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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.11.1978 veröffentlichen The Police ihr Debüt „Outlandos d’Amour”.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.11.1978.

von Christof Leim und Tom Küppers

Ja was denn nun – Punk, Reggae oder Rock? Mit ihrem Debütalbum Outlandos d’Amour setzen sich The Police am 2. November 1978 zwischen alle Stühle und schaffen genau deswegen einen Klassiker.


Hört hier in das legendäre erste Album von The Police rein:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Platte.

1977 gilt unter Pop-Theoretikern als das Jahr, in dem der Punk durch die Decke geht. Doch auch jenseits dieses Trends etablieren sich Künstler, die der neuen Klangästhetik durchaus zugeneigt sind, sich aber nicht bloß auf die sagenumwobenen drei Akkorde beschränken wollen. Als Sänger und Bassist Gordon „Sting“ Sumner, Schlagzeuger Stewart Copeland und Gitarrist Andy Summers im Sommer dieses Jahres als The Police auf der Bildfläche erscheinen, sind Power-Trios gerade völlig aus der Mode. Die durchschnittliche Punk-Band tritt mindestens in Quartettstärke an, Prog- oder gar Symphonic Rock-Kapellen erreichen aufgrund der Vielzahl der verwendeten Instrumente nicht selten Ensemblestärke.



Andy Summers hingegen, ein erfahrener Recke, der schon mit Eric Burdon & The Animals gespielt hatte, sucht bereits seit Längerem nach geeigneten Mitstreitern, um seine Vision eines kraftvoll rockenden Trios Wirklichkeit werden zu lassen. Als er Copeland und Sting mit dem Gitarristen Henry Padovani zusammen auf der Bühne des Londoner Marquee Clubs erlebt, steht sein Entschluss fest: „Ich sah fantastisches Potenzial in den beiden“, erinnert er sich. „Sie brauchten lediglich einen neuen Gitarristen – und das war ich.“ Gemeinsam entwickeln die drei ab August 1977 die Songs, aus denen ihr Debütalbum bestehen wird.



Stewarts älterer Bruder Miles Copeland III verdient seine Brötchen im Musikgeschäft und unterstützt die Band (anfangs noch eher widerstrebend) mit einem Darlehen zur Deckung der Aufnahmekosten. Mit den Besitzern der Surrey Sound Studios vor den Toren Londons einigen sich The Police auf einen Deal, der ihnen extrem günstige Tarife einräumt. Nachteil: Die Musiker dürfen nur dann rein, wenn kein anderer das Studio belegt. Ganze sechs Monate benötigen die drei deswegen für die Fertigstellung. Miles schaut ab und an vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Was er zu hören bekommt, überzeugt ihn allerdings nicht, wie er offen zu verstehen gibt. Als ihm die Musiker aber das Stück Roxanne vorstellen, ändert sich das schlagartig. Der Manager erkennt sofort das Hitpotenzial dieses Titels und schafft es, A&M Records davon zu überzeugen, den Song als Single zu veröffentlichen.

Die drei Singles von „Outlandos d’Amour“. Kennt man alle.

Als Roxanne im April 1978 erscheint, erweist sich besonders der Text als ein zu heißes Eisen für die seinerzeit noch übermächtige BBC und ihre Moderatoren. Die Geschichte rund um eine Dame aus dem Rotlichtmilieu sorgt dafür, dass Roxanne schlicht und einfach nicht auf den Plattentellern des Senders landet. Management und Label kontern mit einer „Banned by the BBC“-Werbekampagne, doch die Single geht unter.



Der zweiten Auskopplung Can’t Stand Losing You ergeht es im August ähnlich. Diesmal stößt das Cover – Stewart Copeland steht mit einem Seil um den Hals auf einem schmelzenden Eisblock – sauer auf, erneut weigert sich die BBC, den Titel zu senden. In den Charts langt es immerhin zu Platz 42, The Police können also einen ersten kleinen Hit landen.



Am 2. November 1978 steht schließlich das Album Outlandos d’Amour in den Läden. Das Interesse der Käufer hält sich anfangs in Grenzen, auch weil die Kritiken nicht gerade positiv ausfallen. Ist der Opener Next To You noch gefällig vom zeitgemäßen britischen Punk inspiriert, sorgen die Reggae-Grooves von So Lonely für irritiertes Kopfschütteln. Auch Be My Girl – Sally, eine krude Mischung aus einem halbfertigen Song und einem Gedicht von Andy Summers über eine aufblasbare Puppe, stößt manchem Hörer sauer auf. Allgemeiner Tenor: Spielen können die Jungs, keine Frage. Aber was soll diese Mixtur aus Punk und Rock und Reggae?



Wie so oft muss der Prophet erst auf Wanderschaft gehen, bevor er auch im eigenen Lande etwas gilt. Auf The Police übertragen bedeutet das, dass Roxanne im Februar 1979 in Amerika als Single erscheint und ziemlich einschlägt. Woraufhin die heimische Plattenfirma nochmals ihre Maschinerie anwirft und die Nummer kurzerhand ein zweites Mal veröffentlicht. Am Ende steht Platz 12 in den britischen Charts, der wiederum dafür sorgt, das The Police zu zwei Shows in die USA eingeladen werden (darunter ins legendäre CBGB’s in New York). Weshalb Sting, Summers und Copeland plötzlich als neuer heißer Scheiß gelten und in den kommenden Jahren in die Liga der Superstars aufsteigen.



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