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Popkultur

Die musikalische DNA von Pearl Jam

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Weil es nicht oft genug gesagt werden kann: Nein, verdammt, Pearl Jam sind nicht irgendeine Grunge-Band. Sie sind überhaupt nicht irgendeine Band, sondern wenn schon die vielleicht größte Rock-Band der neunziger Jahre, bitteschön! Und das, obwohl sie immer radikal ihren eigenen Weg gegangen sind. Während die Musikpresse ihren jahrelangen Boykott des Unternehmens Ticketmaster als kommerziellen Selbstmord abtat, dankten es ihnen ihre Fans umso mehr mit einer Treue, die in der Rock-Welt nach wie vor beispiellos ist. Während sich so viele andere Bands der Selbstzerstörung hingaben, stand die Truppe um Eddie Vedder stets zu ihren Prinzipien. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Grunge kam und ging, Pearl Jam blieben – weit über die Neunziger hinaus.


Hört euch hier die musikalische DNA von Pearl Jam als Playlist an und lest weiter:


Die Geradlinigkeit der Band auf und hinter der Bühne hatte jedoch seinen Preis. Die Grunge-Szene, der sie unweigerlich zugerechnet wurden, verwarf die von den starken Lead-Gitarren Mike McCreadys geprägte Musik der Band und Kurt Cobain bezeichnete Pearl Jam sogar als „Sellouts“. Dabei verweigerten sie sich doch noch eindeutiger der Musikindustrie als die Kollegen von Nirvana. Pearl Jam drehten kaum Musikvideos, ignorierten die Presse und bestimmten Maximalgrenzen für die Ticketpreise ihrer Konzerte. Im Jahr 2000 brachen sie mit ihrer Binaural-Tour sogar einen Rekord: Indem sie alle Gigs der Tour professionell aufnahmen und im Nachhinein zum Verkauf anboten, konnten sie zwischen 2000 und 2001 ganze 72 (!) Veröffentlichungen für sich verbuchen. Warum der ganze Aufwand? Weil die Band sichergehen wollte, dass Fans jeden Mitschnitt in guter Qualität preiswert erwerben konnten, anstatt ihr Geld an minderwertige Bootlegs zu verschwenden. Von wegen Sellouts!

Ihre Attitüde war jedoch stets nur ein Teil dessen, was Pearl Jam zu der vielleicht größten Band ihrer Generation macht. Auf der anderen Seite war da ein Rock-Sound, der sich ähnlich unbeirrt allen Trends entgegensetzte. Klassischer Rock traf auf den rohen Spirit von Punk und traditionelles Songwriting. Was genau die Band zu dieser Mischung inspirierte, erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


1. Red Hot Chili Peppers – Subterrean Homesick Blues

Die Gründungsgeschichte Pearl Jams ist verworren. Vielen ist vielleicht nicht einmal klar, dass die Band nicht allein in der Grunge-Hauptstadt Seattle, sondern ebenso im „Sunshine State“ Kalifornien ihre Wurzeln hat. Dort zumindest wurde Eddie Vedder rekrutiert. Wie es dazu kam? Stone Gossard und Jeff Ament hatten zuerst in der Seattle-Band Green River gespielt, bevor sie gemeinsam mit Andrew Wood Mother Love Bone gründeten. Wood starb noch vor der Veröffentlichung der Debüt-LP Apple an einer Heroinüberdosis. Ein Schicksal, mit dem Drummer Jack Irons nur allzu vertraut war: Als Gründungsmitglied der Red Hot Chili Peppers musste er mitansehen, wie sein Bandkollege und Freund aus Kindheitstagen, Hillel Slovak, an eben jener Droge verendete.

Irons verließ die Band, mit der er unter anderem das Album The Uplift Mofo Party Plan eingespielt hatte, und wandte sich seiner Arbeit mit dem Trio Eleven zu. Als Ament und Gossard ihm das Demo-Tape ihrer neuen Band Mookie Blaylock zuspielte, lehnte er ihr Angebot ab, der Band beizutreten, leitete das Tape aber einen befreundeten Sänger weiter: Eddie Vedder. Der hörte sich die Songs vor einem Surftrip an und fand auf den Wellen die Inspiration für gleich drei Pearl Jam-Hits: Once, Footsteps und, natürlich, Alive. Kaum eine Woche später fand er sich in Seattle als Frontmann der neuen Band wieder.


