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Popkultur

Die musikalische DNA von James Brown

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Mr. Dynamite. The Soul Brother No. 1. The Godfather of Soul. The Hardest Working Man In Show Business. Sex Machine. Die Reihe von Spitznamen allein zeigt, was für ein Typ James Brown war und welche Bedeutung er für die Entwicklung der gesamten Pop-Geschichte hatte. „Er war beinahe ein Musikgenre für sich“, sagte ein ehrfürchtiger Jimmy Page einmal über den Entertainer. „Er veränderte und entwickelte sich ständig, sodass sein Publikum von ihm lernen konnte.“ Zu diesem Publikum gehören sie alle: Angefangen mit seinem vielleicht größten Fan Michael Jackson hin zu unzähligen Rockbands und den tausenden von Rap-Artists, die für ihre Tracks Drum-Breaks und Vocals aus seinen Songs sampelten.


Hör dir hier James Browns musikalische DNA als Playlist an und lies weiter:


Der Erfolg Browns liegt nicht nur in viel Leidenschaft, sondern auch harter Arbeit begründet. Hart war er aber auch zu anderen. Von seiner Band verlangte er ungebrochene Disziplin, jedes Mitglied musste Abend für Abend genauso wie der Chef zum Äußersten gehen. Er selbst schonte sich nie und verschleppte mehr als eine Krankheit, weil er lieber auf die Bühne stürmte anstatt im Wartezimmer eines Arztes Däumchen zu drehen. Im Privaten indes verlor er häufig die Kontrolle – insbesondere gegen Frauen. Physische Gewalt und sogar Vergewaltigung wurden Brown vorgeworfen. Der Mann mit den vielen Spitznamen hatte viele Gesichter und nicht jedes davon war schön anzusehen.

Mit seiner Musik allein hat Brown viel Gutes getan. Songs wie Say It Loud – I’m Black and I’m Proud drückten nach Jahrhunderten von Unterdrückung und Rassismus ein neues Selbstbewusstsein aus, das bis heute noch ganze Generationen von KünstlerInnen beeinflusst. Und Brown selbst? Von wem hat sich der Godfather of Soul beeinflussen lassen? Wir finden es raus! Mit Blick auf die musikalische DNA von James Brown werden wir herausfinden, was den Mann mit den vielen Spitznamen so vielseitig machte.


1. Louis Jordan & His Tympany Five – Caldonia

Früh übt sich, weiß der Volksmund zu berichten. Das stimmt auch im Falle von James Brown. Schon als junges Kind stand der Knirps bei Talentwettbewerben auf der Bühne, das erste Mal im zarten Alter von elf Jahren im Lenox Theater in Augusta, Georgia – angeblich mit der unvergesslichen Ballade So Long. Von da an hatte es den Jungspund gepackt. Er lernte Klavierspielen, brachte sich seine ersten Kniffe auf der Gitarre bei und meisterte sogar die Mundharmonika.

Den Ausschlag dafür gab ein ganz bestimmter Song: „Mein Einfluss war Louis Jordan, der einen Song namens Caldonia aufnahm sowie weitere Stücke, die in den fünziger und späten vierziger Jahren groß waren“, so Brown selbst. Er selbst nahm wie viele andere Größen der damaligen Zeit – darunter etwa B. B. King – eigene Coverversionen des Jump-Blues-Stücks auf. Insbesondere Jordans exaltierter Gesangsstil wird es ihm angetan haben. Der kieksiger Sprechgesang Jordans, der viel Wert auf mitreißende Dynamiken legte, wurde später von Brown perfektioniert.


2. The Staple Singers – The Old Landmark

Mit nur dreizehn Jahren scharte Brown bereits Musiker um sich, um seinen Traum in die Tat umzusetzen. Es sollte zuerst aber anders kommen. Lediglich drei Jahre später ging es für den jungen Wilden zuerst einmal ins Kittchen. Und weil es ihm dort langweilig wurde, gründete er flugs sein eigenes Gospel-Quartett und widmete sich auch nach seiner frühzeitigen Entlassung der spirituellen Musik, die in vielen seiner Songs nachhallt.

