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Popkultur

Die musikalische DNA von Deep Purple

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Dö-dö-dööö, dö döö-dö-dööö, dö-dö-döööö – dö dööö! Töne, die beizeiten aus jedem Jugendzimmer dröhnen, sobald der Nachwuchs die Gitarre für sich entdeckt. Das weltbekannte Riff von Deep Purples Smoke In The Water ist aber eben nicht alles, was die 1968 gegründete Band um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Ian Paice ausmacht. Ohne Deep Purple wäre Hard Rock vielleicht hart geblieben, hätte sich aber nicht zu Metal verdichtet. Zahlreiche Bands nannte die Band neben Black Sabbath und Led Zeppelin als Teil der heiligen Trias, die den Sound des Genres entscheidend beeinflussen sollten. So beständig wie ihr Einfluss aber war die Band als solche keineswegs. Für eine längere Zeit existierte Deep Purple überhaupt nicht und die ständigen Veränderungen im Kader sind längst legendär: Tatsächlich sogar haben die einzelnen Zusammensetzungen bei Fans und Kritik sogar ihre eigenen Namen beziehungsweise Nummern!


Hört euch hier die musikalische DNA von Deep Purple in einer Playlist an und lest weiter:


Deep Purple, die 1975 einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als lauteste Band der Welt erhielten, arbeiteten so hart wie sie klangen. Ganze sechs Alben nahm die Band während ihrer ersten dreieinhalb Jahre auf und noch 2007 spielten sie 40 Konzerte – nur allein in Frankreich! Ein Arbeitseifer, der durchaus seine negativen Effekte mit sich brachte. Interne Zerwürfnisse, vorzeitige Drogentode, das Kommen und Gehen von Mitgliedern. Das Rockerleben ist eben doch kein leichtes. Obwohl Deep Purple indes vielen Veränderungen und Rückschlägen ausgesetzt waren, zeichnete sie doch stets ihre Beharrlichkeit aus. Als die Band zum Beispiel 1971 in der Schweiz ihr Album Machine Head im Montreux Casino aufnehmen wollte, standen sie vor einer verbrannten Ruine. Irgendein Genie hatte während eines Frank Zappa-Konzerts eine Leuchtpistole gezündet, der Saal brannte ab. Deep Purple jedoch ließen sich nicht beirren, zogen in ein nahegelegenes Hotel und nahmen inspiriert vom Geschehen dort den Song mit dem wohl markantesten Riff der Rockgeschichte auf: Smoke On The Water. Dass Deep Purple mehr als ein paar Skandälchen und einen großen Hit zu bieten haben, liegt vor allem in ihrer stilistischen Vielseitigkeit begründet. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA einer Band, die Härte neu definiert hat!


01. Peter DeRose – Deep Purple

Aller Anfang ist schwer, für eine Band war er sehr beschwerlich: Roundabout schienen von Anfang an unter einem schlechten Stern zu stehen. Die im Namen ausgedrückte Idee eines Besetzungskarussells nämlich schien sich früher zu bewahrheiten, als es den Mitgliedern lieb war. Während einer Tour durch Dänemark und Schweden aber schüttelten sie den Namen ab und legten sich einen neuen zu: Deep Purple. Wie es dazu kam, darum ranken sich die Legenden. Eine behauptet, Ritchie Blackmore habe diesen Namen einem Journalisten genannt, der die Band auf einer Fähre interviewte. Einer anderen zufolge war die Umbenennung nicht ganz so spontan: Alle Mitglieder hätten ihre Favoriten auf eine Tafel geschrieben und dann demokratisch abgestimmt, heißt es. Welche Version auch immer stimmt, sicher ist eins: Der Name geht auf den gleichnamigen Song von Peter DeRose zurück, einem aus dem Radio bekannten Pianisten. Was die dramatische Klaviernummer aus den dreißiger Jahren mit der wilden jungen Rockband zu tun hatte? Es handelte sich schlicht um den Lieblingssong von Blackmores Großmutter! Selbst der härteste Rocker will eben noch der Oma eine Freude machen.


