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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.2002 passiert ein Mord zu „Used To Love Her“ von Guns N’ Roses.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.2002.

von Christof Leim

Man soll Rocksongs ja nicht immer für bare Münze nehmen, vor allem, wenn sie offensichtlich als Scherz gemeint sind. Am 17. August 2002 allerdings hat ein Herr aus Jacksonville, Florida da aber was durcheinandergebracht: Justin B. lädt sich an diesem Tag die Guns N’ Roses-Nummer Used To Love Her runter – und bringt ein paar Stunden später seine Frau um.



Der Songtext wurde deshalb später sogar im Gerichtssaal untersucht. Darin heißt es: „I used to love her, but I had to kill her, and I still can hear her complain“, auf Deutsch: „Ich habe sie mal geliebt, aber ich musste sie töten, und ich kann ihr Gemecker immer noch hören.“ In der Verhandlung verteidigt sich der damals 30-Jährige laut ABC News damit, seine Ehefrau und er seien überfallen worden, dabei habe der Täter auf beide geschossen. April B. stirbt, Justin B. selbst trägt vier Schusswunden davon, die Ermittler als „oberflächlich“ beschreiben. Zudem kommen eine Affäre, Schulden und eine hohe Versicherungssumme ans Tageslicht, vor allem aber die Erkenntnis, dass der Mann sechs Monate vor der Tat im Internet unter anderem zu Schusswunden in die rechte Hälfte des Brustkorbs recherchiert hat. Weil auch die forensische Untersuchung am Tatort seiner Geschichte widerspricht, wird er voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Used To Love Her hatte Justin B. erst am Tag der Tat zusammen mit 15 anderen runtergeladen – doch nur diesen einen hatte er gelöscht.

Den Gag hinter der Nummer kann man eigentlich nicht missverstehen. Vielleicht ließ sich Herr B. also tatsächlich inspirieren oder fand den Text einfach passend am Tag seines Vorhabens. Beides wäre krass, kann man den Komponisten allerdings nicht zur Last legen. Dabei mussten sich Guns N’ Roses tatsächlich für das offensichtlich ironische Lied rechtfertigen, seit es am 29. November 1988 auf der Übergangsplatte GNR Lies erschienen war. Auf dem Cover steht dazu sogar: „Ein Witz, mehr nicht. Eigentlich selbsterklärend, wenn ihr mich fragt!“

Irgendeinen Ärger gibt’s mit diesen Jungs immer…

Spaß macht Used To Love Her tatsächlich, ein flotte halbakustische Rock’n’Roll-Nummer im Stile von Dead Flowers der Rolling Stones. Hier reichen die Akkorde D, G und A sowie ein gewisser Swing im Popo bereits aus, und wie man im Video sehen kann, muss sogar Axl beim Singen grinsen. Abgesehen von Slashs tollem und country-gefärbtem Solo lässt sich das Ding prima und ohne Todesgefahr auf der Akustikklampfe schrammeln. Ausgekoppelt wird der Track allerdings nur als B-Seite einiger späterer Editionen der Paradise City-Single, dient aber als Vorlage für ein T-Shirt-Motiv. Die erste Liveaufführung passiert am 30. Oktober 1987 in New York, während der Tour zu Appetite For Destruction taucht Used To Love Her öfter, später nur noch sporadisch in den Setlisten auf.

„Used To Love Her“ als Shirtmotiv

Viele Zuhörer gehen davon aus, dass Axl Rose hier über eine Freundin oder eher Ex-Freundin singt. (Sein „Sweet Child O’ Mine“ Erin Everly kann es allerdings nicht gewesen sein, denn die heiratet er 1990 sogar.) Gitarrist Izzy Stradlin widerspricht: „Ich habe im Radio einen Song gehört, in dem ein Typ darüber rumheult, wie eine Frau ihn schlecht behandelt. Ich wollte das Gerät echt an die Wand werfen – was ein Selbstmitleid, was ein Waschlappen! Also haben wir den Song nochmal selbst geschrieben, aber mit einem besseren Ende.“ Bassist Duff McKagan findet: „Wer sich daran stört, hat keinen Humor.“ Und Slash eröffnet: „Genaugenommen handelt das Stück von Axls Hund…“





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