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Popkultur

Die musikalische DNA von The Doors

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Bild von Elektra Records-Joel Brodsky (eBay item photo front photo back) [Public domain], via Wikimedia Commons

„Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich“, schrieb der britische Schriftsteller William Blake in seiner Ideenschrift The Marriage of Heaven and Hell. Aldous Huxley, der Autor der bekannten Dystopie Brave New World nahm diese Worte rund 150 Jahre später für ein Essay über Drogenkonsum wieder auf. Darin fand wieder ein anderer Querulant Inspiration: Jim Morrison. Der Rest ist bekannt.


Hör dir hier die musikalische DNA von The Doors als Playlist an und lies weiter:


The Doors veröffentlichten in nur fünf Jahren acht Alben, die Rockgeschichte schrieben. Die enigmatische Magie der Band lag allerdings nicht nur in Morrisons exzentrischen Volten, seinen verqueren und oftmals polarisierenden Texten oder seinem charismatischen und manchmal transgressiven Auftreten begründet. Mit Mastermind Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger und Drummer John Densmore hatte er eine Band im Rücken, deren musikalische Visionen den seinen in nichts nachstanden.

Von den Opern Bertolt Brechts und Kurt Weills über klassischen Rock’n’Roll und Blues hin zu Jazz und allerhand globalen Musikstilen reicht die Palette, welche die Doors über ihre Alben erkundeten. Keine Platte klang gleich, jede hat bis heute ihren ganz eigenen Charakter bewahrt. Wie dieser Charakter im Zusammenspiel der vier Genies zustande kam, erscheint uns an den Pforten der Wahrnehmung – äh, wir meinen mit Blick auf die musikalische DNA der Doors.


1. Allen Ginsberg – Nurse’s Song

Wie William Blake der Band über einen Umweg ihren Namen verlieh, das wissen wir bereits. Wir wissen auch alle, dass Jim Morrison ein waschechter Nerd war, wenn es um Literatur geht. Ein cooler Nerd aber. Neben der Philosophie von Friedrich Nietzsche und der Lyrik der klassischen Moderne – von Charles Baudelaire bis Arthur Rimbaud – waren es auch zeitgenössische Schriftsteller, die ihn mit ihren Werken begeisterten. Und nicht nur damit. Allen Ginsberg beispielsweise gehörte zu einer Gruppe von Literaten, die uns heutzutage als die „Beat Poets“ bekannt sind. Diese Schriftsteller suchten ihre Inspiration lieber On The Road (so der Titel von Jack Kerouacs bekanntestem Buch) oder in miefigen Jazzbars, wo sie der Sound des harten Bebop zu rhythmischer Wortkunst zu verdichten suchten.

Ginsberg gehört zu den wenigen Beat-Poeten, die selbst musikalisch aktiv waren. Neben William S. Burroughs, dessen Cut Up-Technik das moderne Sampling vorwegnahm und der selbst mit Musikern wie Kurt Cobain zusammenarbeitete, kann er als einer der definitiven literarischen Einflüsse auf die Musikwelt im Allgemeinen und damit auch die Doors beziehungsweise Jim Morrison im Speziellen gelten. Die beiden haben sich zumindest auf die eine oder andere Art mit dem Werk William Blakes auseinandergesetzt – Ginsbergs Nurse’s Song ist eine von vielen seiner musikalischen Blake-Interpretationen.


2. Bertolt Brecht und Kurt Weill – Alabama-Song

Es war nicht allein die Literatur und die Musik der Beat Poets, die Morrison und seine Band faszinierten, sondern auch ihr ungebrochener und rebellischer Wille, der Mainstreamkultur eine Alternative entgegen zu setzen. Auch das hatte wiederum Tradition: Der Schriftsteller Bertolt Brecht und der Komponist Kurt Weill zettelten während ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit eine kleine Revolution gegen die Konventionen der Theaterwelt an und kritisierten die Politik der Weimarer Republik ebenso wie später die der Nazis und der USA, wo sie als Exilanten ein Zuhause fanden.

Weill ereilte ein ähnliches Schicksal wie Manzarek, Krieger und Densmore: Stets stand er im Schatten des Dichters, der ohne seine Musik – und gelegentlich auch Texte – sicherlich nicht den Ruhm erlangt hatte, wie er ihm heute noch nachhallt. Von Louis Armstrong über Ella Fitzgerald hin zu Elvis Costello und Nick Cave allerdings zollten ihm zahlreiche MusikerInnen Tribut. So auch die Doors, die auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum mit einer Coverversion des Alabama-Songs brillierten. Der anarchische Spirit des Stücks passte eben nur zu gut zur gelebten Gegenkultur der Doors.