Ein kleines Highlight in Browns Karriere war zweifellos sein Auftritt im Kultfilm Blues Brothers, in welchem er seine Gospel-Leidenschaft voll ausleben konnte. In seiner Rolle als verschwitzter und heiserer Prediger war der Sänger schließlich voll in seinem Element! Wenn er mit der Gemeinde den Klassiker The Old Landmark spielt, der unter anderem in der Version der Staple Singers zu einem großen Hit wurde, dann wird das Kirchenschiff schnell zum Dancefloor. Da kann selbst ein abgebrühter Blues Brother nur ehrfürchtig zittern…


3. The Orioles – Baby Please

Bevor Brown als Solokünstler seinen endgültigen Durchbruch feiern konnte, schloss er sich verschiedenen Bands an. Als Sänger der Famous Flames konnte er aber die Grundlagen für seinen späteren Welterfolg legen. Try Me oder Please, Please, Please waren bittersüß eingefärbte Songs, die dem Rhythm and Blues-Genre einen balladesken Anstrich gaben. Kein Wunder, kamen die Einflüsse der Band doch von Gruppen wie Hank Ballard und seinen Midnights, Billy Ward und den Dominoes oder den Orioles.

Die Orioles gehörten zu den ersten Gruppen, die ausgehend von Rhythm and Blues, Doo Wop und dem Blues einen neuen Sound zu schmieden begannen, der vor komplexen Vocal-Arrangements ebenso wenig zurück schreckte wie vor dem Einsatz von Kammerorchestern. 1951 coverte die Band das Blues-Stück Baby Please, das laut dem Musikjournalisten Larry Birnbaum für den ersten Hit der Flames Pate stand: Please, Please, Please.


4. Little Richard – Lucille

„Moment mal“, werden nun Fans protestieren. „Alles Quatsch! Die Inspiration für das Stück kam doch von jemand ganz anderem!“ Und ja, es gibt zum Signature-Song der Flames noch eine andere Geschichte, die niemand Geringeren als Little Richard zur Hauptfigur hat. Von dieser Geschichte existieren mehrere abweichende Versionen, sicher indes scheint der ungefähre Ablauf: Brown und seine Band fragten den Rock-Pionier, ob sie ihn auf der Bühne begleiten dürften. Der lehnte zwar ab, ließ die junge Truppe aber in der Pause ihr Ding machen – und war so angetan von ihr, dass er sie an seinen Manager Clint Brantley verwies.

Brantley schickte sie direkt weiter zur nächstbesten Radiostation, wo sie eine gewisse Nummer mit dem Namen Please, Please, Please aufnahmen. Die Lyrics sowie die passende Musik dazu soll Brown geschrieben haben, nachdem der Lucille-Sänger die titelgebenden Worte auf eine Serviette gekritzelt hatte. Was stimmt nun also? Vermutlich beides, denken wir. Obwohl Little Richard den ersten Impuls für das Stück gab, so hallt darin immer noch der Doo Wop-orientierte Herzschmerz-Sound der Orioles nach. Ist doch ein guter Kompromiss, oder?


5. Fela Kuti – Viva Nigeria

Browns eigenwilliger und für seine Zeit absolut visionärer Sound wurzelte allerdings nicht nur in den Genres, die sich zu seiner Zeit in den USA breit machten. Er schaute stattdessen auch nach Afrika, wo einigen Musikhistorikern zufolge die gesamte Pop-Geschichte ihren Anfang nahm. Während der sechziger Jahre traten die Blues- und Gospel-Elemente in Browns Musik zurück, die Rhythmen wurden härter… Kurzum, der Funk war geboren!