02. Joe South – Hush

Etwas zeitgemäßer, aber ebenso eine Leihgabe war der erste Hit der frisch getauften Deep Purple. Hush erschien auf ihrem Debütalbum Shades Of Deep Purple und erreichte glatt die Nummer vier der US-amerikanischen Billboard Hot 100-Charts, in Kanada landete das Cover sogar auf Platz zwei. Vielleicht ein Grund, warum die legendären Cream die junge Band mit auf Tour nahm? In beider Heimat zumindest kam das Stück nicht gut an. Großbritannien nämlich sollte noch etwas Zeit brauchen, um das neue Talent in seiner Mitte zu erkennen. Dabei präsentierte sich die Band doch von der besten Seite und machte klar, dass sie gekommen war, um zu rocken. Rod Evans, Ritchie Blackmore, Jon Lord, Nick Simper und Ian Paice ließen das von South für den Sänger Billy Joe Royal geschriebene Stück wesentlich psychedelischer, wilder und vor allem härter klingen. Ein Vorzeichen für das, was von dieser Band zu erwarten war! Von wegen Hush – Deep Purple wollten laut sein!


03. Neil Diamond – Kentucky Woman

Und wenn Deep Purple schon aus dem Gospel-beeinflussten Blues-Rock von Joe South eine mächtige Portion Härte extrahieren konnten, dann ja wohl ebenso aus einer Country-Nummer von Neil Diamond! Mit ihrem Cover von seinem Song Kentucky Woman landete die Band den zweiten Hit ihrer Karriere und zeigten einmal mehr, dass unter ihren Händen selbst aus echtem Softie-Material ein energischer Rocksong mit psychedelischer Kante werden konnte. Allein, die Band spielte den Song lediglich im Jahr seiner Veröffentlichung 1968 und 1969, seitdem aber nicht mehr. Ob es vielleicht am Sängerwechsel lag? Unwahrscheinlich, denn auch der frischgebackene Frontmann Ian Gillan schmachtete auf der Bühne den starken Frauen aus Kentucky zu. Wahrscheinlich wollte die nachhaltig veränderte Band lieber für ihr eigenes Material anerkannt werden. Gillan selbst sprach von einer „radikalen Veränderung“, die mit Roger Glover und ihm Einzug in die Band hielt. „Es waren nicht einfach ein Sänger und ein Bassist, die einer Band beitraten – es war eine Songwriter-Einheit“, betonte er.


04. White Boys (Aus dem Musical Hair)

Noch bevor allerdings diese Veränderungen Deep Purple nicht nur personell, sondern auch musikalisch zu einer anderen Band machten, ließen sie sich zu einer weiteren Huldigung hinreißen: Auf der LP Deep Purple findet sich mit dem Song Emmaretta eine Hymne auf die Sängerin Emmaretta Marks, die zu dieser Zeit im Musical Hair zu sehen war und die Rod Evans angeblich verführen wollte! „Emmaretta / did you get my letter?“, schmachtete er die Kollegin an. Hat sie? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Dass Evans mit seiner Aufreißernummer Erfolg hatte, ist zumindest nicht überliefert. Dabei sang sie selbst in Hair darüber, wie „pretty“ White Boys doch sein können – und schließlich arbeitete Evans im Laufe seines Lebens auch als Model! Es entscheiden aber nun mal nicht Äußerlichkeiten allein. Evans überwarf sich selbst mit seiner Band, nachdem er sie 1969 verließ und sich elf Jahre später mit ihrem Management im Gerichtssaal wiedertreffen musste. Dort wurde er zu einer satten Geldstrafe für die unrechtmäßige Verwendung des Namens Deep Purple verurteilt und erhält auch weiterhin keine Einnahmen aus den ersten drei Alben der Band. Autsch!


05. Albert King – Born Under A Bad Sign

Es mag kaum überraschen, dass Deep Purple über ihre vielen Besetzungswechsel sich ständig neu erfanden. Als die sogenannte Mark III-Besetzung (David Coverdale, Ritchie Blackmore, Glenn Hughes, Jon Lord und Ian Paice) das Album Stormbringer veröffentlichte, fühlten sich einige Fans und auch die Kritik vor den Kopf gestoßen. Wo kamen plötzlich diese souligen und funkigen Töne her? Selbst Blackmore ließ sich selbst zu dem Kommentar hinreißen, es klänge wie „Schuhputzermusik“. Eine rassistische Stichelei gegen die eigene Band? Unnötig zu erwähnen, dass er schon bald hochkant rausflog! Deep Purple heuerten stattdessen Tommy Bolin an, der auf dem Nachfolger Come Taste The Band einen noch funkigeren Sound an den Tag legte! Sein Handwerk lehrte ihn unter anderem der Blues-Musiker Albert King. „Er brachte mir bei, dass es während Soli viel härter ist, simpel zu bleiben anstatt kompliziert zu spielen“, bestätigte Bolin in einem Interview. Simplizität ist schließlich auch die Essenz des Funks, in dessen Gefilden King gerne unterwegs war. Ein Beispiel wäre sein Song Born Under A Bad Sign, dessen Titel ebenso als Metapher auf Bolins Leben zu verstehen wäre: Er starb mit nur 25 Jahren an einer Überdosis, nachdem Deep Purple unter anderem wegen seiner und Glenn Hughes’ Drogenprobleme ihre Auflösung entschieden.


