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Popkultur

Wie Johnny Rotten den Punk erschuf und zu Grabe trug

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Punk gab es vor und nach den Sex Pistols. Das, was wir heute unter dieser Musik verstehen, geht aber zu einem Großteil auf John „Johnny Rotten“ Lydons Konto. Mit den Sex Pistols prägte er das Genre wie kein zweiter – und zerstörte es kurz darauf wieder.

Der Umsturz der Gesellschaft dauert drei Minuten und 31 Sekunden. Länger brauchen die Sex Pistols nicht, um mit ihrer allerersten Single Anarchy In The UK genau das zu erreichen. Ein Flächenbrand, eine Revolution, eine subversive Explosion, irgendwas in der Art. Veröffentlicht an einem bestimmt verregneten 26. November 1976 zwischen IRA-Terror, hoher Jugendarbeitslosigkeit, Streiks und einer echt miesen wirtschaftlichen Stimmung, gibt dieser Song jenen eine Stimme, die keine haben. Und das sind sehr, sehr viele.



Schon in den Monaten zuvor haben sich die Sex Pistols einen berüchtigten Ruf als notorische Störenfriede, als Aufrührer, als antisoziales Element aufgebaut und fleißig kultiviert. Auftritte enden im Chaos, die Bandmitglieder schimpfen mehr als dass sie sprechen, es wird getrunken, Dinge gehen zu Bruch. An vorderster Front der Obszönitäten: John Lydon, ein junger Mann aus der Arbeiterklasse, der sich bald nach seinem Einstieg bei den Sex Pistols in Johnny Rotten umbenennt. Lydon ist der Archetyp des Punk, wie ihn die Medien wenig später zum Staatsfeind deklarieren: Von der Schule geflogen, großmäulig, perspektivlos, ungepflegt, gefärbte Haare und ein von Sicherheitsnadeln zusammengehaltenes Pink-Floyd-Shirt, auf dem er über den Schriftzug die Worte „I Hate“ dazu kritzelte.

Rotten kam zu den Sex Pistols, weil keine Geringere als Vivienne Westwood ihn empfahl. Und jetzt kommt’s: Eigentlich meinte Westwood einen gewissen John Simon Ritchie, der später als Sid Vicious seinen Weg zu der Band fand. Die noch namenlose Gruppe ging jedoch davon aus, Westwood meine John Lydon, was hinter seine gesamte Rolle bei den Sex Pistols durchaus ein Fragezeichen stellt.



Das Ende des Rock‘n‘Roll

Lydon, der gerüchteweise wegen seiner furchtbar schlechten Zähne in Johnny Rotten umgetauft wird, weiß ganz genau, was er mit den Sex Pistols will: Weniger Musik, mehr Chaos. Das bringt ihnen binnen weniger Monate eine gewisse Reputation an, die mit einem legendären Auftritt in Manchester einen Punk-Boom in Großbritannien triggert. Schon kurz darauf geben Bands wie The Clash oder The Damned ihre ersten Auftritte im Vorprogramm der Pistols, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal eine Single veröffentlicht haben. Ganz im Gegensatz zu den Ramones, die schon im Frühjahr 1976 mit ihrem Debüt um die Ecke biegen. Lydon hat gewohnt gute Worte für seine Kollegen übrig: „Mit ihren langen Haaren haben die mich überhaupt nicht interessiert“, wird er später in der Biografie Rotten zitiert. „Ich mochte ihr Image nicht und konnte nicht leiden, wofür sie standen.“

Lydon geht es um etwas anderes. Um sich, aber auch um etwas Radikales, das ihm einerseits eine huldigende Anhängerschaft aus Verlorenen und Vergessenen einbringt, andererseits dem Staat und der Autorität ein Dorn im Fleisch ist: Er will nicht nur die Gesellschaft ins Chaos stürzen, er will den Rock‘n‘Roll um die Ecke bringen. Inspiriert von Vivienne Westwoods Ansichten und dem in ihrer Boutique „Sex“ präsentierten Style, kanalisiert Lydon den Zorn der gesamten Gesellschaft mehr und mehr in Eigenkompositionen. Die erste Single, das erwähnte Anarchy In The UK, erschieint beim Major EMI und klettert in die Top 40 der UK-Charts. EMI nimmt die Band für zwei Jahre unter Vertrag, schmeißt sie aber schon im Januar 1977 wieder raus. Der Grund: Die Band fluchte! Im Live-TV!



Da geht sogar die Hakenkreuz-Armbinde unter. Die Überschrift des Daily Mirror („The Filth And The Fury“) ist längst ikonisch und auch der Titel einer Dokumentation über die Band.

Vom Punk zum Posterboy

Die Sex Pistols profitieren natürlich gewaltig davon und bringen den Punk mit voller Kraft in die Aufmerksamkeit des Mainstream. Was sie damals noch nicht wissen, ist dass sie – und insbesondere Lydon – gleichzeitig damit beginnen, sein Grab zu schaufeln. Punk geht in Großbritannien durch die Decke, von den 20 Konzerten einer angesetzten Sex-Pistols-Tour können gerade mal sieben stattfinden. Lydon wollte mit so viel Exzess und Radikalität wie möglich einen Schlussstrich unter die Musik ziehen. Und wird zu ihrem größten Antihelden. Es gibt Demonstrationen gegen die Band, offene Drohungen und Hassbriefe. Lydon genießt das alles sichtlich, er ist längst der Posterboy dieser kataklysmischen Zeit. Nach Ansicht nicht weniger steigt ihm die ganze Sache allerdings auch zu Kopf. Basser Glen Matlock wird aus der Band geworfen, weil er angeblich die Beatles mag (was sich später aber als Ente herausstellt), und durch den exzessiven Sid Vicious ersetzt, der zuvor bei Siouxsie And The Banshees trommelte.

Die Sex Pistols 1977

Doch darum kümmert sich jetzt niemand mehr. Mit Vicious kommt noch mehr Destruktivität in die Band, es gibt Tumulte, Exzesse – und dann die Single God Save The Queen. Dass die BBC dieses aufrührerische Stück Musik nicht spielt, ist ja noch verständlich; dass jedes Independent-Radio ebenfalls davor zurückschreckt, eher weniger. Lydon sagte laut George Gimarcs Punk Diary einfach: „Wir sind die einzige ehrliche Band, die es jemals auf diesem Planeten gab.“

Wie so oft, geraten die Dinge außer Kontrolle. Lydon und andere Punks werden verfolgt, angegriffen, zusammengeschlagen oder in Messerstechereien verwickelt, in Oslo posiert der Sänger mit Hitlergruß und Swastika-Symbol. Alles für den Schock, alles für die Mythenbildung, schon klar. Aber eben durchaus ein wenig zu viel des Guten. Dem Erfolg des ersten und einzigen Albums Never Mind The Bollocks, Here‘s The Sex Pistols tut das gewiss keinen Abbruch. Fiebrig, überschäumend, nihilistisch und dennoch euphorisch: Das Album erscheint im Oktober 1977 ist zurecht ein Klassiker und ein Meilenstein der Rock-Geschichte.


Hier laut aufdrehen und in das legendäre Pistols-Album reinhören:

Klickt auf “Listen” für das volle Programm.


Punk is dead

Die Band ist damals schon am Ende. Lydon und Vicious waren von einer engen Freundschaft in gegenseitige Abscheu katapultiert worden, die US-Tour Anfang 1978 ist eine endlose Abfolge von Drogenexzessen, Skandalen, Schlägereien und Krankenhausaufenthalten. Bei einem Konzert in San Francisco im Januar 1978 stellt er dem Publikum zum Abschluss eines desaströsen Auftritts die Frage, ob sie jemals betrogen wurden, und verlässt die Bühne. Es ist der letzte gemeinsame Gig der Band für lange Zeit.



Mit Lydons Weggang endet streng genommen auch die Ära des Punk in Großbritannien. Und für den Sänger, der danach mit Public Image Ltd weiterhin Erfolge feierte, kamen nach den Sex Pistols eh nur noch Nachahmer. „Die ersten 30 Reihen bei den Konzerten mit Public Image Ltd bestanden aus Johnny-Rotten-Imitatoren“, beklagte er vor wenigen Monaten in einem Interview mit der New York Times. „Ich dachte, das geht ja alles gewaltig schief! Ich hab das doch nicht gemacht, um eine neue Uniform zu erschaffen, die nicht mal ansatzweise so gut wie die war, die die Nazis hatten.“ Für ihn war der Punk mit den Sex Pistols untergegangen – und ist heute nur noch ein schlechter Witz. „Alle wollten das Klischee und die Uniformität aufrecht erhalten […], doch ich wollte immer nur neue und andere Dinge ausprobieren. Das ist Punk für mich.“

Mit anderen Worten: Punk ist nur das, woran auch Johnny Rotten beteiligt war. Das kann und sollte man man durchaus anders sehen – vor allem, wenn man bedenkt, dass Lydon bei Englands „Dschungelcamp“-Variante mitmachte und in einem Werbespot für Butter zu sehen war. Sein Einfluss auf diese Musik in den kurzen zweieinhalb Jahren Sex Pistols ist dennoch unbestreitbar hoch. Und seine rekordverdächtig schlechte Meinung zu kontemporären Punk-Bands wie Green Day ist auch mit seinen mittlerweile 63 Jahren ein konstanter Quell der Erheiterung.



Headerfoto: Koen Suyk; Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 – negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 928-9663 [CC BY-SA 3.0 nl (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en)], via Wikimedia Commons

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1935 kommt Alex Harvey zur Welt.

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Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Besonders geradlinig verläuft die Karriere von Alex Harvey und seiner Sensational Alex Harvey Band nicht. Dennoch gehört der schottische Musiker zu den bekannteren Gesichtern der britischen Rockmusik der Siebziger. Heute hätte er Geburtstag gefeiert. 

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Alex Harvey anhören: 

Das Licht der Welt erblickt Alexander James Harvey am 5. Februar 1935 in einem Arbeiterstadtteil von Glasgow. Bevor er seinen Weg als professioneller Musiker einschlägt, jobbt er unter anderem als Kellner und als Dachdecker. Zeitweise graviert er sogar Grabsteine. Zu Beginn der Fünfziger begeistert er sich für Dixieland-Jazz und Skiffle, bevor er ab 1954 selbst die Bühnenbretter betritt.

Im Vorprogramm der Beatles

Ab 1958 reist Harvey mit seiner Big Soul Band durch England und Deutschland. Schnell entwickelt er sich zu einem der Aushängeschilder der britischen R&B-Szene, obwohl er auch Rocksongs zum Besten gibt. So spielt er am 20. Mai 1960 mit seiner Big Beat Band im Vorprogramm von Johnny Gentle And His Group. Hinter dem Kürzel „His Group“ verbirgt sich niemand Geringeres als die späteren Beatles, die zu jener Zeit noch aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Tommy Moore bestehen. Es handelt sich um den ersten Termin einer siebentägigen Schottland-Tour.

Hier tourt Alex Harvey mit. Eigentlich heißen die Beatles zu jener Zeit aber noch The Silver Beetles. Wer hat George sofort erkannt?, Foto: Buchcover

Gegen Ende der Sechziger versucht er es als Solokünstler, doch der Durchbruch bleibt aus. Der folgt dann zu Beginn der Siebziger, nach einem kleinen Umweg als Session-Musiker für die Londoner Inszenierung des Musicals Hair. Denn jetzt gründet er die Sensational Alex Harvey Band.

Die großen Erfolge

Mit der Gruppe bleibt Harvey während der gesamten Siebziger erfolgreich, steigt von 1976 bis 1978 allerdings kurzzeitig aus. Schon auf dem Debüt Framed (1972) liefert die Band Granaten wie Midnight Moses und den Titelsong Framed aus der Feder des Songschreiber-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller ab. Zeitgleich erobert der Glam Rock das Vereinigte Königreich und später auch den Rest Europas. Harvey und seine Mitmusiker greifen den Stil auf. So entdeckt er zu jener Zeit sein legendäres, schwarz-weiß-gestreiftes Shirt. Gitarrist Zal Cleminson setzt noch einen drauf und tritt in Pantomime-Schminke und gelb-grünem Overall auf.

Mit einer Coverversion des Tom-Jones-Songs Delilah landet die Band 1975 einen Top-Ten-Hit, auch der Song The Boston Tea Party (1976) feiert große Erfolge. 1978, kurz nach Harveys Rückkehr, erscheint mit Rock Drill das letzte Album der Band. Im Anschluss veröffentlicht er zwei weitere Soloplatten und geht ab 1979 wieder auf Tour. Doch leider stirbt Alex Harvey am 4. Februar 1982 einen Tag vor seinem 47. Geburtstag an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Söhne, einen aus jeder seiner beiden Ehen.

Zeitsprung: Am 9.1.1975 endet die Geschichte der Beatles offiziell

 

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Popkultur

10 Songs von Alice Cooper, die man kennen sollte

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Alice Cooper
Foto: Grant Lamos IV/Getty Images

Schock-Schminke, Schauer-Schlangen und schreckenerregende Songtexte: Alice Cooper hat den Schockrock zwar nicht erfunden, doch er hat ihn als erster auf die Spitze getrieben. Seit knapp 60 Jahren steht er nun auf der Bühne. Diese zehn Songs gruseln uns bis heute — auf die gute Art!

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Alice Cooper anhören:

Ob Vincent Damon Furnier schon bei seiner Geburt am 4. Februar 1948 geschminkt war, ist nicht überliefert — doch wir gehen davon aus. Die Geschichte seiner ersten großen Band Alice Cooper reicht bis ins Jahr 1964 zurück. „In der Highschool haben uns alle gehasst“, erinnert er sich in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Sehr lange Zeit mochte uns wirklich niemand.“ Das ändert sich Anfang der Siebziger, denn mit ihrer Single I’m Eighteen gelingt Alice Cooper der Durchbruch. In Windeseile erobert die Gruppe die Musikwelt; ab Mitte der Siebziger spielt Furnier seine Rolle als Alice Cooper solo weiter. „Ich wollte einen Charakter spielen, der so ist, wie ich mir den besten Rockstar aller Zeiten vorstelle“, erzählt er. „Also habe ich Alice so kreiert, wie ich das wollte: ein bisschen böse, lustig, total gruselig, aber auch elegant. Alice ist mein allerliebster Rockstar.“ Unserer auch! Das sind seine zehn besten Songs.

1. I’m Eighteen (1970)

„I’m eighteen and I like it“ — Selten wurde die Volljährigkeit mit mehr Begeisterung besungen. Ursprünglich handelte es sich bei I’m Eighteen um eine achtminütige Jam-Session, doch Produzent Bob Ezrin überredete Alice Cooper dazu, den Song auf drei Minuten einzudampfen. Zum Glück — acht(zig)minütige Jam-Sessions gab es in den Sechzigern nun wirklich genug.

2. Under My Wheels (1971)

Bei Under My Wheels handelt es sich um die erste Single vom vierten Alice-Cooper-Album Killer (1971). Seitdem hat er das Stück auf wirklich jeder(!) Tour zum Besten gegeben, weshalb Under My Wheels Platz drei von Coopers meistgespielten Live-Songs belegt. 1988 nahm Cooper die Nummer übrigens noch einmal auf, und zwar mit Guns N’ Roses. Im Gegenzug ist Cooper auch in The Garden von Use Your Illusion I zu hören.

3. School’s Out (1972)

Keinen Song hat Alice Cooper häufiger live gespielt: Mehr als 2.900(!) Mal war School’s Out auf den Konzerten des Schockrockers zu hören, also quasi acht Jahre lang jeden Tag einmal. Dass Cooper und sein Publikum so viel Freude an dem Stück haben, überrascht nicht. Schließlich hat er selbst einmal gesagt: „Die beiden schönsten Zeiten des Jahres sind der Weihnachtsmorgen und der Beginn der Sommerferien.“

4. No More Mr. Nice Guy (1973)

Wer hinter diesem Titel Autobiografisches vermutet, ist auf dem richtigen Weg. In No More Mr. Nice Guy beschäftigt sich Cooper mit den Reaktionen der Kirchengruppe seiner Mutter auf seine mitunter okkult-gruseligen Bühnenauftritte. „Jetzt gibt es keinen Weg zurück“, meint er mit dem Titel. Gut so! Was hätten wir in den vergangenen Jahrzehnten bloß ohne unsere Tante Alice gemacht.

5. He’s Back (The Man Behind The Mask) (1986)

Ganze 13 Jahre liegen zwischen dem vierten und dem fünften Song unserer Liste. 13 Jahre, in denen Alice Cooper erfolgreich solo durchstartete, aber auch heftig abstürzte. An manche seiner Alben aus den Achtzigern kann er sich aufgrund seines Drogen- und Alkoholkonsums noch nicht einmal erinnern. Dieser Titel passt also zu seinem Mini-Comeback 1986 — und zum Soundtrack des Films Freitag der 13. Teil VI – Jason lebt.

6. Poison (1989)

Wann immer es um die größten Rockhymnen aller Zeiten geht, darf dieser Song nicht fehlen. In den Achtzigern hatte sich Alice Cooper durch seine Alkohol- und Drogeneskapaden beinahe selbst ins Aus geschossen, doch mit seinem 18. Studioalbum Trash gelang ihm der große Sprung zurück in den Mainstream. Bis heute handelt es sich um seine erfolgreichste Platte — und das nicht zuletzt aufgrund großer Hits wie Poison.

7. Bed Of Nails (1989)

Auch Bed Of Nails stammt von Coopers Über-Album Trash und geriet gleich hinter Poison zum zweiterfolgreichsten Song der Platte. Komponiert hat Cooper das Stück zusammen mit seinem Ex-Bassisten Kane Roberts, seinem Produzenten Desmond Child sowie mit Diane Warren, die nicht nur für Rockgrößen wie Elton John, Tina Turner und Aerosmith tätig war, sondern auch für Popstars wie Whitney Houston und Britney Spears.

8. Hey Stoopid (1991)

Hey Stoopid gehört nicht nur zu Alice Coopers berühmtesten Songs, sondern der Meister des Schockrock begrüßte für das Stück auch jede Menge Gaststars im Studio. Slash, Ozzy Osbourne, Steve Vai, Joe Satriani: Sie alle geben sich in der Nummer die Klinke in die Hand und unterstützen ihren Kumpel Alice bei seinem Rock’n’Roll-Auftrag. Die Botschaft des Songs: „Hey Dummerchen, lass das mit den Drogen doch einfach sein …“.

9. Snakebite (1991)

Wie oft Alice Cooper im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere von Schlangen gebissen wurde, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Doch wir wissen, dass es sich bei Snakebite um einen seiner allerbesten Songs handelt! Inhaltlich ist die Nummer quasi vertonter Machismo. „My face is tattooed in your shoulder / Your name is scratched into my bike“, singt Cooper darin. Na dann …

10. Feed My Frankenstein (1991)

Wer den Rockfilmklassiker Wayne’s World kennt, liebt bestimmt auch Feed My Frankenstein von Alice Cooper. Vor der legendären „Wir sind unwürdig!“-Szene besuchen die beiden Chaoten Wayne und Garth in dem Streifen nämlich ein Konzert des Schockrockers und kommen in den Genuss seiner damals brandneuen Single. Heute gehört die Nummer zu Coopers späten Klassikern — aus gutem Grund!

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Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von Alice Cooper stammen können

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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