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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.8.1970 eröffnet Jimi Hendrix seine Electric Lady Studios.

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Jimi Hendrix
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.8.1970.

von Jana Böhm und Christof Leim

Am 26. August 1970 öffnet Jimi Hendrix mit einer großen Party die Tore zu seinen Electric Lady Studios. In den Räumen des ehemaligen Generation Clubs in New York schafft sich der Gitarrengott eine Sound-Spielwiese, die ihresgleichen sucht und neue Standards für Aufnahmestudios setzt. Hendrix selbst bekommt den Erfolg seines großen Traums leider nicht mehr mit, denn er stirbt wenige Wochen nach der Eröffnung.

Hört euch Hendrix’ letztes Album The Cry Of Love an:

1968 befindet sich in den verrauchten Kellern der 52 West 8th Street im New Yorker Greenwich Village der berühmte Generation Club. Neben Hendrix spielen hier Legenden wie Janis Joplin, B.B. King, Chuck Berry und Sly & The Family Stone. Nach der Schließung kaufen Jimi und sein Manager Michael Jeffrey die Räumlichkeiten. Die beiden wollen den legendären Club erhalten und verbessern. Im hinteren Bereich planen sie ein kleines Studio, um Livesessions mitzuschneiden.

Die Electric Lady Studios entstehen

Für die Umbauarbeiten im Club wird der inzwischen weltbekannte Studioarchitekt John Storyk engagiert. Entsprechend Hendrix’ Vision soll das Interieur weich und kurvig die Kreativität fließen lassen und in jeder Hinsicht den vielseitigen Ansprüchen der Bands gerecht werden. Storyk nennt den Stil später einen „sanften Hippie“. Was er entstehen lässt, gleicht einem psychedelischen Raumschiff und übertrifft all die anderen Studios. Viele erinnern damals eher an einen Operationssaal, und mancherorts tragen die Toningenieur-Teams sogar weiße Laborkittel.

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Für das Soundsystem ist Hendrix’ Tontechniker und Produzentenlegende Eddie Kramer zuständig. Er überzeugt Jimi auch, die Idee mit dem Club über den Haufen zu werfen und stattdessen ein großes Studio zu bauen. Hendrix gefällt die Idee von einer eignen kreativen Spielwiese mit erstklassiger Ausstattung. Von Les Paul lässt er sich nächtelang in Sachen Mikrofonierung beraten. Alles soll so perfekt wie möglich sein. Hendrix tauft das Studio Electric Lady, angelehnt an sein 1968er-Album Electric Ladyland.

Die Kosten explodieren

Während der Umbauphase kommt es allerdings zu Problemen und Verzögerungen. Der Minetta Creek, einer der vielen unterirdischen Bäche in Lower Manhattan, verläuft genau unterhalb des Gebäudes – und sorgt bei starkem Regen für Überschwemmungen. Es müssen Pumpen installiert werden, um das Mauerwerk trocken zu halten. Die ungeplant hohen Baukosten zwingen Jimi immer wieder, live zu spielen, um das nötige Geld zu verdienen. Am Ende greift ihm Warner Brothers mit 300.000 US-Dollar unter die Arme, um das Bauwerk fertig zu stellen. Letztendlich soll die Baumaßnahme eine Million Dollar verschlingen.

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Während in Studio B noch gebaut wird, beginnt Jimi Hendrix in Studio A unerschrocken mit den ersten Aufnahmen. Es entstehen Songs wie Freedom, Drifting, Night Bird Flying, In From The Storm und Belly Button Window, die posthum auf The Cry Of Love erscheinen. Jimi liebt die Arbeit in seinem neuen „Zuhause“. Es ist das erste Studio, das eigens für einen Künstler oder eine Künstlerin gestaltet und gebaut wurde.

Die Eröffnungsparty als eigentliche Abschiedsfeier

1970 ist es vollbracht: Jimi Hendrix eröffnet die Electric Lady Studios mit einer rauschenden Party und illustren Gästen wie Steve Winwood, Eric Clapton und Ron Wood. Nur Patti Smith ist zu schüchtern, um reinzukommen. Sie trifft Hendrix später am Abend draußen auf der Studiotreppe. In ihrem Buch Just Kids berichtet sie, wie Jimi ihr von seiner großen Vision erzählt. Musikschaffende aus aller Welt sollen sich in Woodstock treffen und dann gemeinsam bei ihm aufnehmen. Am nächsten Tag kommt der Gitarrist noch einmal ins Studio, um das ruhige Instrumentalstück Slow Blues einzuspielen, und verlässt dann die Staaten Richtung Großbritannien, um beim Isle of Wight Festival aufzutreten. Knapp vier Wochen später stirbt er mit 27 Jahren an einer Überdosis.

Eine Vision wird Wirklichkeit

Hendrix’ große Vision von Musikschaffenden aus aller Welt, die in sein Studio kommen, wird nach seinem Tod Wirklichkeit. So nehmen etwa die Rolling Stones ihr Album Some Girls dort auf. Die Liste der derer, die das Studio nutzen, ist lang: Led Zeppelin, John Lennon, AC/DC, David Bowie, Stevie Wonder, Frank Zappa, Guns N’ Roses und vielen andere kommen in die heiligen Räume. The Clash spielen in den Electric Lady Studios Sandinista! ein. Joe Strummer erzählt später, wie während der Studioarbeiten plötzlich ein mysteriöser Gitarrentrack auf Band auftaucht. Viele, die über die Jahre im Electric Lady gearbeitet haben, sind überzeugt, dass sich Hendrix Geist noch immer dort herumtreibt…

@ledzeppelin | @atlanticrecords | @electricladystudios

Posted by Electric Lady Studios on Tuesday, August 2, 2016

Das wäre Soundveredelung par excellence. Doch vielleicht kommen die gurgelnden und schnaufenden Geräusche nicht von einem Geist, sondern von den Sumpfpumpen, die Tag und Nacht laufen, um das Gebäude vor dem kleinen Bach zu schützen, der sich unterhalb der Studios durch die Stadt schlängelt.

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