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Popkultur

Die musikalische DNA von The Killers

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The Killers sind vielleicht die letzte Rock-Band unserer Tage. Denn sie haben die Attitüde, den Stil, die Hits. Diese ganz besondere Aura, die so vielen Bands von heute fehlt. Kein Wunder, verdienten sich Brandon Flowers, Dave Keuning, Ronnie Vannucci Jr. und Mark Stoermer in der Entertainment-Hochburg Las Vegas und gingen dann im Geburtsort der Pop-Musik auf Ochsentour, Großbritannien. Damit stehen sie an der Spitze des transatlantischen Austauschs, der die Rock-Geschichte schon immer geprägt hat. Auf der einen Seite steht ihr sehr amerikanischer Freiheitsdrang, auf der anderen eine typisch britische Haltung. Dazwischen finden sich große Songs, die uns noch ein ganzes Leben lang begleiten werden.


Hört euch hier einen Vorgeschmack der musikalischen DNA von The Killers an:

Zur ganzen Playlist kommt ihr über den „Listen“-Button.


Vor allem aber sind die Killers eine waschechte Rock-Band, weil sie hart für ihren Erfolg gearbeitet haben. Einen ihrer allergrößten Hits, Mr. Brightside, schrieben Flowers und Keuning nur kurz nach ihrem ersten Treffen. Dennoch hieß es zuerst Klinkenputzen. Die Welt war für ihren stadionkompatiblen, von New Wave ebenso wie von klassischer Americana beeinflussten Sound noch nicht bereit. Das hat sich geändert und die Killers sich ebenso. Die Exzesse sind vorbei, die Band geht es ruhiger an, konzentriert sich mittlerweile mehr auf die Musik. Wie aber kommt die eigentlich zustande? Das verrät uns ein Blick auf die musikalische DNA der Band! Die ist, wie sollte es auch anders sein, gleichermaßen very british wie ziemlich amerikanisch.


1. Oasis – Don’t Look Back in Anger

Im Jahr 2001 wurde ein damals 20-jähriger Sänger von seiner Synth-Pop-Band geschasst und wusste nicht weiter. Einen neuen Sinn erhielt Brandon Flowers Leben aber auf einem Konzert im Hard Rock Hotel and Casino auf dem Las Vegas Strip. Wo auch sonst! Welche Band dort in der Stadt mit dem malerischen Namen Paradise spielte, sollte ebenso klar sein: Oasis natürlich! Die starteten dort gemeinsam mit den Black Crowes und Spacehog ihre Brotherly Love-Tour.

Zwei Jahre, bevor seine zu dem Zeitpunkt nicht-existente Band der britischen Rock-Welt den Kopf verdrehen sollte, erlebte ein begeisterter Flowers das Konzert seines Lebens. Die Musik von Oasis begleitete ihn zu diesem Zeitpunkt allerdings schon eine ganze Weile. „Ich arbeitete in diesem französischen Restaurant in Las Vegas“, erinnerte er sich an das erste Mal, als er vor anderen sein Gesangstalent preisgab. „Wir schmissen unsere Weihnachtsparty in einem Thai-Restaurant, wo es auch Karaoke gab. Das war das erste und einzige Mal, dass ich Karaoke gesungen habe.“ Die Songauswahl passt allerdings: Don’t Look Back in Anger von, na klar, Oasis. Kein schlechter Einstieg! Noch heute spielt seine Band das Stück gerne auf Konzerten.


2. New Order – Crystal

Als Speerspitze des sogenannten Britpops dominierten Oasis gemeinsam mit Bands wie Blur die britische Musikszene der neunziger Jahre. Älteren Helden fiel es da schwer, Fuß zu fassen. New Order gründeten sich am Anfang des vorangegangenen Jahrzehnts und brachten mit Welterfolgen wie ihrer legendären Blue Monday-Single Rock- und Dance-Musik zusammen. 1993 löste sich die Band allerdings auf und meldete sich mit etwas Verspätung erst 2001 wieder – genau in jenem Jahr also, als Flowers und Keuning ihre ersten Songs schrieben.

