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Popkultur

Die musikalische DNA von The Doors

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Bild von Elektra Records-Joel Brodsky (eBay item photo front photo back) [Public domain], via Wikimedia Commons

„Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich“, schrieb der britische Schriftsteller William Blake in seiner Ideenschrift The Marriage of Heaven and Hell. Aldous Huxley, der Autor der bekannten Dystopie Brave New World nahm diese Worte rund 150 Jahre später für ein Essay über Drogenkonsum wieder auf. Darin fand wieder ein anderer Querulant Inspiration: Jim Morrison. Der Rest ist bekannt.


Hör dir hier die musikalische DNA von The Doors als Playlist an und lies weiter:

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The Doors veröffentlichten in nur fünf Jahren acht Alben, die Rockgeschichte schrieben. Die enigmatische Magie der Band lag allerdings nicht nur in Morrisons exzentrischen Volten, seinen verqueren und oftmals polarisierenden Texten oder seinem charismatischen und manchmal transgressiven Auftreten begründet. Mit Mastermind Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger und Drummer John Densmore hatte er eine Band im Rücken, deren musikalische Visionen den seinen in nichts nachstanden.

Von den Opern Bertolt Brechts und Kurt Weills über klassischen Rock’n’Roll und Blues hin zu Jazz und allerhand globalen Musikstilen reicht die Palette, welche die Doors über ihre Alben erkundeten. Keine Platte klang gleich, jede hat bis heute ihren ganz eigenen Charakter bewahrt. Wie dieser Charakter im Zusammenspiel der vier Genies zustande kam, erscheint uns an den Pforten der Wahrnehmung – äh, wir meinen mit Blick auf die musikalische DNA der Doors.


1. Allen Ginsberg – Nurse’s Song

Wie William Blake der Band über einen Umweg ihren Namen verlieh, das wissen wir bereits. Wir wissen auch alle, dass Jim Morrison ein waschechter Nerd war, wenn es um Literatur geht. Ein cooler Nerd aber. Neben der Philosophie von Friedrich Nietzsche und der Lyrik der klassischen Moderne – von Charles Baudelaire bis Arthur Rimbaud – waren es auch zeitgenössische Schriftsteller, die ihn mit ihren Werken begeisterten. Und nicht nur damit. Allen Ginsberg beispielsweise gehörte zu einer Gruppe von Literaten, die uns heutzutage als die „Beat Poets“ bekannt sind. Diese Schriftsteller suchten ihre Inspiration lieber On The Road (so der Titel von Jack Kerouacs bekanntestem Buch) oder in miefigen Jazzbars, wo sie der Sound des harten Bebop zu rhythmischer Wortkunst zu verdichten suchten.

Ginsberg gehört zu den wenigen Beat-Poeten, die selbst musikalisch aktiv waren. Neben William S. Burroughs, dessen Cut Up-Technik das moderne Sampling vorwegnahm und der selbst mit Musikern wie Kurt Cobain zusammenarbeitete, kann er als einer der definitiven literarischen Einflüsse auf die Musikwelt im Allgemeinen und damit auch die Doors beziehungsweise Jim Morrison im Speziellen gelten. Die beiden haben sich zumindest auf die eine oder andere Art mit dem Werk William Blakes auseinandergesetzt – Ginsbergs Nurse’s Song ist eine von vielen seiner musikalischen Blake-Interpretationen.


2. Bertolt Brecht und Kurt Weill – Alabama-Song

Es war nicht allein die Literatur und die Musik der Beat Poets, die Morrison und seine Band faszinierten, sondern auch ihr ungebrochener und rebellischer Wille, der Mainstreamkultur eine Alternative entgegen zu setzen. Auch das hatte wiederum Tradition: Der Schriftsteller Bertolt Brecht und der Komponist Kurt Weill zettelten während ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit eine kleine Revolution gegen die Konventionen der Theaterwelt an und kritisierten die Politik der Weimarer Republik ebenso wie später die der Nazis und der USA, wo sie als Exilanten ein Zuhause fanden.

Weill ereilte ein ähnliches Schicksal wie Manzarek, Krieger und Densmore: Stets stand er im Schatten des Dichters, der ohne seine Musik – und gelegentlich auch Texte – sicherlich nicht den Ruhm erlangt hatte, wie er ihm heute noch nachhallt. Von Louis Armstrong über Ella Fitzgerald hin zu Elvis Costello und Nick Cave allerdings zollten ihm zahlreiche MusikerInnen Tribut. So auch die Doors, die auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum mit einer Coverversion des Alabama-Songs brillierten. Der anarchische Spirit des Stücks passte eben nur zu gut zur gelebten Gegenkultur der Doors.


3. Elvis Presley – Jailhouse Rock

Ob in der Literatur der fünfziger und sechziger Jahre oder im Theatertreiben der Weimarer Republik: Die Doors fanden ihre Inspiration nicht allein in der Musik. Und doch: Ganz ohne ging es natürlich nicht. Vergleichbar mit den Revolutionen von Brecht und Weill beziehungsweise später den Beat Poets war sicherlich die Rock’n’Roll-Revolution, an deren Speerspitze Elvis Presley stand. Laut der selbst ziemlich freigeistigen Patti Smith aber hatte „Elvis Demut und Jim nicht.“ Eine ziemlich starke Aussage! Aber stimmt’s?