3. Elvis Presley – Jailhouse Rock

Ob in der Literatur der fünfziger und sechziger Jahre oder im Theatertreiben der Weimarer Republik: Die Doors fanden ihre Inspiration nicht allein in der Musik. Und doch: Ganz ohne ging es natürlich nicht. Vergleichbar mit den Revolutionen von Brecht und Weill beziehungsweise später den Beat Poets war sicherlich die Rock’n’Roll-Revolution, an deren Speerspitze Elvis Presley stand. Laut der selbst ziemlich freigeistigen Patti Smith aber hatte „Elvis Demut und Jim nicht.“ Eine ziemlich starke Aussage! Aber stimmt’s?

Eins ist zumindest sicher: Morrisons Gebaren gegenüber Presse und Publikum drohte mehr als einmal, seiner kurzlebigen Band schon viel früher das Licht auszuknipsen. Aber es war gerade Elvis, der ihn zur Ruhe bringen konnte. Angeblich soll er seinen Gesangsstil ausgehend von Frank Sinatra und dem King of Rock modelliert haben und stets um absolute Stille gebeten haben, wenn ein Elvis-Song im Radio lief. Wenn das mal keine Demut ist! Gitarrist Krieger wurde auch durch Elvis für den Rock’n’Roll begeistert: Neben Künstlern wie Fats Domino und den Platters nannte er den King als einen seiner frühesten Einflüsse. Gehört hatte er dessen Musik, na klar, im Radio – und war dabei vermutlich mucksmäuschenstill!


4. Muddy Waters – Close To You

Bevor Elvis maßgeblich dazu beitrug, den schwarzen Rhythm and Blues-Sound als Rock’n’Roll an ein weißes Mainstreampublikum zu verkaufen, gab es den Blues, in dem alle Rockmusik ihre Wurzeln schlägt. Mit Coverversionen von Bo Diddley, Howlin’ Wolf und Muddy Waters zollten die Doors regelmäßig der Musik Tribut, die aus ihren eigenen Kompositionen noch deutlich heraus zu hören war.

Das Doors-Cover von Muddy Waters Close To You, welches 1970 auf dem Absolutely Live-Album veröffentlicht wurde, bietet einige der wenigen Gelegenheiten, Manzarek hinter dem Mikro zu erleben. Neben You Need Meat (Don’t Go No Further) ist es einer der seltenen Doors-Stücke vor Morrisons Tod, bei denen er den Lead-Part übernimmt. Obwohl der Keyboarder aus dem Bereich der Klassik kam, wurde er in seiner Heimatstadt Chicago vom Blues infiziert. Genauer gesagt von eben jenem Muddy Waters, den er dort live erleben durfte.


5. Them – Gloria

Elvis hin, Waters her: Eines der größten kollektiven Vorbilder der Doors kam nicht aus den USA, sondern aus… Nordirland!? Nein, kein Witz: Van Morrison und insbesondere dessen Band Them wurde für die junge Band in Anfangstagen mehr als wichtig. Als die Doors sich in Los Angeles im legendären Whisky A Go Go als Hausband einen Namen machten, durften sie dort auch mit dem „anderen Morrison“ und seiner Truppe die Bühne teilen. Gemeinsam mit ihnen spielten sie dort eine Interpretation von Wilson Picketts In The Midnight Hour und eine 20-minütige (!) Version von Thems Gloria ein.

Die Doors wurden für ihre ekstatischen Jam-Sessions berühmt und Songs wie The End sind ein gutes Beispiel für Kompositionen, die auf der Bühne ihr Eigenleben entwickelten, bevor sie auf Platte gepresst wurden. Auf manchen Mitschnitten aus den Whisky A Go Go-Zeiten der Band sind halbstündige Versionen späterer Doors-Klassiker zu hören! In Sachen Improvisation haben sich die Doors einiges bei den nordirischen Kollegen abgeschaut. Ihre Coverversion von Gloria auf der 1983 veröffentlichten Live-Platte Alive, She Cried ist dennoch „nur“ knapp sechseinhalb Minuten lang.