06. Yes – Roundabout

Dabei sollte es doch eigentlich niemanden wundern, dass eine Band wie Deep Purple weit mehr als nur Rock machte. Allein, weil natürlich auch sie mit den Prog Rock-Bands in ihrer Zeit viel Kontakt hatten und etwa mit Yes die Bühne auf Jazz-Festivals teilten. In Songs wie Burn vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1974 deutete sich ein deutlich komplexerer Stil an, der den Zeitgenossen Tribut zollte. Verzahnte Gitarrensoli und quirlige Keyboard-Einsätze trafen auf knallharten Rocksound – eine schöne Synthese! Deep Purple dafür aber als „gescheiterte Prog-Band, die sich für mehr Erfolg hartem Rock zuwandten“ abzutun, wie es der Journalist Hans Morgenstern in einem Artikel tat, geht dann doch zu weit. Und immerhin: Deep Purple haben anders als Genesis oder Yes nicht ab den achtziger Jahren mit Mainstream-Pop geflirtet! 1971 war davon bei Yes allerdings noch nichts zu hören, als sie mit Fragile ihr drittes Album veröffentlichten und darauf ihre volle Virtuosität unter Beweis stellten. Der Eröffnungstrack heißt spannender Weise genauso wie Deep Purple vor ihrer Umbenennung: Roundabout.


07. Foreigner – Cold As Ice

Dabei wurde von Deep Purple mehr als einmal befürchtet, sie könnten sich wie andere vor ihnen zur belanglosen Hit-Maschine entwickeln. Als die zu diesem Zeitpunkt aus Joe Lynn Turner, Ritchie Blackmore, Jon Lord, Roger Glover und Ian Paice (Mark V) bestehende Band im Jahr 1990 das Album Slaves and Masters veröffentlichten, hagelte es Kritik. Als „generisches Foreigner-Wannabe-Album“ bezeichnete der Kritiker Alex Henderson die Platte abfällig. Ähm, wie bitte? Aber na gut, Meinungen sind ja wie… Also, jeder hat eins… Ach, ihr wisst schon! Böse Worte allerdings gab es auch von Jon Lord zu hören: „Slaves and Masters ist zweifellos ein Album, das nie unter dem Namen Deep Purple hätte veröffentlicht werden dürfen.“ Auweia! Cold As Ice, dieses Urteil! Wer übrigens mit Mitgliedern von Yes sowie auch Foreigner bestens klarkommt, ist der 1973 bei Deep Purple ausgestiegene Ian Gillan: Gemeinsam mit Rick Wakeman und Steve Howe von Yes erschien er 2014 auf einer Compilation mit The Doors-Covers, zu der auch Foreigner-Sänger Lou Gramm einen Track beisteuerte. Auch hatte er bereits im Jahr 2011 mit Gramm die Bühne geteilt. Zusammen nahmen sie an einer Tour unter dem Titel „Rock Meets Classic“ teil. Das hat zumindest mehr mit Deep Purple zu tun als der Sound von Foreigner, meinen wir.


08. Johann Sebastian Bach – Goldberg Variations, BWV 988: Aria

Country, Blues, Funk und natürlich Rock in allen seinen (Vor-)Formen waren das offizielle Rezept des Deep Purple-Sounds, die Geheimzutat aber war klassische Musik. Zugegeben, spätestens seit Concerto For Group And Orchestra handelt es sich um ein sehr offenes Geheimnis, schon aber die frühen Deep Purple hätten ohne klassische Musik ganz anders geklungen. Maßgeblich dafür verantwortlich war Jon Lord, der 1969 auch das Concerto schrieb und sich an der Hammond-Orgel austobte wie kein Zweiter! Die vermeintlich chaotische Psychedelik seines charakteristischen Spiels aber war geschult an den Kompositionen der ganz Großen. Insbesondere Johann Sebastian Bachs Werke für Tasteninstrumente wie etwa die fürs Harpsichord geschriebenen Goldberg-Variationen waren für ihn maßgeblich. In seiner Leidenschaft für Klassik und seinem Lifestyle als Rocker sah der 2012 verstorbene Lord übrigens nie einen Widerspruch. „Wir werden genauso anerkannt wie irgendwas von Beethoven“, prahlte er 1973 in einem Interview. Wir wagen nicht, ihm zu widersprechen…


