------------

Popkultur

Die musikalische DNA von The Killers

Published on

The Killers sind vielleicht die letzte Rock-Band unserer Tage. Denn sie haben die Attitüde, den Stil, die Hits. Diese ganz besondere Aura, die so vielen Bands von heute fehlt. Kein Wunder, verdienten sich Brandon Flowers, Dave Keuning, Ronnie Vannucci Jr. und Mark Stoermer in der Entertainment-Hochburg Las Vegas und gingen dann im Geburtsort der Pop-Musik auf Ochsentour, Großbritannien. Damit stehen sie an der Spitze des transatlantischen Austauschs, der die Rock-Geschichte schon immer geprägt hat. Auf der einen Seite steht ihr sehr amerikanischer Freiheitsdrang, auf der anderen eine typisch britische Haltung. Dazwischen finden sich große Songs, die uns noch ein ganzes Leben lang begleiten werden.


Hört euch hier einen Vorgeschmack der musikalischen DNA von The Killers an:

Zur ganzen Playlist kommt ihr über den „Listen“-Button.


Vor allem aber sind die Killers eine waschechte Rock-Band, weil sie hart für ihren Erfolg gearbeitet haben. Einen ihrer allergrößten Hits, Mr. Brightside, schrieben Flowers und Keuning nur kurz nach ihrem ersten Treffen. Dennoch hieß es zuerst Klinkenputzen. Die Welt war für ihren stadionkompatiblen, von New Wave ebenso wie von klassischer Americana beeinflussten Sound noch nicht bereit. Das hat sich geändert und die Killers sich ebenso. Die Exzesse sind vorbei, die Band geht es ruhiger an, konzentriert sich mittlerweile mehr auf die Musik. Wie aber kommt die eigentlich zustande? Das verrät uns ein Blick auf die musikalische DNA der Band! Die ist, wie sollte es auch anders sein, gleichermaßen very british wie ziemlich amerikanisch.


1. Oasis – Don’t Look Back in Anger

Im Jahr 2001 wurde ein damals 20-jähriger Sänger von seiner Synth-Pop-Band geschasst und wusste nicht weiter. Einen neuen Sinn erhielt Brandon Flowers Leben aber auf einem Konzert im Hard Rock Hotel and Casino auf dem Las Vegas Strip. Wo auch sonst! Welche Band dort in der Stadt mit dem malerischen Namen Paradise spielte, sollte ebenso klar sein: Oasis natürlich! Die starteten dort gemeinsam mit den Black Crowes und Spacehog ihre Brotherly Love-Tour.

Zwei Jahre, bevor seine zu dem Zeitpunkt nicht-existente Band der britischen Rock-Welt den Kopf verdrehen sollte, erlebte ein begeisterter Flowers das Konzert seines Lebens. Die Musik von Oasis begleitete ihn zu diesem Zeitpunkt allerdings schon eine ganze Weile. „Ich arbeitete in diesem französischen Restaurant in Las Vegas“, erinnerte er sich an das erste Mal, als er vor anderen sein Gesangstalent preisgab. „Wir schmissen unsere Weihnachtsparty in einem Thai-Restaurant, wo es auch Karaoke gab. Das war das erste und einzige Mal, dass ich Karaoke gesungen habe.“ Die Songauswahl passt allerdings: Don’t Look Back in Anger von, na klar, Oasis. Kein schlechter Einstieg! Noch heute spielt seine Band das Stück gerne auf Konzerten.


2. New Order – Crystal

Als Speerspitze des sogenannten Britpops dominierten Oasis gemeinsam mit Bands wie Blur die britische Musikszene der neunziger Jahre. Älteren Helden fiel es da schwer, Fuß zu fassen. New Order gründeten sich am Anfang des vorangegangenen Jahrzehnts und brachten mit Welterfolgen wie ihrer legendären Blue Monday-Single Rock- und Dance-Musik zusammen. 1993 löste sich die Band allerdings auf und meldete sich mit etwas Verspätung erst 2001 wieder – genau in jenem Jahr also, als Flowers und Keuning ihre ersten Songs schrieben.

