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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.7.1985 spielt Phil Collins auf zwei Kontinenten.

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Screenshot aus Against All Odds (Live Aid 1985)

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.7.1985.

von Timon Menge und Christof Leim

Als am 13. Juli 1985 mit Live Aid eines der größten Spektakel der Musikgeschichte über die Bühne geht, geben sich Rockgrößen wie David Bowie, U2 und Queen die Klinke in die Hand, um Spendengelder für die Afrika-Hungerhilfe zu sammeln. Ein Musiker zeigt dabei noch mehr Einsatz als alle anderen: Phil Collins. Direkt nach seinem Auftritt in London steigt der Brite in das Überschallflugzeug Concorde und lässt sich nach Philadelphia fliegen, um auch bei der US-Ausgabe des Benefizkonzerts auftreten zu können. Er nimmt sogar an einer geschichtsträchtigen Reunion teil.

Hier könnt ihr euch No Jacket Required von Phil Collins anhören: 

Wer an Wohltätigkeitskonzerte denkt, dem schießt bis heute auch Live Aid durch den Kopf. Am 13. Juli 1985 finden sich die größten Rockstars der Zeit entweder im Wembley-Stadion in London oder im John F. Kennedy Stadium in Philadelphia ein, um um auf eine große Spendenaktion für die Afrika-Hungerhilfe aufmerksam zu machen. Zum Aufgebot gehören unter anderem Bryan Adams, Judas Priest, Simple Minds, Status Quo, Tina Turner, The Who, U2, Neil Young, Queen, Santana, Paul McCartney, Madonna, Duran Duran, Bob Dylan, Mick Jagger, Elton John, die Dire Straits, Eric Clapton, David Bowie, Bryan Ferry und die Beach Boys. Bloß ein Künstler mag sich nicht für eines der beiden Konzerte entscheiden und spielt kurzerhand bei beiden: Phil Collins.

Eigentlich hat der Brite die damit einhergehende Aufmerksamkeit zu jener Zeit gar nicht nötig. Schließlich kam im Februar 1985 sein bis dato erfolgreichstes Album No Jacket Required auf den Markt und ist nach wie vor in aller Munde. Dennoch entscheidet er sich im Rahmen von Live Aid zu einem ganz besonderen Marketing-Gag: Direkt nach seinem Auftritt in London lässt sich Collins von einem Helikopter abholen, fliegt zum Heathrow Airport, steigt dort in das Überschallflugzeug Concorde, schießt innerhalb weniger Stunden nach New York City, steigt dort erneut in einen Hubschrauber und lässt sich am John F. Kennedy Stadium in Philadelphia absetzen. Showtime, die zweite. Als wäre das nicht genug, spielt er am selben Tag auch noch bei der Led-Zeppelin-Reunion mit. Doch beginnen wir vorne.

Die Show in London verläuft nach Plan. Collins spielt Solohits wie Against All Odds sowie In The Air Tonight und holt für Long Long Way To Go den Police-Frontmann Sting auf die Bühne. Im Rahmen des Sting-Auftrittes kommt wiederum Collins für Every Breath You Take dazu. Auch im Anschluss klappt alles, der ausdauernde Künstler schafft es pünktlich zum Londoner Flughafen. Als er die Concorde betritt, die vor Ort auf ihn wartet, rutscht ihm das Herz in die Hose. An Bord wartet Kal Rudman auf ihn, ein wichtiger Mann der US-Radioindustrie. Er fungiert zu jener Zeit als Berater und entscheidet quasi darüber, ob Künstler in den Staaten Airplay erhalten oder nicht. „Phil hat mir später erzählt, dass er gestorben und in den Himmel aufgestiegen sei, als er mich im Flugzeug gesehen hat“, erinnert sich Rudman später in einem Interview mit den Philadelphia Daily News.

Ermöglicht Phil Collins am 13. Juli 1985 einen ganz besonderen Tag: das Überschallflugzeug Concorde – Pic: Eduard Marmet/Wiki Commons

Wenige Stunden hat sich Collins längst wieder gefangen. Gut so, denn nun muss er im John F. Kennedy Stadium auf die Bühne. Erneut spielt er Hits wie Against All Odds und In The Air Tonight. Als Gitarrenlegende Eric Clapton sein Drei-Lieder-Set zum Besten gibt, übernimmt Collins die Trommelstöcke.

Danach wird der Abend holpriger. Collins hat noch einen weiteren Termin im Kalender stehen und zwar die Reunion von keiner Geringeren Band als den Rockgöttern Led Zeppelin, ebenfalls im Rahmen der US-Ausgabe von Live Aid. „Ich wusste nicht, dass das so hoch aufgehangen wird, und dachte, dass wir einfach ein wenig spielen“, verrät er 2014 in einem Interview mit dem Magazin Q. „Zwischen meinem Gespräch mit der Band und dem Tag der Show passierte aber einiges. Das Ganze wurde eine Led-Zeppelin-Reunion. Ich tauchte dort auf – und es passte einfach nicht. Robert hat sich darüber gefreut, mich zu sehen, Jimmy aber nicht.“ 

Der Auftritt läuft alles andere als rund; Page gibt dafür laut Philadelphia Daily News vor allem Collins die Schuld. Der erwidert, dass Plants Stimme nicht in guter Verfassung gewesen sei und dass Page sich nicht genug vorbereitet habe. Tatsächlich stößt Bassist John Paul Jones kurzfristig dazu, es bleibt gerade einmal eine Stunde für Proben. „Wenn ich die Bühne hätte verlassen können, hätte ich das getan“, räumt Collins später ein. „Dann hätten aber alle bloß darüber gesprochen, warum ich die Bühne verlassen habe. Also habe ich die Sache ausgesessen.“

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