09. The Moody Blues – Dawn: Dawn Is A Feeling

Immerhin einhaken können wir: So bahnbrechend ein Projekt wie das Concerto auch war, neu war der Gedanke nicht. Fast zeitgleich zur Veröffentlichung brachte die Band The Nice ihre Interpretation der zwischen klassischer Musik und Jazz angesiedelten Komposition Five Bridges heraus und zwei Jahre zuvor schon hatten The Moody Blues mit Days of Future Past „ein eigenes Genre ins Leben gerufen“, wie es der begeisterte Kritiker Bill Holdship einst schrieb. Rock und Klassik, endlich vereint – das muss nicht nur Lord zugesagt haben, oder? Nun ja, sagen wir so: Es brauchte viel Überredungskunst, bis das Concerto Wirklichkeit wurde. „Ich stand einfach nicht auf klassische Musik“, grummelte Ritchie Blackmore und beschwerte sich über das angeblich arrogante Orchester. Auch für die Gemini Suite des Kollegen hatte Blackmore keine guten Worte übrig, obwohl auch hier alle Mitglieder der Mark II-Besetzung dabei waren. Mit klassischer Musik freundete sich Blackmore allerdings letztlich doch noch an, vor allem unbegleitete Violinenstücke mag er mittlerweile. Also so ziemlich das Gegenteil vom impressionistischen Orchester-Prog-Rock der Moody Blues!


10. Metallica – Master Of Puppets (Live)

Während Lord seine Ambitionen als klassischer Komponist weiter auslebte, war Blackmore froh, zum Rock zurückzukehren, nachdem die Reaktionen auf das Concerto eher verhalten ausgefallen waren. Das Album schrieb sich trotzdem als Pionierwerk in die Geschichte ein und zählt heute noch als Blaupause für etwa Roger Waters’ megalomanische Aufführung von Pink Floyds The Wall oder Metallicas S & M-Projekt. „Mit so gut wie keiner Ausnahme führt jede Hard Rock-Band der letzten 40 Jahre – meine eingeschlossen – ihre Wurzeln auf Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple zurück“, betonte auch Metallica-Drummer Lars Ulrich bei seiner Laudatio auf die Band, als diese in die Rock and Roll Hall of Fame eingeführt wurden. „Ich bin ziemlich verwirrt, dass sie so spät aufgenommen werden“, sagte er ebenfalls und drückte damit aus, was alle dachten. Seit 1993 wurden Deep Purple als offizielle Kandidaten für eine Aufnahme gehandelt und doch immer wieder verworfen, selbst wenn sie nominiert wurden. Woran es lag? Roger Glover zufolge soll ein Juror die Band als „One-Hit-Wonder“ abgetan haben. Dem widersprach nicht allein nur der Drummer einer der erfolgreichsten Metal-Bands aller Zeiten. Metallica selbst zeigten sich nicht allein mit S & M in der Tradition von Deep Purple, sondern coverten auch ihren Song When A Blind Man Cries für die Tribute-Compilation Re-Machined: A Tribute to Deep Purple’s Machine Head. Von wegen One-Hit-Wonders: Deep Purples Erbe lebt weiter!


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Zeitsprung: Am 29.11.1974 wird es ungewöhnlich ernst auf „Slade In Flame“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.11.1974.


von Timon Menge und Christof Leim

Als Slade die Arbeit an ihrem fünften Album aufnehmen, gehört ihnen die Welt. Na gut, Großbritannien. Gleich zwei Nummer-eins-Platten haben die Glam-Rocker dort hinter sich. Nun möchten sie vom Thron aus neue Wege einschlagen und beginnen mit der Arbeit an einem Film inklusive Soundtrack. Doch mit dem Ergebnis Slade In Flame stoßen sie ihre Fans gehörig vor den Kopf.

