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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.10.1977 übernachtet Sting im Pariser Rotlichtviertel.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.10.1977.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Geldnot und eine Endlostour führen The Police am 20. Oktober 1977 in ein schäbiges, aber günstiges Hotel im Pariser Rotlichtviertel. Schön für uns, denn was Sting dort sieht, inspiriert ihn zu Roxanne – und bedeutet für die Band den Durchbruch. Für den heutigen Zeitsprung sehen wir uns an, was zur Entstehung des Klassikers führte.

Hört hier in das Album Outlandos d’Amour rein, auf dem Roxanne erschien: 

Als The Police im Oktober 1977 in Paris gastieren, schaut es für die Briten nicht gerade rosig aus: Mit Neuzugang Andy Summers an der Gitarre gibt es zwar endlich mehr musikalische Perspektive für die selbsternannten Punks, der Abgang von Gründungsgitarrist Henry Padovani liegt dem Trio dennoch etwas im Magen. Finanziell fehlt es an allen Ecken und Enden, da hilft es auch nicht, dass die für mickrige £150 aufgenommene Single Fall Out auf taube Ohren stößt.

Musenkuss am Moulin Rouge

Doch für Gordon „Sting“ Sumner, Stewart Copeland und Summer gibt es nur eine Richtung, und zwar mit dem Kopf durch die Wand. So begibt man sich im März 1977 auf eine nie-endend-scheinende Tour, die am 20. Oktober für zwei Konzerte auch Halt in Paris macht. 

 

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Selbstverständlich reicht es in Sachen Übernachtung nicht etwa für das Ritz, sondern lediglich für eine heruntergekommene Absteige in der Nähe des Pariser Rotlichtviertels – genau, das mit der weltbekannten roten Mühle. Dort beobachtet Sting einige Prostituierte, in der Lobby des Hotels hängt dazu ein Filmposter für Cyrano de Bergerac, in dem eine „Roxane“ vorkommt. Das Gesehene vermischt sich im Kopf des Sängers zu einer für die Band ungewöhnlich ruhigen und melodiösen Nummer.

Ein Wegwerfstück?

Die Gruppe beschließt, das Lied aufzunehmen. Der schiefe Klavierakkord und das Lachen zu Beginn? Ein Ausrutscher von Sting, der es in die finale Version schafft; auf der Hülle der LP vermerkt man ihn flapsig als „Po-Pianist“.

Die fertige Nummer stellen sie einigermaßen widerwillig auch Miles Copeland vor.

Der ältere Bruder von Schlagzeuger Stewart sieht sich als Strippenzieher im Musikbusiness, sein Interesse an The Police hält sich jedoch in Grenzen. Trotzdem leiht er der Gruppe die dringend benötigten £1500, um ein Album aufzunehmen. Als er seine Investition überprüfen möchte und man ihm unter anderem Roxanne vorstellt, staunt er nicht schlecht. Sting erinnert sich später: „Ich hatte den Song beinahe als Wegwerfstück geschrieben. Es war uns ein wenig unangenehm, weil er im Vergleich zum üblichen Material recht langsam, ruhig und melodisch klang. Aber anstatt ihn scheiße zu finden, hielt Miles den Song für großartig!“

Anlasser für den Erfolg

Copeland Senior überzeugt das Einweg-Lied sogar so sehr, dass er The Police unter seine unternehmerischen Fittiche nimmt und mit der Single bei diversen Plattenfirmen anklopft. Die Rechnung geht auf, die drei Punks unterschreiben am 23. März 1978 bei A&M Records. Zwar schießt Roxanne bei einer ersten Veröffentlichung in Großbritannien nicht gerade durch die Decke, in den USA sieht es jedoch schon anders aus. Anlauf zwei in UK bringt den Durchbruch für Sting, Copeland und Summer, das darauffolgende Album Outlandos d’Amour erreicht gar die Top Ten, und Roxanne avanciert für The Police laut Copeland zum charakteristischen Stück.

2001 erlebt der Song durch das Filmmusical Moulin Rouge! ein Revival, das Ensemble um Nicole Kidman und Ewan McGregor interpretiert Roxanne als leidenschaftlichen argentinischen Tango. Ein wenig kehrt der Song dadurch wohl nach Hause zurück. 

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