6. The Kinks – All Day and All of the Night

À propos sich den einen oder anderen Kniff abschauen: Manchmal gingen selbst die Doors zu weit. Als sie 1968 mit dem Album Waiting For The Sun zum ersten Mal die Spitze der LP-Charts in den USA erklommen und mit der Single Hello, I Love You einen absoluten Überhit landeten, waren ein paar Briten davon äußerst irritiert: Die Kinks meinten, darin ihren Song All Day and All of the Night wiederzuerkennen! Doch Kinks-Songwriter Ray Davies entschied sich dazu, die Band nicht der offenkundigen Ähnlichkeit wegen zu verklagen.

Anders sein Bruder und Bandkollege Dave: „Das ist wirklich das Verstörendste überhaupt“, grummelte er in einem Interview. „Letztens habe ich All Day and All of the Night gespielt und einen Part von Hello, I Love You eingebaut. Das gab Reaktionen, ein paar mussten grinsen. Was ich aber nie verstanden habe: Warum niemals jemand etwas darüber gesagt hat. Du kannst über die Doors nichts sagen. Du darfst nicht!! Vielleicht ist es indes aber kein Zufall, dass Morrison selbst bei Konzerten das Mikro manchmal an den Kollegen Manzarek abgab, damit der den Song sang…


7. Art Blakey & The Jazz Messengers – ‘Round Midnight (Live)

Die Momente, in denen Morrison seinen Bandkollegen das Spotlight überließ, waren rar gesät. Dabei lebte die Musik der Doors doch nicht allein von seinem überwältigenden Gesang, sondern ebenso der Rhythmus-Arbeit von Manzarek und Densmore. So wie Manzarek ein klassisches Musikverständnis in die Kompositionen einbrachte, reicherte sie Densmore mit Jazz-Elementen an. Seine eigenen Inspirationen dafür waren unter anderem Elvin Jones, der unter anderem bei John Coltrane hinter der Schießbude saß, und Art Blakey.

„Ich saß in Shelly’s Manhole direkt neben seiner Hi-Hat und habe in sein Kit gestarrt“, erinnerte sich Densmore an die Aufnahmen zu Blakeys legendärem Live-Album, auf dessen Setlist unter anderem auch Jazz-Standards wie ‘Round Midnight standen. „Ich habe sicherlich was ausgeschnappt und an meinen Press Rolls gearbeitet – darin war er ein Meister. Ich habe mich auch an ein paar versucht“, sagte Densmore über die Technik, die er unter anderem im Song Wild Child vom Album The Soft Parade verwendete.


8. Helen Jepson – Summertime

Das Interesse am Jazz wurde nicht nur im Drumming von Densmore und den wilden Akkorden von Manzarek deutlich. Der implizite Jazz-Einfluss, den Morrison über seine Beschäftigung mit den Beat Poets in die Band einbrachte, ist auch nicht zu leugnen – wenngleich er sich ganz anders äußerte. Im Doors-Cover von Summertime allerdings fand sich alles vereint: Das Interesse der Band an Bühnenkunst, breiten Erzählbögen, Jazz und genialem Songwriting.

„Summertime, and the livin’ is easy“, diese Worte klangen bei den Doors aber natürlich ganz anders als bei Helen Jepson, von der die wohl bekannteste Interpretation des George Gershwin-Klassikers aus der Oper Porgy and Bess stammt. Aus dem bittersüßen Wiegenlied, das sich auf afroamerikanische Folk-Weisen stützt, wurde bei den Doors ein schwitziger Ausdauer-Jam, der mit psychedelischen Elementen liebäugelte und Krieger Platz für seine irrwitzigen Gitarrensoli bot.


9. The Rolling Stones – Play With Fire

Neben dem dandyhaften Manzarek und dem Charisma eines Jim Morrisons musste Robby Krieger häufig gemeinsam mit Densmore vom Bühnenrand dabei zuschauen, wie seine Kollegen den Ruhm ernteten. Dabei war er doch für viele Doors-Hits verantwortlich. Light My Fire war sein Songwriter-Debüt, nachdem zuvor Morrison die meisten der Stücke geschrieben hatte. Mehr noch war es Kriegers erste eigene Komposition überhaupt! Kaum zu glauben, dass es sich dabei um einen ersten musikalischen Gehversuch handeln soll.

