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Popkultur

Viel Eiscreme, wenig Respekt: Die Geschichte von Vanilla Ice und seinem Hit „Ice Ice Baby“

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Vanilla Ice
Foto: The LIFE Picture Collection via Getty Images

Auch 30 Jahre nach Ice Ice Baby ist die Eiscreme für Robert Van Winkle, besser bekannt als Vanilla Ice, noch nicht geschmolzen. Zwar sollte der Song, der sich ordentlich an der Basslinie von Queens/Bowies Under Pressure bediente, Van Winkles einziger Hit bleiben (rechnet man das Cover von Play That Funky Music nicht dazu). Dennoch machte das Stück ihn zum Multimillionär und zum Pop-Phänomen der 1990er-Jahre, was sich auch Jahrzehnte später unter den nicht immer ganz würdevollen Prädikaten „Kult“ und „Retro“ vermarkten lässt.

von Markus Brandstetter

Eines hat dem Künstler den Eisgenuss jedoch ordentlich versalzen: die popkulturelle Wahrnehmung seiner Person. Während Van Winkle darauf pocht, Pionierarbeit im HipHop geleistet zu haben, wird er in der Öffentlichkeit seit jeher oft belächelt, verspottet oder als ironische Kultfigur à la David Hasselhoff wahrgenommen.

Die Anfänge – oder: Wie die Vanille ins Eis kam

Robert Van Winkle, geboren 1967 im texanischen Dallas, fand als Teenager zur HipHop-Kultur. Dort bekam er von seinen Freunden den Spitznamen „MC Vanilla“ verpasst. Das hatte einen einfachen Grund: Er war der einzige Weiße in seiner Clique. Glücklich war er darüber nicht, aber das „Vanilla“ sollte dennoch bleiben. Nachdem er sich zunächst dem Breakdance widmete, fand Van Winkle später zum Battlerap – und nahm den Bühnennamen Vanilla Ice an.

Rob Van Winkle schrieb Ice Ice Baby, als er sechzehn Jahre alt war. Veröffentlicht wurde der Song allerdings erst einige Jahre später. Verhindert hatte einen schnellen Release unter anderem, dass er einfach kein Geld hatte, um ein Video zu dem Song machen zu können. Nachdem er sich das Geld laut eigenen Angaben zusammengeschnorrt hatte, wurde ein relativ günstiges Video gedreht – das dann auf MTV schnell durch die Decke ging.

Erfolg und Spott

Von da an liefs bei Ice: Er wurde Multimillionär, datete Madonna, gastierte bei Saturday Night Live und hatte sogar einen Gastauftritt in Teenage Mutant Ninja Turtles II: The Secret Of The Ooze. Viel Eiscreme, wenig Respekt: Van Winkle wurde nicht nur mit Erfolg und Geld, sondern auch mit Spott überhäuft. Seinen Platz im popkulturellen Kanon sah er etwas anders als viele andere: Er war einer der ersten erfolgreichen Weißen Rapper, der den HipHop zu Mainstream-Erfolg verhalf.

„Mein Publikum war am Anfang fast ausschließlich Schwarz. Ich hatte zunächst gar nicht gedacht, dass ich jemals für Weiße spielen würde“, erklärte Van Winkle 2017 in gegenüber Radiomoderator Dan Patrick. Mehr noch: Er habe von der Schwarzen HipHop-Community viel Respekt erfahren, mit 2Pac sei er befreundet gewesen, mit NWA ging er sogar auf Tour. Die Wahrnehmung über seine Person habe sich erst zu ändern begonnen, als er seinen Nummer-eins-Hit hatte und zum Mainstream wurde. „Wir haben es aus der Hood raus in den Mainstream gebracht“, erklärte er.

Absturz, Motocross und Nu Metal

Immer wieder betonte er auch seine Street Credibility – nicht alle wollten ihm das auch glauben. Wie auch immer Van Winkles Anfänge ausgehen haben, als ernsthafter Rapper wurde er nach Ice Ice Baby nicht mehr angesehen – eher als Sell-out oder Witzfigur. So widmete ihm die Band 3rd Bass den Spottsong Pop Goes The Weasel.

Diese Kehrseite stürzte ihn in eine schwere Krise. Ecstasy, Kokain und Heroin: Van Winkle rutschte immer weiter ab. Der Tiefpunkt war erreicht, als er sich 1994 mit einer Überdosis Heroin versuchte, das Leben zu nehmen. Glücklicherweise wurde er von seinen Freunden wiederbelebt. Nach einer weiteren Tournee entschied sich Van Winkle für eine Musikpause – und widmete sich unter anderem dem Motocross und dem Jetski fahren.

1998 kam es zu einer überraschenden Zusammenarbeit: Der Produzent Ross Robinson – bekannt durch seine Arbeiten mit Sepultura, Machine Head, Korn und vielen weitereb – nahm Van Winkle unter seine Fittiche und nahm mit das Album Hard To Swallow auf. Early-90s-Rap ist darauf keiner zu hören, dafür Nu Metal. Robinson selbst erklärte, dass viele ihm von einer Zusammenarbeit mit Van Winkle abgeraten hätten, da sie seine Reputation als seriöser Produzent beschädigen könnte. Genau dieser Widerspruch habe ihn aber interessiert.

Kein Mega-Comeback, aber viele Schlagzeilen

Ein Mega Comeback konnte Vanilla Ice damit nicht landen – das entmutigte ihn aber nicht, auch weiterhin Alben aufzunehmen. Er spielte in Filmen mit, hatte eine Reality-TV-Serie und war Teilnehmer von Dancing With The Stars. Er war auch immer wieder wegen diverser Vergehen in den Schlagzeilen, wurde wegen häuslicher Gewalt gegenüber seiner Frau verhaftet – oder auch für Einbruch und Diebstahl. Ice Ice Baby brachte ihm auch weiterhin Tantiemen ein – sei es durch Remixe oder Coverversionen. Und im Gespräch blieb er auch – zum Beispiel durch Nennungen von Eminem.

Ice Ice Erbe

Egal, ob man Vanilla Ice als HipHop-Pionier oder als One-Hit-Wonder ansieht – Ice Ice Baby gehört zu den frühen 1990er-Jahren wie Baywatch, Der Prinz von Bel Air, Beverly Hills 90210 oder Teenage Mutant Hero Turtles. „Die 1990er waren das letzte großartige Jahrzehnt“, erklärte Van Winkle selbst einmal – und weil Retro immer angesagt ist und wir uns in diesen komplexen Zeiten gerne nach etwas Einfacherem sehnen (und so haben wir die 1990er-Jahre rückblickend in Erinnerung), muss er sich keine Sorgen machen, dass Ice Ice Baby irgendwann verhallen wird.

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