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Popkultur

So war’s: Myles Kennedy in Bochum 2018

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Er besitzt eine der eindringlichsten Rockstimmen der letzten zwei Dekaden: Myles Kennedy wurde bekannt als Frontmann von Alter Bridge und gehört zur Soloband von Guns N’ Roses-Gitarrengott Slash. Himmel, der Mann durfte sogar schon bei Led Zeppelin vorsingen (kein Witz)! Mit Year Of The Tiger hat er vor wenigen Monaten sein erstes Soloalbum veröffentlicht, auf dem er neben klassischem Rock eine ursprünglich klingende Vorliebe für Americana, Blues und Country zeigt. Nun bringt er diese Musik unter eigenem Namen auf die Straße – und gastiert am 16. Juli in der Christuskirche in Bochum. Wer allerdings eine zurückgelehnte Akustik-Sause erwartet, trägt neben einem musikbeglückten Grinsen auch einen Satz klingelnde Ohren nach Hause.

von Christof Leim

Hier könnt ihr die Setlist des Abends nachhören:


„This place is beautiful!“ Myles Kennedy fühlt sich wohl in der Christuskirche. In der Tat bietet das Bochumer Gotteshaus ein besonderes Ambiente für ein Rockkonzert: Holzbänke, marmorner Boden, eine Empore, bunte Kirchenfenster bis unter die hohe Decke. So sehen Säle üblicherweise nicht aus. Der Mann hat sichtlich gute Laune, als er grinsend, winkend und ohne großes Intro auf die Bühne tritt. Die Show ist komplett ausverkauft, überall sieht man Alter Bridge-Shirts, und es herrschen schon sehr sommerliche Temperaturen im Raum, bevor der erste Ton gespielt wird. Aber der Reihe nach…

Den Anfang macht pünktlich um acht Dorian Sorriaux: Heute steht der Gitarrist der Blues Pills alleine mit einer Akustikgitarre auf der Bühne und präsentiert seine Soloveröffentlichung Hungry Ghost. Mit sanfter, klagender Stimme singt er zu fließenden Songs, die mehr „Ambient“ als „Rock“ bieten. Es zählt also die Atmosphäre, die Hooklines verstecken sich. Abgesehen davon, dass der gelockte Mittzwanziger kompetent und clever Gitarre spielt, wirkt das vor allem leicht und sympathisch.


Blues Pills-Gitarrist Dorian Sorriaux eröffnet den Abend


So sieht das auch Myles Kennedy: „A beautiful soul“, kommentiert er. „We need more people like this on this planet.“ Er selbst startet sein Set mit dem treibenden Devil On The Wall, begleitet vom Bassisten Tim Tournier und Schlagzeuger Zia Uddin, einem alten Freund aus der gemeinsamen Band The Mayfield Four. Die drei klingen erdig wie auf der Platte, bringen aber ein ziemliches Pfund auf die Bühne, was vielleicht auch am Saal liegt. (Wenn ja, sollten wir alle öfters laute Musik in Kirchen hören.)



Die Zuschauer jedenfalls gehen mit und erscheinen generell ziemlich textsicher. The Great Beyond und Ghost Of Shangri La folgen, rasch stehen viele Fans auf oder rennen gar durch den Mittelgang nach vorne. Dazu lächelt der Sänger ständig und erweist sich einmal mehr als souveräner Frontmann, der mit sich und den Zuschauern umzugehen weiß. Mal spielt er E-Gitarre, mal Akustikgitarre, bei etwa der Hälfte der Lieder auch ohne seine Band, was dem Abend eine klangliche Abwechslung verleiht.

Mit viel Freude dabei: Myles Kennedy

Wenn Kennedy alleine auf der Bühne steht, produziert er einen Bassdrum-Sound über ein Fußpedal und gibt dem Ganzen so einen bodenständigen Beat, der an das stoische Stampfen von John Lee Hooker erinnert. Der herrlich dreckige Country-Einschlag kommt vor allem dann richtig durch, wenn er zur Dobro greift, einer blechern klingenden Resonatorgitarre. Sein laut beklatschtes Solo bei Haunted By Design schließlich zeigt nicht nur Anflüge seiner frühen Jazz-Vergangenheit, sondern auch auch, dass der Mann es nicht nur als Sänger drauf hat.



Das Set besteht erwartungsgemäß vor allem aus Stücken seines Soloalbums, darunter Turning Stones, Blind Faith und Songbird. Dabei erweisen sich nicht alle Songs als gleich „zutraulich“, sie gehen unterschiedlich gut ins Ohr, doch die Darbietung gerät durchgehend intensiv und seelenvoll.  Kennedy geizt nicht mit Überraschungen: So zieht er mit Standing In The Sun und dem mitreißenden World On Fire zwei Songs seines Slash-Repertoires aus dem Ärmel, die beide ausgesprochen gut ankommen. Auch der Alter Bridge-Track Watch Over You wird laut mitgesungen, Addicted To Pain, ebenfalls von Alter Bridge, setzt sogar noch einen drauf: Es verblüfft, dass diese Brachialnummer auch in einer auf Akustikgitarre reduzierten Version funktioniert. (Der kleine Szenenapplaus hingegen, als der 48-Jährige sein Holzfällerhemd auszieht und durchtrainiert im gerippten Unterhemd dasteht, überrascht weniger.)



Myles Kennedy erzählt viel, etwa von seiner Jugend als Metalhead – und bringt tatsächlich ein atmosphärisch dichtes, eigenständiges Cover des Headbanger-Evergreens The Trooper von Iron Maiden. Kennedy gibt zu, dass er gerne und viel Unsinn auf der Bühne erzählt und die Show schnell mal zu einem „idiot fest“ wird. Er verspricht, sich diesmal zurückzuhalten, startet aber umgehend einen improvisierten Rocksong mit der großzügig wiederholten Zeile „Good time, we’re having such a good time“. Das mag zwar aus der Hüfte geschossen sein, funktioniert aber prima und hebt die Stimmung. „Welchen Titel könnte der Song wohl tragen?“, fragt er und lacht schon wieder.



Mit dem melancholischen White Flag geht es dann zurück zu The Mayfield Four, richtig erdig wird es beim Klassiker Traveling Riverside Blues von Robert Johnson, den vor allem Led Zeppelin bekannt gemacht hatten. Und ja, man kann sich Myles Kennedy durchaus als Stimme für ein Projekt von Jimmy Page und John Paul Jones vorstellen, wenn Robert Plant darauf weiter keine Lust verspürt. Zum Abschluss kommt dann der tolle Titelsong Year Of The Tiger, bevor das getragene Love Can Only Heal einen guten Abend beschließt. Die gute Laune von Kennedy und seiner Band, die offensichtliche Freude an der Musik ohne zu viel Kopfzerbrechen dabei – das alles wirkt ansteckend. „This is place is beautiful, you are beautiful“, hatte er gesagt, und ja: Das heutige Konzert war nicht nur sehr heiß, sondern auch sehr herzlich.



Setlist:

Devil On The Wall
The Great Beyond
Ghost Of Shangri La
Haunted By Design
Standing In The Sun (Slash)
Turning Stones
Addicted To Pain (Alter Bridge)
Blind Faith
The Trooper (Iron Maiden)
White Flag (The Mayfield Four)
Songbird
Watch Over You (Alter Bridge)
Travelling Riverside Blues (Robert Johnson)
World On Fire (Slash)
Year Of The Tiger
Love Can Only Heal

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Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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