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Popkultur

Interview mit Public Enemy: „Wenn Trump wiedergewählt wird, stürzen wir in den Faschismus“

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Foto: Eitan Miskevich

Nach 22 Jahren sind Public Enemy zurück im Schoß ihres ersten Labels Def Jam. Wie 1987, als sie der Hip-Hop-Welt mit Yo! Bum Rush The Show einen frühen Meilenstein bescherten, melden sie sich jetzt mit What You Gonna Do When The Grid Goes Down? bei ihrer alten Wirkungsstätte zurück. Nicht nur der Titel ist so ikonisch lang wie sich das bei dem New Yorker Urgestein gehört; auch Sound, Inhalt und Attitüde sind so zornig, entschlossen und markant wie vor 30 Jahren. Und Chuck D, der erweist sich im Interview immer noch als großer Rap-Philosoph, als Stein in der Brandung einer extrem schnelllebigen Szene.

von Björn Springorum

Public Enemy gelten als wichtigste und eine der einflussreichsten Hip-Hop-Combos der Welt. Was bedeutet dir dieser Status?

Er bedeutet mir viel, ist für mich aber viel eher Grund genug, meine Stimme noch weiter zu verbreiten. Ich will weiterkommen, ich will, dass noch mehr Leute mitbekommen, was da draußen läuft. Es gibt einige Menschen, die der ganzen Welt die Augen öffnen konnten. Und da rede ich so von der Stufe Bob Marley oder Bob Dylan. Das meine ich.

Du bist diesen August 60 geworden. Hättet ihr es 1985, als ihr Public Enemy gegründet habt, denn überhaupt für möglich gehalten, dass man mit dieser Musik so alt werden kann?

Natürlich. Wenn ich mich einer Sache verschreibe, dann tue ich das mit vollem Einsatz. Zu jedem Preis. Wer etwas aufbauen will, muss bereit sein, Grenzen einzureißen und Neuland zu betreten. Das war ich. Und das bin ich.

Als ich anfing, waren Ray Charles oder Jerry Lee Lewis in genau dem Alter, in dem ich jetzt bin.

Dennoch war Hip-Hop so jung, dass es ja noch gar keine Präzedenzfälle gab…

Schau mal, als ich mit der Musik anfing, waren Ray Charles oder Jerry Lee Lewis in genau dem Alter, in dem ich jetzt bin. Ich schaute mir ihre Geschichte an, ihren Weg, und konnte daraus meine eigene Perspektive ableiten.Wenn die das konnten, sagte ich mir, dann kann ich das auch.

Heute sind Hip-Hop und Rap längst keine subversiven Gegenkulturen mehr, sondern millionenschwere Industrien. Kannst du dem auch was Gutes abgewinnen?

Die größte Errungenschaft ist, dass Hip-Hop mittlerweile international anerkannt ist. Das gab uns in den USA deutlich mehr Sichtbarkeit. Und somit auch eine ganz neue Hoffnung, dass unsere Stimmen gehört werden. Hip-Hop mag ja als Jugendkultur, als Gegenkultur gestartet sein, aber die Menschen werden nun mal älter. Und somit auch der Hip-Hop. Diese Kunstform ist längst Teil einer gewaltigen Evolution. Und das ist gut, denn deswegen konnte sie größer werden und überleben.

Du hast mal gesagt, die Beziehung zwischen Plattenboss und Künstler sei nichts anderes als die zwischen Besitzer und Sklave. Ist das besser geworden seit viele Künstler ihre Musik auch ohne die Hilfe großer Konzerne verbreiten können?

Das Gleichgewicht hat sich erfreulicherweise verlagert. Heute muss sich niemand mehr in dieses Abhängigkeitsverhältnis stürzen. Dennoch gibt es immer noch einige, die genau das suchen. Sie wollen möglichst weltweit gehört werden und von ihrer Musik leben. Das ist natürlich deutlich mehr Arbeit, wenn man alles allein macht. Aber wer hat schon die Zeit oder die Energie, sich um all diese Jobs zu kümmern, die bei einer internationalen Karriere wichtig sind?

