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Popkultur

Die musikalische DNA von B.B. King

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Es gibt den King und die Queen des Pops, den King of Rock und alle müssen sie sich doch vor einem verbeugen: dem King of Blues. B.B. King mag zwar bei weitem nicht der einzige Künstler sein, der dabei war, als der Sound des Mississippi-Deltas die Welt eroberte. Neben Gitarristen wie Albert King und Freddie King sowie als Nachfolger von mystischen Blues-Legenden wie Robert Johnson indes sorgte er dafür, dass der Blues auf die ganz großen Bühnen kam. Sein Handwerk hatte der 2015 im hohen Alter verstorbene King von der Pieke auf gelernt.


Hört euch hier B.B. Kings musikalische DNA als Playlist an und lest weiter:


Was King auszeichnete, war nicht allein sein virtuoses Spiel. Ganz besonders berühmt machte ihn die emotionale Palette, die seine Musik so facettenreich machte. Von einfühlsamen Balladen hin zu rotzigem Rock, King blieb immer authentisch, intim und “true blue”. Sein Handwerk hatte er in Kirchen, im Radio und in abgehalfterten Spelunken gelernt. Er bewies sich als ein Ausnahmetalent, von dem selbst die größten Stars der Neuzeit mit wahrer Ehrfurcht sprechen. Welche Songs, Stile und Künstler ihn selbst beeinflusst haben, erfahren wir mit Blick auf seine musikalische DNA.


1. Harlem Gospel Singers – Precious Lord

Bevor der junge B.B. – eigentlich: Riley B. – King in den Kneipen auf Ochsentour ging, sang er in der Elkhorn Baptist Church im Dörfchen Kilmichael in der Wiege des Blues-Sounds, Mississippi. Tatsächlich kam der Knirps nicht etwa wegen seiner eigenen Gottesfurcht zur Andacht, sondern wegen der Musik. Insbesondere die Gitarre des Pastors hatte es ihm angetan…

Eben jener Pastor brachte dem wissbegierigen Jungen seine ersten Akkorde bei. Dass der Schüler bald darauf dem säkularen Blues-Sound verfallen sollte, konnte er ja noch nicht ahnen. Die Zeit im Kirchenchor vergaß King allerdings auch nie. Gospelstandards wie Precious Lord gehörten Zeit seiner Karriere fest ins Repertoire!


2. Bukka White – The Panama Limited

„Ich hatte diesen Cousin, schätzungsweise der einzige aus meiner Familie, der Berühmtheit erlangt hat: Bukka White“, berichtete B.B. King über einen seiner frühesten Einflüsse. „Ich mochte Bukka und mir gefiel auch sein Spiel. So wie er wollte ich aber nie spielen, mit Ausnahme seines Slide-Spiels. Aber er brachte mir so viele andere Sachen bei! Er sagte zu mir: Wenn du ein Blues-Musiker bist, musst du dich immer so anziehen, als wolltest du zur Bank gehen, um dir Geld zu leihen!“

À propos Leihgaben: Angeblich soll White dem Cousin auch seine erste Gitarre verschafft haben. Anderen Quellen zufolge soll sich B.B. die 15 Dollar für sein erstes Instrument hart erspart haben. Welche der beiden Versionen auch immer stimmt: King nennt White als eine der Personen, ohne die er vermutlich nie Musiker geworden wäre.


3. Robert Johnson – Cross Road Blues

Spätestens mit 16 Jahren war es um King geschehen. In einer Radioshow hörte er den Sound des Mississippi Delta-Blues. Für den jungen Gitarristen stand fest: Er wollte unbedingt ins Radio! Bevor es aber soweit kam, verließ er das beschauliche Kilmichael, um sich im Städtchen Inverness dem Famous St. John’s Quartet anzuschließen und in Kirchen aufzuspielen. Sein Ruf eilte ihm bald voraus und ehe er sich versah, war sein erster Traum Wirklichkeit geworden: B.B. King durfte beim örtlichen Radiosender WGRM den Blues performen.