Die direkte Inspiration kam von Morrison, der dem Gitarristen riet: „Schreib etwas Universelles. Schreib über etwas, das bleibt und nicht nur einen Tag lang hält.“ Gesagt, getan! Die Feuer-Metaphorik übrigens lieh sich Krieger von einer anderen Band: Den Rolling Stones, genauer gesagt deren Song Play With Fire. Die Briten sollten sich später mit den kalifornischen Kollegen anfreunden. Brian Jones war eng mit Manzarek und Morrison verbandelt, der Jones nach seinem tragischen Tod das Gedicht Ode to L.A. While Thinking of Brian Jones, Deceased widmen sollte. Wer hätte ahnen können, dass bald darauf auch die Flamme Morrisons für immer verlöschen sollte…


10. Skrillex – Breakn’ A Sweat

Der Tod Morrisons bedeutete das schlagartige Ende für die Band. Nicht, dass Manzarek, Krieger und Densmore einfach so aufgegeben hätten: Auf ihre Art und Weise trugen sie das Erbe ihrer kurzen Schaffensphase als Doors über Jahrzehnte weiter. Nicht immer lief das reibungslos ab, hin und wieder wurde sich häufiger im Gerichtssaal als auf der Bühne über den Weg gelaufen… Und vor allem schien die typische Doors-Magie diese Welt gemeinsam mit Morrison verlassen zu haben.

2012 aber fanden die drei erneut im Studio zusammen und zwar nicht in ihrem eigenen. Sondern in dem von Sonny Moore, besser bekannt unter seinem Pseudonym Skrillex. Es war eine überraschende Kollaboration, die der 2013 verstorbene Manzarek als „den ersten neuen Doors-Track des 21. Jahrhunderts bezeichnete“. Aufgenommen wurde Breakn’ A Sweat im Rahmen des Dokumentarfilms Re:GENERATION, der DJs mit Artists aus den unterschiedlichsten Genres zusammenbrachte. So sind beziehungsweise waren die drei: Selbst im hohen Alter haben sie nach wie vor keine Berührungsängste. Das machte und macht die Riders of the Storm als Band doch so einflussreich. Weit über den Tod hinaus.


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35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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Popkultur

Ein Schal für Freddie Mercury: Lisa Marie Presley wäre 55 Jahre alt geworden

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Lisa Marie Presley
Foto: Christopher Polk/Getty Images for Wonderwall

Am 1. Februar 2023 hätte Lisa Marie Presley ihren 55. Geburtstag gefeiert. Der Schock, dass sie das niemals tun wird, sitzt immer noch tief: Die Tochter von Elvis und Priscilla Presley starb am 25. Januar 2023 völlig überraschend.

 von Markus Brandstetter

Ein Leben im Scheinwerferlicht, das war für die einzige Tochter des King of Rock’n’Roll vorprogrammiert. Genau neun Monate nach der Hochzeit von Elvis und Priscilla wurde Lisa Marie Presley in Memphis im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee geboren. Sie war sechs Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie zog mit ihrer Mutter nach Los Angeles, besuchte Elvis aber oft in Graceland.

Gute Beziehung zu Elvis

„Er war sehr beschützend, sehr fürsorglich und sehr wachsam. Ich wusste, dass ich geliebt wurde, daran bestand kein Zweifel“, erzählte sie einmal in einem Interview über ihren Vater. Lisa Marie war neun Jahre alt, als ihr Vater starb. Gemeinsam mit ihrer Großmutter Minnie Mae und ihrem Großvater Vernon Presley wurde sie zur Erbin des Elvis-Nachlasses erkoren; als die beiden 1979 und 1980 starben, wurde sie zur Alleinerbin. Als sie 25 Jahre alt war, bekam sie das Elvis Estate, damals 100 Millionen Dollar wert. Gut gewirtschaftet wurde mit dem Geld aber wohl nicht: 2018 erklärte sie vor Gericht, dass sie nur noch 14.000 Dollar habe und dies ihrem ehemaligen Businessmanager Barry Siegel zu verdanken sei.

Lisa Marie Presley zog es selbst zur Musik hin — ihr erstes Konzerterlebnis hatte sie ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters. Da sah sie die britischen Rocklegenden Queen — und schenkte Freddie Mercury nach dem Konzert ein Accessoire ihres Vaters. „Ich erinnere mich, dass ich Freddie Mercury einen Schal meines Vaters mitbrachte und ihn ihm nach der Show schenkte. Ich liebte es. Ich liebte die Theatralik. Ich liebte Freddie. Ich fand Queen großartig“, erzählte sie einmal. Das erste Mal selbst in Erscheinung trat sie erst 1997 — mit einem virtuellen Duett mit ihrem Vater. Elvis hatte vor seinem Tod einige Aufnahmen und Gesangsspuren hinterlassen — aus einem wurde das Duett Don’t Cry Daddy.

