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Popkultur

Zeitsprung: Am 15.3.1955 wird Dee Snider von den Twisted Sister geboren.

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Foto: Dave Kotinsky/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.3.1995.

von Frank Thießies und Christof Leim

Mit klassisch geschulter Stimme, markanter Lockenpracht und Schminke und nicht zu vergessen einer klaren Haltung zählt Dee Snider zu den Aushängeschildern des harten Rock der Achtziger. Daneben betätigt er sich als Solokünstler, Radiomoderator, Broadway- und Reality-TV-Star. Am 15. März dürfen wir dem geborenem Entertainer zu seinem Geburtstag gratulieren! 

Harte Schule

Geboren wird der zukünftige Rocker Daniel Snider am 15. März 1955 in Astoria, Queens im Staate New York als Sohn eines New York State Troopers und einer Kunstlehrerin. Er wächst im nahegelegen Baldwin, Long Island auf, wo er 1973 seinen Highschool-Abschluss macht. Schon während seiner Kindheit und Jugend singt er im Kirchen- und Schulchor und genießt eine klassische Ausbildung zum Countertenor. Den E-Musik-Lebensentwurf verwirft er aber aufgrund seiner Liebe zur Rockmusik recht schnell wieder. 

Hier könnt ihr euch Stay Hungry von Twisted Sister anhören:

1976 wird er Sänger und Hauptsongschreiber der in New Yorker und Umgebung umtriebigen Band Twisted Sister. Die Gruppe macht sich in den kommenden Jahren mit regelmäßigen Shows einen immer größeren Namen als Lokalmatadoren und behauptet sich als Bühnensensation. Neben viel optischer Extravaganz, die sich auch in Sniders markantem Make-Up und seiner raumgreifenden lockigen Haarpracht widerspiegelt, trifft die musikalische Kombination aus Glitter Rock mit Sniders Faible für härtere Sounds vom Schlage Black Sabbath, Led Zeppelin, Mountain oder Blue Cheer definitiv einen Nerv beim Publikum. Mit über 2000 absolvierten Kneipen- und Clubshows verdienen sich Twisted Sister als hart rockender Show-Act ihre Sporen, den man über die Grenzen von New York und New Jersey hinaus erleben sollte.

Starke Stimme

Zwei Albumveröffentlichungen zum Trotz lässt der richtig große Durchbruch allerdings noch etwas auf sich warten. Erst als die Band im Mai 1984 ihr drittes Werk Stay Hungry veröffentlicht, gehen Twisted Sister zunächst national, dann auch international durch die Decke. Mehr als drei Millionen Mal verkauft sich die Platte, ihre Geschichte steht hier. Dafür sorgen in erster Linie die beiden Hitsingles We’re Not Gonna Take It und I Wanna Rock, die begleitet von witzigen Videoclips aus dem Familien- und High-School-Leben amerikanischer Teenager im Musikfernsehen rauf und runter laufen.

Dabei tut sich Dee bis heute schwer, mit den vielen anderen zu dieser Zeit populärer werdenden, haarigen Glam- und Hard-Rock-Bands über einen Kamm geschert zu werden. „Die meisten haben uns erst 1983 entdeckt und dachten damals, dass wir wie Mötley Crüe oder Ratt gerade erst angefangen hätten und auf diesen Hair-Metal-Zug aufgesprungen seien. Die Wahrheit ist: Wir haben Hair-Metal erfunden! Wir waren schon lange Jahre vor Mötley, Ratt und Poison da!“, betont der Sänger 2016 rückblickend mit nicht zu unterschätzender Vehemenz.

Neben seiner musikalischen Vorbildfunktion auf der Bühne tritt Snider auch im Rahmen der vor dem US-Senat ausgetragenen Anhörungen zum Thema Rockmusik und Jugendschutz im Jahre 1985 auf. Als ausgesprochen eloquenter Advokat für freie Meinungsäußerung gibt Snider hier den erklärten Zensurgegner. Als Twisted Sisters Stern gen Ende der Achtziger zu sinken beginnt und die Gruppe sich 1988 offiziell auflöst, sucht sich der Sänger unter anderem neue musikalische Beschäftigung bei den Bands Desperado und später Widowmaker. 

Vielseitig beschäftigt

Aber auch ganz andere Betätigungsfelder reizen das Stimmwunder, das sich selbst nicht in erster Linie als Sänger, sondern als Frontmann und Entertainer der alten Schule versteht.1997 beginnt Snider mit der Moderation der Radiosendung The House Of Hair. Darüber hinaus versucht er sich gelegentlich als Schauspieler, später gar als Drehbuchautor. So stammt das Script zum 1998er Horrorfilm Strangeland genauso aus Sniders Feder wie der Weihnachtssong The Magic Of Christmas Day (God Bless Us Everyone), der noch im selben Jahr von niemand Geringeren als Celine Dion auf deren Winteralbum These Are Special Times feierlich intoniert werden soll. Apropos Besinnlichkeit: Auch die seit 2001 immer mal wieder wiedervereinten Twisted Sister sollen mit ihrem 2006 veröffentlichten Weihnachtsalbum A Twisted Christmas noch einen späten Erfolg einfahren. 

Der Tod von Schlagzeuger A.J. Pero im Jahre 2015 indes ist einer der Gründe, warum die Band sich selbst den Stecker zieht und ein Jahr darauf auf Abschiedstournee begibt. Snider sieht die Sache gelassen. Nach seiner beruflichen Zukunft gefragt, entgegnet der Sänger 2016: „In Amerika bin mittlerweile eh mehr Promi als Rockstar. Ich habe viel Reality-TV gemacht, habe eine Radiosendung und auch ein Broadway-Musical geschrieben. Diesen Weg werde ich auch weiter gehen.“ Was nicht heißen soll, dass Snider der harten Musik den Rücken kehren soll. Erst 2018 erscheint sein bezeichnend For The Love Of Metal betiteltes Soloalbum, auf dem der Sänger mit Songs im modernen Metal-Gewand demonstriert, dass er auch mit über Sechzig noch zu den stärksten Stimmen der Szene zählt. Heavy Birthday, Herr Snider!

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