Keuning nennt Andy Summers von The Police als eines seiner großen Gitarrenvorbilder. Von ihm lernte er viel in Sachen Fingerarbeit. Doch nicht nur der Sechssaiter, sondern auch die Keyboards spielten bei den Killers immer eine große Rolle, Keyboards wie sie New Order im Indie-Rock etablierten. Und natürlich das Schlagzeug! Insbesondere das von New Order. Oder besser gesagt sagt der Band, die im Video zum New Order-Song Crystal auftreten. Wer genau hinschaut, wird auf der Kickdrum des Trommlers den Namen einer fiktiven Band lesen, nach der sich noch im selben Jahr eine echte benennen sollte: The Killers!


3. Joy Division – Shadowplay

Traurig, aber wahr: New Order hätte es vielleicht nie gegeben, wenn sich Ian Curtis nicht am 18. Mai 1980 das Leben genommen hätte. Die drei verbliebenen Mitglieder seiner Band Joy Division wollten den mit ihm verbundenen Namen nicht weiter tragen – zu schwer lastete die Bürde dessen, was sie mit nur zwei Alben und einigen Singles losgetreten hatten. Stattdessen nahmen sie die zwei letzten mit Curtis zusammen geschriebenen Joy Division-Songs Ceremony und In A Lonely Place, formierten sich als New Order neu und eroberten die Welt mit einem neuen Sound für sich.

Als unübertroffenes Meisterwerk Joy Divisions gilt nach wie vor die von Martin Hannett produzierte Platte Unknown Pleasures. Ihr simpler, eindringlicher Sound hat dem Test der Zeit standgehalten. Ein gutes Vorbild für jede junge Band, so auch für die Killers. Mit ihrer Coverversion von Shadowplay zollten sie den Helden aus Manchester 2007 Tribut. Aufgenommen hatten sie das Stück, während sie an Sam’s Town werkelten. Nicht allen gefällt ihre Version, doch Flowers hat klare Worte gegenüber der Kritik gefunden: „Yeah, ich habe die Umstrittenheit – ist das ein Wort, Umstrittenheit – von Shadowplay bemerkt“, frotzelte er in einem Live-Q&A. „Der Song gehört uns mittlerweile und wenn wir ihn spielen wollen, machen wir das auch.“ Aha!?


4. The Smiths – This Charming Man

Das Mundwerk Flowers’ ist berüchtigt, so ganz ernst meint er es aber wohl nie. Anders ein weiterer Indie-Held aus Großbritannien. Morrissey konnte keine Klappe noch nie halten und derweil das im Studio und auf der Bühne ein Segen ist, so sind doch insbesondere die vergangenen Jahre immer wieder von Skandalen geprägt worden. Bleiben wir indes bei der Musik, die er zuerst mit The Smiths und später solo gemacht hat: Die ist immer noch unsterblich, denn gegen sie gibt es zum Glück nur wenig einzuwenden. Finden auch die Killers.

2004 fand sich das Quartett zuerst im Vorprogramm des strittigen Dandys wieder. Keineswegs das erste Mal allerdings, dass Flowers dem Moz gegenüberstand! „Champignons sind echt geil“, stotterte er dem Idol zu, als dieser sich in dem Restaurant, in welchem der Teenager als Kellner jobbte, eine Pizza Fughi bestellte. Peinlich! Beim zweiten Zusammentreffen war er aber schon lockerer und die beiden verbrachten ein paar Stunden zusammen. Als Morrissey 2017 seinen Auftritt beim KROQ’s Almost Acoustic Christmas-Konzert absagte, konnte sich die Band dann einen Scherz nicht verkneifen: Sie spielten This Charming Man von den Smiths. „I would go out tonight but I haven’t got a stitch to wear…“ Ob’s der Grund war, weswegen Moz absagte? Wir wissen’s nicht…


5. David Bowie – Fame

Wenn wir von britischen Helden sprechen, dürfen weder Oasis noch New Order und Joy Division oder Morissey und seine Smiths fehlen. David Bowie aber ebenso wenig. Der Thin White Duke gehört zu einem der Haupteinflüssen der Killers, nicht nur musikalisch. Auch die manchmal sehr extravaganten Outfits der Band weisen einen leichten Bowie-Touch auf. Bowies Album Hunky Dory mit Songs wie Life On Mars? soll Flowers davon überzeugt haben, es ernsthaft mit der Musik zu versuchen.

