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Popkultur

David Bowie: Seine außergewöhnlichsten Kollaborationen

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Foto: Ron Galella/WireImage/Getty Images

Wir wissen alle, dass Dancing In The Streets nicht unbedingt der Zenit von David Bowie war. Viele andere Kollaborationen, Projekte oder Duette des Starman sind da schon viel eher zu empfehlen. Ein Streifzug durch die grenzenlose Welt des Pop-Chamäleons.

von Björn Springorum

Bowie, die Haute Couture des Pop

Wenn eine Karriere fast ein halbes Jahrhundert umspannt, dann passiert in dieser Zeit natürlich eine ganze Menge. Vorhergesehenes, Unvorhergesehenes, Magisches und Fragwürdiges. Wenn der Protagonist in dieser Karriere dann aber noch David Bowie heißt, dann strandet man in einem endlos changierenden, niemals innehaltendem, ewig einer inhärenten Evolution unterworfenen Kosmos, in dem kein Tag, kein Lied, kein Album dem anderen gleicht. Gemeinsam ist jede einzelne Phase im Schaffen des David Bowie originär. Prêt-à-porter überließ er schon immer am liebsten den anderen. Bowie, die Haute Couture des Pop.

Das gilt nicht nur für seine eigenen Werke, sondern in ganz besonderem Maße auch für seine zahlreichen Duette und Kollaborationen, die er über die Dekaden jenseits aller Norm und Erwartungshaltung anhäufte. Wie in seinem schizophrenen künstlerischen Schaffen liest sich auch die Liste seiner Projektpartner*innen wie der lysergische Traum eines parallelen Pop-Universums: Punks und Rapper*innen, Pop-Stars und Glam Rocker*innen, zeitgeistige Indie-Darlings und Elektro-Tüftler*innen. Annäherungugen an einen der größten Künstler aller Zeiten gibt es zur Genüge, Versuche, sein Wesen zu ergründen, auch. Als überraschend probate Methode, um zum Kern von Bowies schaffen vorzudringen, erweist sich aber tatsächlich der Zugang über all die Menschen, die mit dem Starman arbeiten durften.

Lou Reed

So wie Lou Reed zum Beispiel. Den kannte und verehrte Bowie von dessen Zeit bei The Velvet Underground und ihren Forschungsreisen in die Abgründe der Sechziger. Als Reed solo loslegte, war es Bowie, der gemeinsam mit Mick Ronson Transformer produzierte und die Platte 1973 zum ersten Reed-Erfolg der Post-Velvet-Ära machte. Auf Satellite Of Love ist er sogar als Sänger zu hören. „So ein Gesangspart würde mir niemals einfallen“, sagte Reed später dazu.

John Lennon

Zu den bekanntesten Kollaborationen der Ära Bowie zählt natürlich seine Zeit mit John Lennon. Liegt auch am Erfolg der Single Fame, die Bowie 1975 gemeinsam mit Lennon schrieb und seine erste Nummer eins in den USA wurde. Die beiden lernten sich während Lennons Lost Weekend kennen und blieben auch danach enge Freunde. „Er war Familie“, sagte Yoko Ono nach Bowies Tod.

Cher

Wenige Künstler*innen kollaborieren im selben Jahr mit einem/einer Künstler*in wie John Lennon und einer Entertainerin wie Cher. David Bowie schon. Weil er es konnte. Und sich einen Dreck um Konventionen scherte. Gut, vielleicht lag es auch daran, dass er 1975 gerade zu gleichen Teilen dem Okkultismus und dem Kokain verfallen war. Hinderte ihn aber nicht daran, gemeinsam mit Cher im Fernsehen aufzutreten und neben Can You Hear Me? auch ein Medley verschiedener Songs darbot. Man fragt sich nur, ob er sich daran erinnern kann.

Iggy Pop

Bowie, Iggy und Berlin, das passte 1977 einfach! Erst produzierte er The Idiot, das erste Iggy-Pop-Album ohne die Stooges, dann legte er noch im selben Jahr den Klassiker Lust For Life nach. Insbesondere The Idiot diente Bowie selbst als Inspiration für seine Berlin-Ära: 1983 coverte er China Girl und landete damit einen gewaltigen Hit. „Davids Freundschaft war das Licht meines Lebens“ twitterte Pop nach Bowies Tod.

Robert Fripp

Auch der King-Crimson-Gitarrist Robert Fripp war fasziniert und wie benommen von Bowies modus operandi – zumindest bevor er in letzter Zeit eher dadurch auffiel, mehr Anerkennung für seine Kontributionen einzufordern. Nachdem er bereits auf Heroes in die Saiten gegriffen hatte, kehrte er 1982 zurück, um die ziemlich funkige Nummer ordentlich aufzumischen. Auf so eine Idee konnte auch nur ein Bowie kommen.

Queen

Erst sollte David Bowie 1982 auf der Queen-Nummer Cool Cat gesanglich Akzente setzen. Doch ihm passte das Resultat nicht, es wurde gelöscht. Aus purem Zufall stand dann plötzlich im Queen-Studio in Montreux dieser repetitive Rhythmus im Raum – und wenig später singen auch schon Freddie Mercury und David Bowie vom Druck des Lebens und wie man sich davon lossagen kann. Ungeplant und legendär.

Tina Turner

Hände hoch: Wer wusste, dass es David Bowie war, der Tina Turner in den frühen Achtzigern zu ihrem Deal mit Capitol Records verhalf? Turner zeigte sich dankbar, coverte auf Private Dancer gleich mal seinen Song 1984. Und nicht nur das: Sie sang 1984 mit ihm in Tonight – ein Duett, das auf ihrer Tour auch als Duett aufgeführt wurde.

Queen Latifah

15 Jahre nach seinem US-Triumph mit der Lennon-Nummer Fame stattete er dieser Glanzstunde mit Fame ’90 einen generalüberholten Besuch ab. Und weil wir nun mal das Jahr 1990 schreiben, ist es natürlich auch für David Bowie höchste Zeit, ins Rap-Game einzusteigen. Kurzerhand kontaktierte er Queen Latifah, die dem Stück einen Hip-Hop-Remix spendierte.

Lenny Kravitz

The Buddha Of Suburbia von 1993 ist ein Bowie-Album, das immer noch eher unter dem Radar läuft. Er selbst konnte das nie verstehen und sagte mehr als einmal, dass diese Platte seine liebste überhaupt ist. Im Outro des Titeltracks ist (in der Albumversion) ein jubilierendes Solo von Lenny Kravitz zu hören. Aber auch das schien irgendwie nicht allzu viele zu interessieren.

Trent Reznor

Mitte der Neunziger war Bowie tief in seiner Industrial-Phase angekommen. So tief, dass er sogar die Nine Inch Nails mit auf Tour nahm. Deren Frontmann Trent Reznor erkor Bowie 1997 aus, um die Nummer I‘m Afraid Of Americans von seinem Earthling-Album zu remixen. Und veröffentlichte das nervös flirrende Ergebnis sogar als Single.

 

Placebo

Es muss für Brian Molko eine unfassbare Ehre gewesen sein, als ausgerechnet sein Idol David Bowie Guest Vocals für die beschwörende, melancholische Nummer Without You I‘m Nothing von 1999 beisteuerte. Die Stimmen passen, der Look passt, die Attitüde passt – auch wenn hier zwei verschiedene Superstar-Generationen zusammenkommen, ist das Resultat stimmig.

Arcade Fire

Eine seiner letzten Kollaborationen war zugleich eine seiner spannendsten: 2013 singt Bowie auf dem Titeltrack von Arcade Fires hypnotischem viertem Album Reflektor. Einfach nur, weil Win Butler, ein riesiger Bowie-Fan, all seinen Mut aufbrachte und den Starman einfach fragte. Das Besondere: Der Song wurde am selben Ort aufgenommen, an dem Bowie und Lennon damals Fame einsangen.

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