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Popkultur

Die musikalische DNA von Diana Ross

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Es gibt viele Antworten auf die Frage, was das überhaupt sei, Soul. Die kürzeste aber lautet: Diana Ross ist Soul! Als Leadsängerin der Supremes schrieb sie Motown-Geschichte, als Solo-Künstlerin bricht sie bis heute noch alle Rekorde. Das Billboard-Magazin nannte sie 1976 die „Entertainerin des Jahrhunderts“ und sogar im Guinness-Buch der Rekorde konnte sie 1993 einen Eintrag für sich verbuchen – keine Künstlerin hatte mehr Hit-Singles vorzuweisen.


Hier bekommst du einen Vorgeschmack von Diana Ross’ musikalischer DNA, zur ganzen Playlist kommst du über den “Listen”-Button:

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Songs wie Ain’t No Mountain High Enough werden für immer mit ihrem Namen verbunden sein und ganze Generationen von Jazz- und Soul-Sängerinnen werden nicht drum herum kommen, Ross-Stücke in ihr Repertoire aufzunehmen. Sie ist eben die Königin des Souls und ein Vorbild insbesondere für afro-amerikanische Künstlerinnen, wie auch Oprah Winfreys Einladung zu ihrem Legends Ball bewies, zu dem Ross ebenso erschien wie die Bürgerrechtlerin Rosa Parks, die Schriftstellerinnen Toni Morrison und Maya Angelou oder die Kolleginnen Aretha Franklin und Patti LaBelle.

Ross hat der Welt nicht allein mit ihrer eigenen Musik viel gegeben. Auch andere hat sie immer wieder ins Rampenlicht befördert. Michael Jacksons Karriere wäre vermutlich ganz anders gelaufen, hätte Ross nicht die Jackson 5 unter ihre Fittiche genommen. Doch welche Musik hat sie selbst im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere beeinflusst? Ein Blick auf die musikalische DNA von Diana Ross verrät es uns!


1. Dorothy Love Coates – (You Can’t Hurry God) He’s Right on Time

Wie so viele schwarze Sängerinnen sammelte die kleine Diana – eigentlich sollte sie übrigens Diane heißen und ist auch mit diesem Namen auf den ersten Supremes-Platten genannt, doch ein Tippfehler auf ihrer Geburtsurkunde machte aus dem E ein A – ihre ersten musikalischen Erfahrungen in der Kirche. Mehr noch als anderen lag der Baptistin die Religion im Blut: Ihr Großvater mütterlicherseits war Pastor!

In der Kirche lernte sie einerseits Harmonietechniken und andererseits, sich gegen zahlreiche andere Stimmen durchzusetzen. Gospel wurde aber auch außerhalb des Kirchenschiffs stilprägend für die junge Soul-Bewegung, an deren Speerspitze Ross bald treten sollte. Dorothy Love Coates beispielsweise stand für einen Gospel-Sound, der sich neuzeitlicher Rock- und Pop-Musik versperrte und dennoch einen großen Einfluss auf die Motown-Generation ausübte. Die Supremes etwa stibitzten für ihren Megaerfolg You Can’t Hurry Love Coates’ (You Can’t Hurry God) He’s Right on Time und verpassten ihm einen säkularen Anstrich.


2. Smokey Robinson & The Miracles – The Tracks of my Tears

Nicht allein den Gospel bekam Ross schon in Kindheitstagen beigebracht, sie machte auch Bekanntschaft mit einem der größten Genies des späteren Motown-Sounds. Bevor sich William „Smokey“ Robinson Jr. als Bandleader der Miracles einen Namen machte und unsterbliche Klassiker wie The Tracks of my Tears schrieb, wohnten die beiden auf derselben Straße. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die beiden sogar mehr als Nachbarn waren…

Sicher ist zumindest, dass Ross dem Knirps von damals ihre Karriere zu verdanken hat. Als ihre erste Gruppe, die Primettes, sich mit einigen Live-Auftritten einen Ruf in der „Motor City“ Detroit erspielt hatte, stellte er die Verbindung zu Motown her – im Austausch gegen Primettes-Gitarristen Marv Tarplin, der Robinson 30 Jahre lang zur Seite stehen sollte. Ein fairer Deal, fanden beide Seiten. Und der Beginn einer langwährenden Zusammenarbeit zwischen Ross und Robinson im Hitsville-Studio.