Doch es geht nicht immer nur um Flowers. Die ganze Band hat sich von Bowie inspirieren lassen. So ist es auch kein Wunder, dass sie ihm einstimmig ein Ständchen sangen, als sie im Herbst 2017 in die Live Lounge der BBC Radio 1-Show eingeladen wurden. Welches Stück sie dort spielten, überrascht dann kaum: Fame bringt genau die richtige Mischung aus funkigen Rhythmen, exaltiertem Auftreten und verdammt geilem Songwriting! Die drei Grundzutaten der Killers…


6. Bruce Springsteen – Atlantic City

Aber genug von England! Auch andere Nationen haben Großes hevorgebracht. Die Killers wissen das und kehren auf ihrer Suche nach Inspiration gerne vor der eigenen Haustür. Tom Waits oder der Heartland Rock von Bob Seger, Tom Petty und selbstverständlich dem Boss lieferte wichtige Einflüsse für die Band aus Las Vegas. Bruce Springsteen schließlich kann der Welt noch ein, zwei Dinge über tolles Songwriting beibringen. Da müssen selbst die Killers sich auf die Hintern setzen, schweigen und mitschreiben!

Böse Zungen behaupten sogar, sie hätten sogar gern mal abgeschrieben. Sam’s Town, der lang erwartete Nachfolger für ihr umfeiertes Debütalbum Hot Fuss, wurde von vielen als uninspiriert verworfen. Oder besser gesagt als zu inspiriert. „Ich denke, da springt nur ein Journalist auf das an, was der letzte vor ihm gesagt hat“, schnaubte Vannucci, als er auf die ständigen Vergleiche angesprochen wurde. „Aber ich will hier nicht Bruce ans Bein pinkeln – er ist doch großartig und wenn wir ernsthaft mit Bruce Springsteen verglichen werden, kann ich absolut damit leben.“ Zumal ihr Erfolg den Neidern schon noch das Lästern versagen wird. Sie zumindest coverten nicht nur Songs wie Atlantic City auf ihren Live-Shows, sondern teilten sich mit dem Boss höchstpersönlich die Bühne.


7. Dire Straits – Romeo & Juliet

Von dem ist es natürlich nur ein Katzensprung zu den Dire Straits, obwohl der uns schon wieder über den großen Teich führt. Mark Knopfler und seine Sultans of Swing klangen aber nie wirklich britisch, sondern mischten ihrem schwebenden Hard Rock auch Elemente von Country und Blues bei. Die Dire Straits waren eine der ersten Bands, die im klassischen Rock-Format mit den Konventionen der radiokompatiblen Single brachen. Keines ihrer erfolgreichsten Stücke ist unter vier Minuten lang!

Und da waren ja noch die Synthesizer. Als eine der ersten Bands ihrer Generation verstanden die Knopfler-Brüder, dass authentische und handgemachte Musik durch den Einsatz neuester Technologien auch dazugewinnen kann. Eine Formel, die später die Killers perfektionieren sollten. 2006 spielten sie in den legendären Abbey Road Studios – um England führt eben kein Weg vorbei! – ein Cover vom Straits-Hit Romeo and Juliet ein. Und für ihr Album Wonderful Wonderful durften sie sogar Mark Knopfler, dessen lässiges Spiel in Keunings Gitarrensoli widerhallt, höchstpersönlich im Studio begrüßen…


8. Johnny Cash – I Came to Believe

Morrissey, der Boss, Knopfler – die Killers haben noch jeden Star von ihren Qualitäten überzeugt. Jeden? Nicht ganz. Der Man In Black höchstpersönlich, Johnny Cash, verstarb 2003 und hatte vorher nicht die Gelegenheit, sich mit ihnen anzufreunden. Dabei hätten sie es doch gewollt! Schon mit seiner Liebe für die Dire Straits bewies das Quartett eine Affinität zu Country-Klängen, da darf Cash natürlich nicht fehlen. „Er war einer der großen Geschichtenerzähler“, schwärmte Flowers. „Genau das, was ich auch anstrebe.“

Er kam dem Idol, dessen Musik er durch seinen eigenen Vater kennenlernte, dann doch zumindest etwas nahe. Für das in den achtziger Jahren, aber bis 2014 nie veröffentlichte Cash-Album Out Among the Stars wurde ein 16-minütiger Kurzfilm gedreht, in welchem neben Father John Misty und den Local Natives auch Flowers einen Auftritt hatte. Inmitten der kalifornischen Wüste singt er eine eindrückliche Version von Cashs I Came to Believe: „I couldn’t manage the problems I brought on myself / And it just made it worse when I laid them on somebody else / So I finally surrendered it all, brought down in despair / I cried out for help and I felt a warm comforter there.“ Gänsehaut pur!