Deswegen eure Rückkehr zu eurem ersten Label Def Jam nach 22 Jahren?

Das war uns allen sehr wichtig. Ich bin ein großer Fan von Unabhängigkeit, aber diese Band – und auch dieses Album – sind einfach zu wichtig, als dass wir irgendetwas aufs Spiel setzen wollen. Wir wollten wieder zu einem Major-Label, also war es von Anfang an klar, dass es nur Def Jam sein konnte. Mit ihnen fing alles an, sie öffneten uns die Türen zu dem, wo wir heute stehen. Das wollten wir würdigen.

Nichts, aber auch gar nichts auf dieser Welt rechtfertigt einen Mord.

In der Nummer Rest In Beats würdigt ihr auf dem Album auch zahlreiche verstorbene Hip-Hop-Größen. Was ist das für ein Gefühl, sie alle überlebt zu haben?

Das ist wirklich bittersüß, Mann. Wenn du als Künstler älter wirst, siehst du dich um und bemerkst, dass mehr und mehr von deinen gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen einfach verschwinden. Darum geht es in diesem Stück – um eine Realität, die vor niemandem halt macht, aber manche früher einholt als andere.

Viele dieser Rapper starben zudem an nicht natürlichen Todesursachen.

Das ist ja das Schlimme. Es ist immer tragisch, wenn ein Mensch stirbt, aber all diese sinnlosen Tode vieler Freunde sind einfach nur schrecklich. Nichts, aber auch gar nichts auf dieser Welt rechtfertigt einen Mord. Ganz gleich, an wem.

Auch gegen Polizeigewalt rappen Public Enemy seit 35 Jahren an. Auf den ersten Blick hat sich seit damals aber erschreckend wenig getan. Ist das frustrierend?

Natürlich ist das frustrierend. Aber man muss lernen, dass das Leben so nicht funktioniert. Der größte Unterschied zwischen 1990 und heute ist, dass nicht mehr dieselben Leute auf der Welt sind. Wir müssen also gegen systeminhärente Probleme vorgehen, und da gibt es heute schon ganz andere Bestrebungen als damals. Allein in den letzten 30 Jahren sind so viele Menschen gestorben und geboren worden, dass sich automatisch etwas geändert hat. Aber diese Veränderung passiert nicht über Nacht und auch nicht innerhalb von 30 Jahren. Sie dauert so lang, wie sie eben dauert.

Ist es als Afroamerikaner mittlerweile einfacher, in den USA zu leben?

Verallgemeinern kann man in diesen Dingen nichts, es sind alles Einzelfälle. Was mir aber auffällt, ist, dass sich die Schwarze Gemeinschaft in den USA mittlerweile deutlich besser mit dem Rest der Welt vernetzt hat. Das hat etwas getan.

Man könnte aber meinen, dass ihr das anders seht: Mit Fight The Power habt ihr eure Widerstandshymne von 1989 neu aufgenommen. Sie ist so brandaktuell, sie hätte gestern geschrieben werden können.

Es mag für uns lange her sein, dass wir die Nummer geschrieben haben, doch gemessen an der Kulturgeschichte ist das doch nur ein Wimpernschlag. Wir reden da von vielen hundert oder gar tausend Jahren. Da können ein paar Jahrzehnte nicht viel ausrichten. Der Wandel wird kommen. Aber es wird nicht schnell gehen. Deswegen ist Fight The Power immer noch gültig.

Es ist Alarmstufe rot hier in den USA.

Auch im Hinblick auf die anstehenden Wahlen in den USA?

Mann, klar. Wir leben im Notstand. Amerika steht am Abgrund. Es ist Alarmstufe rot hier in den USA. Jetzt müssen wir zeigen, auf welcher Seite wir stehen. Und wenn Trump wiedergewählt wird, stürzen wir in den Faschismus.

