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Popkultur

So war’s: Guns N’ Roses live in Gelsenkirchen 2018

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von Christof Leim

"Guns N’ Roses sind also zurück. Vor ein paar Jahren hätte sich niemand vorstellen können, dass die Hard Rock-Legenden nochmal in fast originaler Besetzung auf der Bühne stehen würden. Jetzt macht die passend betitelte „Not In This Lifetime“-Tour erneut Station in Deutschland. Nach den grandiosen Konzerten im Vorjahr fragen wir uns natürlich: Können Axl, Slash, Duff und ihre Mitstreiter das Niveau halten? Klingt die Band besser als beim vermurksten Tourstart in Berlin vor anderthalb Wochen? Und welches geschmacksfreie Shirt trägt der Sänger diesmal? Wir haben uns die Show in Gelsenkirchen am 12. Juni 2018 angeschaut.


In die Setlist könnt ihr hier reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Ja, Guns N’ Roses haben mit ihrer „Rückkehr“ richtig vorgelegt: Seit 2016 gehören die Originalmitglieder Slash und Duff McKagan wieder zur Mannschaft, die folgenden Konzerte gerieten weltweit zu Triumphzügen. Den Gig in Hannover im Sommer 2017 zum Beispiel betrachten Augenzeugen mit verklärtem Blick gerne mal als eines der besten Rockspektakel der letzten Jahre. Dabei präsentierten sich Guns N’ Roses als eine lebendige, höchst souveräne Band, die live weit mehr an den Start bringt als nur runtergezockte Greatest Hits.

Leider geht der Start der 2018er-Europatour in die Hose: Die Berliner Show am 3. Juni leidet so dermaßen unter Matschesound, dass selbst Kenner die Songs nicht erkennen und ein paar Tausend Fans über eine Online-Petition ihr Geld zurückverlangen. Glücklicherweise bleibt den Rockern im Ruhrgebiet zu viel Bassgedröhne erspart. Aber eins nach dem anderen…

Zunächst einmal eröffnen The Pink Slips mit einer rüdem Mischung aus Synth-Pop, Punk und Rock’n’Roll. Die Energie ist da, aber Sängerin Grace McKagan (yep, Duffs Tochter) muss sich erwartungsgemäß anstrengen, um in der noch nicht richtig gefüllten Arena Reaktionen hervorzurufen. Was anschließend die Alternative-Halbrocker Manic Street Preachers vor einem an Krachmusik interessiertem Publikum ausrichten sollen, bleibt schleierhaft. Die Waliser wissen aber mit der Situation umzugehen. (Außerdem hat Frontmann James Dean Bradfield mit Appetite For Destruction Gitarre spielen gelernt, damit ist er quasi einer uns.)

Als Guns N’ Roses pünktlich um 19:30 Uhr loslegen, scheint noch Tageslicht durch die geschlossene Dachabdeckung der Gelsenkirchener Arena. Rock’n’Roll fühlt sich ja eigentlich im Dunklen am Besten an, aber die Band legt mit It’s So Easy und Mr. Brownstone fulminant vor. Noch wummert der Sound, noch geht die Stimme im Gedröhne unter. Doch glücklicherweise bekommen die Techniker den Klang nach ein paar Stücken weitestgehend in den Griff. Wie schon im Vorjahr steht mit Chinese Democracy ein Track aus der Phase auf der Setlist, als Axl Rose als Alleinherrscher der Band übrig geblieben war. Und es funktioniert. So richtig hoch geht der Pulsschlag aber erst mit Welcome To The Jungle, dessen Intro Slash genüsslich ausweitet. Ein Musik-Elfmeter ohne Torwart, den das Publikum bereitwillig abfeiert. Das bedeutet heute vor allem: Singen, Springen, Fäuste in die Luft, stressige Moshpits gibt es nicht.



Das Set läuft wie geschmiert, ohne große Ansagen gehen die mittlerweile sieben Musiker von einem Lied ins nächste über – und lassen sich auch mal Zeit. So spielt Slash ausführlich mit dem groovigen Introriff von Double Talkin’ Jive herum, einem versteckten Schätzchen von Use Your Illusion I. Die Setlist bietet noch weitere Überraschungen, was dem Abend mehr Spannung verleiht als vorhersehbare Kracher. In der nächsten halben Stunde ziehen Guns N’ Roses Songs aus dem Zylinder wie das elektroide Better, das herrlich melodische Estranged und mit Slither sogar eine Nummer von Velvet Revolver, der zeitweiligen GNR-Nachfolge-Band von Slash und Duff.



