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Popkultur

Zeitsprung: Am 15.5.1995 klicken bei Scott Weiland zum ersten Mal die Handschellen.

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Foto: Kevin Winter/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.5.1995.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

„Breathing is the hardest thing to do“: Scott Weiland von den Stone Temple Pilots und Velvet Revolver pflegt sein Leben lang eine innige Liebesbeziehung mit bewusstseinserweiternden Substanzen. Am 15. Mai 1995 nimmt man ihn zum ersten Mal fest, und es soll leider nicht das letzte Mal sein. Das Datum markiert den Beginn eines traurigen Abstiegs.

Hört hier in das ikonische und 1995 sehr zeitgemäße Purple rein: 

Als Scott Weiland am 15. Mai 1995 kurz nach Mitternacht im kalifornischen Pasadena seinen Lexus in eine einsame Seitengasse lenkt, kommt ihm das weder gefährlich noch ungewöhnlich vor. Der Sänger begibt sich regelmäßig in die abgeschlagensten Viertel der Städte, in denen er mit seiner Band Stone Temple Pilots Halt macht. Gefährlicher scheint ihm der „Kumpel, der auf dem Dach eines hohen Gebäudes steht“ und droht, zu springen. So beschreibt Weiland später seine Heroinsucht.

Liebesbeziehung mit dem Gift

Schon zu Schulzeiten eskaliert der Alkoholkonsum des Amerikaners, später legt er mit Kokain nach. Im Alter von 24 kommt er dann mit Heroin in Berührung und hängt, wie so viele, über kurz oder lang an der Nadel. In seinen Augen macht ihn die Droge zu einem besseren Interpreten: „Durch Heroin habe ich mich sicher gefühlt. Das war wie der Mutterleib.“

Dass er damit wohl unbewusst versucht, seine bipolare Störung zu behandeln, dämmert ihm erst nach der Diagnose, die er Anfang der Zweitausender verkündet. Aber Mitte der Neunziger befindet sich der Musiker mitten in einem Hoch: Nach dem Erstling der Stone Temple Pilots, Core von 1992, kam das Nachfolgealbum Purple (1994) gut an. Singles wie Big Empty und Vasoline brennen sich in den Zeitgeist, und Weiland mutiert zum wahrhaftigen Rockstar. Niemand gebietet daher seinem eskalierenden Drogenkonsum Einhalt, denn dieser gehört im Grunge der Neunziger beinahe zum guten Ton.

Tragischer Grunge-Stereotyp

So biegt Scott in Pasadena eben nichtsahnend in die schlecht beleuchtete Gasse und besorgt sich sein „smack“. Nüchtern ist er da schon nicht mehr; vielleicht bemerkt er deswegen nicht die beiden Polizisten, die eine Routinekontrolle durchführen und die Transaktion beobachten. Als Weiland weiterfahren will, tut er das, ohne seine Scheinwerfer anzuschalten. Dann schreiten die Beamten ein: Der Pilots-Frontmann verbringt die Nacht in einer Zelle. Man wirft ihm den Besitz von Kokain, Heroin und Drogenbesteck sowie Drogenmissbrauch am Steuer vor. 

Es soll für den damals 27-Jährigen die erste von vielen Verhaftungen werden. Immer wieder gibt es Konflikte mit dem Gesetz, es beginnt ein Kreislauf von Verhaftungen, Rehabilitationszentren und Beteuerungen, das Familienleben sei jetzt wirklich die einzige Droge. Sogar den Job bei Velvet Revolver versaubeutelt er so. Dazwischen verschlimmert sich die bipolare Störung bis zum Punkt paranoider Zustände. Es endet schlimm: Am 3. Dezember 2015 findet man Weiland schließlich mit einer Überdosis in seinem Tourbus. Eine Schande.

Der Anfang des Abstiegs

Wirklichen Eindruck hinterlässt die erste Verhaftung also nicht. Zuvor schon schreibt er in Vasoline: „Keep getting stuck here all the time.“ Kurze Zeit nach der Verhaftung zieht er in Los Angeles in ein Hotelzimmer welches an das von Courtney Love angrenzt. „Wir haben die ganze Zeit gefixt. Es ist freilich nie etwas zwischen uns gelaufen; der Stoff war immer das Wichtigste.“ Rest in peace.

Zeitsprung: Am 1.4.2008 feuern Velvet Revolver ihren Sänger Scott Weiland.

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