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Popkultur

Die musikalische DNA von The Doors

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Bild von Elektra Records-Joel Brodsky (eBay item photo front photo back) [Public domain], via Wikimedia Commons

„Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich“, schrieb der britische Schriftsteller William Blake in seiner Ideenschrift The Marriage of Heaven and Hell. Aldous Huxley, der Autor der bekannten Dystopie Brave New World nahm diese Worte rund 150 Jahre später für ein Essay über Drogenkonsum wieder auf. Darin fand wieder ein anderer Querulant Inspiration: Jim Morrison. Der Rest ist bekannt.


Hör dir hier die musikalische DNA von The Doors als Playlist an und lies weiter:


The Doors veröffentlichten in nur fünf Jahren acht Alben, die Rockgeschichte schrieben. Die enigmatische Magie der Band lag allerdings nicht nur in Morrisons exzentrischen Volten, seinen verqueren und oftmals polarisierenden Texten oder seinem charismatischen und manchmal transgressiven Auftreten begründet. Mit Mastermind Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger und Drummer John Densmore hatte er eine Band im Rücken, deren musikalische Visionen den seinen in nichts nachstanden.

Von den Opern Bertolt Brechts und Kurt Weills über klassischen Rock’n’Roll und Blues hin zu Jazz und allerhand globalen Musikstilen reicht die Palette, welche die Doors über ihre Alben erkundeten. Keine Platte klang gleich, jede hat bis heute ihren ganz eigenen Charakter bewahrt. Wie dieser Charakter im Zusammenspiel der vier Genies zustande kam, erscheint uns an den Pforten der Wahrnehmung – äh, wir meinen mit Blick auf die musikalische DNA der Doors.


1. Allen Ginsberg – Nurse’s Song

Wie William Blake der Band über einen Umweg ihren Namen verlieh, das wissen wir bereits. Wir wissen auch alle, dass Jim Morrison ein waschechter Nerd war, wenn es um Literatur geht. Ein cooler Nerd aber. Neben der Philosophie von Friedrich Nietzsche und der Lyrik der klassischen Moderne – von Charles Baudelaire bis Arthur Rimbaud – waren es auch zeitgenössische Schriftsteller, die ihn mit ihren Werken begeisterten. Und nicht nur damit. Allen Ginsberg beispielsweise gehörte zu einer Gruppe von Literaten, die uns heutzutage als die „Beat Poets“ bekannt sind. Diese Schriftsteller suchten ihre Inspiration lieber On The Road (so der Titel von Jack Kerouacs bekanntestem Buch) oder in miefigen Jazzbars, wo sie der Sound des harten Bebop zu rhythmischer Wortkunst zu verdichten suchten.

Ginsberg gehört zu den wenigen Beat-Poeten, die selbst musikalisch aktiv waren. Neben William S. Burroughs, dessen Cut Up-Technik das moderne Sampling vorwegnahm und der selbst mit Musikern wie Kurt Cobain zusammenarbeitete, kann er als einer der definitiven literarischen Einflüsse auf die Musikwelt im Allgemeinen und damit auch die Doors beziehungsweise Jim Morrison im Speziellen gelten. Die beiden haben sich zumindest auf die eine oder andere Art mit dem Werk William Blakes auseinandergesetzt – Ginsbergs Nurse’s Song ist eine von vielen seiner musikalischen Blake-Interpretationen.


2. Bertolt Brecht und Kurt Weill – Alabama-Song

Es war nicht allein die Literatur und die Musik der Beat Poets, die Morrison und seine Band faszinierten, sondern auch ihr ungebrochener und rebellischer Wille, der Mainstreamkultur eine Alternative entgegen zu setzen. Auch das hatte wiederum Tradition: Der Schriftsteller Bertolt Brecht und der Komponist Kurt Weill zettelten während ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit eine kleine Revolution gegen die Konventionen der Theaterwelt an und kritisierten die Politik der Weimarer Republik ebenso wie später die der Nazis und der USA, wo sie als Exilanten ein Zuhause fanden.

