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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.5.1950 wird Foreigner-Sänger Lou Gramm geboren.

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Foto: Rick Diamond/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.5.1950.

von Tom Küppers und Christof Leim

Er wollte wissen, was Liebe ist, manchmal war es ihm eiskalt, aber er blieb ein echter Juke Box Hero: Die Rede ist von Lou Gramm, der Originalstimme von Foreigner. Der Sänger feiert am 2. Mai Geburtstag, wir gratulieren mit einem Rückblick auf sein Leben.

Hier könnt ihr in Lou Gramms erstes Soloalbum Ready Or Not anhören:

Wenn man sich die Kindheit des kleinen Louis Andrew Grammatico anschaut, der am 2. Mai 1950 in Rochester, New York geboren wird, dann kommt einem der Begriff „ganz normal“ in den Kopf. Der Vater Bernie ist eigentlich Metallarbeiter in einer Fabrik, spielt aber nebenbei Trompete in einer Band, seine Mutter singt leidenschaftlich gerne. In seiner Biografie Juke Box Hero bezeichnet Gramm die von zwei Brüdern komplettierte Familie als typische Zugehörige der damaligen Arbeiterklasse und berichtet von einem Aufwachsen in normalen Verhältnissen, inklusive Baseball und gemeinsamem Radiohören.

Begabter Schlagzeuger

Von den Eltern ermutigt, entscheidet sich Lou dann für das Schlagzeug als Musikinstrument und wird in jungen Jahren so gut, dass ihm eine renommierte Musikschule einen Platz anbietet. Doch leider kann sich die Familie die Kosten dafür nicht leisten. Anstatt niedergeschlagen zu sein, fühlt sich Gramm davon ermutigt, dass sein Talent von solchen Koryphäen erkannt wird.

Als Gramm 15 Jahre alt ist, kommen die Rolling Stones für ein Konzert in seine Gegend, doch seine Eltern verbieten ihm den Besuch, gelten die Stones 1965 noch als richtig böse Burschen. Also schleicht sich Lou allen Verboten zum Trotz aus dem Haus – und kassiert einen Monat Hausarrest. Als er dann Jahre später von den Stones eingeladen wird, gemeinsame Konzerte zu spielen, lässt er es sich nicht nehmen, seinen alten Herrn anzurufen, um unter gemeinsamen Gelächter zu verkünden: „Weißt du noch, als du mir damals verboten hast, zum Stones-Konzert zu gehen? Was soll ich sagen… Ich hab es nochmal gemacht!“

Weihnachtsunfall

Nach seinem Schulabschluss schließt sich Gramm dann als Frontmann der Band Black Sheep an, die als erste amerikanische Band 1972 einen Vertrag beim britischen Label Chrysalis ergattern. Die Karriere der jungen Rocker verläuft vielversprechend, sie dürfen sogar das Aufwärmprogramm für die Schock-Rocker Kiss gestalten. Doch bei einem Verkehrsunfall schrottet die Band an Weihnachten 1975 ihr komplettes Equipment, was in letzter Konsequenz zur Auflösung der Band führt.

Lou Gramm (2.v.r.) in jungen Jahren bei seinen ersten Erfolgen

Doch wenn eine Tür zu geht, öffnet sich wie so oft im Leben eine andere. Das weiß auch Mick Jones zu gut: Der britische Gitarrist ist nach einer Tournee mit Spooky Tooth mehr oder weniger in den USA gestrandet und sucht Musiker für eine neues Unterfangen. Kennengelernt haben sich beide schon, also reist Gramm 1976 auf Einladung nach New York – und Trigger sind geboren. Als Jones dann auffällt, das das neu formierte Sextett zur Hälfte aus Engländern wie ihm und Amerikanern wie dem Sänger besteht und sich deshalb an jedem Auftrittsort die halbe Band als Fremde fühlen würde, beschließt man, sich in Foreigner umzubenennen.