Gegen Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre beschäftigte sich Brown noch entschiedener mit afrikanischer Musik und kam dabei natürlich nicht um Fela Kuti herum. Die beiden sollen sich gegenseitig beeinflusst haben. Laut Kutis Drummer Tony Allen soll Brown sogar seinen Bandleader David Matthews auf ein Konzert der nigerianischen Band geschickt haben, um sich Notizen zu machen. Und Browns ehemaliger Bassist Bootsy Collins erinnert sich an einen legendären Auftritt in Lagos, bei dem die dortige Afrobeat-Szene den Soul Brother No. 1 mit offenen Armen empfing.


6. Fred Wesley & The Horny Horns feat. Maceo Parker & Mike E. Clark – Four Play

Die komplexen, unwiderstehlichen Grooves des Afrobeats wurden so nahtlos in die Musik Browns übertragen. Nicht das einzige Genre, von dem er sich die besten Elemente heraus pickte, um sie in sein klangliches Gesamtbild zu integrieren – zum Leidweisen seiner Bandmitglieder. Denn nicht selten folgte auf eine stilistische Neuorientierung ein Besatzungswechsel. Fred Wesley beispielsweise gehört zu den Musikern, die neben Maceo Parker in den sechziger und siebziger Jahren als Ko-Songwriter maßgeblich den neuen, an Jazz geschulten Funk Browns mitprägten.

„Ich war nicht nur Bandleader, sondern Psychologe. Ich musste mich um Psycho-James kümmern, genauso um die Musiker und die Tontechniker“, erzählt Wesley rückblickend in einem Interview. „Ich musste alles am Laufen halten. Jeder Musiker, der bei James Brown spielte, war irgendwann so angenervt, dass er gehen wollte.“ Seine Leidenschaft für Bebop konnte er da nur bedingt ausleben und verabschiedete sich 1975 von der Band, als Brown den nächsten Stilwechsel forcierte. Ohne Wesley, Parker und andere aber hätte der Hardest Working Man In Show Business aber sicher nicht den Sound schmieden können, der ihn damals von allen anderen absetzte.


7. David Bowie – Fame

Warum Wesley damals das Handtuch schmiss? Nein, es lag nicht allein an seiner eigenen Drogensucht. Vielmehr waren es musikalische Gründe, die ihn zum Weggang bewegten. „Weil er, der Erfinder des Funk, auf einmal wollte, dass ich die Musik anderer für ihn kopiere: Fame von David Bowie etwa oder die Afro-Funk-Sachen“, so Wesley. „Wir hatten bis dahin immer neue Musik geschaffen. Und jetzt sollte ich auf einmal kopieren? Noch dazu Musik, die zum Teil von James Brown kopiert und inspiriert war? Nein.“

Dann eben ohne Wesley: 1976, ein Jahr nach dessen Ausstieg, veröffentlichte Brown einen Hit (I Need To Be Loved, Loved, Loved, Loved), der auf einem Hauptriff aufbaut, das von David bowie und dem Gitarristen Carlos Alomar geschrieben wurde. Kein Wunder eigentlich, dass die beiden das zuließen: Alomar war zuvor selbst schon Teil von Browns Band gewesen. Dennoch ist es bemerkenswert, dass sich Brown auch mal von einem Weißbrot wie Bowie eine Scheibe abschnitt.


8. MFSB – Love Is The Message

Aber so war Brown: Er hatte immer ein Ohr am Puls der Zeit. Was ihm Wesley vorwarf – diejenigen zu imitieren, die von ihm beeinflusst waren – lässt sich auch positiv deuten: Brown nahm dankend an, was mit seiner Musik veranstaltet wurde und dachte es selber weiter. Als sich Ende der sechziger Jahre in der Bathhouse-Szene New Yorks Männer trafen, um zu treibender Musik – darunter natürlich auch viele Klassiker der Sex Machine – Drogen zu konsumieren und ihre Homosexualität frei auszuleben, war noch nicht abzusehen, was eines Tages daraus werden würde. Beinahe hätte auch Brown die Geburtsstunde von Disco verpasst. Weil er aber Mitte der siebziger Jahre eine kommerzielle Durststrecke durchlief, suchte er auf dem Dancefloor neue Inspiration.

