Mischpult, und Mitte 1983 kehrt auch Anderson ans Mikrofon zurück, sodass sich die Musiker letztlich eingestehen müssen: Hier musiziert eine neue Version von Yes. 

Aufnahmeprozess & Bedeutung

Rabin zeigt da nur verhaltene Begeisterung, denn er will lieber unabhängig vom bekannten Sound der Prog-Institution bleiben. Seine Songs kommen deutlich Pop-lastiger und weniger progressiv daher, gerade sein Werk Owner Of A Lonely Heart führt das vor Augen. Die Gruppe findet schließlich einen Mittelweg: Sie ergänzt die Pop-Komposition durch die gewohnten technischen Spielereien und diverse Soundeffekte, lässt sich aber auf Rabins Wunsch ein, die Sache laut zu halten. Am Text feilt unter anderem Horn herum, der den einfachen Worten den nötigen Feinschliff verpasst. So richtig glücklich wird Rabin damit nie

Die Koproduktion von Rabin, Horn, Anderson und Squire geht schließlich am 8. Oktober 1983 ins öffentliche Rennen und sichert sich (zum ersten und bisher letzten Mal für die Band) die Pole-Position in den amerikanischen Billboard Charts. Yes heimsen für Owner 1985 sogar eine Grammy-Nominierung ein, das dazugehörige Album 90125 schneidet in den Charts ebenfalls besonders gut ab – selbst wenn mancher Fan alter Stunde mit dem vergleichsweise kommerziellen Sound Problemchen hat. Innerhalb der Band klappt es mit eitel Sonnenschein auch nicht richtig: Schon während des Videodrehs quittiert Kaye kurzzeitig seinen Dienst. Er kehrt zwar zurück, wird aber nie richtig warm mit Horn, sodass sich die Aufnahmen zum Folgealbum immer weiter hinauszögern. Nach Big Generator lösen sich Yes 1988 erneut auf, wenn auch nur vorübergehend.

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