9. Wayne Newton – Danke Schoen

Wisst ihr übrigens, welchen Song Flowers als „eine Mischung aus den Pet Shop Boys und Johnny Cash“ ankündigte? Human! Das Stück vom Album Day & Age gehört zu den umstrittensten der Bandgeschichte, wenn nicht sogar der Musikgeschichte überhaupt. Alles hängt an einer Zeile: „Are we human, or are we dancer?“ Was soll das bitteschön bedeuten? Noch immer wird gerätselt. Aber so funktioniert großes Entertainment doch: Es gibt uns etwas auf den Weg mit, das noch lange an uns nagt.

Und wenn wir schon vom Entertainment sprechen, dann können wir auch gleich in die Heimat der Killers zurückkehren: Las Vegas. Die Stadt in Nevada ist so etwas wie das Los Angeles der Unterhaltungsindustrie: Viele versuchen es hier zu schaffen und fallen hart auf die Nase. Anders die Killers und anders Wayne Newton, der nicht umsonst den Spitznamen „Mr. Las Vegas“ trägt. Auch die Killers müssten ihm – in den Worten (und der krummen Rechtschreibung) seines Signature-Tunes – ein Danke Schoen zurufen und taten das prompt, als sie 2016 Seite an Seite gemeinsam mit Newton die T-Mobile Arena in Las Vegas eröffneten.


10. U2 – Beautiful Day

Die Killers vereinen eben die Generationen weil sie, wie wir bereits gesehen haben, sogar die Älteren für sich begeistern können. Denn nicht nur zwischen den USA und England wird ihr Sound geschmiedet, sondern auch zwischen Tradition und Gegenwart. Als Flowers das Killers-Album Wonderful Wonderful mit den Worten „Ich will, dass wir die amerikanischen U2 werden!“ begleitete, hätten Bono und seine Kollegen gleich dagegen halten können: Die scheinen manchmal nämlich gern die irischen Killers zu sein!

Deutlich wurde das schon 2005, als Bono beim Live 8-Konzert die Zeile „I’ve got soul but I’m not a soldier“ aus dem Stück All These Things That I’ve Done in gleich zwei U2-Songs einbaute, God Put a Smile Upon Your Face und Beautiful Day. Die Band lud Flowers, wie sollte es auch anders sein, beim Las Vegas-Stopp auf ihrer folgenden Tour gleich auf die Bühne mit ein. Dass er 2008 damit prahlte, dass seine Band „größer als U2“ werden würde, steht noch aus. Aber der Wunsch hat ihn offenkundig nicht verlassen. Und den unbedingten Respekt von Bono und seinen Kollegen hat er sich mit seiner Truppe sowieso erspielt…


Das könnte dir auch gefallen:

5 Wahrheiten über The Killers

Die musikalische DNA von Coldplay

Snow Patrol veröffentlichen neue Single “Life On Earth”

Popkultur

„White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

Published on

Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

Sie dudeln im Radio auf und ab, beschallen Weihnachtsmärkte und Cafés: Hättet ihr diese Dinge über Evergreens wie Last Christmas, All I Want For Christmas Is You oder White Christmas gewusst?

von Björn Springorum

Auf wenige Dinge ist so sehr Verlass wie das pünktliche Aufschlagen von Last Christmas und All I Want For Christmas Is You deutlich vor dem ersten Advent. Weihnachtssongs sind Fluch und Segen zugleich, Boten einer schönen Zeit für die einen und Geißel des schlechten Geschmacks für die anderen – Stichwort #whamageddon. Zu welchem Lager man auch zählt: Vorbei kommt dieser Tage niemand an ihnen. Da lohnt mal ein Blick auf die erstaunlichen Geschichten hinter fünf der erfolgreichsten Weihnachtssongs aller Zeiten.