Wird die Black Lives Matter-Bewegung ausreichen, um einen Wandel herbeizuführen?

Diese Bewegung ist extrem wichtig. Es ist aber noch wichtiger, dass es nicht dabei bleibt. Es gibt so viele andere Bewegungen da draußen, die alle dasselbe Ziel verfolgen. Wir müssen uns als großes Kollektiv zusammentun, dann hört man uns. Der Einzelne hat keine Stimme, die laut genug ist.

Dein Kumpel Ice-T hat seine ganz eigenen Gedanken zu diesem Thema im Body-Count-Song No Lives Matter zusammengefasst. Was hältst du davon?

Ich sage nur so viel: Was auch immer Ice-T macht, ist genial.

5 Wahrheiten über Public Enemy

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Zeitsprung: Am 29.1.1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer besten Freundin.

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Foto: Ebet Roberts/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1982.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Trauer lässt Menschen merkwürdige Dinge tun. Da bilden auch Rockstars keine Ausnahme: Am 29. Januar 1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer kürzlich verschiedenen besten Freundin und sorgt für enorm hoch gezogene Augenbrauen. Als Teil der für Drogeneskapaden bekannten Band Fleetwood Mac gar nicht so einfach… 

Hört euch hier Bella Donna an, Stevies erstes Soloalbum von 1981: 

Nun ist es nicht gerade so, dass Stevie Nicks in ihrer Karriere keine Skandale vorweisen kann. Als Mitglied von Fleetwood Mac gibt sie laut eigenen Angaben zwischen 1977 und 1986 mehrere Millionen für Kokain aus, begibt sich in einen Beziehungsreigen mit Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood und einem nicht geringen Anteil der Eagles und wechselt schließlich auf das Beruhigungsmittel Clonazepam.

Kosmisches Gleichgewicht

Währenddessen zeigt sich die ätherische Meisterin des Rock mitverantwortlich für Werke wie das Album Rumours von Fleetwood Mac, das das genannte Liebeswirrwarr schmerzhaft aufarbeitet, oder das zeitlose Landslide. Der Entzug gelingt ihr beide Male, viele Musikerinnen nennen sie heute als wichtigen Einfluss, und nebenher engagiert sich Nicks ehrenamtlich. Eigentlich hält sich in ihrem Kosmos also alles die Waage.

Doch 1982 gerät das Gleichgewicht ins Schwanken. Kurz nach der Veröffentlichung ihres Solodebüts Bella Donna erhält die Musikerin die traurige Nachricht, dass ihre beste Freundin Robin Anderson an Leukämie erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Ein heftiger Schicksalsschlag für alle Beteiligten, der durch Andersons Schwangerschaft noch mehr Schwere erhält. Nicks, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch benebelt durchs Leben schwebt, kann die Situation kaum ertragen: „Ich war so auf Koks. Ich trank auf dem Weg (ins Krankenhaus) eine halbe Flasche Brandy, weil ich es nicht aushalten konnte.“

Kurzschlussreaktion Ehe

Anderson bringt mit letzter Kraft ihren Sohn Matthew zur Welt, verstirbt jedoch nur drei Tage später. „Ich hatte diese verrückte, wahnsinnige Vorstellung, Robin würde wollen, dass ich mich um Matthew kümmere“, erinnert sich Nicks. Weit hergeholt erscheint das nicht, immerhin ernennt man sie zur Patentante. Ihre Interpretation der Aufgabe fällt jedoch etwas besorgniserregend aus: In ihrer Trauer überzeugt sie Andersons Witwer Kim, dass eine Hochzeit die beste Option darstelle. Drei Monate später findet die Eheschließung statt.

„Komplett irre“, weiß die Sängerin heute. „Wir steckten alle knietief in der Trauer, standen völlig neben uns. Die Familien waren außer sich, als sie davon erfuhren; für viele war das Blasphemie. Aber das war mir egal. Mir war nur Matthew wichtig.“ Nicks merkt jedoch recht schnell, dass ihr Urteilsvermögen gerade nicht den besten Job macht. Die seit jeher spirituelle Künstlerin betritt eines Tages das Zimmer des Jungen und spürt die Gegenwart der Verstorbenen: „Es war dunkel, und das Baby war sehr still. Robin wollte, dass das sofort endet. Das habe ich so deutlich gespürt wie eine Hand auf der Schulter.“

„Go your own way“

Keine drei Monate später beendet die „Reigning Queen of Rock and Roll“ die Ehe. Es bleibt ihre einzige: „Die zählt nicht.“ Um den kleinen Matthew aber kümmert sich Nicks wie versprochen. Zwar bleibt der Kontakt zunächst aus, später finanziert sie dem Jungen jedoch das College. Kosmisches Gleichgewicht, eben.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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Popkultur

Liebesbrief an London: Adeles Debüt „19“ wird 15 Jahre alt

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Adele
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Vor 15 Jahren veröffentlicht eine sehr junge Sängerin namens Adele ihr erstes Album 19. Eine der größten Popkarrieren aller Zeiten beginnt in einem Londoner Kinderzimmer – und wird fast vom Alkohol im Keim erstickt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr 19 hören:

Adele Laurie Blue Adkins und London, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sie wird 1988 in Tottenham geboren, wächst einige Jahre in Brighton auf und kehrt mit zehn nach London zurück. Erst wohnt sie mit ihrer Mutter in Brixton, später in West Nordwood südlich der Themse. Hier verbringt sie ihre Teenagerzeit, ein musikbegeistertes Mädchen mitten in der riesigen Metropole, die perfekte Kombi. Sie und London, das soll sich nie ändern, wenn es nach Adele geht.

Geschrieben in zehn Minuten

Als ihre Mutter ihr nahelegt, die Stadt für ein Studium zu verlassen, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie setzt sich hin – und schreibt binnen zehn Minuten Hometown Glory, ihren allerersten Song. Sie lässt alles raus, ihre Liebe zu dieser Stadt, ihre Angst, sie zu verlassen, die Diskussionen mit ihrer Mutter. „Meine Mom und ich konnten uns nicht einigen, wo ich studieren sollte“, erzählte Adele 2008 in einem Interview. „Sie wollte, dass ich nach Liverpool gehe, ich wollte aber in London bleiben. In gewisser Weise ist Hometown Glory eine Art Protestsong über die Erinnerungen – gute wie schlechte – an seine Heimat. Eine Ode an den Ort, an dem ich mein Leben verbracht habe.“

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ist ein Glücksfall. Es ist 2007, und der Name Adele spricht sich langsam in Londons Musikwelt herum. Erste Fernsehauftritte steigern den Hype, Singer/Songwriter Jamie T wird auf die junge Dame mit der großen Stimme aufmerksam, bringt ebenjene Ode Hometown Glory im Oktober 2007 in einer limitierten Vinyl-Fassung heraus. Dann geht alles ganz schnell: Aus ihrem Kinderzimmer im Haus der Mutter heraus bekommt Adele den ersten Brit Awards Critics’ Choice-Preis verliehen und wird zur größten Newcomerhoffnung 2008 deklariert.

Da sollte mal jemand so was von Recht behalten: Zwei Wochen vor ihrem Debüt erscheint die Single Chasing Pavements. Die klettert bis auf Platz zwei der Charts und leitet eine neue Ära in der britischen Popmusik ein: Mit 19 erscheint am 28. Januar 2008 eines der wichtigsten und besten Debüts in der Musikgeschichte Großbritanniens. Der Hype ist mittlerweile im ganzen Land greifbar, die Hauptstadt verkündet die Ankunft eines neuen Megastars mit eigenem Kopf und starker Meinung.

„Ich wurde in dieser Zeit zur Frau“

19, benannt nach dem Alter, in dem sie die meisten Songs schrieb, wird zum Instant-Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Soul und Pop ist feinfühlig und warm, ihre volle, durchdringende Stimme thront über allem, singt die Konkurrenz mühelos an die Wand und erzählt in melancholietrunkener Zerbrechlichkeit von gebrochenen Herzen, Heimweh und großen Träumen.

Zum Titel sagt sie: „Mir ist nichts Besseres eingefallen! Ich finde die Titel von Debütalben extrem wichtig, die besten sind für mich Debut von Björn und Miseducation von Lauryn Hill. Dieses Album repräsentiert mein Alter, mein Leben zu dieser Zeit. Ich war erst 19, als ich es schrieb, und wurde in dieser Zeit zur Frau. Das findet sich in den Songs wieder.“ Mehr noch: Die Art und Weise, wie sie die Vokale in die Länge zieht, markiert einen neuen Stil in der britischen Popmusik. „Adele hat das Potential, zu einer der angesehensten und inspirierendsten Künstler*innen ihrer Generation zu werden“, urteilt Billboard und reiht Adele aus dem Stand zwischen Amy Winehouse und Duffy ein.

Toxische Beziehung und zu viel Alkohol

Mit Amy Winehouse teilt sie anfangs nicht nur die starke Stimme und den Erfolg: Adele trinkt. Viel. Im Mai 2008 soll sie auf ihre erste große Tournee gehen, der Fokus liegt klar auf der Eroberung des US-Marktes. Das passt ihr nicht: Sie hat starkes Heimweh und steigt nicht gern in Flugzeuge. Wegen ihres damaligen Freundes sagt sie sogar einige US-Termine ab, nach Ansicht vieler der Todesstoß für jede Form von Karriere in den geheiligten Poplanden USA. Trifft auf sie natürlich nicht zu, gut steht es damals dennoch nicht um sie. „Ich nenne diese Zeit meine E.L.C., meine Early Life Crisis“, sagte sie dem Nylon Magazine mal. „Ich trank viel zu viel, was gleichzeitig das Fundament meiner Beziehung zu diesem Jungen war. Ich konnte nicht ohne ihn sein, also sagte ich diese Konzerte einfach ab. Kaum zu glauben, dass ich das wirklich getan habe. Es ist so undankbar.“

Im November 2008 trennt sie sich von ihm und zieht aus ihrem Kinderzimmer aus. Sie lässt sich in Notting Hill nieder, wo sie sich gleich wieder an die Musik macht, und gibt den Alkohol auf. „Diese Beziehung hat mein zweites Album praktisch von selbst geschrieben, also war es das am Ende alles wert“, meinte sie mal trocken. Zunächst segelt sie aber noch mit 19 auf den Wellen des Erfolgs: Anfang 2009 gibt es Gold dafür, bis zum Sommer 2009 hat sich das Album weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft, auch den Grammy für den Best New Artist gibt es für sie.

Sogar das Dylan-Cover gelingt ihr

Nicht übel für eine Sängerin, die, wie sie selbst sagt, „keinerlei Pläne“ für dieses Album hat. „Ich weiß ja nicht mal, welche Art von Künstlerin ich sein will“, sagte sie 2009. „Ich schrieb das Album ja nur, um eine Trennung zu verarbeiten und all die Musik zu spielen, die ich selbst gern höre: Pop, etwas Elektro, Jazz, Folk und natürlich Soul. Ich wollte aber nie ein White Soul Girl sein. Das Album kam ganz natürlich und organisch zusammen.“ Stimmt: Sogar mit ihrem Cover von Bob Dylans Make You Feel My Love kommt sie durch und liefert ein Debüt, auf dem jeder Song sitzt.

Das wirklich Erstaunliche ist ja aber: Bei allem Hype und Erfolg ist 19 doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Adele zwei Jahre später mit 21 lostreten wird.

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Adeles „30“: Von Trennungsschmerz, Selbsterkenntnis und Neuanfängen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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