2. Neil Young – The Needle and the Damage Done

Es ist ein besonders tragisches Detail, dass es ohne die zwei Herointode von Wood und Slovak Pearl Jam in dieser Form wohl nie gegeben hätte. Wie keine andere Droge trug Heroin einiges am schnellen Absturz der Grunge-Bewegung bei. Der Song dazu wurde aber schon lange vorher geschrieben und das von niemand Geringerem als Neil Young, der wiederum als einer der Pioniere der Grunge-Mentalität gilt. The Needle and the Damage Done ist mit seinen knappen zwei Minuten einer der eindringlichsten Songs der Rockgeschichte. „I hit the city and I lost my band“, heißt es darin nicht ohne Grund: Schon Young konnte buchstäblich ein Lied davon singen, wie sich die Droge aufs Musikerleben auswirkte.

Seine aufrührerische Attitüde und sein erdiger Sound wurden zum Maßstab für viele Grunge-Bands, die in Young einen der letzten authentischen Rockstars sahen. Für Pearl Jam wurde er noch in einer anderen Hinsicht maßgeblich: Ohne ihn hätte es die Band nicht gegeben. Oder zumindest nicht unter diesem Namen. Nachdem sie sich ihren Moniker von Mookie Blaylock vom gleichnamigen Basketballspieler liehen, entschieden sie sich vor Release ihres ersten Albums Ten, dessen Titel sich übrigens von Blaylocks Trikotnummer ableitete, für Pearl Jam. Pearl angeblich nach der Urgroßmutter Vedders, Jam wegen Neil Youngs epischen Improvisationsleistungen auf der Bühne. Viel später sollte die Band dann Rockin’ in the Free World covern und gemeinsam mit Young bei einem Benefizkonzert die Bühne teilen.


3. Alice In Chains – It Ain’t Like That

Bevor es allerdings dazu kam, musste sich die junge Band zuerst im Underground beweisen. Schon zwei Monate nach ihrem allerersten Auftritt überhaupt fanden sich Vedder, Drummer Dave Krusen, Gitarrist Mike McCready sowie Gossard und Ament aber schon im Vorprogramm von Alice In Chains wieder – damals noch unter dem Namen Mookie Blaylock. Alice In Chains hatten gerade mit ihrem Debütalbum Facelift Wirbel gemacht und konnten sogar die Metal-Szene von ihrem Hard Rock-inspirierten Sound überzeugen.

Pearl Jam selbst sollten die Band schon bald darauf mit dem Übererfolg von Ten übertrumpften, erwiesen ihr aber noch vorher den gebührenden Respekt. Auf einem Demo-Tape, das im engeren Freundeskreis kursierte, coverten sie im Oktober 1990 den Alice In Chains-Song It Ain’t Like That. Ob sie damals schon vermuteten hätten, wenige Monate später mit den Lokalhelden den Tourbus zu teilen? So oder so: Die gemeinsame Geschichte von Alice In Chains und Pearl Jam war damit noch nicht zu Ende geschrieben. Noch heute treffen beide Bands oder zumindest ihre Mitglieder wieder und wieder aufeinander.


4. Led Zeppelin – Going To California

Neben den Bands aus dem Seattler Schmelztiegel und einem Grunge-Vordenker wie Neil Young waren es natürlich aber auch klassische Rock-Bands, die Pearl Jam inspirierten. Die Faustregel lautet: Je lauter und je wilder, desto prägender. Led Zeppelin dürfen deswegen keinesfalls fehlen, wenn von der musikalischen DNA Pearl Jams die Rede ist. Was die Briten ab Ende der sechziger Jahre anfingen, das konnten die Seattler Kollegen in den Neunzigern in einer zeitgemäßen Interpretation aufspielen: nahezu übermenschliche Rocksongs mit großen Melodien und viel Sinn für Feinheiten.

Die britischen Idole bemerkten das natürlich ebenso. 2005 trat sogar Robert Plant höchstpersönlich auf die Bühne, um gemeinsam mit der Band den Led Zep-Song Fool In The Rain zu spielen. Zehn Jahre später aber konnte sich der Gitarrist einen bissigen Kommentar nicht verkneifen, als er den Einfluss seiner Band allzu genau aus einem Pearl Jam-Stück herauszuhören meinte. Im Gespräch mit McCready ließ es sich der Brite nicht nehmen, den jüngeren Musiker zu triezen. In einem Gespräch über die Wichtigkeit von Kreativität spottet er: „Ich meine, wie oft habt ihr Going To California gespielt? Oh, sorry… Wie auch immer euer Song gleich noch heißt…“ McCready nahm es gelassen, lachte und berichtete, dass Vedder den Pearl Jam-Song Given To Fly häufiger bei Konzerten mit dem Namen „Given To California“ ankündigte. Die Ähnlichkeiten sind eben nicht von der Hand zu weisen.