Hier könnt ihr euch Slade In Flame anhören: 

1974 befinden sich Slade auf dem Zenit ihrer Karriere. Mit Slayed? (1972) und Old New Borrowed And Blue (1974) haben die britischen Glam-Rocker zwei mehr als starke Alben im Rücken, nun soll nachgelegt werden. Wiederholen möchte sich die Gruppe nicht, sondern lieber etwas neues ausprobieren. Und genau deshalb entsteht das ambitionierte Film- und Soundtrackprojekt Slade In Flame.

Schluss mit Lustigsein

Der Vorschlag, sich mal an einem Film zu versuchen, kommt von Manager Chas Chandler. Slade finden die Idee super, möchten sich aber von ihrem fröhlichen Image entfernen. Stattdessen portraitieren die Musiker im Film den Aufstieg und Fall einer Gruppe namens „Flame“. Der Clou: Das Drehbuch basiert auf wahren Begebenheiten, die entweder Slade selbst oder Bands aus ihrem Umfeld in den Wirren des Musikgeschäfts tatsächlich passiert sind.

Slade 1974 von links nach rechts: Noddy Holder, Dave Hill, Don Powell und Jim Lea – Pic: Jorgen Angel/Redferns/Getty Images.

Um den Streifen entsprechend zu untermalen, setzen sich die beiden Hauptsongschreiber Noddy Holder (Gesang) und Jim Lea (Bass) direkt an den entsprechenden Soundtrack. Dafür wagen sie sich an neue Stile und orientieren sich stärker an den Sechzigern als üblich. Das passt, denn in jenem Jahrzehnt spielt auch der Film. Obwohl Slade auf Slade In Flame nicht unbedingt klingen wie sie selbst, erscheint der Soundtrack zunächst als fünftes Album der Gruppe.

Ist das jetzt zu düster?

Bereits die erste Single Far Far Away landet auf Platz zwei der UK-Charts. Mit dem Album gelingt anschließend Platz sechs. Kaum zu glauben, doch für Slade bedeutet das zu jener Zeit einen Misserfolg: Mit Slayed? und Old New Borrowed And Blue schaffte die Gruppe den Sprung auf die Pole Position der Hitparade.

Im Januar 1975 flimmert dann auch der dazugehörige Film über die britischen Leinwände. Der stößt damals auf gemischte Gefühle. Mit so viel Ernsthaftigkeit hatte niemand gerechnet, denn während der düsteren britischen Siebziger gelten Slade eher als Spaßmacher der Nation. Den Blick in tiefe Abgründe erwartet man von Noddy Holder und Co. nun wirklich nicht.

Nach Veröffentlichung des Films sinken die Verkaufszahlen der Glam-Rocker in den Keller. Der britische Komponist, Produzent, Jazzpianist und Autor Chris Ingham bringt es in den Liner-Notes zu Slade In Flame auf den Punkt: „Großbritanniens Liebesaffäre mit Slade endete mit Flame.“ Alben veröffentlicht die Gruppe zwar weiterhin, doch die großen Erfolge bleiben ab Mitte der Siebziger aus.

Zeitsprung: Am 15.2.1974 erscheint „Old New Borrowed And Blue“.

 

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Matt Cameron wird 60: 10 Dinge, die du über die Grunge-Legende noch nicht wusstest

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Matt Cameron
Foto: Lloyd Bishop/NBCU Photo Bank/NBCUniversal via Getty Images

Matt Cameron als Grunge-Legende zu bezeichnen, wäre einerseits eine Untertreibung, würde den wandlungsfähigen Musiker aber auch zu sehr auf ein Genre festnageln. Liest man aber die Namen jener Bands, bei denen er Mitglied ist oder war, stellt man schnell fest: Mehr Seattle-Legendenstatus geht schwer… und das, obwohl er gar nicht aus Seattle kommt. Er spielte bei Soundgarden, er war bei Temple Of The Dog und er ist immer noch Mitglied bei Pearl Jam. Cameron ist nicht nur Drummer, sondern auch Songschreiber und Multiinstrumentalist. Zu seinem 60. Geburtstag werfen wir einen Blick auf 10 Fakten aus seinem Leben.

von Markus Brandstetter

1. Er spielte in der 1978 erschienenen Horrorkomödie Attack of the Killer Tomatoes (deutscher Titel: Angriff der Killertomaten mit).