Damit führte der spätere King of Blues das Erbe des King of the Delta Blues weiter, Robert Johnson. Johnson ist eine der mysteriösesten Figuren der Musikgeschichte. Nur wenige Fotos existieren, so gut wie nichts ist über ihn bekannt und wilde Mythen ranken sich um sein Leben. Was aber fest steht: Er schenkte der Welt einen Sound, an dem auch B. B. King sein Gehör schärfte.


4. T-Bone Walker – Call It Stormy Monday (But Tuesday Is Just As Bad)

Johnson, von dem nur wenige Aufnahmen überliefert sind, war aber noch lange nicht der einzige Gitarrenheld des jungen Musikers. In den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren schaute sich King bei T-Bone Walker die wichtigsten Kniffe ab. „T-Bone Walker hatte einfach dieses bestimmte Etwas, das niemals jemand nachahmen konnte“, schwärmte King. „Er hat seine Gitarre auf ganz komische Art und Weise gehalten, sie von sich weg geneigt, anstatt sie flach auf seinem Bauch ruhen zu lassen. Als würde er Steel-Gitarre spielen!“

T-Bone Walker war auch deswegen ein wichtiger Einfluss für King, weil er ihm die Möglichkeiten der elektrischen Gitarre nahe brachte und seinen Blues-Sound mit Jazz-Elementen anreicherte. Die Offenbarung kam über King, als er Call It Stormy Monday (But Tuesday Is Just As Bad) entdeckte. „Als ich das hörte, wusste ich, dass ich mir sofort eine elektrische Gitarre zulegen musste! T-Bone hat auch viele Bläser verwendet – Trompete, Alt, Tenor und Bariton. Das ergab einen wunderschönen Sound. Der beste, den ich je gehört habe.“


5. Django Reinhardt – Django’s Tiger

Es war nicht allein der Blues seiner Heimat, der B.B. King inspirieren sollte. Ebenso sog er den neuen Sound auf, der auf der anderen Seite des großen Teichs angesagt war. „Ein Kumpel von mir hat zur selben Zeit gedient wie ich“, erinnerte er sich. „Er wurde nach Übersee verschifft und hörte von diesem Club namens The Hot Club of France. Er ging hin und hörte dort diesem Gitarristen zu, Django Reinhardt. Mein Kumpel wusste, dass ich auf Gitarre stehe und schickte mir ein paar Platten von diesem Typ. Ich habe mich total verliebt.“

Reinhardt war kein Blues-Gitarrist, sondern spielte eine Art von Jazz, die auf zweierlei Arten besonders war. Einerseits verarbeitete der gebürtige Belgier in seiner Musik seine Sinti-Wurzeln. Andererseits hatte der findige Reinhardt nach einem Unfall, der seine linke Hand stark beschädigte, eine virtuose Spieltechnik entwickelt, für die er lediglich den Zeige- und den Mittelfinger benötigte. Zusammen mit seinem lässigen Auftreten machte das den enigmatischen Gitarristen zu einer absoluten Ausnahmefigur, deren Magie noch in Amerika zu spüren war.


6. Fats Domino – Goin’ Home

Derweil sich B.B. King beim Radio einen Namen machte, mutierte der zwei Jahre jüngere Fats Domino zu einem Star. Die Allüren des Rock’n’Roll-Vorreiters waren denkwürdig: Hunderte von Schuhen und Dutzende von Koffern soll Domino auf seine rund 200 jährlichen Konzerte mitgenommen haben. Vorbereitung ist eben alles. Sein Gebaren sei ihm verziehen: Domino war fast der größte Star der fünfziger Jahre. Fast? Na ja, es gab da noch jemand anderen… „Seien wir doch mal ehrlich: Ich kann nicht so singen wie Fats!“, sagte niemand Geringerer als Elvis Presley über den Kollegen.

Dominos energischer Sound ging auch an King, der mit dem Überflieger manchmal die Bühne teilte, vorüber. Auch King begann zunehmend, seinen Blues mit fetzigen Rock-Elementen aufzumotzen. Im Jahr 2007 fand er sich gemeinsam Ivan Neville und seiner Band Dumpstaphunk im Studio ein, um für die Compilation Goin’ Home: A Tribute to Fats Domino den Titelsong neu zu interpretieren. Und wenn schon nicht Elvis, dann kann zumindest einer dem überragenden Domino das Wasser reichen: B.B. King. Oder seht ihr das anders?


7. Frank Sinatra – Deep In A Dream

Elvis wurde häufig dafür kritisiert, dass er als weißer Künstler schwarze Musik für ein weißes Publikum neu aufbereitet habe und damit Weltruhm erlangte. Anders sieht es bei Frank Sinatra aus, auf den B.B. King kein schlechtes Wort kommen ließ. King, der sich selbst als „Sinatra-Narr“ bezeichnete, wurde von „Ol’ Blue Eyes“ während der sechziger Jahre sogar nach Las Vegas eingeladen. King betonte immer wieder, dass der Ausnahmesänger vielen schwarzen Künstler Tür und Tor geöffnet hätte.

Vor allem der Albumklassiker In The Wee Small Hours hatte es King angetan. Angeblich hörte er es jede Nacht vor dem Einschlafen! „Du konntest all den Schmerz und das Glück in seiner Stimme hören, es war einfach wunderbar, wie er sein ganzes Leben in diese Songs verpackte“, schwärmte King in seiner Autobiografie Blues All Around Me. „Er sang immer die Wahrheit.“ Vom King of Blues ist das mehr als nur ein Kompliment!


8. The Rolling Stones – Sympathy For The Devil (Live)

Als schwarzer Musiker hatte es King trotz der Hilfe eines Schwergewichts wie Sinatra nicht immer leicht. In den sechziger Jahren verhalf ihm Eric Clapton, der zuvor mit den Yardbirds und Cream dem Blues Rock einen neuen Anstrich gegeben hatte, zu neuer Anerkennung beim überwiegend weißen Publikum. Blues war endlich wieder angesagt und auch King durfte als einer der Pioniere davon profitieren. Dass er bei einer Amerika-Tour der Rolling Stones aber lediglich im Vorprogramm und nicht selbst als Headliner spielte, scheint eher wie eine Ironie der Geschichte.

Doch die Konzerte, die King als Support der Stones im New Yorker Madison Square Garden gab und die zu Teilen auf deren unvergessenen Get Yer Ya-Ya’s Out!-Live-Album festgehalten wurden, verschafften ihm immerhin neue Aufmerksamkeit im Showgeschäft. Derweil King im Laufe seiner Karriere mehrmals mit Clapton zusammen fand, so nahm er mit den Stones lediglich 1997 einen Song auf, eine gemeinsame Version seines Klassikers Paying The Cost To Be The Boss. Nach Kings Tod im Mai 2015 zeigten sich Mick Jagger und Keith Richards in einem Fanfragerunde auf Twitter bestürzt von dessen Ableben. „B.B. war ein toller Typ“, so Richards. „Ein echter Gentleman. Ich werde ihn sehr vermissen.“


9. U2 – Where The Streets Have No Name

Nicht nur die Rolling Stones, sondern ebenfalls U2 zeigten ihre Trauer über den Verlust des King of Blues öffentlich. Auch sie durften gemeinsam mit ihm einen Song aufnehmen, auch sie lenkten damit wieder Aufmerksamkeit auf den Ende der achtziger Jahre beinahe in Vergessenheit geratenen Musiker. When Love Comes To Town schrieben die Iren gemeinsam mit der Blues-Legende für ihr Album Rattle and Hum, sogar Little Richard war auf einem alternativen Mix des Stücks mit einer funkigen Rap-Einlage zu hören.

King war nicht der einzige Künstler, dem die Band auf der während der Joshua Tree-Tour entstandenen Sammlung aus Live-Stücke, neuen Songs und Coverversionen Tribut zollten. In der Doku BB King: The Life of Riley erinnerte sich Bono an die Aufnahmen. „Wir zeigten ihm die Akkorde und er sagte nur: ‚Gentlemen… Akkorde spiel‘ ich nicht! Ich mach nur das‘“, lachte Bono und ahmte mit den Händen nach, wie der King den jüngeren Kollegen den Blues vorspielte. „Ich liebe den Song“, sagte King im selben Film gegenüber Bono. „Ich denke, diese Lyrics sind echt heavy.“ Obwohl er keine falsche Scheu hatte: der Respekt vor Bono und seiner Truppe war ihm anzumerken.


10. Kendrick Lamar – m.A.A.d city

Was früher der Blues war, das ist heute Rap. Noch immer bringen in der Musik schwarze KünstlerInnen eine dezidiert schwarze Perspektive zum Ausdruck. Im Unterschied zu den segregierten fünfziger Jahren allerdings hat es ein schwarzer Künstler wie Kendrick Lamar heutzutage zum Glück einfacher als ein B.B. King damals. Ein Zufall wird es allerdings wohl kaum sein, dass ein Track von Lamars Durchbruchsalbum good kid, m.A.A.d city ausgerechnet auf ein King-Stück anspielt.

Der inoffizielle Titeltrack m.A.A.d city, den Kendrick gemeinsam mit MC Eiht einrappte, bricht in der Mitte des Stücks unvermutet ab und geht in einen schweren Oldschool-Rhythmus über. Das markante Streichermotiv im Hintergrund haben sich Lamar und Eiht von B.B. King aus dessen 1970 erschienenem Song Chains and Things geliehen. Lamar ist indes nicht der einzige Rapper, der auf die Musik des King of Blues schwört: MF Doom, Ice Cube, 50 Cent und sogar A$AP Rocky haben auf seine Musik zurückgegriffen. Mit der Neunziger-Ikone Heavy D nahm B.B. King sogar seine ganz eigene Version eines Hip Hop-Tracks auf. Wohin er sich umschaute, B.B. King konnte überall den Blues aufspüren!


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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1935 kommt Alex Harvey zur Welt.

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Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Besonders geradlinig verläuft die Karriere von Alex Harvey und seiner Sensational Alex Harvey Band nicht. Dennoch gehört der schottische Musiker zu den bekannteren Gesichtern der britischen Rockmusik der Siebziger. Heute hätte er Geburtstag gefeiert. 

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Alex Harvey anhören: 

Das Licht der Welt erblickt Alexander James Harvey am 5. Februar 1935 in einem Arbeiterstadtteil von Glasgow. Bevor er seinen Weg als professioneller Musiker einschlägt, jobbt er unter anderem als Kellner und als Dachdecker. Zeitweise graviert er sogar Grabsteine. Zu Beginn der Fünfziger begeistert er sich für Dixieland-Jazz und Skiffle, bevor er ab 1954 selbst die Bühnenbretter betritt.

Im Vorprogramm der Beatles

Ab 1958 reist Harvey mit seiner Big Soul Band durch England und Deutschland. Schnell entwickelt er sich zu einem der Aushängeschilder der britischen R&B-Szene, obwohl er auch Rocksongs zum Besten gibt. So spielt er am 20. Mai 1960 mit seiner Big Beat Band im Vorprogramm von Johnny Gentle And His Group. Hinter dem Kürzel „His Group“ verbirgt sich niemand Geringeres als die späteren Beatles, die zu jener Zeit noch aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Tommy Moore bestehen. Es handelt sich um den ersten Termin einer siebentägigen Schottland-Tour.

Hier tourt Alex Harvey mit. Eigentlich heißen die Beatles zu jener Zeit aber noch The Silver Beetles. Wer hat George sofort erkannt?, Foto: Buchcover

Gegen Ende der Sechziger versucht er es als Solokünstler, doch der Durchbruch bleibt aus. Der folgt dann zu Beginn der Siebziger, nach einem kleinen Umweg als Session-Musiker für die Londoner Inszenierung des Musicals Hair. Denn jetzt gründet er die Sensational Alex Harvey Band.

Die großen Erfolge

Mit der Gruppe bleibt Harvey während der gesamten Siebziger erfolgreich, steigt von 1976 bis 1978 allerdings kurzzeitig aus. Schon auf dem Debüt Framed (1972) liefert die Band Granaten wie Midnight Moses und den Titelsong Framed aus der Feder des Songschreiber-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller ab. Zeitgleich erobert der Glam Rock das Vereinigte Königreich und später auch den Rest Europas. Harvey und seine Mitmusiker greifen den Stil auf. So entdeckt er zu jener Zeit sein legendäres, schwarz-weiß-gestreiftes Shirt. Gitarrist Zal Cleminson setzt noch einen drauf und tritt in Pantomime-Schminke und gelb-grünem Overall auf.

Mit einer Coverversion des Tom-Jones-Songs Delilah landet die Band 1975 einen Top-Ten-Hit, auch der Song The Boston Tea Party (1976) feiert große Erfolge. 1978, kurz nach Harveys Rückkehr, erscheint mit Rock Drill das letzte Album der Band. Im Anschluss veröffentlicht er zwei weitere Soloplatten und geht ab 1979 wieder auf Tour. Doch leider stirbt Alex Harvey am 4. Februar 1982 einen Tag vor seinem 47. Geburtstag an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Söhne, einen aus jeder seiner beiden Ehen.

Zeitsprung: Am 9.1.1975 endet die Geschichte der Beatles offiziell

 

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Popkultur

10 Songs von Alice Cooper, die man kennen sollte

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Alice Cooper
Foto: Grant Lamos IV/Getty Images

Schock-Schminke, Schauer-Schlangen und schreckenerregende Songtexte: Alice Cooper hat den Schockrock zwar nicht erfunden, doch er hat ihn als erster auf die Spitze getrieben. Seit knapp 60 Jahren steht er nun auf der Bühne. Diese zehn Songs gruseln uns bis heute — auf die gute Art!

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Alice Cooper anhören:

Ob Vincent Damon Furnier schon bei seiner Geburt am 4. Februar 1948 geschminkt war, ist nicht überliefert — doch wir gehen davon aus. Die Geschichte seiner ersten großen Band Alice Cooper reicht bis ins Jahr 1964 zurück. „In der Highschool haben uns alle gehasst“, erinnert er sich in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Sehr lange Zeit mochte uns wirklich niemand.“ Das ändert sich Anfang der Siebziger, denn mit ihrer Single I’m Eighteen gelingt Alice Cooper der Durchbruch. In Windeseile erobert die Gruppe die Musikwelt; ab Mitte der Siebziger spielt Furnier seine Rolle als Alice Cooper solo weiter. „Ich wollte einen Charakter spielen, der so ist, wie ich mir den besten Rockstar aller Zeiten vorstelle“, erzählt er. „Also habe ich Alice so kreiert, wie ich das wollte: ein bisschen böse, lustig, total gruselig, aber auch elegant. Alice ist mein allerliebster Rockstar.“ Unserer auch! Das sind seine zehn besten Songs.

1. I’m Eighteen (1970)

„I’m eighteen and I like it“ — Selten wurde die Volljährigkeit mit mehr Begeisterung besungen. Ursprünglich handelte es sich bei I’m Eighteen um eine achtminütige Jam-Session, doch Produzent Bob Ezrin überredete Alice Cooper dazu, den Song auf drei Minuten einzudampfen. Zum Glück — acht(zig)minütige Jam-Sessions gab es in den Sechzigern nun wirklich genug.

2. Under My Wheels (1971)

Bei Under My Wheels handelt es sich um die erste Single vom vierten Alice-Cooper-Album Killer (1971). Seitdem hat er das Stück auf wirklich jeder(!) Tour zum Besten gegeben, weshalb Under My Wheels Platz drei von Coopers meistgespielten Live-Songs belegt. 1988 nahm Cooper die Nummer übrigens noch einmal auf, und zwar mit Guns N’ Roses. Im Gegenzug ist Cooper auch in The Garden von Use Your Illusion I zu hören.

3. School’s Out (1972)

Keinen Song hat Alice Cooper häufiger live gespielt: Mehr als 2.900(!) Mal war School’s Out auf den Konzerten des Schockrockers zu hören, also quasi acht Jahre lang jeden Tag einmal. Dass Cooper und sein Publikum so viel Freude an dem Stück haben, überrascht nicht. Schließlich hat er selbst einmal gesagt: „Die beiden schönsten Zeiten des Jahres sind der Weihnachtsmorgen und der Beginn der Sommerferien.“

4. No More Mr. Nice Guy (1973)

Wer hinter diesem Titel Autobiografisches vermutet, ist auf dem richtigen Weg. In No More Mr. Nice Guy beschäftigt sich Cooper mit den Reaktionen der Kirchengruppe seiner Mutter auf seine mitunter okkult-gruseligen Bühnenauftritte. „Jetzt gibt es keinen Weg zurück“, meint er mit dem Titel. Gut so! Was hätten wir in den vergangenen Jahrzehnten bloß ohne unsere Tante Alice gemacht.

5. He’s Back (The Man Behind The Mask) (1986)

Ganze 13 Jahre liegen zwischen dem vierten und dem fünften Song unserer Liste. 13 Jahre, in denen Alice Cooper erfolgreich solo durchstartete, aber auch heftig abstürzte. An manche seiner Alben aus den Achtzigern kann er sich aufgrund seines Drogen- und Alkoholkonsums noch nicht einmal erinnern. Dieser Titel passt also zu seinem Mini-Comeback 1986 — und zum Soundtrack des Films Freitag der 13. Teil VI – Jason lebt.

6. Poison (1989)

Wann immer es um die größten Rockhymnen aller Zeiten geht, darf dieser Song nicht fehlen. In den Achtzigern hatte sich Alice Cooper durch seine Alkohol- und Drogeneskapaden beinahe selbst ins Aus geschossen, doch mit seinem 18. Studioalbum Trash gelang ihm der große Sprung zurück in den Mainstream. Bis heute handelt es sich um seine erfolgreichste Platte — und das nicht zuletzt aufgrund großer Hits wie Poison.

7. Bed Of Nails (1989)

Auch Bed Of Nails stammt von Coopers Über-Album Trash und geriet gleich hinter Poison zum zweiterfolgreichsten Song der Platte. Komponiert hat Cooper das Stück zusammen mit seinem Ex-Bassisten Kane Roberts, seinem Produzenten Desmond Child sowie mit Diane Warren, die nicht nur für Rockgrößen wie Elton John, Tina Turner und Aerosmith tätig war, sondern auch für Popstars wie Whitney Houston und Britney Spears.

8. Hey Stoopid (1991)

Hey Stoopid gehört nicht nur zu Alice Coopers berühmtesten Songs, sondern der Meister des Schockrock begrüßte für das Stück auch jede Menge Gaststars im Studio. Slash, Ozzy Osbourne, Steve Vai, Joe Satriani: Sie alle geben sich in der Nummer die Klinke in die Hand und unterstützen ihren Kumpel Alice bei seinem Rock’n’Roll-Auftrag. Die Botschaft des Songs: „Hey Dummerchen, lass das mit den Drogen doch einfach sein …“.

9. Snakebite (1991)

Wie oft Alice Cooper im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere von Schlangen gebissen wurde, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Doch wir wissen, dass es sich bei Snakebite um einen seiner allerbesten Songs handelt! Inhaltlich ist die Nummer quasi vertonter Machismo. „My face is tattooed in your shoulder / Your name is scratched into my bike“, singt Cooper darin. Na dann …

10. Feed My Frankenstein (1991)

Wer den Rockfilmklassiker Wayne’s World kennt, liebt bestimmt auch Feed My Frankenstein von Alice Cooper. Vor der legendären „Wir sind unwürdig!“-Szene besuchen die beiden Chaoten Wayne und Garth in dem Streifen nämlich ein Konzert des Schockrockers und kommen in den Genuss seiner damals brandneuen Single. Heute gehört die Nummer zu Coopers späten Klassikern — aus gutem Grund!

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Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von Alice Cooper stammen können

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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