„Ihre eigene Rock-Queen“: Presleys erstes Soloalbum

2003 veröffentlichte Lisa Marie Presley ihr erstes Soloalbum — und alle Augen waren natürlich auf sie gerichtet. Auf To Whom It May Concern arbeitete sie mit bekannten Songwritern und Produzenten (unter anderem Glen Ballard) zusammen. Die Lyrics stammen alle von ihr (mit Ausnahme des Stücks The Road Between, das sie gemeinsam mit Gus Black verfasste), bei der Musik war sie an allen Songs als Co-Autorin beteiligt. „Presleys überraschend kraftvolle Stimme schwingt von einem tiefen Ton bis zu einem bluesgetränkten Heulen und übertrumpft die glänzende Produktion von Eric Rosse und Andrew Slater“, schrieb der US-amerikanische Rolling Stone damals. Die Kritiken waren wohlwollend: „Nichtsdestotrotz zeigt To Whom It May Concern eine Menge Herzenswärme. Wenn sie das hier gezeigte Potenzial ausschöpft, hat die Tochter des King of Rock die Chance, ihre eigene Rock-Queen zu werden.“ Noch überzeugter zeigte sich der Kritiker Robert Hilburn, der die Kompromisslosigkeit des Albums lobte und attestierte: „Presleys mutige, bluesige Stimme hat ein unverwechselbares Flair.“ Das Album schaffte es auf Nummer 5 der US-amerikanischen Billboard Charts und wurde mit Gold ausgezeichnet.

2005 legte Presley mit dem Album Now What nach — mit eher durchwachsenen Kritiken. Wie auch der Vorgänger war die Platte eher im Pop-Rock angesiedelt. Ihr wohl bestes Werk war ihr letztes: Auf Storm & Grace widmete sich Presley Country, Folk und Blues (das alles immer noch mit jeder Menge Pop-Appeal), arbeitete dafür mit dem renommierten Musiker und Produzenten T Bone Burnett zusammen.

Nicht wegen Musik im Scheinwerferlicht

Allerdings war Lisa Marie Presley mehr wegen ihres Privatlebens als ihres musikalischen Schaffens im Rampenlicht. Klar, wenn die Tochter des King of Rock’n’Roll den King of Pop — wir sprechen hier natürlich von Michael Jackson — heiratet, ist das schon spektakulär. Die Ehe — es war nicht ihre erste – hielt zwei Jahre. Insgesamt war Presley viermal verheiratet, mit Danny Keough (sie hatte ihn bei Scientology kennengelernt) hatte sie zwei Kinder. Sechs Jahre nach der Ehe mit Jackson heiratete sie den Hollywood-Schauspieler Nicholas Cage, die Ehe ging nach drei Monaten in die Brüche. Von 2006 bis 2008 war sie mit dem Musiker Michael Lockwood verheiratet, mit dem sie 2021 Zwillingstöchter bekam. Den größten Schicksalsschlag ihres Lebens erlitt Lisa Marie Presley im Juli 2020, als ihr Sohn Benjamin Keough sich das Leben nahm.

Kurz vor ihrem Tod zeigte sich Lisa Marie Presley noch gemeinsam mit Mutter Priscilla auf dem roten Teppich der Premiere des Elvis-Biopics. Kurz danach kam die Meldung, sie habe einen Herzstillstand erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Wenig später kam die traurige Gewissheit, dass Lisa Marie Presley im Alter von nur 54 Jahren verstorben war. Über ihren Gesundheitszustand, ihre letzten Monate und zuletzt auch ihr Testament wird immer noch viel spekuliert und berichtet, dies soll an dieser Stelle ausgespart werden. Über ihre eigenen Kämpfe berichtete sie im Laufe der Jahre selbst immer wieder — erzählte von Süchten, zerbrochenen Ehen und ihrer Einsamkeit als Teenager.

Lisa Marie Presley wurde in Graceland beigesetzt — neben ihrem Vater Elvis und ihrem Sohn Benjamin.

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Axl Rose: „November Rain“-Soloauftritt bei Lisa Marie Presleys Trauerfeier

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