Im Film sang er sogar einen Song — und zwar das Stück Puberty Love. Cameron war damals 16 Jahre alt.

2. Er spielte als Teenager in einer KISS-Coverband.

Die hieß ebenfalls Kiss (kleingedruckt stand unter dem Namen „imitation“). Das Management der echten KISS fand das weniger lustig — und drohte der Gruppe mit einer Klage. Die Band löste sich daraufhin auf.

3. Sein Spitzname war Foo.

Das hat aber nichts mit den Foo Fighters zu tun — sondern mit seinem Bruder Pete, der seinen Namen Matthew als „Ma Foo“ aussprach. So nannte sich der Drummer früher Foo Cameron.

4. Er war zur selben Zeit aktives Mitglied bei Soundgarden und Pearl Jam.

Nämlich, als Soundgarden 2010 eine Reunion feierten. Bei Soundgarden spielte er übrigens ab 1986 und ist auf allen Alben der Band zu hören. Zu Pearl Jam stieß er 1998, als diese einen Satz für Schlagzeuger Jack Irons suchte. Im Jahr davor hatten sich Soundgarden aufgelöst. „Ich bekam aus heiterem Himmel einen Anruf von Mr. Ed Ved, Stoney und Kelly (Curtis, Pearl Jam’s Manager). Ich wurde überfallen. Es war wirklich sehr kurzfristig. Er rief an und fragte: ‚Hey, was machst du diesen Sommer?’“. Kurze Zeit später wurde Cameron fixes Mitglied von Pearl Jam.

5. Er gehörte zur ersten Live-Besetzung von Queen Of The Stone Age.

Als sich die legendären Wüstenrocker Kyuss auflösten, gründete Bandchef Josh Homme 1996 die Band Queens Of The Stone Age. Weil der ursprüngliche Drummer Victor Indrizzo nur ein Jahr dabei blieb, brauchte die Band für ihre ersten Konzerte einen Drummer. Wer’s wurde, könnt ihr euch denken: Cameron trat 1997 mit ihnen auf.

6. Eddie Vedder bezeichnet ihn als besten Schlagzeuger der Welt.

Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder spricht in höchsten Tönen über Matt. „Matt Cameron schreibt Songs, und wir rennen los, um Tritthocker zu finden, um sein Niveau zu erreichen, … was für ihn selbstverständlich ist, lässt uns mit gesenktem Kopf zurück, wie die verwirrten Hunde, die wir sind, … bis wir es schließlich verstehen. Haben wir schon erwähnt, dass er der beste Schlagzeuger der Welt ist?“, schreibt Eddie Vedder in den Linder Notes zu Lost Dogs.

7. Er schrieb zahlreiche Songs für Pearl Jam und Soundgarden. 

Bei vielen Songs ist er als Co-Autor gelistet, einige Stücke stammen zur Gänze aus seiner Feder. Die Liste ist lang, einige Beispiele sind aber Jesus Christ Pose und New Damage vom Soundgarden-Album Badmotorfinger, das er mitschrieb — oder Drawing Flies vom selben Longplayer, bei dem die Musik zur Gänze von ihm stammte. Auch bei Pearl Jam gehen manche Songs auf sein Konto — etwa Get Right von Riot Act oder Into The Moonlight von Lost Dogs, bei denen er sowohl die Musik als auch den Text schrieb.

8. Er mag auch Jazz und Prog.

Das zeigt sich in Camerons Nebenprojekten, wie der (längst wieder aufgelösten) Gruppe Tone Dogs. Anspieltipp: deren Album Ankety Low Day aus dem Jahr 1990.

9. Er arbeitete mit Nickelback-Frontmann Chad Kroeger

Ihr erinnert euch sicher noch an den Song Hero von Nickelback-Chef Chad Kroeger und Ex-Saliva-Frontmann Josie Scott — den Soundtrack des 2002 erschienenen Films Spider-Man. Am Schlagzeug: unser Geburtstagskind. 

10. Seinen größten Hit nahm er gleich doppelt auf.

Er spielte zwölf Jahre nach der Veröffentlichung des Soundgarden-Hits Black Hole Sun noch einmal ein — für Rocklegende Peter Frampton und dessen Album Fingerprints im Jahr 2006… und zwar als Instrumentalversion.

Ihr wollt mehr über Matt Cameron erfahren?

