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Popkultur

Zeitsprung: Am 27. November 1971 sorgt Alice Cooper mit Killer für Ärger und Hitsingles

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1971.

von Christof Leim

1971 läuft’s bei der Alice Cooper Band: Das dritte Album Love It To Death wird im Februar dank der Single I’m Eighteen zum Hit, schon am 27. November steht das nächste Werk in den Läden: Killer. Zwei Nummern davon kennt mit Sicherheit jeder, der länger als fünf Minuten bei Onkel Alice zugehört hat: Under My Wheels und Be My Lover. Und natürlich sorgen die Texte über mörderische Cowboys, Spionageorganisationen und tote Babies in den USA der Frühsiebziger für Skandale…


Hört euch Killer an und lest weiter:


Mit Love It To Death hatte die Band endlich ihren Sound gefunden und die wirren Psychedelic-Ausflüge der ersten beiden Werke zu den Akten gelegt. Jetzt schießen die fünf Musiker aus allen Rohren. Die acht Songs von Killer bieten geradlinigen Rock’n’Roll, dramatische Western-Sounds, progressive Opulenz und knackig-kurzen Garagenrock. Sogar vor Bläsern und Streichern schrecken die Musiker und ihr Produzent Bob Ezrin (später: Pink Floyd, Kiss) nicht zurück. Das lohnt sich: In den USA erreicht die Scheibe Platz 21, in Deutschland chartet Killer noch nicht; das sollte erst im Folgejahr mit einem fetten dritten Platz für School’s Out gelingen. Damals heißt übrigens noch die ganze Gruppe „Alice Cooper“, erst später wird aus ihrem Sänger Vincent Damon Furnier die Figur Alice Cooper und ein Solokünstler.



Die erste Nummer von Killers heißt Under My Wheels und gehört heute zu den Standards in Coopers Setlisten; nur zwei andere Songs hat er öfter live gespielt. Sie wird unzählige Male gecovert, etwa von den Manic Street Preachers und den Hanoi Rocks. 1988 nimmt der Meister selbst sie mit Guns N’ Roses neu auf. Be My Lover fällt mit einer schönen selbstironischen Zeile auf: „She asked me why the singer’s name was Alice / I said listen baby, you really wouldn’t understand“. Beide Stücke werden zu Singlehits.



Es sind aber vor allem der Titeltrack Killer und das verstörende Dead Babies, die für Aufsehen sorgen. Vor 46 Jahren war das harter Stoff und kam bei Sittenwächtern, Moralaposteln und besorgten Eltern nicht so gut an. Das war die Alice Cooper Band allerdings schon gewohnt, denn mit ihrer makabren und theatralischen Bühnenshow hatte sie sich ohnehin nachhaltig unbeliebt gemacht. Der Text zu Dead Babies handelt von einem unbeaufsichtigten Kind, das sich Pillen in den Mund steckt, während die Eltern sich in einer Bar vergnügen. „Genaugenommen war das unser erster Song gegen Drogen und elterliche Vernachlässigung“, erklärt Alice Cooper später.


Desperado erzählt von einem Killer, inspiriert durch den Western Die glorreichen Sieben von 1960. Coopers Kumpel Jim Morrison (The Doors), der im Sommer 1971 verstorben war, soll ebenfalls Pate gestanden haben. Halo Of Flies schließlich soll es allen Nörglern zeigen, die der Alice Cooper Band mangelnde instrumentale Fähigkeiten unterstellen. Deshalb schreiben die Musiker ein über achtminütiges, vertracktes Prog-Epos, wie man es sonst von King Crimson kennt. Angeblich geht es hier um Spionage und Geheimdienste, aber der Text bleibt undurchsichtig. Lustigerweise wird ausgerechnet diese Nummer zwei Jahre später zu einem Top 10-Hit in den Niederlanden.



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