Join us

Popkultur

Soundgarden: Die 10 wichtigsten Meilensteine der Seattle-Rocker

Published on

Soundgarden

Soundgarden waren eine echte Naturgewalt. Die nach einer Klangskulptur in ihrer Heimatstadt Seattle benannte Band hatte mit Chris Cornell (1964-2017) nicht nur einen absoluten Ausnahme-Frontmann. Auch seine Mitstreiter – Gitarrist Kim Thayil und Bassist Ben Shepherd, der zusammen mit Drummer Matt Cameron eine der druckvollsten Rhythmussektionen der Musikgeschichte bildete – hatten das Zeug, den Lauf der Rockgeschichte zu verändern: Obwohl ihr Name für immer und ewig mit dem Grunge-Genre verbunden sein wird, sind ihre größten Hits absolut zeitlos, denn sie funktionieren jenseits von Schubladen, Trends und Modeerscheinungen.

von Tim Peacock

Wir haben zehn Klassiker zusammengestellt, die sehr gut zeigen, weshalb Soundgarden inzwischen zu den größten Bands der Rockgeschichte zählen. Haben wir einen Song übersehen? Fehlt euer Lieblingstrack? Wir freuen uns über Feedback und Kommentare.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Jetzt in unserem Store erhältlich:

Soundgarden - Soundgarden 35th Anniversary Bundle
Soundgarden
Soundgarden 35th Anniversary Bundles
LP

HIER BESTELLEN


10: Burden In My Hand (Down On The Upside, 1996)

Auf ihrem eher experimentellen Down On The Upside-Album bewiesen Soundgarden gleich mehrfach, dass ihre größten Songs weit über das hinausgingen, was in jenen Tagen als Grunge definiert wurde. Das vielleicht deutlichste Beispiel ist Burden In My Hand, in dessen Verlauf die Band mühelos zwischen druckvollen Strophen à la Led Zeppelin III und einem Refrain wechselt, der auf den ersten Blick viel zu euphorisch klingt („Out in the sunshine/the sun is mine“) – bis einem klar wird, dass es im Text um einen Mann geht, der seine Freundin umbringt und sie in der Wüste zurücklässt. Gitarrist Kim Thayil hat Burden In My Hand einst als „eine Art Hey Joe der Neunziger“ bezeichnet. Und der durchaus radiotaugliche Einschlag bugsierte die Single sogar in die britischen Top-40.

9: Pretty Noose (Down On The Upside, 1996)

Die erste Single von Down On The Upside, das wuchtige Pretty Noose aus der Feder von Mr. Cornell, handelt, wie Videoregisseur Frank Kozik es später formulierte, von „so einem typischen Fall von falsche Freundin angelacht“. Auch nach gut 20 Jahren kann man sich dem Sog der Wah-Wah-Gitarren unmöglich entziehen, die diesen UK-Top-20-Hit, der 1997 auch für einen Grammy nominiert werden sollte, so eindringlich machen.

8: The Day I Tried To Live (Superunknown, 1994)

Genau wie weite Teile des dazugehörigen Superunknown-Albums handelt auch das eher kantige Stück The Day I Tried To Live von Depression und Entfremdung – dabei ist gerade dieser Songtext sehr oft falsch interpretiert worden. Komponiert hatte Cornell das Stück nämlich in einem Moment, als er den Entschluss fasste, mehr Zeit mit Freunden zu verbringen, etwas gegen seinen Hang zur Abgeschiedenheit zu unternehmen. Auch deshalb dürfte die Zeile „One more time around might do it“ aus dem Refrain dieser Hymne zu den optimistischsten und lebensbejahendsten Passagen im Backkatalog der Band gelten.

7: Blow Up The Outside World (Down On The Upside, 1996)

Noch so ein Highlight von Down On The Upside: Der Titel Blow Up The Outside World lässt zwar ein vernichtend-nihilistisches Stück à la Jesus Christ Pose erwarten. Allerdings wird der Frust, der in Cornells Worten gewiss seinen Platz hat, von der ganzen Soul-Wucht seiner Stimme aufgefangen, und der Überdruss, den diese Ballade zum Ausdruck bringt, ist hier insgesamt so perfekt dosiert und so dezent verpackt, dass man fast schon Vergleiche zu den Beatles ziehen muss.