3. Chic – Le Freak

Obwohl Ross während ihrer jahrzehntelangen Karriere wieder und wieder ihr gesangliches Talent bewies, übernahmen das Songwriting doch oftmals andere für sie. Für ihr 1980 veröffentlichtes Album diana holte sie mit Bernard Edwards und Nile Rodgers zwei Musiker und Komponisten ins Studio, deren funkige Rhythmen die Disco-Ära dominiert hatten. Chics Le Freak beispielsweise, ein als frustrierter Studio-Jam begonnener Song – geschrieben hatten ihn die beiden, nachdem ihnen im legendären Studio 54 der Einlass verwehrt wurde – brach alle Rekorde.

Ross hatte noch 1979 mit The Boss ein eher klassisches Motown-Album aufgenommen und wollte ihr Klangspektrum erweitern. Da kamen die Kompositionen, die Edwards und Rogers eigentlich für Aretha Franklin geschrieben hatten, gerade recht. Sie hatte den richtigen Riecher: Der Song Upside Down wurde zu einem Welthit und diana verkaufte mehr Platten als jedes andere ihrer Alben zuvor. Es lohnt sich eben manchmal, mit der Zeit zu gehen – nicht nur in künstlerischer Hinsicht.


4. Commodores – Easy

Upside Down, das beschreibt auch ganz gut Ross’ Verhältnis mit dem Label Motown. Nicht immer war das Verhältnis zwischen der Sängerin und der Detroiter Institution ein friedliches. Eine kleine Ironie des Schicksals also, dass ihr letzter Song für die Plattenfirma den Titel Endless Love hieß. Benannt war er nach dem gleichnamigen Film, dessen Titelstück er zugleich war. Eingesungen hat Ross die einfühlsame Ballade gemeinsam mit dem Commodores-Sänger Lionel Richie, der ein Jahr später als Solo-Künstler seinen Durchbruch feiern durfte.

Für die frühe Schützenhilfe sollte sich Richie noch oftmals bei Ross bedanken. So schrieb er etwa den Song Missing You für sie. An die Arbeit an Endless Love erinnert er sich jedoch am liebsten zurück. „Da bin ich also, im Studio, es ist drei Uhr nachts und Diana Ross kommt rein“, erinnerte er sich mit einem schelmischen Grinsen. „Und sie so: ‚Lionel, ich mag ein paar von deinen Parts… Was denkst du… Ich weiß nicht…‘, also sage ich ihr: ‚Welche Töne sich auch immer für dich am besten anfühlen, singst du einfach!‘“ Am Ende stand ein komplett neuer Song. Das ist echtes Teamwork! Bei den Commodores hatte Richie schließlich gelernt, wie’s geht. Für sie schrieb er Hits wie Easy.


5. Julio Iglesias – La Vida Sigue Igual

So wie Ross dem jüngeren Kollegen Richie gleichermaßen beim Aufbau seiner Solo-Karriere unter die Arme griff wie sie von seinen Qualitäten als Songwriter profitierte, ging sie mit Julio Iglesias eine Bindung ein, die beiden zugutekommen sollte. Ross’ Karriere war nach ihrem Zerwürfnis mit Motown-Chef Berry Gordy schwer angeschlagen und Iglesias versuchte, endlich auf dem englischsprachigen Markt Fuß zu fassen. Die Lösung für beider Probleme lautete All of You, für das die beiden 1984 unbekannterweise zusammen ins Studio gingen.

Angeblich haben sie sich selbst dort nicht getroffen und lernten einander erst beim gemeinsamen Videodreh für die Erfolgssingle kennen. Doch schon bald freundeten sie sich eng an und Ross verbrachte sogar die folgenden Weihnachtstage in Iglesias’ Residenz in Miami. Gut, dass der La Vida Sigue Igual-Sänger in Vorbereitung auf seine Karriere als englischsprachiger Sänger extra die Sprache gelernt hatte… So konnten sie einander nicht nur musikalisch verstehen.


6. Marvin Gaye – What’s Going On

Neben den lebenden Kollegen, mit denen Ross das Studio teilte, waren es auch alte Helden, die in ihrer Musik immer wieder auflebten. Missing You, die von Lionel Richie für Ross komponierte Ballade, war ein berührender Tribut an die Goldkehle des Motown-Sounds, Marvin Gaye, der im Jahr 1984 ermordet wurde. „Since you’ve been away / I’ve been down and lonely / Since you’ve been away / I’ve been thinking of you / Trying to understand / The reason you left me / What were you going through?“, lauten die ersten Zeilen des Stücks.

Gaye und Ross verband eine lange Freundschaft, die 1973 sogar auf einem Duettalbum namens Diana & Martin festgehalten wurde. Seitdem sie 1961 beide bei Motown unterschrieben hatten, inspirierten sie einander wieder und wieder. Der beste Beweis dafür, wie wichtig Gaye für seine Kollegin war, ist wohl Ain’t No Mountain High Enough. Obwohl der Song heute vor allem in der Version von Ross bekannt ist, wurde die Komposition von Nickolas Ashford und Valerie Simpson doch zuerst von Gaye und Tammi Terrell veröffentlicht. Ross’ Coverversion leitete ihre Solo-Karriere mit einem Knall ein. Kein Wunder, dass sie den Mentor und Freund Gaye vermisste.


7. Billie Holiday – Lover Man

Einen (fast) noch schöneren Tribut hat Diana Ross ihrer großen Heldin Billie Holiday dargebracht. Im Film Lady Sings the Blues schlüpfte sie 1972 in die Rolle der legendären Jazz-Sängerin und steuerte eine ganze Doppel-LP mit ihren Interpretationen von Holiday-Klassikern wie Lover Man als Soundtrack bei. Sogar der Kritiker und Holiday-Freund Leonard Feather sprach ihr zu, „die Essenz von Lady Day“ perfekt auf die Leinwand gebracht zu haben. Kein Wunder, hatte die Musik der 1959 verstorbenen Künstlerin doch ihr Leben lang begleitet.

Nicht alle waren allerdings so angetan wie Feather. Es hagelte böse Worte noch bevor der Film im Kasten war. Zu unterschiedlich seien die beiden. „Während meiner neunmonatigen Recherche traf ich ein paar wichtige Entscheidungen“, notierte Ross in ihrer Autobiografie Secrets of a Sparrow. „Eine davon war, dass ich nicht wie Billie klingen wollte. Stattdessen war es mir wichtig, meinen eigenen Sound mit einzubringen. Merkwürdigerweise habe ich, wohl weil ich die ganze Zeit über nichts anderes hörte, einige ihrer Phrasierungen übernommen und bin ihrem Stil auf diese Art sehr nahe gekommen.“ Die einen überzeugte es, die anderen nicht. So viel jedoch steht fest: Für Ross waren der Film sowie der dazugehörige Soundtrack ein Herzensprojekt.


8. Bessie Smith – ‘Tain’t Nobody’s Bizness If I Do

Billie Holiday ist nicht die einzige Sängerin, die Ross während ihrer Karriere darstellen durfte. Auch die legendäre Bessie Smith wurde von ihr komplett neu interpretiert. 1977 war Ross mit einer sogenannten One-Woman-Show auf Tour und nahm in diesem Rahmen auch ein Konzert in Los Angeles auf. Die auf der Doppel-LP An Evening with Diana Ross abgebildete Performance zeigt Ross in Topform. Ein Block war ihren Heldinnen reserviert: Billie Holiday, Josephine Baker, Ethel Waters und eben jener Bessie Smith zollte sie darin Respekt und sang unter anderem den Blues-Standard ‘Tain’t Nobody’s Bizness If I Do, der fest zu Smith’ Repertoire gehörte.