Sein wahrscheinlich bestes Interview gab er vor kurzem übrigens YouTuber Rick Beato. Das knapp 55-minütige Video bietet großartige Anekdoten über Camerons Karriere und geht musikalisch ziemlich ins Detail.

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10 Grunge-Empfehlungen für den Einstieg

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Zeitsprung: Am 28.11.1978 veröffentlichen die Blues Brothers ihr Debütalbum.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.11.1978.

von Max Röbel und Christof Leim

Es ist eines dieser Alben, die man auch dann kennt, wenn man sie noch nie richtig gehört hat. Am 28. November 1978 erscheint das Debütalbum der Blues Brothers und wird aus dem Stand zum Klassiker. Als Jake und Elwood Blues landen die Comedians Dan Aykroyd und John Belushi mit Briefcase Full Of Blues einen Welthit.

Hier könnt ihr euch Briefcase Full Of Blues anhören:

Wie aus Bienen Brüder werden: 1976 hatten sich Aykroyd und Belushi in New York am Set der noch jungen Comedy-Show Saturday Night Live (damals noch unter dem Namen NBC’s Saturday Night) kennengelernt. Als Geburtsstunde der Blues Brothers gilt ein SNL-Sketch aus diesem Jahr, in dem die späteren Weltstars im Bienenkostüm den Slim-Harpo-Klassiker I’m A King Bee darbieten. Wenn man sich die alte Aufzeichnung anschaut, wird trotz alberner Aufmachung schnell klar, dass es dem Komikerduo mitnichten bloß um müde Witze geht. Ganz im Gegenteil: Die Bluesbrüder machen ernst. Ein schweißbenetzter John Belushi schreit sich am Mikrofon die Seele aus dem Leib, während Dan im Hintergrund wie besessen die Harp bearbeitet – zwar nicht virtuos, aber mit Innbrunst.

John Belushi und Dan Aykroyd 1976 als Blues-Bienen bei „Saturday Night Live“

Entfachte Liebe zum Blues

Wie in der schreibenden Zunft üblich, trifft sich die Belegschaft im Anschluss an die Aufzeichnungen regelmäßig in einer einschlägigen Kneipe ein paar Blocks weiter. Die mit R&B-Klassikern beladene Jukebox des von Aykroyd angemieteten Etablissements zeigt Wirkung, ebenso die eilig angeschaffte Grundausstattung an Verstärkern und Instrumenten. Als Belushi, der spätere “Jake Blues”, 1977 bei Dreharbeiten auch noch den Soulsänger und Mundharmonikaspieler Curtis Salgado kennenlernt und der ihm einen Stapel Bluesplatten leiht, ist es endgültig um ihn geschehen. O-Ton: „Das hat mein Leben verändert. Als weißer Junge aus der Vorstadt ging man einfach nicht in die Viertel, wo der Blues war. Disco mochte ich nicht, und Rock wurde mir langweilig. Wie viele Rod-Stewart-Alben kann schon man kaufen?” SNL-Bandleader Howard Shore (richtig gelesen, der von Herr der Ringe) schlägt kurzerhand vor, die beiden Nachwuchsmusiker mögen sich doch einfach “The Blues Brothers” nennen –  und so kommt es dann auch.

Mit der Hilfe von SNL-Pianist Paul Shaffer stellen Aykroyd und Belushi eine Allstar-Truppe zusammen, die sich gewaschen hat. Neben Lou Marini und Tom Malone, die damals ebenfalls zur Hausband von Saturday Night Live gehören, engagieren die Blues Brothers mit Gitarrist Steve Cropper, Bassist Donald Dunn und Drummer Willie Hall drei Stax-Records-Veteranen, die zu diesem Zeitpunkt bereits mit Booker T., Elvis, Isaac Hayes und Otis Redding zusammengearbeitet hatten. An der Leadgitarre gewinnt das Allstar-Projekt mit Matt “Guitar” Murphy (Howlin’ Wolf, Etta James, Buddy Guy) ein echtes Mississippi-Original. Komplettiert wird das Line-up von Saxofonist Tom Scott und Trompeter Alan Rubin.