Weill ereilte ein ähnliches Schicksal wie Manzarek, Krieger und Densmore: Stets stand er im Schatten des Dichters, der ohne seine Musik – und gelegentlich auch Texte – sicherlich nicht den Ruhm erlangt hatte, wie er ihm heute noch nachhallt. Von Louis Armstrong über Ella Fitzgerald hin zu Elvis Costello und Nick Cave allerdings zollten ihm zahlreiche MusikerInnen Tribut. So auch die Doors, die auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum mit einer Coverversion des Alabama-Songs brillierten. Der anarchische Spirit des Stücks passte eben nur zu gut zur gelebten Gegenkultur der Doors.


3. Elvis Presley – Jailhouse Rock

Ob in der Literatur der fünfziger und sechziger Jahre oder im Theatertreiben der Weimarer Republik: Die Doors fanden ihre Inspiration nicht allein in der Musik. Und doch: Ganz ohne ging es natürlich nicht. Vergleichbar mit den Revolutionen von Brecht und Weill beziehungsweise später den Beat Poets war sicherlich die Rock’n’Roll-Revolution, an deren Speerspitze Elvis Presley stand. Laut der selbst ziemlich freigeistigen Patti Smith aber hatte „Elvis Demut und Jim nicht.“ Eine ziemlich starke Aussage! Aber stimmt’s?

Eins ist zumindest sicher: Morrisons Gebaren gegenüber Presse und Publikum drohte mehr als einmal, seiner kurzlebigen Band schon viel früher das Licht auszuknipsen. Aber es war gerade Elvis, der ihn zur Ruhe bringen konnte. Angeblich soll er seinen Gesangsstil ausgehend von Frank Sinatra und dem King of Rock modelliert haben und stets um absolute Stille gebeten haben, wenn ein Elvis-Song im Radio lief. Wenn das mal keine Demut ist! Gitarrist Krieger wurde auch durch Elvis für den Rock’n’Roll begeistert: Neben Künstlern wie Fats Domino und den Platters nannte er den King als einen seiner frühesten Einflüsse. Gehört hatte er dessen Musik, na klar, im Radio – und war dabei vermutlich mucksmäuschenstill!


4. Muddy Waters – Close To You

Bevor Elvis maßgeblich dazu beitrug, den schwarzen Rhythm and Blues-Sound als Rock’n’Roll an ein weißes Mainstreampublikum zu verkaufen, gab es den Blues, in dem alle Rockmusik ihre Wurzeln schlägt. Mit Coverversionen von Bo Diddley, Howlin’ Wolf und Muddy Waters zollten die Doors regelmäßig der Musik Tribut, die aus ihren eigenen Kompositionen noch deutlich heraus zu hören war.

Das Doors-Cover von Muddy Waters Close To You, welches 1970 auf dem Absolutely Live-Album veröffentlicht wurde, bietet einige der wenigen Gelegenheiten, Manzarek hinter dem Mikro zu erleben. Neben You Need Meat (Don’t Go No Further) ist es einer der seltenen Doors-Stücke vor Morrisons Tod, bei denen er den Lead-Part übernimmt. Obwohl der Keyboarder aus dem Bereich der Klassik kam, wurde er in seiner Heimatstadt Chicago vom Blues infiziert. Genauer gesagt von eben jenem Muddy Waters, den er dort live erleben durfte.


5. Them – Gloria

Elvis hin, Waters her: Eines der größten kollektiven Vorbilder der Doors kam nicht aus den USA, sondern aus… Nordirland!? Nein, kein Witz: Van Morrison und insbesondere dessen Band Them wurde für die junge Band in Anfangstagen mehr als wichtig. Als die Doors sich in Los Angeles im legendären Whisky A Go Go als Hausband einen Namen machten, durften sie dort auch mit dem „anderen Morrison“ und seiner Truppe die Bühne teilen. Gemeinsam mit ihnen spielten sie dort eine Interpretation von Wilson Picketts In The Midnight Hour und eine 20-minütige (!) Version von Thems Gloria ein.

Die Doors wurden für ihre ekstatischen Jam-Sessions berühmt und Songs wie The End sind ein gutes Beispiel für Kompositionen, die auf der Bühne ihr Eigenleben entwickelten, bevor sie auf Platte gepresst wurden. Auf manchen Mitschnitten aus den Whisky A Go Go-Zeiten der Band sind halbstündige Versionen späterer Doors-Klassiker zu hören! In Sachen Improvisation haben sich die Doors einiges bei den nordirischen Kollegen abgeschaut. Ihre Coverversion von Gloria auf der 1983 veröffentlichten Live-Platte Alive, She Cried ist dennoch „nur“ knapp sechseinhalb Minuten lang.