Keuning nennt Andy Summers von The Police als eines seiner großen Gitarrenvorbilder. Von ihm lernte er viel in Sachen Fingerarbeit. Doch nicht nur der Sechssaiter, sondern auch die Keyboards spielten bei den Killers immer eine große Rolle, Keyboards wie sie New Order im Indie-Rock etablierten. Und natürlich das Schlagzeug! Insbesondere das von New Order. Oder besser gesagt sagt der Band, die im Video zum New Order-Song Crystal auftreten. Wer genau hinschaut, wird auf der Kickdrum des Trommlers den Namen einer fiktiven Band lesen, nach der sich noch im selben Jahr eine echte benennen sollte: The Killers!


3. Joy Division – Shadowplay

Traurig, aber wahr: New Order hätte es vielleicht nie gegeben, wenn sich Ian Curtis nicht am 18. Mai 1980 das Leben genommen hätte. Die drei verbliebenen Mitglieder seiner Band Joy Division wollten den mit ihm verbundenen Namen nicht weiter tragen – zu schwer lastete die Bürde dessen, was sie mit nur zwei Alben und einigen Singles losgetreten hatten. Stattdessen nahmen sie die zwei letzten mit Curtis zusammen geschriebenen Joy Division-Songs Ceremony und In A Lonely Place, formierten sich als New Order neu und eroberten die Welt mit einem neuen Sound für sich.

Als unübertroffenes Meisterwerk Joy Divisions gilt nach wie vor die von Martin Hannett produzierte Platte Unknown Pleasures. Ihr simpler, eindringlicher Sound hat dem Test der Zeit standgehalten. Ein gutes Vorbild für jede junge Band, so auch für die Killers. Mit ihrer Coverversion von Shadowplay zollten sie den Helden aus Manchester 2007 Tribut. Aufgenommen hatten sie das Stück, während sie an Sam’s Town werkelten. Nicht allen gefällt ihre Version, doch Flowers hat klare Worte gegenüber der Kritik gefunden: „Yeah, ich habe die Umstrittenheit – ist das ein Wort, Umstrittenheit – von Shadowplay bemerkt“, frotzelte er in einem Live-Q&A. „Der Song gehört uns mittlerweile und wenn wir ihn spielen wollen, machen wir das auch.“ Aha!?


4. The Smiths – This Charming Man

Das Mundwerk Flowers’ ist berüchtigt, so ganz ernst meint er es aber wohl nie. Anders ein weiterer Indie-Held aus Großbritannien. Morrissey konnte keine Klappe noch nie halten und derweil das im Studio und auf der Bühne ein Segen ist, so sind doch insbesondere die vergangenen Jahre immer wieder von Skandalen geprägt worden. Bleiben wir indes bei der Musik, die er zuerst mit The Smiths und später solo gemacht hat: Die ist immer noch unsterblich, denn gegen sie gibt es zum Glück nur wenig einzuwenden. Finden auch die Killers.

2004 fand sich das Quartett zuerst im Vorprogramm des strittigen Dandys wieder. Keineswegs das erste Mal allerdings, dass Flowers dem Moz gegenüberstand! „Champignons sind echt geil“, stotterte er dem Idol zu, als dieser sich in dem Restaurant, in welchem der Teenager als Kellner jobbte, eine Pizza Fughi bestellte. Peinlich! Beim zweiten Zusammentreffen war er aber schon lockerer und die beiden verbrachten ein paar Stunden zusammen. Als Morrissey 2017 seinen Auftritt beim KROQ’s Almost Acoustic Christmas-Konzert absagte, konnte sich die Band dann einen Scherz nicht verkneifen: Sie spielten This Charming Man von den Smiths. „I would go out tonight but I haven’t got a stitch to wear…“ Ob’s der Grund war, weswegen Moz absagte? Wir wissen’s nicht…


5. David Bowie – Fame

Wenn wir von britischen Helden sprechen, dürfen weder Oasis noch New Order und Joy Division oder Morissey und seine Smiths fehlen. David Bowie aber ebenso wenig. Der Thin White Duke gehört zu einem der Haupteinflüssen der Killers, nicht nur musikalisch. Auch die manchmal sehr extravaganten Outfits der Band weisen einen leichten Bowie-Touch auf. Bowies Album Hunky Dory mit Songs wie Life On Mars? soll Flowers davon überzeugt haben, es ernsthaft mit der Musik zu versuchen.