1. All I Want For Christmas Is You (1994)

Eine der erfolgreichsten Singles aller Zeiten ist in gerade mal 15 Minuten entstanden. So kurz sollen Mariah Carey und Walter Afanasieff für das Songwriting dieser Nummer gebraucht haben. Bewusst angelehnt an den Ronettes-Sound der Sechziger, braucht All I Want For Christmas Is You kommerziell gesehen deutlich mehr Zeit als für seine Entstehung. Der Grund: Der Song wurde anfangs nicht offiziell als reguläre Single ausgekoppelt und konnte deswegen auch nicht in den Charts notieren. Das ändert sich, als 1998 die Regularien angepasst werden. Damals beginnt die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Songs: Am 21. Dezember 2019 – 25 Jahre nach Veröffentlichung – steht der Song erstmals ganz oben in den US-Charts. 16 Millionen Exemplare sind mittlerweile verkauft, unzählige Streaming-Rekorde gebrochen. Geschätzte 60 Millionen gibt es an Royalties allein für diesen Song, Mariah Carey allein verdient grob geschätzt 2,5 Millionen US-Dollar pro Jahr mit All I Want For Christmas Is You. Nicht übel – dafür, dass sie den Songs anfangs gar nicht aufnehmen wollte.

2. Santa Claus Is Comin’ To Town (1934)

Auch dieser Song gehört zu Weihnachten wie schlechter Glühwein: Erstmals 1934 von einem Banjo-Spieler namens Harry Reser aufgeführt, hat sich Santa Claus Is Comin’ To Town zum weihnachtlichen Pflichtprogramm entwickelt. Liegt natürlich auch an seiner erstaunlichen Haltbarkeit und Attraktivität für andere Künstler: In den letzten knapp 80 Jahren haben sich über 200 Künstler*innen an diesem Klassiker von J. Fred Coots und Haven Gillespie versucht – und nicht unbedingt unbekannte, um es mal so zu sagen: Unter anderem gibt es Versionen von Bing Crosby, Mariah Carey, Neil Diamond, Bruce Springsteen, Frank Sinatra, Bill Evans, Chris Isaak, The Temptations, The Carpenters, Michael Bublé und den Jackson 5. Am ehesten denkt man bei Santa Claus Is Comin’ To Town aber wahrscheinlich an den Boss und seine unvergleichliche Version. Die entstand gemeinsam mit der E Street Band am 12. Dezember 1975, wurde aber erst 1982 auf dem Sesamstraße-Album In Harmony 2 veröffentlicht und steigt seit 2002 regelmäßig hoch in die Charts ein. Springsteen-Konzerte im November und Dezember kommen ebenfalls nie ohne diese Nummer aus.

3. Last Christmas (1984)

Irgendwann im Sommer 1984 wird George Michael plötzlich vom Geist der Weihnacht heimgesucht. Er und sein Wham!-Kollege Ridgeley sind gerade bei Michaels Eltern zu Besuch, als ihn die winterliche Muse küsst: Er rauscht in sein altes Kinderzimmer und schreibt dort mal so eben einen der größten, wenn auch polarisierendsten Weihnachtshits aller Zeiten. Die Nummer wird zum Erfolg und schnell auch zum unverzichtbaren Weihnachtslied. Nur die Nummer Eins in den britischen Charts bleibt Last Christmas vergönnt – bis 2021, mehr als 36 Jahre nach der Veröffentlichung. Den Gesamterlös des Songs spendet Wham! vorbildlich dem Kampf gegen die verheerende Hungerkrise in Äthiopien. Bei über sechs Millionen verkauften Singles kommt da einiges zusammen.

4. Do They Know It’s Christmas (1984)

Das ist die Nummer, die Last Christmas 1984 davon abhält, die Spitze der britischen Charts zu erklimmen: Do They Know It’s Christmas von Bob Geldorf und Midge Ure ist eine der bekanntesten Benefiz-Singles aller Zeiten. Und ein echter Allstar-Coup: Aufgenommen an nur einem einzigen Tag am 24. November 1984 im Londoner Stadtteil Notting Hill, kommt die als Band Aid bezeichnete Supergroup an diesem Tag erstmals hinterm Mikro zusammen: Unter anderem singen Bono, Siobhan Fahey, Phil Collins, Boy George, Paul Weller. Sting und wieder George Michael (der damit auf Platz eins und zwei der britischen Single-Charts thront) gegen den Hunger in Äthiopien. Und sammeln ordentlich Geld ein: Die Single verkauft sich knapp zwölf Millionen Mal. Aus den von Geldorf erhofften 70.000 Pfund werden innerhalb eines Jahres acht Millionen. Kritik gibt es dennoch: Der Text spiele mit westlichen Vorurteilen und Afrikaklischees und würde die Vielfalt Afrikas unter den Teppich kehren.