Apropos Zylinder: Der wuschelhaarige Gitarrist trägt natürlich einen, eine Sonnenbrille ebenfalls, und beides setzt er bis zum Schluss nicht ab, auch nicht, als er sich – kein Witz – auf den Kopf stellt. Axl Rose führt wie gehabt einige Pfund an Klimperkram spazieren und zieht sich ein paar Mal um. Genauer: Er wechselt von einem undefiniert bunt bedruckten Shirt zum anderen. Immerhin sieht er nicht wie in den Neunzigern die Hälfte der Zeit so aus, als wollte er gleich Basketball spielen. Nach dem Appetite-Kracher Rocket Queen (groß!) feuern Guns N’ Roses sogar einen „neuen“ Song in die Arena: Shadow Of Your Love stammt aus dem Fundus der Vorläuferband Hollywood Rose und schaffte es nur auf spätere B-Seiten. Der knackig-flotte Rocker macht Spaß.



Für das Punk-Cover New Rose von The Damned stellt sich schließlich Duff McKagan ans Mikro. Der Mann besitzt immer noch soviel Rotz in der Stimme wie früher und sieht von Kopf bis Fuß topfit aus. Cool. Guns N’ Roses halten ihr Set weiter spannend: Nach dem neuen This I Love kommt die Gänsehautballade Civil War, auf ein langes Slash-Solo mit Auszügen von The Godfather folgt mit Sweet Child O’ Mine ein Höhepunkt des ganzen Abends. Die Nummer kann in der richtigen Stimmung 30 Jahre später immer noch Gänsehaut verursachen.

Axl tanzt dazu in typischen Schlangenbewegungen, guckt manisch, wirkt aber gut gelaunt. Eine Pause gönnt sich der 56-Jährige nicht: Ständig geht’s von links nach rechts und bis nach ganz vorne. Manchmal klingt seine Stimme angeschlagen, aber alles in allem schreit und kreischt sich der Chef souverän durch ein langes Set. Dass er dabei ab und an ein bisschen haushalten muss, können wir ihm durchgehen lasen.



Das bissige Used To Love Her hätten die wenigsten auf der Setlist erwartet, ebenso eine Liveaufführung von Coma, das für seine üppige Länge von zehn Minuten und die Abwesenheit eines Refrains bekannt ist. Mit Wichita Lineman haben die Herrschaften sogar ein obskures Stück des US-Singer/Songwriters Jimmy Webb im Programm. Dass hier mehr als die drei Urmitglieder auf der Bühne stehen, zeigt sich im Gitarrenduell, das Slash sich mit seinem Kollegen Richard Fortus bei einer Instrumentalversion des Pink Floyd-Klassikers Wish You Were Here liefert. Man kann es nicht anders sagen: Hier sind Könner am Werk. Herrlich. Schließlich setzt sich Axl an den Flügel, sein Hocker sieht dabei aus wie ein halbes Motorrad, und spielt das epische Ende des alten Clapton-Rupfers Layla. Und wenn er schon mal sitzt, kommt natürlich November Rain in epischer Breite. Ein Solo spielen darf hier auch Pianist Dizzy Reed, der wie Drummer Frank Ferrer und Keyboarderin Melissa Reese sonst eher im Hintergrund agiert.

Die Zweistundenmarke hat der Abend da schon locker geknackt, Guns N’ Roses biegen auf die Zielgerade ein: Mit Black Hole Sun zollen sie Soundgarden Tribut, und so ausgelutscht Knockin’ On Heaven’s Door auch sein mag: Die Nummer lässt sich immer noch prima mitsingen. Das Gleiche gilt für Don’t Cry und Yesterdays. Nightrain rockt wie nichts Gutes und zeigt, wo die eigentliche Seele der Band liegt. Beim The Who-Cover The Seeker hauen die Musiker nochmal mit auffällig viel Elan in die Saiten, bevor wir zum Abschluss alle nach – natürlich – Paradise City reisen, samt XXL-Mitsingerei, ausführlichen Gitarrensoli und Feuerwerk-Konfetti-Chaos am Ende.



Nach über drei Stunden (!) und satten 30 (!) Songs steht fest: Das war eine große Rockshow einer lebendigen Band. Slash macht vor Freude beim Abgang sogar noch einen Handstand. Da kann gerne mehr kommen, am liebsten ein neues Album.