6: Jesus Christ Pose (Badmotorfinger, 1991)

Kim Thayil hat diesen Song einst treffend als „einen durchgeknallten Autounfall“ bezeichnet, und tatsächlich geben Soundgarden für Jesus Christ Pose so viel Gas, dass man zwischenzeitlich glaubt, aus der Kurve zu fliegen. Cameron und Shepherd legen sich jedoch mächtig ins Zeug, damit die Sache nicht entgleist, während Thayil ein Gitarreninferno nach dem anderen absetzt. Messianisch und provokant gibt sich Cornell am Mikrofon – „Thorns and shroud, like it’s the coming of the Lord“ –, wenn er sich über den Verfolgungswahn von gottgleichen Superstars auslässt. Noch kontroverser diskutiert wurde nur der dazugehörige Promo-Clip, in dem eine Gekreuzigte zu sehen war – was für MTV genügte, um den Song gleich ganz aus dem Programm zu nehmen. Als halsbrecherischer Schlussstrich unter die eigene Überheblichkeit ist Jesus Christ Pose das wahrscheinlich krasseste, explosivste Statement ihrer Karriere.

5: Spoonman (Superunknown, 1994)

Allein die Idee, dass ein Rocksong, der in der um einen Ganzton tiefer gestimmten Dropped-D-Stimmung geschrieben ist und dazu auch noch in einem bizarren 7/4-Takt daherkommt, die Charts erobern sollte, klingt fast schon absurd. Doch so kam es, als Soundgarden mit Spoonman die erste Single ihres 1994 veröffentlichten Albums Superunknown vom Stapel ließen. Ihre Verneigung vor dem gleichnamigen Straßenkünstler Artis The Spoonman, der für die Aufnahme auch sein „Löffel-Solo“ beisteuern durfte, war alles andere als ein klassischer Singlekandidat – aber sie lagen goldrichtig damit: In den US-Mainstream-Rockcharts kletterte der Song bis auf die #3, dazu gab’s 1995 einen Grammy.

4: Outshined (Badmotorfinger, 1991)

Gestrickt um ein echtes Paraderiff von Thayil, zählt Outshined zu den absoluten Klassikern der Grunge-Ära, denn das Stück klingt auch 28 Jahre später noch immer genauso umwerfend wie damals. Die zweite Single von Badmotorfinger, mit der Soundgarden auch in den USA ihren ersten Hit landen sollten, war einerseits hart und heavy, aber eben auch wahnsinnig eingängig. Gewürzt mit einer Prise Selbstironie à la Cornell – allein die Zeile „I’m lookin’ California and feelin’ Minnesota“ –, hat Outshined wirklich alles, was eine Single zeitlos macht.

3: Fell On Black Days (Superunknown, 1994)

Ein grüblerisches Stück, das sich direkt im Gehörgang festsetzt: Fell On Black Days vom Superunknown-Album ist ein sicherer Top-3-Kandidat für jedes Soundgarden-Ranking. Wie so viele ihrer Songs, ist auch dieser Titel in einer ungewöhnlichen Taktart geschrieben (hier sind es 6/4), aber Matt Cameron spielt seinen Part dermaßen gradlinig, dass es gar nicht so sehr ins Gewicht fällt. Auch inhaltlich redet Cornell kein bisschen um den heißen Brei herum, sondern verpackt das Thema Depression in Zeilen, mit denen man sich leicht identifizieren kann – „Just when every day seemed to greet me with a smile/Sunspots have faded and now I’m doing time“, verdunkelt sich seine Weltsicht –, was den Song noch bezwingender macht. Genau genommen klingt Fell On Black Days heute kein bisschen weniger umwerfend als vor einem Vierteljahrhundert.

2: Rusty Cage (Badmotorfinger, 1991)

Zwischen schnell-hypnotischen Grooves, die fast schon in Richtung Krautrock gehen, und dem Nachdruck von Black Sabbath oszilliert der Eröffnungstrack von Badmotorfinger, der hinterher auch als dritte Single ausgekoppelt werden und viele, viele Menschen via MTV erreichen sollte. Kaum weniger bekannt ist die dramatische Coverversion, die Johnny Cash für sein Unchained-Album einspielen sollte: Die mit Produzent Rick Rubin aufgenommene Neuinterpretation des großen „Man in Black“ wurde sogar für einen Grammy nominiert.

1: Black Hole Sun (Superunknown, 1994)

Dieser Song ist ihr Markenzeichen, ihr Meisterwerk, ihr Vermächtnis: Black Hole Sun. Eine gedrosselte Ballade, umspült von psychedelischen Elementen, überzogen mit Beatles-artigen Einlagen (Thayils Gitarre, die hier aus einem Leslie-Lautsprecher zu uns spricht), sollte sich dieser Song sage und schreibe sieben Wochen lang an der Spitze der US-Mainstream-Rock-Charts halten. Für Soundgarden begann mit dieser Single eine neue Ära: Immerhin verkaufte sich das dazugehörige Superunknown-Album knapp 10 Millionen Mal und machte die Band aus Seattle zu einer der größten Gruppen der Rockgeschichte.

Die musikalische DNA von Soundgarden

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

Published on

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

Published on

Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Rock Me: 10 Schwarze Künstler*innen, die die Rockmusik für immer verändert haben

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss