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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.8.1973.

von Christof Leim

Man kann sich streiten, ob es nun lobenswert, respektlos oder künstlerisch gewagt war, nach dem Tod von Jim Morrison die Doors weiterzuführen. Schließlich hat der kontroverse Sänger die Band geprägt, fast schon definiert. Dazu gehören zwar Verhaftungen und Skandälchen, vor allem aber seine poetischen Texte, seine markante Stimme und die wilden Auftritte, die ihm posthum den Status als ikonischer Rock’n’Roll-Frontmann sichern. Doch leider hat der Mann sich nicht nur wild aufgeführt, sondern auch wild gelebt – und ist am 3. Juli 1971 mit nur 27 Jahren gestorben. Als offizielle Todesursache wurde Herzversagen festgehalten, doch eine Autopsie hat es nie gegeben. Fest steht: An zu viel stillem Mineralwasser lag es wohl nicht.


Hört hier in Other Voices von The Doors (ohne Jim Morrison!) rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Das ist ein harter Schlag für die Gruppe, die erst am 19. April 1971 mit L.A. Woman einen Karrierehöhepunkt hingelegt hat. Allerdings läuft gerade beileibe nicht alles, wie es soll: Konzerte spielen The Doors zu diesem Zeitpunkt schon keine mehr, weil sich Morrison auf der Bühne zusehends unberechenbar aufführt. Weil ihm wegen unsittlichen Verhaltens in der Öffentlichkeit (genauer: Pillermann auspacken auf der Bühne) eine Strafe droht, setzt sich der Sänger zudem mit seiner Freundin nach Paris ab. Die Mitmusiker Ray Manzarek (Keyboards), Robby Krieger (Gitarre) und John Densmore (Schlagzeug) müssen derweil zu Hause in Los Angeles ohne ihn an neuem Material arbeiten und können nur hoffen, dass ihr Frontmann zurückkommt.

The Doors mit ihrem 1971 verstorbenen Sänger Jim Morrison (r.))

Nach seinem Tod entscheiden sich Manzarek, Krieger und Densmore, die Band weiterzuführen. („lobenswert?“). Sie spielen zunächst mit dem Gedanken, einen Sänger zu suchen („respektlos?“), angeblich steht dafür sogar Iggy Pop auf der Liste. Schlussendlich fassen Krieger und Manzarek dann aber den sicher nicht einfachen Entschluss, selbst zu singen („künstlerisch gewagt?“).



Das treffend betitelte Album Other Voices erscheint am 18. Oktober 1971, nur gute drei Monate nach Morrisons Ableben – und erweist sich nicht als die Katastrophe, die vermutlich viele erwartet haben. Als großer Knaller allerdings auch nicht, denn so talentiert und musikalisch versiert die Bandmitglieder auch sein mögen – an die Wirkung des “Lizard King” können sie nicht heranreichen. Immerhin schafft es die Scheibe auf einen respektablen Platz 31 der Billboard-Charts, und die Eröffnungsnummer In The Eye Of The Sun macht durchaus Doors-typischen Spaß.



Im folgenden Jahr wiederholt das Trio dieses Arrangement für Full Circle (erschienen am 15. August 1972), greift diesmal aber nicht auf Ideen zurück, die noch mit dem Sänger im Hinterkopf geschrieben wurden wie beim Vorgänger. Das führt die Musiker zu Experimenten in Richtung Jazz, Funk oder Latin und lässt gleichzeitig den Blues ein wenig in den Hintergrund treten. Für mehr als Platz 68 reicht es nicht, selbst wenn mit The Mosquito noch eine Single in die Charts einsteigt.



Für diese musikalische Weiterentwicklung gebührt den Doors Respekt, doch untereinander sind sich die drei Herren nicht mehr einig. John Densmore und Robby Krieger wollen vor allem rocken, Ray Manzarek will Jazz spielen. Irgendwann verkündet letzterer: „Leute, ich bin raus. Ich habe keine Lust mehr, es funktioniert nicht“. So erinnert sich zumindest Krieger 2015 im Magazin Uncut. An gleicher Stelle fährt er fort: „Also haben wir aufgegeben. John und ich hatten versucht, die Sache am Laufen zu halten. Hätten wir weitergemacht? Ganz sicher.“

Deshalb treffen die drei überlebenden Originalmitglieder am 30. August 1973 die Entscheidung, die Doors aufzulösen. Dass das einflussreiche Rolling Stone-Magazin diese Nachricht nur beiläufig erwähnt, zeigt deutlich, wie sehr die legendäre Band mittlerweile an Status verloren hat. Möglicherweise ist hier dann tatsächlich das Prädikat „lobenswert“ angebracht, zumindest aber „verständlich“. Dass alle drei 1978 auf An American Prayer neue Musik zur Textaufnahmen ihres ehemaligen Sängers einspielen, und dass es in den folgenden Dekaden zu diversen Quasi-Reunions kommt – das sind mal wieder andere Geschichten.


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