6. The Kinks – All Day and All of the Night

À propos sich den einen oder anderen Kniff abschauen: Manchmal gingen selbst die Doors zu weit. Als sie 1968 mit dem Album Waiting For The Sun zum ersten Mal die Spitze der LP-Charts in den USA erklommen und mit der Single Hello, I Love You einen absoluten Überhit landeten, waren ein paar Briten davon äußerst irritiert: Die Kinks meinten, darin ihren Song All Day and All of the Night wiederzuerkennen! Doch Kinks-Songwriter Ray Davies entschied sich dazu, die Band nicht der offenkundigen Ähnlichkeit wegen zu verklagen.

Anders sein Bruder und Bandkollege Dave: „Das ist wirklich das Verstörendste überhaupt“, grummelte er in einem Interview. „Letztens habe ich All Day and All of the Night gespielt und einen Part von Hello, I Love You eingebaut. Das gab Reaktionen, ein paar mussten grinsen. Was ich aber nie verstanden habe: Warum niemals jemand etwas darüber gesagt hat. Du kannst über die Doors nichts sagen. Du darfst nicht!! Vielleicht ist es indes aber kein Zufall, dass Morrison selbst bei Konzerten das Mikro manchmal an den Kollegen Manzarek abgab, damit der den Song sang…


7. Art Blakey & The Jazz Messengers – ‘Round Midnight (Live)

Die Momente, in denen Morrison seinen Bandkollegen das Spotlight überließ, waren rar gesät. Dabei lebte die Musik der Doors doch nicht allein von seinem überwältigenden Gesang, sondern ebenso der Rhythmus-Arbeit von Manzarek und Densmore. So wie Manzarek ein klassisches Musikverständnis in die Kompositionen einbrachte, reicherte sie Densmore mit Jazz-Elementen an. Seine eigenen Inspirationen dafür waren unter anderem Elvin Jones, der unter anderem bei John Coltrane hinter der Schießbude saß, und Art Blakey.

„Ich saß in Shelly’s Manhole direkt neben seiner Hi-Hat und habe in sein Kit gestarrt“, erinnerte sich Densmore an die Aufnahmen zu Blakeys legendärem Live-Album, auf dessen Setlist unter anderem auch Jazz-Standards wie ‘Round Midnight standen. „Ich habe sicherlich was ausgeschnappt und an meinen Press Rolls gearbeitet – darin war er ein Meister. Ich habe mich auch an ein paar versucht“, sagte Densmore über die Technik, die er unter anderem im Song Wild Child vom Album The Soft Parade verwendete.


8. Helen Jepson – Summertime

Das Interesse am Jazz wurde nicht nur im Drumming von Densmore und den wilden Akkorden von Manzarek deutlich. Der implizite Jazz-Einfluss, den Morrison über seine Beschäftigung mit den Beat Poets in die Band einbrachte, ist auch nicht zu leugnen – wenngleich er sich ganz anders äußerte. Im Doors-Cover von Summertime allerdings fand sich alles vereint: Das Interesse der Band an Bühnenkunst, breiten Erzählbögen, Jazz und genialem Songwriting.

„Summertime, and the livin’ is easy“, diese Worte klangen bei den Doors aber natürlich ganz anders als bei Helen Jepson, von der die wohl bekannteste Interpretation des George Gershwin-Klassikers aus der Oper Porgy and Bess stammt. Aus dem bittersüßen Wiegenlied, das sich auf afroamerikanische Folk-Weisen stützt, wurde bei den Doors ein schwitziger Ausdauer-Jam, der mit psychedelischen Elementen liebäugelte und Krieger Platz für seine irrwitzigen Gitarrensoli bot.


9. The Rolling Stones – Play With Fire

Neben dem dandyhaften Manzarek und dem Charisma eines Jim Morrisons musste Robby Krieger häufig gemeinsam mit Densmore vom Bühnenrand dabei zuschauen, wie seine Kollegen den Ruhm ernteten. Dabei war er doch für viele Doors-Hits verantwortlich. Light My Fire war sein Songwriter-Debüt, nachdem zuvor Morrison die meisten der Stücke geschrieben hatte. Mehr noch war es Kriegers erste eigene Komposition überhaupt! Kaum zu glauben, dass es sich dabei um einen ersten musikalischen Gehversuch handeln soll.