Als Brown 1979 ein Album mit dem etwas protzigen Titel The Original Disco Man veröffentlichte, war die Discomania jedoch bereits an seinem Zenit angekommen. Eins aber müssen wir Brown zugutehalten: Statt sich am klinischen Euro-Disco-Sound von Giorgio Moroder und Co. zu orientieren oder den New York-Style zu kopieren, horchte er lieber nach Philadelphia, wo Kollektive wie MFSB Disco-Musik schmiedeten, die zugleich mitreißend und komplex arrangiert war. So wie Brown es selbst vorgemacht hatte und wie er es wieder und wieder perfektionierte. Es ist doch keine Schande, sich von den nachfolgenden Generationen inspirieren zu lassen!


9. Afrika Bambaataa – Planet Rock

Dasselbe gilt auch für die achtziger und neunziger Jahre, in denen das aufstrebende Hip Hop-Genre den klassischen schwarzen Musikstilen wie Soul und Funk den Rang ablief. Afrika Bambaataas Planet Rock gilt als eine der maßgeblichen Rap-Platten. Als Grundlage dafür dienten gleich zwei Kraftwerk-Songs – Numbers und Trans Europe Express –, das Fundament aber war ein funkiger Groove, wie ihn James Brown der Welt beigebracht hatte. Nur die Mittel waren andere: Statt dem Funky Drummer Clyde Stubblefield war eine Roland TR-808 zu hören.

Der Sound der japanischen Drummachine hallt auch in Unity nach, der gemeinsamen Single von Afrika Bambaataa mit James Brown. Es sollte nicht seine einzige Stippvisite in dem Genre sein, als dessen Vordenker er bis heute gilt: 1992 stattete er MC Hammer in einem Video einen Besuch ab, was durchaus als respektvolle Geste seitens des Ballonhosenträgers zu verstehen war: Ohne Browns Musik, die so oft im Rap gesampelt wurde, und seine legendären Tanzeinlagen, die ihrerseits einen immensen Einfluss auf die B-Boy- und Girl-Kultur hatten, dürften es weder Bambaataa noch Hammer in die Charts geschafft haben.


10. Public Enemy – Fight The Power

Es gibt noch so viele andere Musiker, die James Brown Zeit seiner langen Karriere beeinflusst haben – von Frank Sinatra bis Ray Charles. Wer aber seinen Einfluss verstehen will, muss zwangsläufig nachvollziehen, wie sich Brown mit den unterschiedlichen Strömungen seiner Zeit auseinandergesetzt hat. So nämlich wird klar, dass von Louis Jordans Caldonia hin zu Afrika Bambaataa und MC Hammer eine Traditionslinie besteht, die der Godfather of Soul wie kein zweiter geprägt hat. Das kurze Drum-Break Stubblefields in Funky Drummer gehört zu den meistgesampelten überhaupt und stellt die Grundlage für unzählige Hip Hop-Tracks. So auch Fight The Power von Public Enemy, die mit Alben wie Fear Of A Black Planet die Brownsche Losung Say It Loud – I’m Black and I’m Proud auf ein neues Level hoben.

Ob es ein Zufall ist, dass die Gruppe denselben Namen trägt wie ein James Brown-Song vom Album There It Is? Wohl kaum! Und sicher ist auch, dass ohne Browns markanten Sprechgesang dieses Ding namens Rap niemals möglich gewesen wäre. Es hat ihm eben nicht gereicht, den Funk zu erfinden – Brown hatte als Musiker schon immer noch größere Pläne. Er wurde ja schließlich nicht umsonst The Hardest Working Man In Show Business genannt. Also, unter anderem.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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