Zeitsprung: Am 29.1.1979 entsteht „I Don’t Like Mondays“ – aus einem Verbrechen.

January 29, 2019
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 29.1.1979 entsteht „I Don’t Like Mondays“ – aus einem Verbrechen.

Zeitsprung: Am 29.1.1979 entsteht „I Don’t Like Mondays“ – aus einem Verbrechen.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1979.

von Christof Leim

Sicher, Montage finden wir alle meist doof. Dazu passt der Song I Don’t Like Mondays von den Boomtown Rats ganz hervorragend. Allerdings hat deren Sänger Bob Geldof die Nummer 1979 nicht über das Leiden zu Beginn einer Arbeitswoche geschrieben, auch nicht über die Unbill des Frühaufstehens oder katastrophalen Koffeinmangel. Die Inspiration für den größten Hit der Bandgeschichte kam aus aus einem Doppelmord an einer Grundschule in San Diego und der kaltherzigen Begründung der Täterin…


Hört zur Lektüre in die besten Songs der Boomtown Rats rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Osten von San Diego in Kalifornien liegt der Stadtteil San Carlos, Kinder gehen hier zur Grover Cleveland Elementary School. Direkt gegenüber dieser Schule wohnt 1979 die 16-jährige Brenda Spencer mit ihrem Vater. Am Morgen des 29. Januar, kurz vor neun Uhr, als der Schuldirektor gerade das Tor öffnen will, schießt das Mädchen aus dem Fenster ihres Schlafzimmers mit einem Gewehr auf die wartenden Schüler. Spencer tötet Direktor Burton Wragg (53) und Hausmeister Mike Suchar (56), als diese die Kleinen in Sicherheit bringen wollen. Zudem werden acht Kinder und ein Polizist verletzt. Anschließend verschanzt sich die Täterin im Haus, dabei wird sie von einem Journalisten angerufen. Auf die Frage nach dem Grund für die Schüsse antwortet Spencer am Telefon: „Ich mag keine Montage. Das hier belebt den Tag.“ Auf Englisch: „I don't like mondays. This livens up the day.“

Irgendwann gibt Brenda Spencer auf, wird verhaftet und angeklagt, nach Erwachsenenstrafrecht. Dabei kommt zu Tage, dass das Mädchen unter einer Reihe an psychischen und sozialen Problemen leidet und das Gewehr von ihrem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommt hat. Sie erklärt sich für schuldig und wird am 4. April 1980, einen Tag nach ihrem 18. Geburtstag, zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. Alle Gesuche auf Entlassung wurden bisher, Stand Januar 2019, abgelehnt. An der Schule hängt heute eine Plakette, die der Getöteten Wragg und Suchar gedenkt. Eine Sammlung von Zeitungsberichten findet sich hier.



Eine schlimme Geschichte, aber wie kommt eine irische Rockband dazu, darüber ein Lied zu schreiben? Folgendermaßen: Als Bob Geldof gerade mit Keyboarder und Co-Komponist Johnnie Fingers in Atlanta bei einem Radiointerview sitzt, rattert eine Meldung über diesen Vorfall aus der Telex-Maschine. Das Zitat der Täterin setzt sich im Kopf des Sängers fest. Später sagt er dazu: „Montage nicht leiden zu können, ist ein sonderbarer Grund dafür, Leute umzubringen. Auf dem Weg ins Hotel habe ich zur mir selbst gesagt: ‚Silicon chip inside her head had switched to overload‘. Das habe ich dann aufgeschrieben. ‚Tell Me Why?‘ hatte der Journalist gefragt, mit dem das Mädchen telefoniert hatte. Es war die perfekte sinnlose Tat und der perfekte sinnlose Grund dafür. Also habe ich vielleicht den perfekten sinnlosen Song darüber geschrieben. Ich wollte keine Tragödie ausnutzen.“

Die Single hält sich im Sommer 1979 vier Wochen an der Spitze der britischen Charts

Geldof und Fingers konzipieren das Stück angeblich zunächst als Reggae-Nummer, später wird daraus ein Poprock-Song mit Piano. Den führen die Boomtown Rats einen Monat später bereits bei einem Konzert auf. Am 13. Juli 1979 erscheint I Don’t Like Mondays dann als erste Single des dritten Albums The Fine Art Of Surfacing – obwohl der Sänger zunächst Zweifel an deren Hitpotenzial hegt. Zu Unrecht, denn die Nummer erreicht unter anderem in Großbritannien Platz eins, in Deutschland immerhin Rang sechs, und wird zu einem Radiostandard. Lediglich die Sender in der Gegend von San Diego halten sich nachvollziehbar zurück. Das Video entsteht nach vagen Ideen von Geldof und greift wie der Songtext das Geschehene nicht direkt auf.



Die Veröffentlichung des Stückes hatten die Eltern von Brenda Spencer noch zu verhindern versucht, allerdings vergeblich. Die Mörderin selbst meldet sich später bei Geldof, wie der berichtet: „Sie schrieb mir, dass sie froh darüber ist, es getan zu haben, weil ich sie berühmt gemacht habe – womit sich nicht gut leben lässt.“


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