Die direkte Inspiration kam von Morrison, der dem Gitarristen riet: „Schreib etwas Universelles. Schreib über etwas, das bleibt und nicht nur einen Tag lang hält.“ Gesagt, getan! Die Feuer-Metaphorik übrigens lieh sich Krieger von einer anderen Band: Den Rolling Stones, genauer gesagt deren Song Play With Fire. Die Briten sollten sich später mit den kalifornischen Kollegen anfreunden. Brian Jones war eng mit Manzarek und Morrison verbandelt, der Jones nach seinem tragischen Tod das Gedicht Ode to L.A. While Thinking of Brian Jones, Deceased widmen sollte. Wer hätte ahnen können, dass bald darauf auch die Flamme Morrisons für immer verlöschen sollte…


10. Skrillex – Breakn’ A Sweat

Der Tod Morrisons bedeutete das schlagartige Ende für die Band. Nicht, dass Manzarek, Krieger und Densmore einfach so aufgegeben hätten: Auf ihre Art und Weise trugen sie das Erbe ihrer kurzen Schaffensphase als Doors über Jahrzehnte weiter. Nicht immer lief das reibungslos ab, hin und wieder wurde sich häufiger im Gerichtssaal als auf der Bühne über den Weg gelaufen… Und vor allem schien die typische Doors-Magie diese Welt gemeinsam mit Morrison verlassen zu haben.

2012 aber fanden die drei erneut im Studio zusammen und zwar nicht in ihrem eigenen. Sondern in dem von Sonny Moore, besser bekannt unter seinem Pseudonym Skrillex. Es war eine überraschende Kollaboration, die der 2013 verstorbene Manzarek als „den ersten neuen Doors-Track des 21. Jahrhunderts bezeichnete“. Aufgenommen wurde Breakn’ A Sweat im Rahmen des Dokumentarfilms Re:GENERATION, der DJs mit Artists aus den unterschiedlichsten Genres zusammenbrachte. So sind beziehungsweise waren die drei: Selbst im hohen Alter haben sie nach wie vor keine Berührungsängste. Das machte und macht die Riders of the Storm als Band doch so einflussreich. Weit über den Tod hinaus.


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Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

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Pinke Stromgitarren für den Weltfrieden: Barbie And The Rockers

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Barbie And The Rockers

„"Blonde Haare, ein pinkes Traumhaus und ein noch pinkeres Cabrio: Seit mehr als sechs Jahrzehnten gehört Barbie zu den beliebtesten Spielzeugfiguren der Welt. Der erste Film mit der populären Puppe erschien am 27. September 1987 auf Videokassette. Der Name des Streifens: Barbie And The Rockers: Out Of This World. Ja, wirklich.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einen Ausschnitt aus Barbie And The Rockers anschauen:

Ihr habt richtig gelesen: Mitte der Achtziger gründet Barbie ihre eigene Band. Der Hintergrund: Spielzeughersteller Mattel möchte dem Konkurrenzprodukt Jem And The Holograms aus dem Hause Hasbro etwas entgegensetzen und schickt Barbie in die Welt der Krachmusik. „Barbie And The Rockers“ heißt die neue Reihe; in Europa erscheint sie unter dem Namen „Barbie And The Rock Stars“. E-Gitarren, ein Drumkit, sogar eine Bühne: Kinder, die mit der blonden Puppe Rock’n’Roll spielen möchten, haben ab 1985 die freie Wahl. Und nicht nur das: Die lautstarke Spielzeugreihe läutet auch Barbies Filmdebüt ein. Am 27. September 1987 erscheint die allererste Fernsehsendung der Puppe auf Videokassette.

Zugegeben, die Handlung von Barbie And The Rockers: Out Of This World klingt ein wenig albern. In dem Film wird Barbie aufgrund ihrer weltweiten Berühmtheit zur Botschafterin für den Weltfrieden ernannt. Als die Gruppe ihre Welttournee beendet hat, sagt Barbie, sie habe etwas ganz Besonderes geplant, das „nicht von dieser Welt“ sei. Selbst ihre Band weiß noch nicht, worum es geht. Eines Tages bekommt Barbie eine Einladung von der Weltfriedensorganisation. Zu ihren Ehren soll ein Ball veranstaltet werden. Sie bittet Ken darum, sie zu begleiten, und geht mit ihren Freundinnen shoppen. Auf dem Ball verkündet Barbie dann die große Neuigkeit: Sie möchte mit ihrer Band ein Konzert im Weltall geben.

