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Popkultur

Springsteen für Fortgeschrittene: Der Boss und seine namentlich genannten Charaktere in Songs

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Foto: David Gahr/Getty Images

Die endlosen Straßen, die tote Stadt, der Nine-to-five-Job, der gerade mal genug Geld zum Leben abwirft. Die Treue- und Liebesschwüre, die Durchhalteparolen, der sentimentale Blick zurück – und die nicht totzukriegende Hoffnung, es am Ende vielleicht doch noch irgendwie zu schaffen: Das sind die Kernthemen im Schaffen von Bruce Springsteen.

von Markus Brandstetter

Um das Prekariat, aber auch die geschundene Schönheit des Working-Class-Amerikas darzustellen, erschuf Springsteen in seinen Texten einen ganzen Pantheon an Figuren. Für diese suchte sich der Musiker ganz normale, gängige Namen aus. Er taufte seine Protagonist*innen Mary, Johnny, Harry, Tom, Rosie oder Sandy, besang sie immer wieder, sprach sie in seinen Stücken oft direkt an – oder widmete ihnen sogar Songtitel.

Songs, die nach Protagonist*innen benannt sind

Gleich auf seinem 1973 erschienenen Debütalbum Greetings From Asbury Park, N.J. benannte Springsteen einen Song nach einem Charakter: Mary Queen Of Arkansas.

Auf seinem zweiten Longplayer, The Wild, The Innocent And The E Street Shuffle, trugen gleich drei Songs die Namen von Figuren: Kitty’s Back, Wild Billy’s Circus Story und Rosalita (Come Out Tonight).

Auf Darkness On The Edge Of Town  gab es mit Candy’s Room einen weiteren Namen im Titel (die biblischen Kain und Abel in Adam Raised A Cain seien hier außen vor gelassen).

The River hatte Sherry Darling, auf Nebraska gab es Johnny 99, Born In The U.S.A hatte Bobby Jean. Auf Human Touch war Gloria’s Eyes enthalten – und welcher Geist auf The Ghost Of Tom Joad namentlich, lässt sich leicht erraten.

Die gute alte Mary tauchte 2002 auf The Rising im Titel Mary’s Place auf. Auf Springsteens Akustikalbum aus dem Jahr 2005, Devils and Dust wurde aus Mary Maria (Maria’s Bed).

Auf Magic gab es einen Bonustrack, der ebenfalls einen Namen im Titel hatte – allerdings handelte sich hier um keinen fiktiven Charakter. Terry’s Song war ein Tribut an Springsteens langjährigen Assistenten Frank „Terry“ Magovern, der 2007 verstorben war.

Weitere Namensnennungen in den folgenden Jahren: Outlaw Pete auf Working On A Dream, Candy’s Boy auf The Promise, Harry’s Place, Frankie Fell in Love und The Ghost Of Tom Joad auf High Hopes.

Auf der EP American Beauty setzte Springsteen mit Mary Mary einmal mehr Mary ein denkmal – Chapter And Verse enthielt Henry Boy – und auf seinem Album Western Stars kam Joe in Sleepy Joe’s Cafe vor.

Weitere Tracks mit Namensnennung aus Springsteens Schaffen: Cindy, Cynthia, Frankie, Janey Don’t You Lose Heart, Mary Lou und Zero And Blind Terry.

 Welche Namen am öftesten vorkommen

Auf der Diskussionsplattform Reddit veröffentlichte der User „/hashtagthoughtbomb“ genaue Diagramme zu Springsteens namentlich erwähnten Charakteren und deren Häufigkeit. Daraus geht hervor, dass ein Name in Springsteens Gesamtwerk den Spitzenplatz einlegt: Mary. Insgesamt 34 mal taucht der Name Mary auf, knapp gefolgt von Johnny (22), Harry (21) und Billy (20).

Das Album mit den meisten Protagonist*innen

Auf seinem Longplayer The Wild, The Innocent & The E Street Shuffle geben sich die Charaktere geradezu die Klinke in die Hand. 25 Charaktere tauchen im Laufe des Albums insgesamt auf – allen voran Kitty und Johnny (mit jeweils 12 Nennungen) sowie Sandy (10 Nennungen).

Das Album ohne Namensnennungen

Nur einmal in seiner Karriere veröffentlichte Springsteen ein Album, in dem er keine Protagonisten namentlich vorkommen ließ – Wrecking Ball aus dem Jahr 2012 kommt ganz ohne Namensnennungen aus.

Der Ursprung der Namen

In den allermeisten Fällen tragen Springsteens Charaktere anglophile Namen oder Spitznamen. Aber auch spanische Namen kommen immer wieder vor: Rodriguez, Luis, Miguel und natürlich Rosalita.

Die Sache mit Scooter und dem Big Man

Ein besonderes Augenmerk gilt hier natürlich auch Springsteens Meilenstein-Album Born To Run. Nicht nur, dass auf dieser Platte mit Thunder Road der wohl bekannteste Song und somit die bekannteste Nennung des Hauptcharakters Mary auftaucht. Auf Tenth Avenue Freeze-Out setzt er auch der Denkmal zwischen dem Big Man und Scooter ein Denkmal. Mit Big Man ist natürlich Clarence „Big Man“ Clemons gemeint – Springsteens 2011 verstorbener Freund und Saxophonist. Und Scooter? Das ist in diesem Fall Springsteen selbst.

Springsteen & Clemons in Aktion. Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/Getty Images

Die ultimative Namensnennung

Über den ultimativen Charakter und die ultimative Namensnennung im Werk Springsteens lässt sich diskutieren. Ganz vorne dabei in jedem Fall: „So Mary climb in / It’s a town for losers / And I’m pulling out of here to win“, nachzuhören unter anderem hier:

70 Gründe, warum Bruce Springsteen der Boss ist

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