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Popkultur

Olivia Newton John: 10 ihrer wichtigsten Stücke

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Oliva Newton John
Foto: Radio Times/Getty Images

Zu Ehren der kürzlich verstorbenen Olivia Newton-John hören wir uns durch zehn ihrer besten Stücke.

 von Markus Brandstetter

Am 8. August 2022 verstarb Olivia Newton John. Die Britin wurde nicht nur mit der Verfilmung des Musicals Grease weltbekannt, sondern hatte auch eine extrem erfolgreiche und langlebige Solokarriere als Musikerin. Vier Grammys, etliche Top-5-Hits und 24 Studioalben — und eine Menge verschiedener Stile von Pop über Folk bis Disco: Wir hören uns an dieser Stelle mal quer durch ihr Schaffen und sprechen über zehn ihrer bemerkenswertesten und/oder bekanntesten Stücke.

1. Long Live Love (1974)

1974 trat Newton-John beim Eurovision Songcontest in London an. Long Live Love ist rückblickend definitiv nicht ihr bestes Stück (sondern eher ein harmloser Schunkelschlager), aber wir wollen es alleine aus historischen Gründen an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt lassen. Für einen Spitzenplatz reichte der Song damals nicht: Newton-John schaffte es immerhin auf Platz 4. Die Konkurrenz war an diesem Abend historisch: Den Sieg mit nach Hause brachten ABBA mit ihrem legendären Stück Waterloo.

2. Xanadu (1980)

Anfang der 1980er-Jahre machte die Künstlerin mit Jeff Lynne und ELO gemeinsame Sache — und veröffentlichte das Stück Xanadu aus dem gleichnamigen Musicalfilm. Der Film entpuppte sich zwar als Flop, den Song ereilte ein besseres Schicksal. Er kletterte in den UK-Charts auf den ersten Platz.

3. Twist Of Fate (1983)

1983 kam es nochmal zur Film-Reunion von Travolta und Newton-John für den Film Two of a Kind. Das sorgte für nostalgische Gefühle, so ganz konnte es aber den globalen Erfolg von Grease nicht mehr anknüpfen. Das Stück Twist of Fate aus dem Film ist aber dennoch erinnerungswürdig.

4. Magic (1989)

Nochmal Xanadu: Aus dem Soundtrack zum Film stammt auch der Disco-Kracher Magic. Das war nicht nur in den Charts extrem beliebt — 1980 bezeichnete John Lennon das Stück als einen jener damals aktuellen Songs, die er mochte. Eine große Ehre — und ein erster Platz in den US-Charts.

5. A Little More Love (1978)

A Little More Love war die erste Single, die Newton-John nach ihrem Mega-Erfolg mit Grease veröffentlichte. Sie erschien auf ihrem 10. Album Totally Hot.

6. I Honestly Love You (1984)

Mit I Honestly Love You landete Olivia Newton-John 1974 einen weltweiten Pop-Hit. Bis sie 1981 Physical veröffentlichte, war I Honestly Love You jenes Stück, mit dem sie meist in Verbindung gebracht wurde, wenn man ihren Namen nannte.

7. You’re The One That I Want (1978)

Natürlich darf auch ein bestimmter Song aus Grease nicht fehlen. Das Duett mit John Travolta  You’re The One That I Want ist eines der bekanntesten Duette der Popgeschichte — und zählt zu Newton-Johns besten Stücken.

8. Hopelessly Devoted To You (1978)

Wer  You’re The One That I Want sagt, muss aber auch Hopelessly Devoted To You sagen — denn der Song aus Grease ist ebenfalls unvergesslich. Die Country-Ballade war für Songschreiber John Ferrer eine große Herausforderung: „Ich habe die längste Zeit damit verbracht, den Text eines Songs zu schreiben, den ich je geschrieben habe. Ich habe jeden Thesaurus und jedes Reimwörterbuch, das ich hatte, benutzt, um ihn richtig zum Laufen zu bringen“, erklärte er  einmal. Die Arbeit zahlte sich aus: Das Stück wurde für einen Oscar als Beste Filmmusik nominiert, verlor aber leider gegen den Beitrag Last Dance aus Thank God It’s Friday.

9. Have You Never Been Mellow (1975)

Auf der Country-Pop-Ballade Have You Never Been Mellow, drei Jahre vor ihrem Mega-Erfolg mit Grease erschienen, klingt Newton-Johns Stimme beinahe schon sirenenhaft. Der Song erschien als Single des gleichnamigen Albums und schaffte es in den USA auf die Spitze der Billboard Charts — völlig zurecht, Have You Never Been Mellow ist ein absolutes Highlight im Backkatalog der Sängerin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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