5. The Who – Baba O’Reily

Nicht nur musikalisch, sondern auch hinsichtlich ihrer Nahbarkeit wurden Pearl Jam oft mit Led Zeppelin verglichen. Beiden Bands war es immer schon wichtiger, auf ihre Fans zuzugehen anstatt von der Presse umschwärmt zu werden. Led Zep sind nicht die einzige große Band der Stadion-Rock-Ära, mit der Pearl Jam sich Vergleiche gefallen lassen mussten. Obwohl, was heißt müssen… Wer würde nicht gerne mit The Who auf ein Podest gestellt werden? Dabei ging es vor allem um den unvergleichlichen Arbeitseifer beider Bands, die – mit mal mehr, mal weniger Erfolg – ihre Alben lieber Schlag auf Schlag einspielen wollten, anstatt nur im Zweijahrestakt von sich reden zu machen.

Pearl Jam haben dabei niemals einen Hehl daraus gemacht, dass die Truppe um Pete Townshend ihr wohl größter Einfluss überhaupt ist. 2007 spielten sie beispielsweise eine Coverversion von Love, Reign O’er Me für einen Filmsoundtrack ein und zollen den Helden immer wieder mit Live-Interpretationen ihrer Stücke Tribut. Da darf natürlich auch Baba O’Reily von Who’s Next nicht fehlen. Das Stück gehört fest zum Live-Repertoire der Band. 2013 wurde die Pearl Jam-Interpretation sogar auf Platz acht des „Greatest Live Cover Songs“-Polls des Rolling Stone Magazins gewählt. Was vor allem auch daran liegt, dass McCready das komplexe Synthie-Intros des Originals meisterhaft auf die Gitarre übertragen kann.


6. Jimi Hendrix – Star Spangled Banner

À propos McCready! Während sich Gossard – und gelegentlich auch Vedder – um die rhythmische Gitarrenarbeit kümmern, ist der Vollblutmusiker als Leadgitarrist mehr als unersetzlich. Das Besondere an seinem Spiel ist dessen intimer Charakter: McCready ist kein Angeber, sondern trifft buchstäblich immer den richtigen Ton zur rechten Zeit. Seine Licks erst geben der Musik der Band ihren oftmals hymnischen Unterton und bilden mit Vedder ausdrucksstarker Vocalperformance das melodische Grundgerüst ihrer Songs.

Als er im September 2017 dazu eingeladen wurde, im Stadion der Seattle Seahawks die US-amerikanische Nationalhymne zu spielen, wurde daraus unversehens eine Verbeugung vor dem Idol Jimi Hendrix. Dessen ikonischer Impro-Interpretation des Star Spangled Banners wurde zur Blaupause des anderthalbminütigen. Neben Carlos Santana zählt Hendrix zu McCreadys frühesten Vorbildern und inspirierte den Pearl Jam-Gitarristen sogar dazu, rechtshändig auf einer für Linkshänder konstruierten Gitarre zu spielen, um die Höhen in seinem Spiel zu betonen. Ganz so, wie es der Linkshänder Hendrix andersherum auf rechtshändigen Gitarren getan hatte.


7. Tom Petty & The Heartbreakers – I Won’t Back Down

Led Zeppelin, The Who und Jimi Hendrix stehen für eine Ära des Rock, die oftmals vom Größenwahn und der Zerstörungslust ihrer Protagonisten geprägt war. Pearl Jam aber blieben stets auf dem Boden und ließen Hotelzimmer in der Regel unverwüstet zurück. Neben dem hemdsärmeligen Neil Young war es insbesondere der 2017 tragischer Weise verstorbene Tom Petty, welcher der Band in Sachen Haltung am nächsten stand. Als einer der Vertreter des sogenannten Heartland Rocks legte Petty nur selten Rockstarallüren an den Tag und versuchte vielmehr, seinem Publikum auf Augenhöhe zu begegnen. Ganz wie Pearl Jam.

So bescheiden war die Band, dass sie selbst während ihrer eigenen Welttournee im Jahr 2006 einen Platz im Vorprogramm akzeptierte – Hauptsache, sie konnten mit Petty und seinen Heartbreakers die Bühne teilen. Das taten sie dann auch, und zwar gemeinsam. Vedder sang gemeinsam mit Petty einige Stücke aus seinem Backkatalog, unter anderem auch I Won’t Back Down, das sich seit geraumer Zeit im Repertoire der Band befand. Den Song gemeinsam mit Petty selbst singen zu dürfen, gehört für ihn zweifelsohne zu einem der Highlights seiner langjährigen Karriere.