Barbie And The Rockers: Soundtrack von den Beatles und Lovin’ Spoonful

Anfangs sind ihre Bandmitglieder wenig begeistert von der Idee, stimmen aber schließlich zu. Später fliegt die Rockgruppe mit einem pinken Space Shuttle zum „Interstar Amphitheater“, wo sie von einem Herrn namens Dr. Leonard begrüßt wird. Ein kleines Publikum wartet auch schon auf die Rockerinnen. Der anschließende Auftritt von Barbie und Co. wird weltweit im Fernsehen übertragen und die Band stellt sogar einen neuen Song vor, den sie extra für die Show geschrieben hat. Zum Schluss der Show erklärt Barbie, dass dies der erste Tag des Weltfriedens sei, und dass es nicht der letzte sein wird, wenn alle das genug wollen. Leichte Kost, also. Für den Soundtrack des Streifens covert Barbie unter anderem die Beatles und Lovin’ Spoonful.

Heute gibt es unzählige Barbie-Filme; ein weiterer soll nächstes Jahr anlaufen. Falls wir euch mit unserem Artikel angefixt haben, müssen wir euch allerdings enttäuschen: Barbie And The Rockers: Out Of This World ist ausschließlich auf gebrauchten Videokassetten und einigen wenigen DVDs erhältlich. Einer Neuauflage scheinen vor allem die Coversongs im Weg zu stehen, die für eine erneute Veröffentlichung noch einmal lizensiert werden müssten. Vielleicht klappt das ja eines Tages. Es wäre sogar ein Box-Set möglich. Mit Barbie And The Sensations: Rockin’ Back To Earth gibt es nämlich noch eine Fortsetzung von Barbies Rockstar-Abenteuern. Im Sequel kehrt die Puppe mit ihrer Band auf die Erde zurück — und steckt auf einmal im Jahr 1959 fest. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Die 10 größten Meat-Loaf-Hymnen

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Meat Loaf
Foto: Sony Music Archive via Getty Images/Terry Lott

Er war ein gewaltiger Rockstar im Wortsinn: Die Musikwelt trauert um den großen Meat Loaf. Wir erinnern uns an den legendären Koloss des Hard Rock und blicken auf seine unvergesslichsten Songs zurück.

 von Björn Springorum

Auch wenn er natürlich viel mehr gemacht hat: Am ehesten bringt man Meat Loaf mit seiner Bat-Out-Of-Hell-Trilogie in Verbindung. Mehr als 65 Millionen Mal haben sich diese drei Alben verkauft, das erste und erfolgreichste geht bis heute rund 200.000 Mal jährlich über den Ladentisch. Kein Wunder: Das Meisterwerk von 1977 ist ein stellarer Moment des theatralischen Hard Rock, eine Art Broadway-Musical mit harten Gitarren.

Seine Stimme und das kompositorische Genie seines langjährigen Partners Jim Steinman nehmen eine Ausnahmestellung im Kanon des Rock‘n‘Roll ein. Hier kommen zehn seiner mächtigsten, emotionalsten, größten Songs.

1. I’d Lie For You (And That’s the Truth) (1995)

Meat Loaf hat sich nicht immer auf die Kompositionen von Jim Steinman verlassen. Schon zwei Jahre nach dem Erfolg von Bat Out of Hell II: Back Into Hell kommt Meat Loaf mit Welcome To The Neighborhood um die Ecke, einem Album, das auch ohne Steinman so klingt, als hätte er es geschrieben. Der erfolgreichste Song daraus wurde von Diane Warren komponiert, die zur damaligen Zeit eine unaufhaltsame Hitmaschine war. Die Power-Ballade wird dann auch zu seinem letzten großen Hit.

2. Rock And Roll Dreams Come Through (1993)

So ziemlich jeder Song auf der Fortsetzung von Bat Out Of Hell zeigt, dass weder Meat Loaf noch Jim Steinman die Pause von 16 Jahren geschadet hat. Ursprünglich für Steinmans 1981er Soloalbum aufgenommen, wird es durch Meat Loaf zu einem weiteren großen Epos aus Herzschmerz und einem Refrain, der so heute einfach nicht mehr gemacht wird. Ganz großes Kitschkino.