5. White Christmas (1942)

1940 setzt sich Irving Berlin hin und schreibt einen Song über eine nostalgische, romantisierte Vorstellung von Weihnachten. Ja, das hat man auch schon 1942 gemacht. Sie kommt in den Soundtrack zum Film Holiday Inn und bekommt prompt den Oscar für den besten Filmsong. „Es ist nicht nur der beste Song, den ich je geschrieben habe, sondern auch der beste Song, den irgendjemand anders je geschrieben hat“, soll er seiner Sekretärin gesagt haben. Nicht gerade beschieden, aber irgendwie auch nicht ganz falsch. Zumindest hinsichtlich seines Erfolgs: Am 29. Mai 1942 nimmt Bing Crosby den Song in schlanken 18 Minuten auf, hält aber nicht viel davon. 80 Jahre später wissen wir: Er unterschätzt die Nostalgie der Menschen. White Christmas ist die erfolgreichste Single aller Zeiten! Zwar sprechen wir heute meist von der 1947-er Neuaufnahme (das Original wurde zu oft gespielt und beschädigt), aber das ist nebensächlich: Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren steht White Christmas ganz oben an der Spitze. Über 500 verschiedene Versionen in zahlreichen Sprachen sind mittlerweile entstanden. Und weil er damals schon nostalgisch war, wirkt er auch mit seinen 80 Jahren alterslos.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

Continue Reading

Popkultur

Die 15 besten Weihnachtsgeschenke für Rockfans

Published on

Weihnachtsgeschenk
Foto: Getty Images

Weihnachten nähert sich in großen Schritten. Du weißt immer noch nicht so recht, was du deinen rock-affinen Liebsten schenken sollst? Kein Problem — wir haben da ein paar Ideen!

1. Bono — Surrender: 40 Songs, One Story

U2-Frontmann Bono veröffentlichte im November 2022 seine Memoiren — und darin erzählt einer der größten Frontmänner der Rockgeschichte, wie Paul aus Dublin zu Rockstar und Weltbürger/Weltretter Bono wurde. Ein spannendes Buch, das nicht nur die Anfänge U2s beleuchtet, sondern Bono auch als selbstironischen, reflektierten Zeitgenossen zeigt.

(Hier für 20,99 Euro)

 2. Guns N’ Roses — Use Your Illusion Super Deluxe 12-LP Box

Use Your Illusion

Was für einen Nachfolger macht man nach einem Mega-Debüt wie Appetite For Destruction? Am bestengleich zwei neue Longplayer! Use Your Illusion I + II, das sind zwei Alben, die nur so überquellen. Opulent, rockig, dreckig, hochglanzproduziert, bluesy, überladen, rotzig — alles zugleich, alles auf Maximum. Im November 2022 öffneten Axl, Slash & Co. das Bandarchiv und veröffentlichten ein Boxset, das Fans der Gunners das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. 97 Tracks auf 12 LPs, davon 63 unveröffentlicht — mit Blu-ray, Buch, Lithografien und jeder Menge Goodies… und das alles natürlich im stylischen Boxset. Das mega ausführliche Boxset gibt es bei uns im uDiscover Store — übrigens auch als günstigere 7-CD-Box.

(Hier für 498,99€)

3. BAP — Bap Vinyl Box Vol. 3 (2001-2011)

Wolfgang Niedecken lud in letzter Zeit vermehrt zur Vinyl-Retrospektive und widmete jedem Jahrzehnt von BAP eine Vinyl-Box. Zuletzt erschien mit Volume 3 eine Rückschau auf die 2000er-Jahre. Fünf Alben auf je zwei 180-Gramm-LPs, dazu schöne Artworks, Prints, Texte und Faksimiles. Für Fans von BAP ein Muss!

(Hier für 173,99 Euro)

4. 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten von Christof Leim

Warum wollte Axl Rose einst David Bowie verhauen? Was verbindet AC/DC mit einem Serienkiller? Und was haben Faith No More mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun? — Diesen (und etlichen weiteren Fragen) geht uDiscover-Autor Christof Leim in seinem Buch 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten nach. Der Musiker und Musikjournalist gräbt tief in der Schatzkiste der Rock’n’Roll-Geschichten — und sorgt für ein kurzweiliges Lesevergnügen. 

