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Popkultur

5 Wahrheiten über Paul McCartney – Teil 1

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Für alle Insider, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch 5 Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler/in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jeder Autor jemals könnte.

Wenn man bei Amazon die Stichworte “The Beatles” und “Biographie” eingibt, reihen sich die Ergebnisse auf ganzen 14 Seiten auf, etwa 160 Werke kommen da zusammen, und das sind nur die deutschen Bücher. Wenn man Paul McCartney eingibt, sind es sogar 53 Seiten voller Suchergebnisse! Ok, es sind Dopplungen darunter und auf den letzten Seiten hat sich wahrscheinlich das ein oder andere Plakat oder doch eine DVD auf den virtuellen Büchertisch geschlichen. Trotzdem: es ist eine stolze Menge an gefüllten Buchseiten, die da zusammen kommen über die Beatles und ihre Mitglieder. Dementsprechend scheint die Geschichte der Fab Four zunächst einmal auserzählt, alles wirkt hinlänglich bekannt. Jeder weiß das Wichtigste zur Supergroup, manche können das offiziell verbreitet Netz- und Archivwissen gar um eigene Anekdoten erweitern. Damals, als die Beatles auf der Reeperbahn in Hamburg u.s.w.

Und wenn wir ehrlich sind, gibt es nur noch einen Beatle, der auch heute noch für gelegentlichen Wirbel sorgt: während John Lennon und George Harrison lange schon das Zeitliche gesegnet haben und Ringo Starr eher unter dem Radar läuft, auch wenn er noch regelmäßig Konzerte gibt, ist es Paul McCartney, der noch immer unermüdlich in Stadien spielt, wenig Berührungsängste mit der Jugend hat (Kollaborationen mit Kanye West, Rihanna und Co.), eine hochberühmte Tochter hervorbrachte und sich regelmäßig zu allem möglichen äußert, seien es die Rechte von Tieren oder jene der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi: Paul McCartney sagt gerne, was er denkt und setzt sich ein. Wir haben tief in den Archiven, Biographien, Fanblogs, “in diesem Internet” eben, gewühlt und präsentieren euch 5 Fakten, die ihr garantiert hoffentlich noch nie gehört habt über den großen Cutie der Beatles, Paul McCartney. Einer davon entstammt einer neuen Biographie über McCartney, die Paul Norman geschrieben hat. Norman konnte McCartney übrigens lange nicht ausstehen und lernte ihn erst während der Arbeit an der Biographie mögen – dafür nun umso mehr!


1. Paul war der Erste der Beatles, der sich für Avantgarde-Kunst und experimentellere Musik zu interessieren begann und steckte damit die anderen Beatles an.

Jap, man kann es sich nicht vorstellen, hat man doch John Lennon und Yoko Ono und ihre Performances vor Augen. Aber es war tatsächlich Paul “sweets” McCartney, der sich als Erster für Kunst zu interessieren begann. Biograph Philip Norman räumt das Klischee des rebellischen Lennon und des braven McCartneys aus: „Die Leute denken immer noch, McCartney sei der Taktvolle, Zuverlässige gewesen und Lennon der Rebellische, der alles kaputt schlägt […] Aber Paul war auch derjenige, der sich eine Aufführung von Luciano Berio [italienischer Komponist für experimentelle Musik] ansah oder seltsame New Yorker Kabarettbands wie The Fugs.” Norman will mit seiner Biographie auch die Vorstellung ausräumen, dass Lennon der große Kunst-Aficionado gewesen sei, der mit seiner Weggefährtin Yoko Ono am weißen Flügel sitzt und dadaistische Performancekunst betreibt, während McCartney der ewig-jugendliche, etwas brave Junge war. McCartney hat sich übrigens auch selbst schon als Maler versucht, die Versuche sind durchaus respektabel!

Im Studio soll es dann auch McCartney gewesen sein, der zum ersten Mal die Idee eines Field Recorders aufbrachte, mit dem er Umweltgeräusche aufnehmen und in die Stücke der Band einarbeiten wollte. Norman schreibt in seiner Biographie auch, McCartney habe sich schon als kleiner Junge – anders als Gleichaltrige – für Kunst interessiert. Das große Album Sgt. Peppers’ Lonely Hearts Club Band gibt einen Einblick in den Ozean der Ideen- und Experimentierfreudigkeit, auf dem McCartney und seine Bandkollegen segelten, und sich so endgültig unsterblich machten.


2. McCartney war beteiligt an der Entwicklung der Computertomographie

Okey, ganz ruhig, Paul McCartney wurde nicht der Physik-Nobelpreis vorenthalten! Die Geschichte geht so: EMI, das Label der Beatles hatte auch eine Forschungsabteilung, in der unter der Regie von Godfrey Hounsfield Computertechnologien erforscht wurden. Hounsfield war maßgeblich an der Erforschung der Röntgentomographie beteiligt, aus der in seinem Labor schließlich die Computertomographie, kurz CT, hervorging. Damit kann alles vom Knochenbruch bis zur Lymphknotenschwellung diagnostiziert werden. Und weil die Beatles so viel Geld verdienten und ihr Label reich machten wie Dagobert Duck, wollte EMI etwas Gutes tun und investierte in die Diagnostik unser aller Leberprellungen, yay! Die Computertomographie war in den 1970ern schließlich fertig entwickelt und ist heute technischer Bestandteil in jedem Krankenhaus.


3. Ohne Rivalen keine Competition? Paul McCartney fühlte sich von den Rolling Stones nie bedroht. Dafür wurde ihm jemand anderes gefährlich.

Die Musikpresse hatte sich das so gut ausgemalt: zwei britische Bands, hier die Pantyjäger und Antichristen, da die höflichen Pilzköpfe, die Anzugträger und Kirchgänger. “The Beatles want to hold your hand,” schrieb der Journalist Tom Wolfe, “but the Stones want to burn down your town.”

Diese Rivalität sei frei erfunden, betonten Beatles wie Stones immer wieder. Naja, vielleicht nicht ganz. Immerhin buhlten beide Bands gleichzeitig um die Aufmerksamkeit des britischen, amerikanischen und später globalen Publikums. Interessanterweise sind die Beatles eigentlich die Working Class Heroes aus der rauen Nachbarschaft in Liverpool, während die Stones wohlbehütet und gutsituiert in London aufwuchsen. Der Musiker, der McCartney im künstlerischsten Sinne am Engsten auf die Pelle rückte, war Brian Wilson von den Beach Boys. Beide waren Bassisten und komponierten einen Großteil der Songs für ihre Bands. McCartney war ein großer Fan des experimentellen “Pet Sounds”-Album, das als Quasi-Soloalbum von Wilson gilt, McCartney soll es jedem seiner Freunde als bestes Album ever empfohlen haben. Wilson sagte im Gegenzug, ihn habe Sgt. Pepper’s so eingeschüchtert, dass er fast aufgehört hätte, Musik zu machen. Die Rivalität scheint überwunden, gemeinsam gejammt wurde auch schon:


4. McCartney musste 1960 in ein Hamburger Gefängnis. Wieso? Darauf kommt man wirklich nicht einfach so.

Ganz am Anfang ihrer Karriere spielten die Beatles einen später berüchtigten Gig auf der Reeperbahn. Es gab aber offenbar Beschwerden über den Auftritt und die Engländer wurden mit viel Tamtam vom Hof gejagt. Man packte also etwas verdattert seine Sachen und da es im Backstageraum so dunkel war, kam McCartney auf die Idee, doch etwas für Licht zu sorgen. In Ermangelung anderer Utensilien entzündete McCartney ein Kondom. Wachtmeister Krause war sogleich zur Stelle und warf dem Beatle vorsätzliche Brandstiftung des Gebäudes vor. Alle Beatles mussten mit aufs Revier und durften einige – wahrscheinlich wenig lehrreiche – Stunden im Gefängnis verbringen. Es lebe die deutsche Willkommenskultur!


5. McCartney und der Brexit: Stimmte Paul für den Verbleib Großbritanniens in der EU oder gegen ihn?

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Hello oder Goodbye? Man(n) weiß es nicht so recht. “It’s crazy in England at the moment,” sagte McCartney 2016 in einem Interview mit “Le Parisien” aus Frankreich. “Everyone I talk to goes from one extreme to the other. I’m the same, I haven’t decided yet.” Er sei aber voll und ganz zufrieden mit der Entscheidung, die die Briten dann träfen. Ein Beatle als Mitläufer? Also wirklich, das ist aber keine lobenswerte Haltung. Paul, du bist ein Tastemaker und ein Aktivist mit Vorliebe zur Einmischung. Erhebe dich!

Am Ende hat McCartney übrigens gar nicht abgestimmt: Der Washington Post sagte er, seine Tour habe ihn daran gehindert und er konnte ganz einfach nicht zur Wahl gehen. Aber auch wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, wäre ihm die Entscheidung sehr schwer gefallen: “But even if I had have been able to, I was so confused. You were hearing what seemed to be good arguments on both sides”, führte er weiter gegenüber der Washington Post aus.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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