3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (On A Hot Summer Night) (1977)

Als erster Beitrag seines legendären Gamechangers Bat Out Of Hell steht hier You Took The Words Right Out Of My Mouth, ein wahrgewordener Hard-Rock-Traum mit gotischem Video, grandioser Hook und allem, was den Rock‘n‘Roll der Siebziger so größenwahnsinnig machte. Besser wird‘s auch auf der größten Bühne nicht.

4. Two Out Of Three Ain’t Bad (1977)

Eigentlich könnte hier ja einfach das gesamte Bat Out Of Hell stehen, fertig. Es gibt einfach keinen Filler auf diesem Album. Auch Two Out Of Three Ain’t Bad ist ein echter Killer: Eine große, große Ballade, die Meat Loaf auf einem absoluten Höhepunkt zeigt und zugleich eins der besten Beispiele für Steinmans kompositorisches Genie ist. So was nennt man dann wohl perfekte Chemie.

5. Bat Out Of Hell (1977)

Allen Ernstes, wer sein Debüt mit einem Paukenschlag wie diesem eröffnen kann, der hat schon alles geschafft, ehe er überhaupt so richtig angefangen hat. Fast zehn Minuten nimmt sich der ausladende Opener Zeit und zieht auf dieser Langstrecke gleich mal alle Register: die Ouvertüre zu diesem unfassbaren Musiktheater, ein Start mit Feuerwerk, Kanonen und massiver Produktion. Übrigens: Als musikalische Gäste mischen hier Todd Rundgren sowie Roy Bittan und Max Weinberg von der E Street Band mit. Es heißt schon was, wenn man sagt, dass es die echt nicht gebraucht hätte.

6. Hot Patootie – Bless My Soul (1975)

Natürlich darf die Rocky Horror Picture Show hier nicht fehlen. Meat Loaf gibt in diesem schrägen Stück Rock‘n‘Roll den dusseligen Biker Eddie, der den Laden gehörig aufmischt. Sicherlich nicht seine Sternstunde. Aber allein aus popkultureller Sicht erwähnenswert.

7. Read ’Em And Weep (1981)

Kurioserweise wird nicht alles, was Meat Loaf und Jim Steinman gemeinsam angingen, zu Gold. Dead Ringer, der schwierige Nachfolger zu Bat Out Of Hell, leidet unter dem enormen Erfolg des Vorgängers, hat aber einige Perlen zu bieten. Read ’Em And Weep zum Beispiel, eine stimmungsvolle Ballade, die aber erst zwei Jahre später durch Barry Manilow zu einem gewaltigen Erfolg wird. Muss man manchmal nicht verstehen.

8. Objects In The Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are (1993)

Am besten waren Meat Loaf und Jim Steinman immer zusammen. Das zeigt auch Bat Out Of Hell II: Back Into Hell, das Album, das 1993 eine zwölfjährige Funkstille beendet. Da ist sie wieder, diese theatralische, dramatische Magie und diese unfassbare Energie. Wir wiederholen uns, aber: Niemand schreibt solche Refrains!

9. I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) (1993)

Sein wahrscheinlich größter Hit stammt ebenfalls vom zweiten Teil seiner definierenden Trilogie: I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) ist eine der größten Rock-Balladen aller Zeiten – obwohl bis heute eigentlich niemand so recht weiß, worum es in der Nummer eigentlich geht. Egal, die Musik ist so unfassbar spektakulär, dass Meat Loaf auch nur summen könnte und die Nummer wäre immer noch unsterblich.

10. Paradise By The Dashboard Light (1977)

Wenn wir uns festlegen müssten, würden wir diesen Song als absolutes Karrierehoch von Meat Loaf wählen. Unterteilt in drei Kapitel und über acht Minuten lang, dennoch als Single veröffentlicht: Für Meat Loaf und Jim Steinman gelten damals andere Regeln. Der Song ist ein Überbleibsel aus Steinmans Neverland-Musical und bringt Meat Loaf mit der Hauptrolle Ellen Foley zusammen. Ziemlich irre ist er auch: Inhaltlich dem Thema Sex im Auto verschrieben, gibt es im Video eine wilde Rummachszene, geschnitten in ein Baseballspiel.

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