Doch es geht nicht immer nur um Flowers. Die ganze Band hat sich von Bowie inspirieren lassen. So ist es auch kein Wunder, dass sie ihm einstimmig ein Ständchen sangen, als sie im Herbst 2017 in die Live Lounge der BBC Radio 1-Show eingeladen wurden. Welches Stück sie dort spielten, überrascht dann kaum: Fame bringt genau die richtige Mischung aus funkigen Rhythmen, exaltiertem Auftreten und verdammt geilem Songwriting! Die drei Grundzutaten der Killers…


6. Bruce Springsteen – Atlantic City

Aber genug von England! Auch andere Nationen haben Großes hevorgebracht. Die Killers wissen das und kehren auf ihrer Suche nach Inspiration gerne vor der eigenen Haustür. Tom Waits oder der Heartland Rock von Bob Seger, Tom Petty und selbstverständlich dem Boss lieferte wichtige Einflüsse für die Band aus Las Vegas. Bruce Springsteen schließlich kann der Welt noch ein, zwei Dinge über tolles Songwriting beibringen. Da müssen selbst die Killers sich auf die Hintern setzen, schweigen und mitschreiben!

Böse Zungen behaupten sogar, sie hätten sogar gern mal abgeschrieben. Sam’s Town, der lang erwartete Nachfolger für ihr umfeiertes Debütalbum Hot Fuss, wurde von vielen als uninspiriert verworfen. Oder besser gesagt als zu inspiriert. „Ich denke, da springt nur ein Journalist auf das an, was der letzte vor ihm gesagt hat“, schnaubte Vannucci, als er auf die ständigen Vergleiche angesprochen wurde. „Aber ich will hier nicht Bruce ans Bein pinkeln – er ist doch großartig und wenn wir ernsthaft mit Bruce Springsteen verglichen werden, kann ich absolut damit leben.“ Zumal ihr Erfolg den Neidern schon noch das Lästern versagen wird. Sie zumindest coverten nicht nur Songs wie Atlantic City auf ihren Live-Shows, sondern teilten sich mit dem Boss höchstpersönlich die Bühne.


7. Dire Straits – Romeo & Juliet

Von dem ist es natürlich nur ein Katzensprung zu den Dire Straits, obwohl der uns schon wieder über den großen Teich führt. Mark Knopfler und seine Sultans of Swing klangen aber nie wirklich britisch, sondern mischten ihrem schwebenden Hard Rock auch Elemente von Country und Blues bei. Die Dire Straits waren eine der ersten Bands, die im klassischen Rock-Format mit den Konventionen der radiokompatiblen Single brachen. Keines ihrer erfolgreichsten Stücke ist unter vier Minuten lang!

Und da waren ja noch die Synthesizer. Als eine der ersten Bands ihrer Generation verstanden die Knopfler-Brüder, dass authentische und handgemachte Musik durch den Einsatz neuester Technologien auch dazugewinnen kann. Eine Formel, die später die Killers perfektionieren sollten. 2006 spielten sie in den legendären Abbey Road Studios – um England führt eben kein Weg vorbei! – ein Cover vom Straits-Hit Romeo and Juliet ein. Und für ihr Album Wonderful Wonderful durften sie sogar Mark Knopfler, dessen lässiges Spiel in Keunings Gitarrensoli widerhallt, höchstpersönlich im Studio begrüßen…