8. J. Frank Wilson & The Cavaliers – Last Kiss

Generell gesprochen hat kaum eine Band ihre Bewunderung für andere Künstler dermaßen offen dargelegt wie Pearl Jam. Manchmal lesen sich Setlists von Pearl Jam-Konzerten wie ein Who-Is-Who des Rockolymps, so viele Cover-Versionen ihrer Stifterfiguren sind darauf zu sehen. 1998 aber überraschte die Band mit einer mehr als ungewöhnlichen Nummer. Ursprünglich während eines Soundchecks aufgenommen, sollte ihre Interpretation der Wayne Cochran-Komposition Last Kiss eigentlich nie offiziell veröffentlicht werden und war lediglich für Fanclub-Mitglieder als Weihnachtssingle gedacht.

Doch Last Kiss fand seinen Weg ins Radio und wurde zum Überraschungshit. Das veranlasste die Band, deren Interpretation sich an der bekanntesten Version von J. Frank Wilson & The Cavaliers orientierte, dazu, sie 1999 als reguläre Single auf den Markt zu bringen. Die Einnahmen aus dem Verkauf wollte die Band jedoch nicht behalten und spendete das Geld lieber an Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge des Kosovokriegs. Es ist bei weitem nicht das einzige Beispiel dafür, dass die Band ihre Popularität dazu nutzte, um auf Missstände hinzuweisen. Alle der Mitglieder sind auf die eine oder andere Art durch sozialpolitisches Engagement aufgefallen.


9. Ramones – I Believe In Miracles

Auch das ist ein weiterer Grund, weshalb Pearl Jam nie so richtig in die Grunge-Schublade gepasst haben. Wo es vielen ihrer Zeitgenossen um die Verarbeitung des eigenen Weltschmerzes und weniger um die Verbesserung eben jener Welt ging, wollten sie stets selbst aktiv werden. Das ist sicherlich auch mit ihrer engen Bindung an die Punk- und Hardcore-Szene der USA zu erklären, wo Anfang der achtziger Jahre ein neues politisches Bewusstsein seinen Ausdruck fand.

In Sachen Punk ist die wohl für Pearl Jam prägendste Band jedoch kaum mit politischen Slogans und vielmehr einer rotzcoolen Ästhetik aufgefallen. Die Ramones standen anders als britische Kollegen wie The Clash für – zumindest weitgehend – unpolitischen Spaß und die besten Hooklines diesseits der CGBG‘s-Toilette. Als die Band 2001 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, trat Eddie Vedder ans Mikrofon und lieferte eine Laudatio ab, die sich gewaschen hatte. Ganze 17 Minuten sprach der Pearl Jam-Frontmann über seine Idole, mit denen er 1995 auf ihrer Abschiedstour die Bühne teilen durfte, um gemeinsam mit ihnen den Dead Boys-Klassiker Sonic Reducer zu covern. Die Ramones-Abschiedstour war bekanntermaßen nicht die letzte und auch Vedders Liebe zur Band ist kein Stück eingerostet: Ihr Song I Believe In Miracles ist nach wie vor fester Bestandteil seines Live-Repertoires.


10. Creed – With Arms Wide Open

Nach so vielen schwelgerischen Erinnerungen und schönen Stücken müssen wir aber mal auf den Boden der Tatsachen zurückkehren: Es war nicht immer alles gut. So dankbar wir Pearl Jam für all ihre Musik auch sein dürfen – nein, müssen! –, so ist auch ein wenig Kritik angebracht. Obwohl, können wir eine Band wirklich für ihre Epigonen verantwortlich machen? Nun ja. Ohne Zweifel lässt sich zumindest sagen: Creed wären uns erspart geblieben, hätte es Pearl Jam nie gegeben.

Von allen sogenannten Post-Grunge-Bands – darunter auch, grusel, Nickelback – orientierte sich das Quartett aus Florida am deutlichsten an Pearl Jam. So sehr, dass sie ständig auf die Parallelen zwischen ihrer Musik und den ungleich größeren Pearl Jam angesprochen wurden. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stieg der Erfolg dem Creed-Bassisten Brian Marshall wohl zu Kopf. „Eddie Vedder wünscht sich, er könnte so schreiben wie Scott Stapp“, protzte er über den eigenen Sänger. „Ich liebe Pearl Jam, aber ich verstehe nicht, welche Richtung sie da eingeschlagen haben. Wenn du dir ihre Albumverkäufe und die Fans anschaust, wird deutlich, dass es mit ihnen bergab geht“. Komisch nur, dass Pearl Jam sich bis heute gehalten haben – und was machen eigentlich Creed gerade so? Eben. Es geht doch nichts über das Original.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.6.1993 ändert Prince seinen Namen in ein unaussprechliches Symbol.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.6.1993.

von Christof Leim

An seinem 35. Geburtstag ändert Prince seinen Namen in ein unaussprechliches Symbol. Damit will er gegen seine Plattenfirma protestieren, von der er sich künstlerisch eingeschränkt fühlt. Der Rest der Welt wundert sich…

Hört hier in die besten Prince-Songs rein:

Seinen ersten Plattenvertrag unterschreibt Prince Rogers Nelson 1977. Darin einigt sich der 18-Jährige mit Warner Bros. Records darauf, die völlige kreative Freiheit zu behalten und sämtliche Alben selbst zu produzieren. Das funktioniert für alle Beteiligten gut, macht Prince zum Star und bringt Warner Millionenseller wie Purple Rain (1984) und Sign O’ The Times (1987). Deshalb stört es auch niemanden, wenn der Mann zwischendurch zum Beispiel ein fertiges Album in die Tonne kloppt und schnell mal eben ein neues aufnimmt (siehe Lovesexy, 1988). 1992 wird der Deal sogar verlängert.

Grundlegende Meinungsverschiedenheit

Dem unglaublich produktiven Künstler liegt Anfang der Neunziger viel daran, seine unzähligen unveröffentlichten Songs – angeblich über 500 – so schnell wie möglich unter die Leute zu bringen. Verständlich, denn dafür hat er das Zeug ja geschrieben. Die Plattenfirma lehnt das jedoch ab, denn sie legt (nicht weniger verständlich) Wert darauf, nur das beste Material in die Läden zu stellen und vor allem den Markt nicht zu überschwemmen. Prince macht keinen Hehl daraus, dass ihm das so gar nicht gefällt und malt sich für öffentliche Auftritte das Wort „Slave“ (dt.: Sklave) ins Gesicht. Nur nützt ihm das nichts, denn Warner Bros. besitzen die Rechte an Princes Künstlernamen und kreativem Output, wie es für Plattenverträge völlig üblich ist. Kurz gesagt: Warner wollen nicht einfach Hunderte an Liedern raushauen, Prince will nicht nur eine Marke sein, mit der die Firma Geld verdient.

Also lässt sich unser Mann etwas einfallen: Er verkündet am 7. Juni 1993, seinem 35. Geburtstag, dass er von nun an nicht mehr den Namen Prince nutze, sondern ein Symbol, das aussieht wie ein Mashup aus den astrologischen Zeichen für Mann und Frau. „Es ist ein unaussprechliches Symbol, dessen Bedeutung nicht erklärt wurde“, heißt es in einer kryptischen Erklärung des Künstlers. „Es geht darum, in neuen Wegen zu denken.“ Prince lässt sich das Ding als „Love Symbol #2“ schützen, packt es auf das Cover seines 1992er-Albums und nutzt es fortan als Bezeichnung für sich selbst.

Ändert aber nix…

Das ist natürlich alles ein bisschen unpraktisch. Zum einen kann man das „Symbol“ nicht schreiben, weshalb Warner Floppy Disks mit einer Grafikdatei an die Medien verschickt. Außerdem weiß niemand, wie man dass denn nun jetzt aussprechen soll. MTV lösen das Problem angeblich, indem sie in ihren Sendungen immer ein metallisches „Klonk!“ einspielen, wenn das „Symbol“ genannt werden müsste. Doch es hilft alles nichts, ein Name muss her. Irgendwann einigt man sich auf „The Artist formerly known as Prince“ oder „TAFKAP“. Das ist offensichtlich ziemlich bescheuert, und für die Fans bleibt ihr Held ohnehin Prince. Vor allem aber: Der Vertrag mit Warner gilt natürlich trotzdem weiter, und juristisch, also „in echt“, heißt der Mann weiterhin Prince Rogers Nelson. Und beides weiß er auch.

Viele in der Musikindustrie halten die Aktion für verrückt, die Fans wundern sich, aber immerhin bringt „TAFKAP“ seinen Standpunkt deutlich zum Ausdruck. Die folgenden Alben und Singles gelten allerdings nicht als Höhepunkte seines Schaffens, die Verkaufszahlen gehen deutlich zurück.

Erst im Jahr 2000, als der Vertrag mit Warner ausläuft, nutzt Prince wieder seinen alten Namen. Statt sich erneut an eine Firma zu binden und die herkömmlichen Wege für Vertrieb und Vermarktung zu wählen, agiert er als sein eigener Herr, setzt auf das Internet und baut eigene Strukturen auf. In einem Interview mit Larry King erklärt sich Prince beziehungsweise „TAFKAP“ beziehungsweise „Klonk!“.

2014 jedoch setzt sich der Künstler wieder mit Warner an einen Tisch, weil sein Erfolgsalbum Purple Rain zum 30. Jubiläum neu aufgelegt wird. Das Einlenken lohnt sich, denn Prince gewinnt die Rechte an all seinen alten Platten zurück. Leider stirbt der Ausnahmemusiker am 21. April 2016 mit nur 57 Jahren.

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Zeitsprung: Am 10.5.1988 veröffentlicht Prince das kurzfristig aufgenommene „Lovesexy“.

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Popkultur

Von Woodstock bis zum Fyre Festival: Die größten, besten und schlimmsten Festivals aller Zeiten

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Woodstock 1999 Header
Foto: Frank Micelotta Archive/Getty Images

Die Sonne knallt, die ersten Mega-Festivals sind schon über die Bühne gegangen. Zum Start der Freiluftsaison stellen wir Open-Air-Festivals vor, die in die Geschichtsbücher eingegangen sind – positiv wie negativ.

von Björn Springorum

Sommer, Sonne, Bier in der Hand und eine Band unter freiem Himmel sehen: Seit über 50 Jahren sind Musikgfestivals ein integraler Bestandteil des Sommers und ein Übergangsritus für unzählige Generationen. Manche Festivals sind bis heute unvergessen, manche würde man lieber sofort wieder vergessen – Bühne frei für unsere Top 10 der denkwürdigsten Festivals aller Zeiten.

Der Pionier: Monterey Pop Festival (1967)

Bei der Mutter aller Festivals denken alle immer gleich an Woodstock, und das aufgrund der Symbolkraft auch nicht zu Unrecht. Der eigentliche Pionier der Gegenkulturfestivals findet aber im Juni 1967 statt – also rund zwei Jahre vor Woodstock. In Nordkalifornien wird Musikgeschichte geschrieben, als Jimi Hendrix sein US-Debüt gibt (nur echt mit brennender Gitarre), als The mamas And The Papas, Eric Burdon And The Animals, The Who, The Byrds oder Big Brother And The Holding Company das Zeitalter von Aquarius herufbeschwören. Sogar der offizielle Werbesong San Francisco (Be Sure To Wear Flowers In Your Hair) von Scott McKenzie wird zur Legende.

Der Mythos: Woodstock (1969)

Vieles ging schief bei Woodstock. Die Organisatoren waren nicht auf die Massen vorbereitet, statt der geschätzten 50.000 kamen 400.000 überwiegend junge Menschen. Es regnete, alles versank im Schlamm, der Zaum ums Gelände wurde nicht rechtzeitig fertig, die PA war schwach und das Essen ging aus. Alles egal: Woodstock ist dennoch die Urmutter aller Festivals, der Aufschrei des jungen Amerikas gegen den Vietnamkrieg. Fast schon nebensächlich, wer da auf der Bühne spielte (unter anderem Jimi Hendrix, Santana, Jefferson Airplane, The Who, Sly & The Family Stone, Crosby, Stills, Nash & Young, Mountain, The Grateful Dead, Creedence Clearwater Revival und Janis Joplin). Als Jimi Hendrix die Nationalhymne verzerrt besessen spielte, waren nur noch 40.000 Menschen da. Der Hippietraum war bald darauf vorbei, auch Woodstock konnte ihn nicht retten. Der Mythos, der wird aber für immer derselbe bleiben.

Der Riese: Isle Of Wight Festival (1970)

Ein Jahr nach Woodstock ist der Vietnamkrieg immer noch nicht zu Ende. Also kommen auf der Isle Of Wight bei bestem englischen Sommerwetter (nasskalt, windig, grau) 600.000 Besucher zusammen – die bis dato größte Menschenansammlung in Europa. Jimi Hendrix und Joan Baez verbreiten auch in Europa ihre Botschaft des Friedens, außerdem spielen Miles Davis, The Doors, The Who, Lighthouse, Ten Years After, Emerson, Lake & Palmer, Joni Mitchell, The Moody Blues, Leonard Cohen oder Jethro Tull. Ausgerechnet nach dem Event 1970 ist erst mal Schluss mit dem Isle of Wight Festival – bis 2002.

Der Anarchist: Love-And-Peace-Festival

Die Ostseeinsel Fehmarn geht im September 1970 in die Geschichtsbücher ein: Hier spielt Jimi Hendrix sein letztes Konzert vor seinem Tod am 18. September. Der Auftritt ist allerdings lustlos, unmotiviert, überhaupt läuft auf dem Festival nichts wirklich rund: Das Wetter ist schlecht, die Organisation mangelhaft, zudem zwingen 180 Rocker der Bloody Devils die Veranstalter dazu, als Security eingesetzt zu werden. Ganz miese Idee. Procol Harum und Ten Years After sagten ab, die Besucher bauten sich aus den Türen der Latrinen Windschutz. Am Ende spielen Ton Steine Scherben (damals noch als Rote Steine). Während sich die veranstalter mit der Tageskasse aus dem Staub machten, spielte die Band Macht kaputt, was euch kaputt macht – und die Besucher nahmen das sehr ernst. Man kann also sagen, dass das desaströse Festival nicht gerade seinem Namen gerecht wurde.

Der Millionenflop: US Festival (1983)

Schon das erste US Festival 1982 von Apple-Gründer Steve Wozniak wird trotz Fleetwood Mac, The Grateful Dead, The Police oder Tom Petty zum Mega-Flop, der den Veranstalter zwölf Millionen US-Dollar kostet. Hält Wozniak nicht ab, es im nächsten Jahr gleich noch mal zu versuchen. Diesmal kamen Stevie Nicks, David Bowie oder Van Halen (die allein 1,5 Millionen US-Dollar kosteten), doch selbst die 670.000 Besucher können einen weiteren katastrophalen Flop nicht verhindern. Am Ende bricht Chaos aus, es wird randaliert, zwei Menschen sterben. Zu einer dritten Auflage kommt es nicht.

Der Hipster: Coachella (1999)

Die erste Ausgabe von Coachella ist 1999 ein massiver Flop: Die Veranstalter hofften auf 70.000 Besucher, bekamen gerade mal die Hälfte und verloren eine knappe Million US-Dollar. Am Line-Up mit unter anderem Beck, Tool, Rage Against The Machine, The Chemical Brothers und Morrissey kann es zumindest nicht gelegen haben, so oder so sah alles danach aus, dass das erste Coachella gleich auch das letzte Coachella bleiben würde. Nach zwei Jahren Pause war Coachella wieder da – und wurde dann sehr schnell das beliebteste Festival der USA. Nur Rage Against The Machine treten hier mittlerweile wahrscheinlich nicht mehr auf.

Der Gewalttätige: Woodstock 1999 (1999)

30 Jahre nach Woodstock wird das zweite Sequel des Hippe-Jahrhundertereignisses zur Katastrophe: Über 200.000 Leute kommen in den Bundesstaat New York, doch statt love, peace and music wird das Festival zum Kriegsgebiet: Essen und Getränke sind extrem teuer, die sanitären Anlagen in schlechtem Zustand, es kommt zu zahlreichen Vergewaltigen, sexueller Nötigung, Diebstahl, Plündereien, Brandstiftung und brutaler Gewalt. Der Name Woodstock wurde 1999 für immer beschmutzt

Der Kriminelle: Fyre Festival (2017)

Auch dank der Netflix-Doku ging das Fyre Festival als größter Betrug in die Festivalgeschichte ein. Gepusht von Influencern als paradiesisches Glamour-Event auf den Bahamas, fanden die Festivalbesucher Notzelte und verpackte Sandwiches statt Strandvillen und Gourmetküche vor. Das Festival wurde angesagt, Veranstalter Billy McFarland musste für sechs Jahre ins Gefängnis und wurde zu 26 Millionen US-Dollar Schadenersatz verklagt. Im April 2023 verkündete er dann tatsächlich, dass es Fyre Festival II geben soll. Das kann ja was werden.

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Zeitsprung: Am 28.5.1983 bringt das 2. US Festival tolle Bands und verheerende Kosten.

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Popkultur

45 Jahre „The Cars“: Wie eine Bostoner Band die Zukunft der Rockmusik erfand

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Foto: Ron Pownall Photography/Getty Images

Das selbstbetitelte The-Cars-Debüt klingt ein bisschen so wie David Bowie und Queen auf einem Roadtrip durch die USA. Auch 45 Jahre nach der Veröffentlichung hat das visionäre The Cars nichts von seinem melodischen Zauber verloren.

von Björn Springorum

Die späten Siebziger sind für die klassische Rockmusik keine einfache Zeit. Links wird sie von räudigem, schnoddrigen Punk überholt, rechts scheren schon die Synthesizer aus, um Wave und Synth-Pop in Position zu bringen. Mittendrin: The Cars aus Boston, die mit ihrem wegweisenden Debüt The Cars den Verlauf der Musik ändern sollen.

Aller Anfang ist schwer

Die Bandgründer Ric Ocasek und Benjamin Orr sind damals alles andere als Greenhorns. Beide über 30, beide schon in diversen Bands in Ohio oder Michigan gewesen. Auf die synthetische Zukunft der Rockmusik haben sie aber erst mal keinen Bock: Sie spielen in der Folk-Band Milkwood, die nach Crosby, Stills And Nash duftet und 1972das Album How’s The Weather hervorbringt. Die Musikwelt interessiert sich damals dafür nicht – und das eigentlich zu Unrecht, wie man hier hören kann:

Mit Folk wird es anscheinend nichts, also versuchen sie es erst mit der Band Richard And The Rabbits und dann mit dem Akustikduo Ocasek And Orr. Man kann also auch sagen, dass sie einfach so lang alle Genres abgrasen, bis mal irgendwas auf offene Ohren stößt. Nächste Station: Cap’n Swing, ebenfalls eine weitgehend vergessene Band, in der aber immerhin auch der spätere The-Cars-Gitarrist Elliot Easton spielt. Irgendwann hat Ocasek genug vom ganzen Misserfolg und den ganzen vergeblichen Anstrengungen. Kostet ja auch Zeit und Kraft. Also holt er sich den Keyboarder Greg Hawkes in die Band und entwickelt ein neues Konzept.

Mit Rockabilly und Punk in die Zukunft

Unter den Namen The Cars gründet sich 1976 eine Band, die aus dem Rockabilly der Fünfziger, dem Minimalismus des Punk und den ungeahnten Möglichkeiten der neuen Synthesizer einen neuen Sound macht. The Cars klingen in ihren frühen Tagen stark nach David Bowie oder Queen, aber eben hinter dem Steuer eines US-amerikanischen Cabrios auf einem Roadtrip durch die Harmonien des Great American Songbook. Hier entsteht Musik, die so klingt wie die Vergangenheit und die Zukunft der Rockmusik.-

Und irgendwie funktioniert alles plötzlich ganz schnell. Am Silvesterabend 1976 spielen sie ihre erste Show auf einer Air Force Base, bei einer ausgedehnten Frühjahrstour 1977 durch New England entwickeln sie im Pink-Floyd-Stil die Songs ihres Debüts. Und die erzeugen schnell einen ordentlichen Buzz um diese neue Band: Ein Demotape wird von Bostoner Radiosendern praktisch im Loop gespielt, schnell ist auch das Interesse großer Plattenfirmen da. Hier war etwas Neues im Busch, da will niemand zu spät auf den Zug aufspringen. Aus Businesssicht sind The Cars damals schon recht clever: Sie entscheiden sich für einen Deal mit Elektra Records (damals auch die Heimat der übermächtigen Eagles), weil das Label im Vergleich zum Mitbewerber Arista Records keine New-Wave-Acts unter Vertrag hat. Man würde, so schlussfolgert die Band, folglich mehr herausstechen.

Aufgenommen wird in London

Und der Plan geht so was von auf: Nach den Aufnahmen in London mit Queen-Hitmaker Roy Thomas Baker erscheint am 6. Juni 1978 The Cars und kann bis auf Rang 18 der erbittert umkämpften US-Charts klettern. Alle Singles charten ebenfalls, aus Radios im ganzen Land dröhnen sehr bald Good Times Roll oder Just What I Needed. Aber warum eigentlich? Warum verkauft sich The Cars über sechs Millionen Mal und bekommt sechsfach Platin? Weil die Rockmusik im Wandel ist. Und The Cars als einer der Zukunftsboten auf den Plan treten.

Das Album erscheint in einer Übergangsphase, in einer Zäsur. Zwar haben AC/DC gerade erst Powerage veröffentlicht, aber zur selben Zeit kommen eben auch Kraftwerk mit ihrem Maschinenmanifest Die Mensch-Maschine und die Rolling Stones mit dem wavigen Some Girls um die Ecke. Es passiert was in der Rockmusik, das klassische Line-Up aus Gitarre, Bass, Drums wird zunehmend weniger nachgefragt. Da passen The Cars mit ihrem eklektischen Sound perfekt.

Jeder Song sitzt

Die Harmonien des Pop, die Melodien des Radio-Rock, die Extravaganz des New Wave und der Simplizismus des Punk erschaffen einen originellen, frischen, eingängigen Sound, der der Band endlich die erhoffte Aufmerksamkeit bringt. Auch nicht unwichtig: Die Songs sind allesamt grandios geschrieben und arrangiert. Und funktionieren bis heute. „Wir scherzten früher, dass wir unser erstes Album eigentlich The Cars Greatest Hits nennen sollen, so meinte Gitarrist Elliot Easton mal.

Das Spannende ist aber auch, wie brückenbauend The Cars damals sind: Die übliche Kluft zwischen Rockern und Poppern wird von ihnen mühelos überbrückt. Für Rocker ist The Cars gerade noch hart und gitarrenlastig genug, für New-Waver sind die Songs in Sachen rockiger Härte gerade noch erträglich.

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