Eins ist zumindest sicher: Morrisons Gebaren gegenüber Presse und Publikum drohte mehr als einmal, seiner kurzlebigen Band schon viel früher das Licht auszuknipsen. Aber es war gerade Elvis, der ihn zur Ruhe bringen konnte. Angeblich soll er seinen Gesangsstil ausgehend von Frank Sinatra und dem King of Rock modelliert haben und stets um absolute Stille gebeten haben, wenn ein Elvis-Song im Radio lief. Wenn das mal keine Demut ist! Gitarrist Krieger wurde auch durch Elvis für den Rock’n’Roll begeistert: Neben Künstlern wie Fats Domino und den Platters nannte er den King als einen seiner frühesten Einflüsse. Gehört hatte er dessen Musik, na klar, im Radio – und war dabei vermutlich mucksmäuschenstill!


4. Muddy Waters – Close To You

Bevor Elvis maßgeblich dazu beitrug, den schwarzen Rhythm and Blues-Sound als Rock’n’Roll an ein weißes Mainstreampublikum zu verkaufen, gab es den Blues, in dem alle Rockmusik ihre Wurzeln schlägt. Mit Coverversionen von Bo Diddley, Howlin’ Wolf und Muddy Waters zollten die Doors regelmäßig der Musik Tribut, die aus ihren eigenen Kompositionen noch deutlich heraus zu hören war.

Das Doors-Cover von Muddy Waters Close To You, welches 1970 auf dem Absolutely Live-Album veröffentlicht wurde, bietet einige der wenigen Gelegenheiten, Manzarek hinter dem Mikro zu erleben. Neben You Need Meat (Don’t Go No Further) ist es einer der seltenen Doors-Stücke vor Morrisons Tod, bei denen er den Lead-Part übernimmt. Obwohl der Keyboarder aus dem Bereich der Klassik kam, wurde er in seiner Heimatstadt Chicago vom Blues infiziert. Genauer gesagt von eben jenem Muddy Waters, den er dort live erleben durfte.


5. Them – Gloria

Elvis hin, Waters her: Eines der größten kollektiven Vorbilder der Doors kam nicht aus den USA, sondern aus… Nordirland!? Nein, kein Witz: Van Morrison und insbesondere dessen Band Them wurde für die junge Band in Anfangstagen mehr als wichtig. Als die Doors sich in Los Angeles im legendären Whisky A Go Go als Hausband einen Namen machten, durften sie dort auch mit dem „anderen Morrison“ und seiner Truppe die Bühne teilen. Gemeinsam mit ihnen spielten sie dort eine Interpretation von Wilson Picketts In The Midnight Hour und eine 20-minütige (!) Version von Thems Gloria ein.

Die Doors wurden für ihre ekstatischen Jam-Sessions berühmt und Songs wie The End sind ein gutes Beispiel für Kompositionen, die auf der Bühne ihr Eigenleben entwickelten, bevor sie auf Platte gepresst wurden. Auf manchen Mitschnitten aus den Whisky A Go Go-Zeiten der Band sind halbstündige Versionen späterer Doors-Klassiker zu hören! In Sachen Improvisation haben sich die Doors einiges bei den nordirischen Kollegen abgeschaut. Ihre Coverversion von Gloria auf der 1983 veröffentlichten Live-Platte Alive, She Cried ist dennoch „nur“ knapp sechseinhalb Minuten lang.


6. The Kinks – All Day and All of the Night

À propos sich den einen oder anderen Kniff abschauen: Manchmal gingen selbst die Doors zu weit. Als sie 1968 mit dem Album Waiting For The Sun zum ersten Mal die Spitze der LP-Charts in den USA erklommen und mit der Single Hello, I Love You einen absoluten Überhit landeten, waren ein paar Briten davon äußerst irritiert: Die Kinks meinten, darin ihren Song All Day and All of the Night wiederzuerkennen! Doch Kinks-Songwriter Ray Davies entschied sich dazu, die Band nicht der offenkundigen Ähnlichkeit wegen zu verklagen.

Anders sein Bruder und Bandkollege Dave: „Das ist wirklich das Verstörendste überhaupt“, grummelte er in einem Interview. „Letztens habe ich All Day and All of the Night gespielt und einen Part von Hello, I Love You eingebaut. Das gab Reaktionen, ein paar mussten grinsen. Was ich aber nie verstanden habe: Warum niemals jemand etwas darüber gesagt hat. Du kannst über die Doors nichts sagen. Du darfst nicht!! Vielleicht ist es indes aber kein Zufall, dass Morrison selbst bei Konzerten das Mikro manchmal an den Kollegen Manzarek abgab, damit der den Song sang…


7. Art Blakey & The Jazz Messengers – ‘Round Midnight (Live)

Die Momente, in denen Morrison seinen Bandkollegen das Spotlight überließ, waren rar gesät. Dabei lebte die Musik der Doors doch nicht allein von seinem überwältigenden Gesang, sondern ebenso der Rhythmus-Arbeit von Manzarek und Densmore. So wie Manzarek ein klassisches Musikverständnis in die Kompositionen einbrachte, reicherte sie Densmore mit Jazz-Elementen an. Seine eigenen Inspirationen dafür waren unter anderem Elvin Jones, der unter anderem bei John Coltrane hinter der Schießbude saß, und Art Blakey.