8. Johnny Cash – I Came to Believe

Morrissey, der Boss, Knopfler – die Killers haben noch jeden Star von ihren Qualitäten überzeugt. Jeden? Nicht ganz. Der Man In Black höchstpersönlich, Johnny Cash, verstarb 2003 und hatte vorher nicht die Gelegenheit, sich mit ihnen anzufreunden. Dabei hätten sie es doch gewollt! Schon mit seiner Liebe für die Dire Straits bewies das Quartett eine Affinität zu Country-Klängen, da darf Cash natürlich nicht fehlen. „Er war einer der großen Geschichtenerzähler“, schwärmte Flowers. „Genau das, was ich auch anstrebe.“

Er kam dem Idol, dessen Musik er durch seinen eigenen Vater kennenlernte, dann doch zumindest etwas nahe. Für das in den achtziger Jahren, aber bis 2014 nie veröffentlichte Cash-Album Out Among the Stars wurde ein 16-minütiger Kurzfilm gedreht, in welchem neben Father John Misty und den Local Natives auch Flowers einen Auftritt hatte. Inmitten der kalifornischen Wüste singt er eine eindrückliche Version von Cashs I Came to Believe: „I couldn’t manage the problems I brought on myself / And it just made it worse when I laid them on somebody else / So I finally surrendered it all, brought down in despair / I cried out for help and I felt a warm comforter there.“ Gänsehaut pur!


9. Wayne Newton – Danke Schoen

Wisst ihr übrigens, welchen Song Flowers als „eine Mischung aus den Pet Shop Boys und Johnny Cash“ ankündigte? Human! Das Stück vom Album Day & Age gehört zu den umstrittensten der Bandgeschichte, wenn nicht sogar der Musikgeschichte überhaupt. Alles hängt an einer Zeile: „Are we human, or are we dancer?“ Was soll das bitteschön bedeuten? Noch immer wird gerätselt. Aber so funktioniert großes Entertainment doch: Es gibt uns etwas auf den Weg mit, das noch lange an uns nagt.

Und wenn wir schon vom Entertainment sprechen, dann können wir auch gleich in die Heimat der Killers zurückkehren: Las Vegas. Die Stadt in Nevada ist so etwas wie das Los Angeles der Unterhaltungsindustrie: Viele versuchen es hier zu schaffen und fallen hart auf die Nase. Anders die Killers und anders Wayne Newton, der nicht umsonst den Spitznamen „Mr. Las Vegas“ trägt. Auch die Killers müssten ihm – in den Worten (und der krummen Rechtschreibung) seines Signature-Tunes – ein Danke Schoen zurufen und taten das prompt, als sie 2016 Seite an Seite gemeinsam mit Newton die T-Mobile Arena in Las Vegas eröffneten.


10. U2 – Beautiful Day

Die Killers vereinen eben die Generationen weil sie, wie wir bereits gesehen haben, sogar die Älteren für sich begeistern können. Denn nicht nur zwischen den USA und England wird ihr Sound geschmiedet, sondern auch zwischen Tradition und Gegenwart. Als Flowers das Killers-Album Wonderful Wonderful mit den Worten „Ich will, dass wir die amerikanischen U2 werden!“ begleitete, hätten Bono und seine Kollegen gleich dagegen halten können: Die scheinen manchmal nämlich gern die irischen Killers zu sein!

Deutlich wurde das schon 2005, als Bono beim Live 8-Konzert die Zeile „I’ve got soul but I’m not a soldier“ aus dem Stück All These Things That I’ve Done in gleich zwei U2-Songs einbaute, God Put a Smile Upon Your Face und Beautiful Day. Die Band lud Flowers, wie sollte es auch anders sein, beim Las Vegas-Stopp auf ihrer folgenden Tour gleich auf die Bühne mit ein. Dass er 2008 damit prahlte, dass seine Band „größer als U2“ werden würde, steht noch aus. Aber der Wunsch hat ihn offenkundig nicht verlassen. Und den unbedingten Respekt von Bono und seinen Kollegen hat er sich mit seiner Truppe sowieso erspielt…


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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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