Foreigner

Erfolgreiche Rocker: Foreigner 1978. Foto: Atlantic/Promo

Blitzkarriere

Im März 1977 erscheint das selbstbetitelte Debüt und schlägt ein wie eine Bombe. Feels Like The First Time und Cold As Ice werden schnell zu Single-Erfolgen, und wenige Monate nach der Veröffentlichung gibt es die erste von etlichen Gold-Auszeichnungen. Mit den Alben Double Vision (1978, mit Hits wie Hot Blooded) und Head Games (1979) geht es weiter nach vorne. Mit ihrem passenderweise 4 betitelten vierten Album werden Foreigner und Gramm dann 1981 zu Weltstars.

Das gilt für den Rock-Bereich, doch mit I Want To Know What Love Is aus dem nachfolgenden Album Agent Provocateur von 1984 stürmen Foreigner auf der ganzen Erde vordere Chartpositionen. Kleine Anekdote: Es besteht zwar grundsätzlich Einigkeit darüber, das der größte Hit in der Foreigner-Karriere überwiegend auf das Konto von Mick Jones geht, einen kleinen Anteil gesteht er allerdings auch Lou Gramm zu. Doch wo der Gitarrist von „ungefähr fünf Prozent“ spricht, sieht es der Sänger so, dass er wenigstens zu 40 Prozent mitverantwortlich ist.

Die Solophase naht

Spätestens hier sind Differenzen zwischen den beiden Protagonisten zu spüren, was Gramm mit seinem ersten Soloalbum Ready Or Not im Januar 1987 quittiert. Zusätzlich darf er noch einen weiteren Song zum Soundtrack der Horrorkomödie The Lost Boys beitragen und lässt im Oktober 1989 seinen zweiten Alleingang namens Long Hard Look von der Leine, der zumindest in den USA durchaus akzeptabel aufgenommen wird.

Es reicht zwar mit Inside Information (1987) noch zu einem weiteren gemeinsamen Foreigner Album (was immerhin die erfolgreiche Auskopplung Say You Will abwirft), doch im Mai 1990 trennen sich die Wege von Frontmann und Band. Gramm widmet sich dem kurzlebigen Projekt Shadow King, doch schon knapp zwei Jahre später treffen sich Gramm und Jones in einem Hotel in Los Angeles, um ein eventuelles Wiederaufleben ihrer Partnerschaft zu besprechen.

Reunion & Hiobsbotschaft

Kleiner Haken an der Sache: Aufgrund der exakt in diesem Moment ausbrechenden Riots in L.A. sind die beiden gezwungen, deutlich mehr Zeit miteinander zu verbringen als eigentlich geplant. Das funktioniert wohl ganz gut, denn dem 1995 veröffentlichten Mr. Moonlight wird diese Reunion zementiert. Doch im April 1997 ereilt Gramm eine Hiobsbotschaft, als bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert wird. Diesen besiegt er zwar, doch durch die begleitende Chemotherapie und notwendigen Medikamente leiden Körper und insbesondere seine Stimme. Doch 1999 kämpft sich Gramm wieder zurück auf die Foreigner-Frontmann-Position und begeistert die Fans bei seinem Comeback.

Ab 2003 beschliesst Lou dann, es etwas ruhiger angehen zu lassen und verlässt Foreigner wieder. Mit seinen Brüdern Richard und Ben veröffentlich er 2009 das Album The Lou Gramm Band und gibt bei einem Konzert 2018 bekannt, das er fortan nur noch vereinzelte Auftritte spielen werde und verstärkt im Studio tätig sein wird. Zuletzt gastiert er auf dem Song Sometimes den Alan Parsons auf seinem Album The Secret 2019 herausbringt.

Aktuell genießt Gramm das Leben mit seiner Ehefrau Robin und seiner kleinen Tochter. Zum Jubiläum gratulieren außerdem noch vier weitere Kinder aus früheren Beziehungen, und den besten Glückwünschen wollen wir uns natürlich anschliessen.

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