Auf die Bühne

Die nunmehr unter den Namen Jake und Elwood Blues firmierenden Frontmänner der Truppe tragen fortan Wayfarer-Sonnenbrillen (wie der immercoole John Lee Hooker) und gehen ausschließlich im Cab-Calloway-Gedächtnisanzug auf die Bühne. Zunächst probiert sich die Band weiterhin bei Saturday Night Live aus, zum ersten Mal am 22. April 1978. Bald gehört das Projekt zum festen Repertoire der Sendung und erfreut sich größter Beliebtheit erfreut. Am 9. September 1978 spielen die Blues Brothers dann eine Show als Opener für Steve Martin im Universal Amphitheater in Los Angeles. Bei diesem Konzert wird Briefcase Full Of Blues mitgeschnitten.

Anfänglich begegnen die Medien der aufstrebenden Supergroup noch mit Skepsis. Vielerorts fragt man sich, wie ernst es die beiden Komiker mit der Musik wirklich meinen. Manch einer fühlt sich von der Band mit der erfundenen Biografie und den Akrobatikeinlagen sogar auf den Arm genommen. Doch zunehmend lösen sich die Zweifel in Luft auf. Wie es scheint, lieben Aykroyd, Belushi und Co. einfach ihren Job. Hinzukommt, dass die Truppe durchweg aus Spitzenmusikern besteht. “Am Ende war es eine der besten Ansammlungen von Bluesmusikern, die ich je gesehen habe”, resümiert Gitarrist Steve Cropper 2014.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Auch an persönlichem Engagement mangelt es den Blues Brothers nicht. Als der Vorschuss des Labels aufgebraucht ist, steuern Belushi und Aykroyd 50.000 US-Dollar aus eigener Kasse bei, um die Produktionskosten des Albums zu decken. Der Einsatz zahlt sich aus: Briefcase Full Of Blues landet unglaublicherweise auf Platz eins der Billboard Charts und knackt sogar zweimal die Platinmarke. Prompt greift in den USA das Blues-Brothers-Fieber um sich. 

Die Blues Brothers live 1978 – Pic: Richard McCaffrey/ Michael Ochs Archive/ Getty Images

Zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres Albumdebüts erscheint der gleichnamige Kultfilm, in dem Jake und Elwood “die Band wieder zusammenbringen müssen”, um mithilfe eines Benefizkonzert das nötige Kleingeld für die Grundsteuerrechnung ihres ehemaligen Waisenheims zu erspielen. Neben einem immensen Budget für demolierte Polizeiwagen, antifaschistischem Widerstand im Straßenverkehr und der ikonischen Fahrstuhlszene glänzt der Film mit zahlreichen Gastauftritten bekannter Musiker und Musikerinnen, etwa Aretha Franklin, Ray Charles und Cab Calloway).

Gerechte Lizenzen

Daran, dass die Blues Brothers faktisch eine Coverband sind, scheint sich kaum jemand zu stören. Im Gegenteil: Mit ihrem sprudeligen Livesound setzt das Projekt einen willkommenen Kontrastpunkt zu den zunehmend synthlastigen Pop-Releases der späten Siebziger. Doch es gibt eine weitere Gruppe, die von dem Phänomen Blues Brothers profitiert. Vor der Veröffentlichung von Briefcase Full Of Blues, schlägt die Plattenfirma Atlantic zunächst vor, den ursprünglichen Songschreibern fünfzig Prozent der Lizenzeinnahmen anzubieten. John Belushi und Aykroyd bestehen jedoch darauf, die Tantiemen in Gänze an die Urheber gehen zu lassen. Lediglich die Abgaben für ihre Live-Auftritte behalten sich die Blues Brothers vor. “Uns hätte ein Anteil an der Musik gehören können, aber wir haben keinen genommen. Das gehört sich nicht”, kommentiert Dan Aykroyd später im Interview.

Die Geste kommt an. Dank des Erfolgs der Neuauflagen erhalten Bluesveteranen wie Floyd Dixon, von dem Hey, Bartender stammt, auf einmal Schecks in bisher ungekannter Höhe. Einige Jahre nach John Belushis Tod an einer Überdosis 1982 trifft Harp-Spieler und Blues-Brothers-Inspiration Curtis Salgado den Songwriter beim Chicago Blues Festival. Man unterhält sich über die Band und kommt auf den unverhofften Geldsegen zu sprechen . Auf die Frage, was er mit dem Geld angestellt habe, antwortet Dixon: “Ich habe alles auf Pferderennen verwettet. Ich hatte eine wundervolle Zeit, Mann.“

Zeitsprung: Am 22.4.1978 treten die Blues Brothers zum ersten Mal auf.

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