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Popkultur

Lang lebe König Edward: 10 Geschichten aus dem Leben von Eddie Van Halen

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Eddie Van Halen
Foto: Larry Hulst/Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Musikwelt ist nach dem Tod von Gitarrenikone Eddie Van Halen immer noch in Schockstarre. Wenige Gitarrist*innen in der Rockwelt waren so innovativ und nachhaltig prägend wie der 1955 in Amsterdam geborene Edward Lodewik Van Halen – von seiner Virtuosität ganz zu schweigen.

von Markus Brandstetter

Als Eddie Van Halen auf der internationalen Bühne auftauchte, ließ er alle staunend zurück – und für die Gitarrenwelt war danach nichts mehr so wie vorher. Er beeinflusste nicht nur ganze Generationen an Gitarrist*innen, sondern brachte auch die E-Gitarre an sich mit seinen Erfindungen ein ganzes Stück nach vorne. Damit steht er in einer Reihe mit Größen wie Jimi Hendrix – und geht als einer der Giganten des Instruments in die Geschichte ein.

Zur Erinnerung an Eddie Van Halen schauen wir zurück auf zehn Geschichten, Meilensteine und lustige Anekdoten aus seinem leider viel zu kurzen Leben.

1. Er erschuf seine eigene Frankenstein-Gitarre.

Am Anfang von Eddies Karriere war die Gitarre, die für ihn richtig war, noch nicht erfunden. Und wenn sie es gewesen wäre, hätte er sie sich vielleicht zu Beginn auch nicht leisten können. Deshalb baute er sich aus verschiedenen günstigen Teilen eine eigene Gitarre zusammen. Er experimentierte, lackierte, schraubte und lötete – was dabei herauskam, ist Gitarrengeschichte. Wir haben an dieser Stelle einen genauen Blick auf die Entstehung von Van Halens Frankenstrat geworden.

2. Er spielte das Solo auf Michael Jacksons Beat It in 30 Minuten ein.

 „Ich sagte zu mir: ‚Wer wird schon wissen, dass du auf dem Album von diesem Jungen zu hören bist? Niemand wird das rausfinden’“, erinnerte sich Van Halen in einem Interview 2012 an seinen Beitrag zum Michael-Jackson-Song Beat It. Dass er überhaupt darauf zu hören war, war einem Anruf des Produzenten Quincy Jones geschuldet. Zunächst war sich Van Halen nicht sicher, was er eigentlich auf dem Stück zu suchen hatte.

Als er Jones fragte, wie er spielen solle, antwortete dieser, dass Van Halen freie Hand habe. „Kann ich auch Teile ändern?”, fragte der Gitarrist darauf hin. Er konnte, und als Michael Jackson während der Aufnahmen reinkam, erklärte Van Halen ihm, dass er den Song etwas abgeändert und Teile umarrangiert habe. Jackson zeigte sich begeistert – und entgegen Van Halens ursprünglichem Gedanken weiß heute alle Welt, dass er es ist, der dieses legendären Solo spielte. Geld bekam Van Halen dafür übrigens keines – es handelte sich dabei um einen Gefallen.

3. Er machte das Tapping bekannt.

Es wäre falsch zu behaupten, Van Halen hätte das Tapping auf der Gitarre erfunden. Wer der offizielle Urheber dieser Technik ist, ist Ansichtssache – als einer der Ersten zählt hier Canned-Heat-Gitarrist Harvey Mandel. Fakt ist aber: Als Van Halen 1978 das Stück Eruption veröffentlichten, in dem Tapping ein wesentlicher Bestandteil ist, fragte sich die ganze Welt, was Eddie da auf der Gitarre eigentlich machte. Damit revolutionierte Van Halen die Gitarrenwelt. Eruption ist bis heute das bekannteste Stück der Geschichte, das sich der Tapping-Technik bedient.

4. Er legte Dimebag Darrell eine Gitarre mit ins Grab.

Der 2004 ermordete ehemalige Pantera-Gitarrist Dimebag Darrell war nicht nur selbst ein einflussreicher Musiker in der Metal-Community – sondern auch noch ein Verehrer von Eddie Van Halen. Im Rahmen der Beerdigung von Darrell sorgte Van Halen mit einer unvergleichlich großzügigen Geste für Staunen: Im Vorfeld hatte man ihn um eine Replika einer seiner Gitarren als Grabbeigabe gebeten. Van Halen kam zum Erstaunen aller mit einem Original: Der Charvel Hybrid VH2 – auch Bumblebee genannt – jener Gitarre, die Van Halen spielte, bevor er seine Frankenstrat von der ersten, schwarz-weiß lackierten Version in die ikonische Rot-Weiß-Schwarz-Optik umlackierte.

5. Er spielte während eines Schneesturms – und machte mit den Fans eine Schneeballschlacht.

Der Sommer 1995 war für Van Halen definitiv erinnerungswürdig, denn einen Schneesturm im Sommer hat man nicht alle Tage – vor allem nicht einen, der während eines Konzerts  zu wüten beginnt. Genau das passierte aber während einer Show nahe Denver, Colorado. Eddie und die Band ließen sich davon nicht beeindrucken, und spielten ihr Set regulär weiter. Mit einem Unterschied zu den anderen Shows der Tour: Denn zwischend den Stücken lieferte sich Eddie mit den Fans Schneeballschlachten.

6. Er machte auch schon mal Fotos für andere.

Fotos mit Musikfans machen, das kennt Van Halen als Rockstar zur Genüge. Aber Fotos FÜR Musikfans? 2019 war Van Halen, gemeinsam mit Sohn Wolfgang, auf einem Konzert von Tool, als er von einem Tool-Fan um ein Foto gebeten wurde. Allerdings nicht mit ihm, sondern von ihm – der Mann wollte ein Foto von sich mit der Tool-Bühne. Klar, dass der Tool-Fan nicht wusste, um wen es sich bei seinem Gegenüber handelte. Eddie machte das Bild – und das Bild vom Bild ging viral.

7. Er war großzügig.

Auch wenn er es nie an die große Glocke hängte: Van Halen zeigte sich immer wieder sehr großzügig. Er spendete 2017 75 Gitarren aus seiner Sammlung an öffentliche Schulen, um die Musikerziehung von Kindern zu unterstützen. Es war nicht das erste Mal, dass Van Halen anderen half: Der schwer an ALS erkrankte Gitarrist Jason Becker erklärte, Eddie habe ihn und seine Familie finanziell grundlegend unterstützt – und das mehrfach.

8. Er hielt Fred Durst eine Pistole an den Kopf.

Wie Rolling Stone berichtete, kam es Anfang der 2000er-Jahre zu einem ziemlich einzigartigen Zusammentreffen zwischen Eddie und Limp-Bizkit-Frontmann Fred Durst. Eddie wurde zu einer Jam-Session mit der Nu-Metal-Band (bei der gerade Gitarrist Wes Borland gerade ausgestiegen war) überredet, verließ die Session allerdings vorzeitig wieder. Sein Equipment ließ er zurück. Als er dieses wiederhaben wollte, soll Fred Durst nicht abgehoben haben. Eddie hatte Angst, seine Sachen nie wieder zu sehen – und fuhr im Militärjeep zu Dursts Haus, klingelte und hielt ihm eine Pistole an den Kopf, die er erst wieder runternahm, als sein Equipment eingeladen war.

9. Er hatte einen Auftritt in einem Frank-Sinatra-Video.

Eddie und David Lee Roth tauchen in einem Musikvideo von Frank Sinatra auf – zu sehen ganz am Anfang:

10. Er inspirierte Gitarrengrößen wie Steve Vai, Joe Satriani und etliche andere.

Egal, welche*n legendären Gitarrist*innen man fragt: Eddie Van Halen war der prägendste Gitarrist seiner Generation – einer, der alles verändert hat. Van Halen war wichtige Inspiration für Gitarrenstars wie Steve Vai, Joe Satriani, Paul Gilbert und viele andere. Wie wichtig Van Halen war, stand zu seinen Lebzeiten bereits fest –  die zahlreichen Tribute seiner Musikerkolleg*innen zeigen dies einmal mehr.

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Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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