(Hier für 14 Euro)

 5. Peter Frampton — Do You Feel Like I Do? A Memoir

Vor wenigen Wochen sagte die US-amerikanische Rock-Ikone Peter Frampton seinen deutschen Fans mit den letzten Deutschlandkonzerten seiner Abschiedstournee Lebewohl. Wie bewegt seine Karriere war, lässt sich in seinen Memoiren nachlesen, die Ende 2021 erschienen sind.

(Hier für 15,59 Euro)

6. Heavy Metal Ukulele

UkuleleHeavy Metal funktioniert auch auf der Ukulele — das beweist dieses Prachtstück in Flying-V-Form. Wieso nicht mal Thunderstruck, Raining Blood und Enter Sandman auf der Uke zum Besten geben — unter dem Weihnachtsbaum, wo sonst?

(Hier für 37,20 €)

7. Slayer-Wein

Slayer-Fan, aber zugleich auch Reben-Feinspitz? Bekennende Weinliebhaber*innen kommen mit dem Slayer Reign In Blood Red auf ihre Kosten. Der Cabernet Sauvignon stammt, wie Araya & Co., aus Kalifornien — und passt hervorragend zum musikalischen Oeuvre der Herren.

(Hier für 9,59 Euro)

8. Rolling-Stones-Baumwollbeutel

Wie soll man eigentlich die ganzen Weihnachtsgeschenke nach Hause tragen? Am besten stilecht im Rolling-Stones-Baumwollbeutel mit dem ikonischen Zungen-Logo. Hier findet von exklusiven CDs und LPs bis zu T-Shirts und anderen Goodies so einiges Platz!

(Hier für 9,99 Euro)

9. Marshall Bluetooth Lautsprecher

Marshall LautsprecherKeine richtige Stereoanlage da? Kein Problem, mit der richtigen Bluetooth-Lautsprecherbox lässt sich auch ganz unkompliziert via Bluetooth gut Musik hören. Wer dabei nicht auf den klassischen Retro-Rocklook verzichten möchte, findet einige tolle Modelle von Marshall, zum Beispiel wie den Acton II. Der überzeugt mit druckvollem Sound und edlem Look!

(Hier für 199,99 Euro)

10. AKG Kopfhörer

Gute Kopfhörer sind für jeden Musikfan ein absolutes Muss — denn so lässt sich auch ohne sündteure Boxen Musik im hochwertigen Klang genießen. Die Auswahl an guten Kopfhörern ist groß, wir entscheiden uns an dieser Stelle für die AKG K-612, einfach weil sie gute Allrounder sind und auch fürs Studio taugen!

(Hier für 144 Euro)

11. Inhaler — It Won’t Always Be Like This (LP)

Im Februar 2022 veröffentlichen Inhaler ihr neues Studioalbum Cuts & Bruises. Die Wartezeit kann man aber auch mit ihrem Debüt It Won’t Always Be Like This überbrücken, das es im uDiscover Store als LP-Version gibt.

(Hier für 24,99 Euro)

12. Schallplatten-Reinigungsset

Natürlich muss die eigene Plattensammlung auch gepflegt werden. Um dem edlen Vinyl die Liebe zukommen zu lassen, die es verdient, empfehlen wir ein Vinyl-Reinigungsset.

(Hier für 20,95 Euro)

13. Squier Jazzmaster Gitarre

Squier JazzmasterWer gerne E-Gitarre lernen möchte, muss keineswegs gleich zu teuren Marken greifen. Fender etwa hat mit seiner kostengünstigen Tochterfirma Squier einige fabelhafte Modelle im Sortiment, die sich wahrlich nicht vor deutlich teureren Gitarren nicht verstecken müssen. Etwa die 40th Anniversary Jazzmaster, die nicht nur toll aussieht, sondern auch exzellent klingt.

(Hier für 599 Euro)

14. Kreator-T-Shirt

Mal unter dem Weihnachtsbaum mit ein paar Metal-Motiven bei Oma und Opa anecken? Wir hätten da ein paar Ideen — beispielsweise dieses Shirt der deutschen Metallegenden Kreator.

(Hier für 9,99 Euro)

15. Noch mehr Exklusives!

Da geht noch viel mehr! Werft einfach einen Blick in den uDiscover Store — und findet limitierte Editionen, tolle Vinyls, Boxsets und andere Highlights!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Großer Sale im uDiscover-Store: Die Empfehlungen der Redaktion

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss