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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Foto: Jess Rand/Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.12.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als Sam Cooke am 11. Dezember 1964 mit Elisa Boyer essen geht, weiß er noch nicht, dass sich der Abend zu einer ausgewachsenen Katastrophe entwickeln wird. Da er selbst den Vorfall nicht überlebt, können wir an dieser Stelle nur die Versionen der Überlebenden schildern. Und die haben es in sich.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Sam Cooke anhören: 

So berichtet Boyer, Cooke habe sie im Anschluss an das Abendessen gegen ihren Willen mit in ein Motel genommen. Auf dem Zimmer angekommen, habe er sie mit Gewalt ins Bett befördert, und sie sei sich sicher gewesen, dass er sie vergewaltigen wolle. Als Cooke kurz das Badezimmer aufsucht, schnappt sich Boyer ihre (und auch einige seiner) Klamotten und rennt zur Rezeption. Dort trifft sie allerdings niemanden an, rennt deshalb aus dem Motel und ruft die Polizei an.

Wenig später kommt Cooke in den Empfangsraum des Motels gestürmt, nur mit einer Sportjacke und Schuhen bekleidet. Bertha Franklin, die Managerin des Motels, sitzt nun wieder an der Rezeption. Cooke sei außer sich gewesen und habe wissen wollen, wo seine Begleitung abgeblieben sei. Als Franklin ihm sagt, dass sie das nicht wisse, habe der Soulsänger ihr nicht geglaubt und sie angegriffen.

„Lady, Sie haben mich erschossen.“

Anschließend kommt es zwischen den beiden zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Als beide hinfallen, nutzt Franklin die Gelegenheit, springt auf und holt sich eine Pistole, mit der sie auf Cooke schießt. Der wird tödlich am Herzen getroffen, bringt laut Franklin aber noch die Kraft auf, ihr Folgendes zu sagen: „Lady, Sie haben mich erschossen.“ Anschließend schlägt Franklin ihn mit einem Besenstiel auf den Kopf, und Cooke geht zu Boden. Der Sänger, der mit Hits wie What A Wonderful World und Bring It On Home To Me berühmt wurde, stirbt mit nur 33 Jahren.

Wenig später wird die Polizei noch einmal verständigt, diesmal von Evelyn Carr, der Besitzerin des Motels. Mit ihr telefonierte Franklin gerade, als Cooke auftauchte. Laut eigener Aussage bekommt Carr den gesamten Vorfall am Telefon mit. Ziemlich schnell tauchen Streifenwagen am Tatort auf.

Ein Abend, unterschiedliche Geschichten

Ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, steht jedoch bald in Frage. So werden zum Beispiel einige Gäste des Restaurants befragt, in dem Cooke und Boyer an dem Abend gegessen haben. Diese schildern den Abend auf eine Weise, die vermuten lässt, dass Boyer freiwillig mitgegangen sein könnte, um Cooke auszurauben. So soll der Soulsänger im Restaurant noch deutlich mehr Bargeld bei sich gehabt haben, als die 108 US-Dollar, die später am Tatort gefunden werden.

Was Boyer zu der Situation beigetragen hat oder nicht, wird im Rahmen der anschließenden Ermittlungen allerdings gar nicht untersucht. Vielmehr steht Franklin im Mittelpunkt, da sie diejenige ist, die Cooke erschossen hat. Ihre Geschichte deckt sich mit der von Motel-Inhaberin Carr, außerdem absolvieren beide einen Lügendetektor-Test. Das Urteil: Totschlag aus Notwehr.

Eine große Verschwörung?

Einige Familienmitglieder und Anhänger von Cooke halten die Versionen von Boyer, Franklin und Carr für Lügen. Sie glauben stattdessen, es handele sich um eine Verschwörung. Dabei fällt zum Beispiel der Name von Musikmanager Allen Klein, der später auch mit den Beatles zusammenarbeitet und gut an Cookes Tod verdient. Es gibt allerdings keinerlei Beweise dafür, dass er etwas damit zu tun hat.

Die erste Trauerfeier findet am 18. Dezember 1964 in Chicago statt. Mehr als 200.000 Fans tauchen dort auf, um einen letzten Blick auf ihren Star zu werfen. Anschließend wird sein Leichnam nach Los Angeles geflogen, wo eine zweite Trauerfeier stattfindet. Die Beisetzung findet auf dem Forest Lawn Memorial Park Cemetery in Glendale (Kalifornien) statt.

Bertha Franklin erhält nach dem Vorfall zahlreiche Todesdrohungen. Weil sie um ihr Leben fürchtet, kündigt sie ihren Job im Hacienda Motel und zieht um, ohne ihre neue Adresse preiszugeben. 

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