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Popkultur

10 Songs, die jeder Muddy Waters-Fan kennen muss

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Für viele ist er der größte Bluesman, der je in ein Mikrofon geheult hat. Allein die schiere Anzahl an hochkarätigen Rockbands, die sich nach seinen Songs benannten, seine Songs coverten und leider oft auch seine Musik stahlen, macht deutlich, welche Schlüsselposition der (vermutlich) 1913 in Mississippi geborene McKinley „Muddy Waters“ Morganfield in der Musikgeschichte einnimmt. Wie kein anderer steht er für die Transformation von Blues zu Rock, seine frühen Aufnahmen und späteren Plattenveröffentlichungen bilden ein Herzstück des Nachkriegsblues. An dieser Musik führt kein Weg vorbei. Hier kommen zehn Klassiker von Muddy Waters für die Ewigkeit.


Hört euch hier einen Vorgeschmack unserer 10 Songs, die jeder Muddy Waters-Fan kennen muss, an:

Zur ganzen Playlist klickt auf „Listen“.

1. I Can’t Be Satisfied

Die musikalischen Wurzeln und Anfänge von Muddy Waters liegen tief im Süden der USA, doch 1943 verließ er seine Heimat Stovall, Mississippi und zog nach Chicago. Dort begann er in den Blues-Clubs zu spielen und zog die Aufmerksamkeit der Plattenfirmen auf sich. 1948 veröffentlichte er seine erste Single: I Can’t Be Satisfied wurde zu einem Hit in der Blues-Szene und zeigt, mit was für einfachen Mitteln Muddy seiner Magie entfalten konnte: Er mit seiner Slide-Gitarre und Ernest „Big“ Crawford dezent mit Slap-Bass – roh, unfertig, perfekt.


2. Rollin’ And Tumblin’

1950 nahm Muddy Rollin’ And Tumblin’ auf, unter anderem zusammen mit Baby Face Leroy. Der Song tauchte bereits in den 1920er-Jahren auf, in der Folgezeit spielte ihn von Robert Johnson bis zu Cream so gut wie jede Blues-Instanz. Doch Waters’ Version wurde letztendlich diejenige, mit der man Rollin’ And Tumblin’ automatisch in Verbindung bringt. Kein Wunder bei all der positiven Ausstrahlung, mit der er diese ausgelassene Schnaps- und Frauen-Geschichte interpretiert.


3. Rollin’ Stone

Kurz darauf spielte Muddy eine noch legendärere Nummer ein, die ihn als Ideengeber und Pionier der Rockmusik unsterblich machen sollte: Rollin’ Stone wurde auch deshalb zu einem der bekanntesten Waters-Songs, weil sich eine recht erfolgreiche Rockband nach ihm benannte. Die Nummer ist auch bekannt als Catfish Blues, ein Blues-Standard aus dem Mississippi-Delta, den Muddy schon früh spielen lernte. Auch der junge Jimi Hendrix spielte den Song, unüberhörbar als Hommage an Muddy Waters gedacht, und entwickelte seine Version des Catfish Blues irgendwann zum Klassiker Voodoo Child weiter.


4. (I’m Your) Hoochie Coochie Man

Die 1950er-Jahre wurden ein wahres Hit-Jahrzehnt für Muddy, einige Male schaffte er es in die Top Ten der R&B-Charts. 1954 gelang ihm ein weiterer Klassiker: Willie Dixon, einer der Songwriter von Muddys Chicagoer Label Chess Records, schrieb ihm I’m Your Hoochie Coochie Man auf den Leib. Auch dieser Song knüpft an die Vergangenheit an: Der Text bezieht sich auf Hoodoo, ein mystisches Ritual der ländlichen Südstaaten, eine Zauberlehre ähnlich dem Voodoo. Muddy zitiert aber natürlich auch den Hoochie Coochie, einen sexuell aufgeladenen amerikanischen Tanzstil, der vom arabischen Bauchtanz beeinflusst ist. Alles Dinge, die Teil von Muddy Waters’ Persönlichkeit waren.


5. Just Make Love To Me

Sexuell aufgeladen war auch diese Nummer, erneut von Willie Dixon geschrieben: Die auch unter dem Namen I Just Want To Make Love To You bekannte Single erschien 1954 und wurde von Muddy mit der besten Blues-Besetzung eingespielt, die Chicago damals zu bieten hatte: Little Walter an der Mundharmonika, Pianist Otis Spann, Willie Dixon am Bass Fred Below am Schlagzeug und Jimmy Rogers als weiterer Gitarrist. Muddy selbst war natürlich längst von der akustischen auf die elektrische Gitarre umgestiegen, um sich gegen die Lautstärke des Publikums in den Clubs Chicagos behaupten zu können.


6. I’m Ready

Aus der selben Phase stammt auch I’m Ready, ebenfalls 1954 eingespielt mit oben genannter Band. Für Muddy wurde auch dieser Song so sehr Teil seiner DNA, dass er ihn über die Jahre immer wieder neu einspielte – etwa 1969 für sein Album Father And Sons oder 1978 für das gleichnamige Album I’m Ready, für das er mit einem Grammy ausgezeichnet wurde.


7. Mannish Boy

1955 erschien Mannish Boy, eine unüberhörbare Antwort auf Bo Diddleys I’m A Man. Mit dieser Nummer gelang Muddy erstmals auch der Einzug in die allgemeinen Pop-Charts, mit einem 51. Platz in Großbritannien – allerdings erst im Jahr 1988, 33 Jahre nach der ersten Veröffentlichung. Bo Diddley dürfte übrigens nicht besonders wütend gewesen sein, dass sich Waters seinen Song so deutlich aneignete, denn er erhielt Credits und Tantiemen für Mannish Boy.


8. Got My Mojo Working

1956 beschwor Muddy Waters ein weiteres Mal den Hoodoo-Zauber in Got My Mojo Working. Mojo bezeichnet nämlich in der afrikanischen Kultur ein magisches Amulett, erst später entwickelte sich die sexuelle Bedeutung des Begriffs. Wie Rollin’ Stone inspirierte auch dieser Song viele spätere Entwicklungen in der Popkultur, etwa das Musikmagazin Mojo, Jim Morrisons Spitzname beziehungsweise Pseudonym Mr. Mojo Rising oder, ganz plump, eine Sorte Kaubonbons. Blues-Referenzen soweit das Auge reicht, sozusagen.


9. You Shook Me

You Shook Me aus dem Jahr 1962 war ein ungewöhnlicher Schritt für Muddy: Der Text dieses Songs stammte von Willie Dixon und JB Lenoir, die Musik stammte von Earl Hooker, der das Instrumental zuvor als Blue Guitar veröffentlicht hatte. Auch wenn dem Song kein Charterfolg vergönnt war, erhielt er später durch aufstrebende Blues-Epigonen die würdige Verehrung: Sowohl Led Zeppelin als auch The Jeff Beck Group coverten den Song.


10. You Need Love

Eines der berühmtesten Cover eines Muddy-Waters-Songs stammt ebenfalls von Led Zeppelin, nämlich ihre Interpretation von You Need Love – jedem bekannt als Whole Lotta Love. Einer der größten Rocksongs der Geschichte wäre also undenkbar ohne einen der größten Bluesmusiker. Aber diese Verwandtschaftsverhältnisse der Rockhistorie muss man ja niemandem mehr erklären. Fest steht: Muddy Waters, der Godfather des Blues und Bluesrock, lebt nicht nur in seinen eigenen Meilensteinen weiter, sondern in jeder neuen Generation, die den Blues und seinen Sprössling Rock’n’Roll für sich entdeckt.


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Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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