„Ich saß in Shelly’s Manhole direkt neben seiner Hi-Hat und habe in sein Kit gestarrt“, erinnerte sich Densmore an die Aufnahmen zu Blakeys legendärem Live-Album, auf dessen Setlist unter anderem auch Jazz-Standards wie ‘Round Midnight standen. „Ich habe sicherlich was ausgeschnappt und an meinen Press Rolls gearbeitet – darin war er ein Meister. Ich habe mich auch an ein paar versucht“, sagte Densmore über die Technik, die er unter anderem im Song Wild Child vom Album The Soft Parade verwendete.


8. Helen Jepson – Summertime

Das Interesse am Jazz wurde nicht nur im Drumming von Densmore und den wilden Akkorden von Manzarek deutlich. Der implizite Jazz-Einfluss, den Morrison über seine Beschäftigung mit den Beat Poets in die Band einbrachte, ist auch nicht zu leugnen – wenngleich er sich ganz anders äußerte. Im Doors-Cover von Summertime allerdings fand sich alles vereint: Das Interesse der Band an Bühnenkunst, breiten Erzählbögen, Jazz und genialem Songwriting.

„Summertime, and the livin’ is easy“, diese Worte klangen bei den Doors aber natürlich ganz anders als bei Helen Jepson, von der die wohl bekannteste Interpretation des George Gershwin-Klassikers aus der Oper Porgy and Bess stammt. Aus dem bittersüßen Wiegenlied, das sich auf afroamerikanische Folk-Weisen stützt, wurde bei den Doors ein schwitziger Ausdauer-Jam, der mit psychedelischen Elementen liebäugelte und Krieger Platz für seine irrwitzigen Gitarrensoli bot.


9. The Rolling Stones – Play With Fire

Neben dem dandyhaften Manzarek und dem Charisma eines Jim Morrisons musste Robby Krieger häufig gemeinsam mit Densmore vom Bühnenrand dabei zuschauen, wie seine Kollegen den Ruhm ernteten. Dabei war er doch für viele Doors-Hits verantwortlich. Light My Fire war sein Songwriter-Debüt, nachdem zuvor Morrison die meisten der Stücke geschrieben hatte. Mehr noch war es Kriegers erste eigene Komposition überhaupt! Kaum zu glauben, dass es sich dabei um einen ersten musikalischen Gehversuch handeln soll.

Die direkte Inspiration kam von Morrison, der dem Gitarristen riet: „Schreib etwas Universelles. Schreib über etwas, das bleibt und nicht nur einen Tag lang hält.“ Gesagt, getan! Die Feuer-Metaphorik übrigens lieh sich Krieger von einer anderen Band: Den Rolling Stones, genauer gesagt deren Song Play With Fire. Die Briten sollten sich später mit den kalifornischen Kollegen anfreunden. Brian Jones war eng mit Manzarek und Morrison verbandelt, der Jones nach seinem tragischen Tod das Gedicht Ode to L.A. While Thinking of Brian Jones, Deceased widmen sollte. Wer hätte ahnen können, dass bald darauf auch die Flamme Morrisons für immer verlöschen sollte…


10. Skrillex – Breakn’ A Sweat

Der Tod Morrisons bedeutete das schlagartige Ende für die Band. Nicht, dass Manzarek, Krieger und Densmore einfach so aufgegeben hätten: Auf ihre Art und Weise trugen sie das Erbe ihrer kurzen Schaffensphase als Doors über Jahrzehnte weiter. Nicht immer lief das reibungslos ab, hin und wieder wurde sich häufiger im Gerichtssaal als auf der Bühne über den Weg gelaufen… Und vor allem schien die typische Doors-Magie diese Welt gemeinsam mit Morrison verlassen zu haben.

2012 aber fanden die drei erneut im Studio zusammen und zwar nicht in ihrem eigenen. Sondern in dem von Sonny Moore, besser bekannt unter seinem Pseudonym Skrillex. Es war eine überraschende Kollaboration, die der 2013 verstorbene Manzarek als „den ersten neuen Doors-Track des 21. Jahrhunderts bezeichnete“. Aufgenommen wurde Breakn’ A Sweat im Rahmen des Dokumentarfilms Re:GENERATION, der DJs mit Artists aus den unterschiedlichsten Genres zusammenbrachte. So sind beziehungsweise waren die drei: Selbst im hohen Alter haben sie nach wie vor keine Berührungsängste. Das machte und macht die Riders of the Storm als Band doch so einflussreich. Weit über den Tod hinaus.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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