„Jazz und Blues waren ein Teil meiner Kindheit und wenn du genug davon hörst, wird es irgendwann zu einem Teil von dir“, erzählte sie in einem Interview. „Ganz gleich, ob du genauso singst. Als ich erwachsen wurde, studierte ich die älteren Blues-Sängerinnen, die echten dreckigen Sängerinnen wie Bessie Smith und sammelte die Lyrics. Nicht mit dem Ziel, genauso zu werden, sondern weil ich Spaß daran hatte und weil es mich zum Nachdenken anregte.“ Musikalischer Einfluss muss nicht immer direkt hörbar sein, manchmal äußert er sich auch subtil.


9. Ella Fitzgerald – I’ve Got a Crush on You

Deutlicher vielleicht ist Ella Fitzgeralds Einfluss auf Ross herauszuhören, obwohl die verrückten Volten der Queen of Jazz sich nicht unbedingt in Ross’ umfassender Diskografie wiederfinden. 2005 vertonte sie allerdings für Rod Stewarts Thanks for the Memory: The Great American Songbook, Volume IV ein Duett des Gershwin-Klassikers I’ve Got a Crush on You neu. Das von George Gershwin komponierte Stück, dessen Lyrics Ira Gershwin schrieb, wurde oft interpretiert, kaum je aber besser als von Fitzgerald.

„Seitdem ich jung war, hat mich Jazz-Musik beeinflusst“, gestand Ross, als ihr 2014 der Ella-Fitzgerald-Award verliehen wurde. „Einige meiner Favoriten waren Ethel Waters und Bessie Smith, natürlich aber auch Ella Fitzgerald. […] Beim Jazz geht es darum, sich in der Musik zu verlieren.“ Und wie ginge das besser als mit den Songs der Gershwins, gesungen von der First Lady of the Song, Ella Fitzgerald? Die Auszeichnung, die Ross im Sommer 2014 in Montreal entgegen nahm, bedeutete daher eine ganz besondere Ehre für sie.


10. Jackson 5 – I Want You Back

Es gäbe noch so viel mehr Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker aufzuzählen, die Ross auf ihrem langen und erfolgreichen Weg begleitet haben. Aretha Franklin zum Beispiel, Etta James oder die Drifters. Doch jede Liste muss eines Tages ihr Ende finden. Und jedes Ende bringt unweigerlich auch einen Abschied mit sich. Ross kennt sich damit besser aus, als ihr wohl lieb wäre. Im Juni 2009 musste sie sich von einem ganz besonderen Wegbegleiter verabschieden: Michael Jackson war an einer Überdosis Drogen verstorben, die ihm sein Hausarzt Conrad Murray verabreicht hatte.

Ross hatte Jacksons Karriere buchstäblich von Kindesbeinen an begleitet. Dem Label Motown zufolge war sie es, die die Jackson 5 entdeckte und zu Beginn ihrer Solo-Karriere zu Konzerten von sich einlud. Nicht wenige vermuten allerdings, dass die Wahrheit eine andere war und Motown lediglich über Ross’ Namen mehr Platten absetzen wollte. Sei’s drum: Nachdem die Jackson 5 mit I Want You Back ihren ersten Erfolg landeten, brauchten sie ihre Schützenhilfe nicht mehr. Michael und Diana aber wurden zu einem erfolgreichen Songwriter-Team, das weit über das Ende der Band hinaus einen Erfolg nach dem nächsten landete. Umso tragischer, dass sie ihn eines Tages zu Grabe tragen musste.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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Popkultur

„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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